Hubmaier: Taufe.

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Balthasar Hubmaier Professor, Prediger, Politiker Im Kampf um die Wahrheit des christlichen Glaubens und um die Erneuerung der Kir- che ragte im Bereich der süddeutschen Re- formation ein Mann von besonderen Bega- bungen und Fähigkeiten hervor, dem die aufkommende Täuferbewegung vor allem in ihrer Lehrentfaltung entscheidende Impulse und Prägungen verdankte. Gegnerische Zeitgenossen sahen in ihm den »Patron und ersten Anfänger«, das »Haupt und den Für- nehmsten der Sekte der Wiedertäufer«, zählten ihn zu den ersten »Vorstehern und Bischöfen der Täufer« und bescheinigten ihm seine, freilich irregeleitete, Gelehrsam- keit und in die Irre führende Eloquenz. Das tridentinische Konzil nennt ihn neben Lu- ther, Zwingli, Calvin und Schwenckfeld: Hubmaier gehört zu den »Häresiarchen«, deren Schriften verboten wurden. Das frühe Luthertum rechnet ihn kaum überraschend zu den »Schwärmern«, die dort nahe beim Papsttum mit Orden und Sekten stehen. Seine Obrigkeit verfolgte ihn als Aufrührer. Im Bewusstsein seiner großen Bedeutung hielten ihn alle für einen Ketzer, den man möglichst bei der Gegenseite ansiedelte. Aus dem Täufertum erhebt sich in der »äl- testen ..........

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Hubmaier: Taufe.

  1. 1. 1 Von dem Christenlichen Tauff der glaübigen. Durch Balthasarn Hüebmör von Fridberg: yetz zu waldshut auszgangen. Die warheit ist untödtlich. M. D. XXV. Die lieb freüwet sich der warheit. i. Corin.xiii.cap. Balthasar Hubmaier Von der christlichen Taufe der Gläubigen, 1525 Unter Benutzung einer älteren Ausgabe von Johannes Mundhenk aus dem Frühneuhochdeut- schen übertragen und aus Anlass der sog. Theologischen Woche 1994 des sog. Bundes Evan- gelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland herausgegeben von Günther Balders.
  2. 2. 2 Balthasar Hubmaier Professor, Prediger, Politiker Im Kampf um die Wahrheit des christlichen Glaubens und um die Erneuerung der Kir- che ragte im Bereich der süddeutschen Re- formation ein Mann von besonderen Bega- bungen und Fähigkeiten hervor, dem die aufkommende Täuferbewegung vor allem in ihrer Lehrentfaltung entscheidende Impulse und Prägungen verdankte. Gegnerische Zeitgenossen sahen in ihm den »Patron und ersten Anfänger«, das »Haupt und den Für- nehmsten der Sekte der Wiedertäufer«, zählten ihn zu den ersten »Vorstehern und Bischöfen der Täufer« und bescheinigten ihm seine, freilich irregeleitete, Gelehrsam- keit und in die Irre führende Eloquenz. Das tridentinische Konzil nennt ihn neben Lu- ther, Zwingli, Calvin und Schwenckfeld: Hubmaier gehört zu den »Häresiarchen«, deren Schriften verboten wurden. Das frühe Luthertum rechnet ihn kaum überraschend zu den »Schwärmern«, die dort nahe beim Papsttum mit Orden und Sekten stehen. Seine Obrigkeit verfolgte ihn als Aufrührer. Im Bewusstsein seiner großen Bedeutung hielten ihn alle für einen Ketzer, den man möglichst bei der Gegenseite ansiedelte. Aus dem Täufertum erhebt sich in der »äl- testen Chronik der Huterischen Brüder« wenigstens eine positive Stimme, wenn auch nicht ohne Vorbehalt. Seine Bildung sowie seine Schriften zu Taufe und Abend- mahl erhalten ein hohes Lob, verschwiegen aber wird der Traktat »Von dem Schwert«: seine positive Stellung zur weltlichen Ob- rigkeit vermochten die Huterer nicht anzu- erkennen. Diese habe er, so heißt es, brief- lich widerrufen. Das ist jedoch sehr un- wahrscheinlich. Vermutlich wollte der Chronist den klugen Theologen und »Bru- der Balthasar Hubmaier« für die huterischen Brüder apologetisch retten und damit seine für das junge Täufertum unentbehrlichen Schriften über Taufe und Abendmahl. So fand Hubmaier nur bedingte Sympathie unter den Täufern, obwohl er wie sie durch eine »radikale Reformation« die christliche Wahrheit wiederherstellen wollte. Balthasar Hubmaier wurde zwischen 1480 und 1485 in Friedberg geboren. Im nahege- legenen Augsburg empfing er auf der Dom- schule die Grundlagen seiner Bildung. Mit den niederen Weihen versehen wurden er am 1. Mai 1503 an der Universität Frei- burg/Br. immatrikuliert. Nach den Grund- studien wandte er sich der Theologie zu. Johann Eck, einer der schärfsten katholi- schen Kontroverstheologen der Reformati- onszeit, wurde sein Lehrer und Förderer. Dieser nahm 1510 einen Ruf an die Univer- sität in Ingolstadt an. Hubmaier folgte ihm, schon zum Priester geweiht, Anfang 1512 und promovierte bei Eck zum Doktor der Theologie. Aus einer Lobrede seines Leh- rers geht hervor, daß er schon jetzt in dem Ruf steht, hochgelehrte Vorlesungen vor Studenten, aber auch nützliche Predigten vor dem Volke zu halten. In Ingolstadt wirkte er nun als Prediger an der Marienkirche und als Theologieprofes- sor. Er lehrte vermutlich im Geiste des Nominalismus, der ihn als Student geprägt hatte. Dass er sich bei Thomas, Bonaventu- ra, Scotus, Occam und Biel gut auskannte, sagt er später selbst. Die Begriffe und Struk- turen seines eigenen theologischen Denkens und Redens fand er bei ihnen. Auf dem Hö- hepunkt seiner Laufbahn – er war gerade als Prorektor Leiter der Universität – verließ er Ingolstadt überraschend im Januar 1516, um in Regensburg Domprediger zu werden. Über seine Motive gibt es nur Vermutun- gen, die von Unregelmäßigkeiten im Amt des Prorektors bis hin zur besseren Dotie- rung in Regensburg reichen. Hier tritt Hub- maier zum ersten Male in der Rolle des reli- giösen Volksführers auf, als er sich in den jahrzehntealten Kampf der Stadt gegen die Juden einschaltet. Mit unnachgiebiger Schärfe prangert er deren Zins- und Wu- cherwirtschaft an, die nach kirchlicher Leh- re verboten war. Aber er sah ebenso, dass das ausbeuterische Gebaren der Juden die ökonomische Basis der Stadt zugrunderich- tete. In seinen Predigten verwandte er auch das traditionelle Motiv, die Juden seien Got- teslästerer und Marienspötter, und schürte so die feindselige Stimmung der Bürger. Da die Regensburger Juden kaiserlichen Schutz
  3. 3. 3 genossen, wurde der Domprediger wegen aufrührerischer Predigt verklagt und mußte sich auf dem Reichstag zu Augsburg 1518 vor Maximilian I. verantworten. Kurz nach dessen Tod jedoch wurden die Juden aus Regensburg vertrieben. Die Synagoge wur- de abgerissen und an ihrer Stelle eine Ka- pelle zur »Schönen Maria« errichtet. Mit zwei wundertätigen Marienbildern war sie bald Mittelpunkt einer der größten Wall- fahrten jener Zeit. Führer dieser geradezu epidemischen Bewegung wurde Hubmaier. Hier konnte er seine Predigtbegabung voll entfalten. Es kam zu Ekstasen und Wun- dern. All das machte Hubmaier weithin be- rühmt. Doch wie in Ingolstadt verließ Hubmaier auch hier plötzlich die Szene auf ihrem Hö- hepunkt im Jahre 1520. Wieder sind die Motive unklar. Zweifel an dem von ihm entfachten Marienkult, erste Kontakte mit lutherischem Gedankengut und Schwierig- keiten wegen der Pfründenverhältnisse mochten den erfolgreichen Prediger veran- lasst haben, in der vorderösterreichischen Provinzstadt Waldshut die Pfarrstelle an der Marienkirche zu übernehmen. Zunächst übte er dort treu sein Priesteramt aus und förderte besonders die Sakramentsfrömmig- keit. Zugleich bahnte sich aber ein innerer Umbruch an. Vielfältige Kontakte zu reformatorisch ge- sonnenen Humanisten stellten sich ein. Er begann in den Briefen des Paulus zu studie- ren. Schriften von Erasmus, Melanchton und Luther führten ihn innerlich von der alten Kirche und ihrer Theologie fort. Vor allem beeindruckte Luthers Sakramentskri- tik ihn tief. Hier lernte er, daß es auf die Predigt des Gotteswortes ankomme, das im Glauben gehört und in der Liebe verwirk- licht werden müsse. Noch einmal berief Regensburg ihn 1522 als Wallfahrtspredi- ger. Aber er konnte die an ihn gerichteten Erwartungen nicht mehr erfüllen; denn »Christus begann in mir zu grünen«. Er stieß dort auf einen Kreis von Handwerkern, die sich mit Luthers Schriften befassten und dem »neuen« Glauben anhingen. Hier fiel die Entscheidung für die Reformation. – Mit Sorge beobachtete der Konstanzer Bischof Hugo von Landenberg im Frühjahr 1523 die Entwicklung seines Waldshuter Priesters, der die Pfaffen angeprangert habe, »die Mönchsträume predigen und das Evangeli- um zurückhalten«. Auf einer Reise nach St. Gallen feierte man ihn als evangelischen Prediger. In Zürich sprach er mit Zwingli besonders über die Kindertaufe, die sie da- mals beide ablehnten. Wenig später nahm Hubmaier an der Oktoberdisputation 1523 über Bilder und Messe in Zürich teil. Er forderte die Beseitigung des Messopfers und im Sinne Zwinglis eine schlichte Feier zum Gedächtnis an den Tod Christi. Dass er die Einsetzungsworte als Verkündigungs- worte verstanden wissen wollte, zeigt die gute Verarbeitung der Lektüre Luthers. Wieder in Waldshut bereitet Hubmaier die Reform der Messe vor. Während kirchliche und weltliche Obrigkeit seine Auslieferung forderten, stellte der Waldshuter Rat sich hinter seinen Pfarrer und dessen Reformati- onswerk. Für ein Religionsgespräch in Waldshut (April 1534) verfasste Hubmaier »Achtzehn Schlussreden«. Sie enthielten ein klares reformatorisches Programm: allein der persönliche Glaube als Erkenntnis der Barmherzigkeit Gottes mache den Men- schen vor Gott recht und münde notwendig »in allerlei Werk brüderlicher Liebe«. Da werden alle menschlichen Lehren und Bräuche der alten Kirche überflüssig. Die katholische Partei in Waldshut konnte dies Programm nicht akzeptieren. Ihre Priester mussten die Stadt verlassen. Erzherzog Fer- dinand von Österreich drohte indes, seine ungehorsamen Untertanen mit Gewalt gefü- gig zu machen. In dieser zugespitzten Zeit begab sich Hubmaier nach Schaffhausen, um seiner bedrängten Stadt politischen Spielraum zu schaffen. Hubmaier schrieb hier eine Thesenreihe gegen Johann Eck, die den Bruch mit der alten Kirche dokumentiert. Etwa gleichzei- tig entsteht die Schrift »Von Ketzern und ihren Verbrennern«, ein flammendes Plä- doyer gegen jede Art inquisitorischer und gewaltsamer »Bekehrung« zum »richtigen Glauben der Kirche«, – ein früher Ansatz zum Toleranzgedanken! Die Vermischung von weltlichen und geistlichen Argumenten
  4. 4. 4 und Kompetenzen sollte um des Evangeli- ums willen ein Ende haben und mehr Ge- duld in der Bemühung um die Wahrheit des Glaubens walten. Der angefochtene Glaube ist für Hubmaier nicht schon Häresie, son- dern Station auf dem Wege zur Wahrheit, die sich am Ende durchsetzen wird. Daher gilt es daran festzuhalten: »Die Wahrheit ist untödlich! (untötbar)« Fast jedes seiner Schriften hat er mit diesem Lebensmotto versehen. Als Hubmaier im Oktober 1524 nach Waldshut zurückkehrte, wurde er enthusias- tisch empfangen. Man feiert die Messe in deutscher Sprache, Bilder und sakrale Ge- genstände wurden aus den Kirchen entfernt. Die politische Lage verschärfte sich. Aus Zürich kam eine kleine Schar Freiwilliger zum Schutz der Stadt. Unter ihnen waren die Anhänger des Grebelkreises. Zugleich stand Waldshut während der Bauernerhe- bungen in Süddeutschland im Bündnis mit aufständischen Gruppen, denen es Hilfe und Schutz bot. Hubmaier förderte diese Politik ganz bewusst auf dem Hintergrund der »Zwölf Artikel der Bauernschaft zu Schwa- ben«. Die Habsburger aber waren im Krieg gegen Frankreich gebunden und konnten sich um Waldshut nicht kümmern. Unterdessen arbeitete Hubmaier theologisch weiter. Er las Schriften von Karlstadt und Müntzer, den er wahrscheinlich Ende 1524 in Waldshut traf. In ihnen wurde die Kin- dertaufe wie vom Grebelkreis in Zweifel gezogen. Er korrespondierte über dies Prob- lem mit Oekolampad, von dem er weitge- hende Zustimmung erfuhr. Aber er ließ sich Zeit, selbst als Reublin Anfang 1525 in Waldshut zu taufen begann. Die politische Situation war keine gute Vorraussetzung für radikale kirchliche Reformen. Außerdem war Hubmaier an einer Einigung mit Zwingli stärker interessiert als an dem sepa- ratistischen Treiben der Zürcher Täufer. Schließlich wollte er durch Unterweisung und Predigt die Gemeinden so gut wie mög- lich vorbereiten. Ostern 1525 erfolgte dann der entscheiden- de Schritt. Der Aufstand der Bauern erreich- te seinen Höhepunkt, ihre und Waldshuts Truppen waren siegreich. Die Gelegenheit war günstig. Am Ostersonntag empfing Hubmaier mit 60 anderen Bürgern von Reublin die Taufe und spendete sie selbst etwa 300 Menschen und dem größten Teil des Rates. Anschließend feierten sie die Messe als schlichtes Gedächtnismahl. In Waldshut war unter Hubmaiers Führung ein »territoriales Täufertum« entstanden. Damit hatte hier die Reformation eine radikale Wendung genommen, wie sie zunächst auch Grebel für Zürich vorschwebte, aber dort von Zwingli und dem Rat aufgehalten wur- de. Trotz der unterschiedlichen Entwicklung bemühte sich Hubmaier aber weiterhin um eine Einigung mit Zwingli, allerdings ohne Erfolg. Statt dessen entbrannte der literari- sche Kampf zwischen den beiden Reforma- toren. Zwingli hatte schon im Mai ein Buch gegen die »Taufleugner« geschrieben und die Kindertaufe verteidigt. Hubmaier ant- wortete im Juli mit einer genauen Widerle- gung, ohne jedoch Zwingli zu nennen, was diesen wiederum zu einer noch schärferen Gegenschrift veranlasste, die Hubmaier natürlich nicht unbeantwortet ließ. – Insge- samt verfasst Hubmaier sieben Schriften zur Tauffrage. Sein im Juli 1525 erschienenes Taufbuch »Von der christlichen Taufe der Gläubigen« zählt zu den besten Begründungen der Gläubigentaufe jener Zeit: Die wahre Ord- nung des Christenlebens besteht in der Ab- folge von Wort, Glaube, Taufe, Werk. Den Anfang bilden Predigt, Buße und Glaube an die Vergebung. Diesen Vorgang nennt er »Geisttaufe« und beschreibt ihn als Wieder- geburt, die der Hl. Geist auf die Predigt hin wirkt. Dem folgt das doppelte Bekenntnis der Sünde und des Glaubens sowie die dop- pelte Verpflichtung zum »neuen Leben nach der Regel Christi« und zur Unterwerfung unter die brüderliche Strafe und den Bann. Dies alles wird im Akte der Wassertaufe zusammengebunden. Sie ist öffentliches Bekenntnis und nimmt in die Kirche auf. So wird die Taufe die nach außen hin sichtbare Wendemarke einer neu gewonnenen inneren Qualität, die ihrerseits in das äußere Han- deln drängt. Damit setzt sich der Christ in Gegensatz zur Welt, die »ihre eigene Sat- zung und Regel« hat. In diesem Kampf zwi-
  5. 5. 5 schen Christus und Welt wird der Glauben- de die Erfahrung des Leidens und der Ver- folgung machen. Die Taufe, das »Pflichtzeichen« des Glau- bens, wird im »Nachtmahl Christi«, dem Pflichtzeichen der Liebe, aufgenommen. Hier und in drei anderen Schriften stellt Hubmaier das Abendmahl als Gemein- schafts- und Gedächtnismahl dar. Es nimmt die Christen in die »Liebepflicht«. Die Er- innerung an Christi Passion ruft im Herzen der Menschen eine starke innere Bewegung hervor, die ihrerseits den Christen in Bewe- gung setzt: sie werden »Handchristen«. Der Herzensaffekt geht über in den Effekt des Handelns, das selbst Leiden und Sterben für den Mitmenschen nicht scheut. Während sich hier eine Grundstruktur mittelalterli- cher Passionsfrömmigkeit durchhält, hat Hubmaier im übrigen Gedankengut Luthers, Zwinglis und Karlstadts eigenständig verar- beitet und eine dem reformierten Typ nahe- stehende Abendmahlslehre entwickelt. Taufe und Abendmahl nehmen den Christen in die Pflicht des Glaubens und der Liebe, um die Welt »fromm und gerecht« zu ma- chen. Sie wird zum Missionsfeld und zugleich zum sozialen Betätigungsfeld. In seiner letzten gedruckten Schrift »Von dem Schwert« (1527) thematisiert er den Willen zur Übernahme von Weltverantwortung: Christen sind besonders befähigt und her- ausgefordert, neben dem geistlichen Schwert des Wortes Gottes das davon zu unterscheidende leibliche Schwert des Wor- tes Gottes das davon zu unterscheidende leibliche Schwert »zum Schutz der From- men und zur Furcht der Bösen« zu führen. So ist nicht nur die Mitarbeit der Christen in der Regierung zu wünschen, da sie über die wahren ethischen Voraussetzungen für ein menschliches Miteinander verfügt. – Die an der Sakramentskritik entwickelte Theologie mündet in eine Ethik für den Christen, der nicht in der Absonderung von der Welt und zugleich als Christ und Staatsbürger in Ver- antwortung für sie lebt. Dies hat Hubmaier mit seiner eigenen Existenz und den Refor- men in Waldshut und später in Nikolsburg zu bewahrheiten versucht. Im Herbst 1525 verschlechterte sich die Lage Waldshuts. Die Truppen der Stadt und der Bauern wurden geschlagen. Die »radi- kale Reformation« hatte zur Folge, dass die früheren Gesinnungsgenossen wie Zwingli und Oekolampad sich gegen Hubmaier ge- wandt hatten. Schwer erkrankt konnte er die Kapitulation Waldshuts nicht mehr aufhal- ten. Im Dezember 1525 floh er mit seiner Frau Elsbeth Hügline, mit der er seit Anfang des Jahres verheiratet war, nach Zürich, während habsburgische Truppen Waldshut besetzten und den katholischen Glauben wieder einführten. Die Zürcher Zeit schil- dert Hubmaier später als die schwerste sei- nes Lebens. Nach kurzem Aufenthalt bei täuferischen Freunden nahm man ihn in leichte Haft und zwang ihn zum Widerruf. Er hielt statt dessen jedoch eine Rede für die Gläubigentaufe. Schwere Haft und Folter machten ihn dann aber gefügig. Unter gro- ßen Anfechtungen schwor er seinem Glau- ben öffentlich ab und verließ Ende April 1526 die Stadt. Über Konstanz und Augsburg zog er mit seiner Frau nach Nikolsburg in Mähren, wo eine gewisse Freiheit in Glaubensdingen herrschte und die Reformation im Geiste Zwinglis weit fortgeschritten war. Schnell konnte Hubmaier die Stadt dem Täufertum zuführen, wobei ihn die Obrigkeit wiederum unterstützte: der regierende Fürst Leonhard von Liechtenstein ließ sich ebenfalls taufen. Noch einmal wurde Hubmaier Mittelpunkt einer großen Volksbewegung. Durch den starken Zulauf kam es allerdings zu Miss- ständen, die sich vor allem in mangelhafter christlicher Lebensführung äußerten. Um dem zu wehren, verfasste Hubmaier eine Reihe schöner Schriften. In seinem Kate- chismus »Eine christliche Lehrtafel« fasste er noch einmal seine gesamte Lehre zu- sammen. In »Von der brüderlichen Strafe« und »Von dem christlichen Bann« befasst er sich mit der biblischen Begründung und praktischen Anwendung der Kirchenzucht. Mit den »Formen« zu Taufe und Abend- mahl gibt er der Gemeinde aus seiner Theo- logie und Praxis heraus gestaltete Ordnun- gen für den Gottesdienst. In den zwei Schriften zur Willensfreiheit werden we-
  6. 6. 6 sentliche Hintergründe seiner täuferischen Theologie sichtbar. Zur Darstellung der Tauflehre greift er auf das traditionelle dogmatische Motiv der dreifachen Taufe mit Geist, Wasser und Blut zurück. Er deutet es völlig neu als fort- schreitenden Prozess durch das ganze Chris- tenleben von der Wiedergeburt in der Geist- taufe über die Eingliederung in die Kirche durch die Wassertaufe bis hinein in die Bluttaufe, die als Leidensnachfolge und tägliche Buße die christliche Existenz be- schreibt und ausmacht. Dabei betont Hub- maier stärker als zuvor, dass Glaubende »Kreuzchristen« sind und im Leiden den sichersten Weg zum Heil ergreifen, – das hatte ihn die eigene Erfahrung gelehrt. Sprach dies schon gegen ein faules Ge- wohnheitschristentum, das sich einzuschlei- chen drohte und auch die Gläubigentaufe zum Normalfall machte, so versuchte Hub- maier mit der Betonung des freien Willens dem entschieden zu begegnen. Dabei wer- den Voraussetzungen und Strukturen seines Denkens offenbar, die seine täuferische Theologie mitgeformt und den Rahmen für ihre Eigentümlichkeit bereitgestellt haben. Ansatzpunkt ist die klassische überlieferte Anthropologie, derzufolge der Mensch aus Fleisch, Seele und Geist besteht. Auf die Predigt des Wortes hin wird der Seele das Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse und der freie Wille zur Entschei- dung für das Fleisch oder den Geist, das Böse oder Gott gegeben. Diese bewusste Fähigkeit von Unterscheidung und Ent- scheidung ist Voraussetzung für den Emp- fang der Glaubenstaufe. Da sie Kindern fehlt, muss die Kindertaufe fallen. So lag der Sprengstoff für die radikale Reform der Kirche schon in dem von ihr tradierten Denken selbst. Es musste nur konsequent durchgeführt werden vom Zündfunken der biblisch-reformatorischen Erkenntnis her, dass das Wort Gottes zum Glauben ruft und jeden Menschen für sich selbst mit dem Heil beschenkt. Dies bleibt bei aller Beto- nung des Predigtwortes Gabe des Geistes, der sich selbst dem Geist im Menschen mit- teilen will und muss; denn kein äußeres Element, weder Wort noch die Sakramente, kann innerlich Gottes Geist vermitteln und so das Heil bewirken. Dies »spiritualisti- sche« Denken entsprach durchaus neuplato- nisch-mittelalterlicher Ontologie, in deren Bahnen Hubmaier mit den meisten seiner Zeitgenossen dachte und argumentierte. Es zwang ihn, dem katholischen Sakramenta- lismus den Abschied zu geben; denn für ihn wirkte der Hl. Geist das Heil nur auf die Verkündigung des Gotteswortes hin. Das ist der offenbare, gepredigte Wille Gottes. Daran hat er sich selbst gebunden. Alles Reden über den verborgenen, allmächtigen Willen Gottes »sollen wir fallen lassen«. Die nominalistische Unterscheidung von absoluter und durch sie selbst geordneter und gebundener Macht Gottes stellt sich als eine der tiefsten und tröstlichsten Antriebs- kräfte seiner täuferischen Theologie heraus; denn sie ließ ihn den barmherzigen Gott und seine im Neuen Testament offenbarte Ord- nung für die Gemeinde sehen. Wiederum liegt im traditionellen Denken die Ursache für sein reformatorisches Handeln. Gegen Ende seiner Tätigkeit in Nikolsburg kam es aufgrund theologischer Differenzen zu einem Zusammenstoß sowie zu einer Disputation mit dem berühmten Täufermis- sionar Hans Hut. Dessen apokalyptische Predigt vom nahen Ende der Welt und von der »friedfertigen« Verweigerung obrigkeit- lichen Dienstes und der Kriegssteuer wurde von Hubmaier gleichwohl als aufrührerisch beurteilt. Schon vor der Nikolsburger Dis- putation hatte Hubmaier sich mit einer Rei- he von »Schlussreden gegen Hut« von des- sen Lehren distanziert und war auch sonst hart gegen dessen Anhänger vorgegangen. Für die Disputation stellte er die »Nikols- burger Artikel«, eine Sammlung von Lehr- sätzen in Anlehnung an Huts Schriften, zu- sammen. Über sie wurde in der Kirche und im Schloss zu Nikolsburg disputiert – mit dem Erfolg, dass Hut überstürzt aus der Stadt verschwand. Leonhard von Liechten- stein begünstigte dabei die Sache Hubmai- ers. Ihm war an einer Einigung der beiden sich behauptenden Täuferparteien gelegen. Aber dieser Streit trug den Keim der Zerset- zung der von Hubmaier geprägten Täufer- kirche in sich, zumal Hut viele Anhänger
  7. 7. 7 gewinnen konnte. Seine Schrift »Von dem Schwert« sollte in der Obrigkeitsfrage Klä- rung schaffen. Wahrscheinliche war sie zugleich eine Antwort auf die Schleitheimer Artikel, die den Christen zu absoluter Wehr- losigkeit verpflichten. Unterdessen ließ Kö- nig Ferdinand, der inzwischen Landesherr von Mähren geworden war, gegen ihn re- cherchieren. Im Juli 1527 wurde er wegen Anstiftung zu Aufruhr verhaftet. Auf Schloss Kreuzenstein bei Wien wurde er eingekerkert und verhört. In einer an Ferdi- nand gerichteten »Rechenschaft des Glau- bens« versuchte er sich und seine Lehre zu verteidigen. Sein Schicksal konnte er damit nicht abwenden; denn Ferdinand hatte in erster Linie den Volksprediger verhaften lassen, durch den »viel Unrat, Widerwillen, Aufruhr und Empörung erwachsen« war. Am 10. März 1528 wurde er in Wien als Aufrührer und Ketzer verbrannt. Seine Frau ertränkte man drei Tage später in der Do- nau. Der Kämpfer für die untödliche Wahr- heit wurde durch sein Martyrium der beste Zeuge für die Ernsthaftigkeit und Kraft sei- ner Theologie und seines Glaubens. Seine Lehre von Taufe und Abendmahl lebte im Täufertum weiter. So ließ sich die von ihm erkannte Wahrheit nicht zugleich mit seiner Hinrichtung exekutieren. Bedauernswert ist freilich, dass seine in Theorie und Praxis durchexerzierte Auffassung von einem an der Welt zwar leidenden, aber doch für die Welt verantwortlichen Christentum im sepa- ratistischen Täufertum keine Aufnahme fand. Erst in neuerer Zeit besinnt sich der Baptismus auf diesen hervorragenden Theo- logen und Praktiker unter seinen reformato- rischen Vätern, der als Gelehrter und Predi- ger seine Erfolge hatte und Reformen durchzuführen vermochte, die das altge- wordene Gefüge von Kirche und Gesell- schaft im 16. Jahrhundert an den Orten sei- nes Wirkens radikal veränderte. So musste er bei den Wahrern des Alten auf entschei- denden Widerstand stoßen und angesichts der Übermacht der Herrschenden als Politi- ker letztlich immer scheitern. Der eigentüm- liche Reiz seiner Persönlichkeit liegt wohl nicht nur im äußeren dramatischen Ablauf seines Lebens, sondern vielmehr in seiner Theologie, die dieses von innen her be- stimmte und prägte. Sie steht vielfach in Kontinuität zum spätmittelalterlichen Den- ken, nimmt aus allen Richtungen Anregun- gen der unterschiedlichen reformatorischen Theologien auf, führt mit ihrer Hilfe konse- quent das überkommende Denken weiter und entwickelt eine durchaus eigenständige reformatorische und täuferische Theologie; so dass er letztlich keinem Lager der Re- formationszeit mehr oder weniger zuge- rechnet werden kann. Die Summe seiner Theologie, seines Glaubens und Lebens ist die unbedingte Einsicht, dass dies alles sichtbar werden und sich bewahrheiten müsse in einem aktiven, die Welt verän- dernden Christentum. Christof Windhorst
  8. 8. 8 Von der Christlichen Taufe der Gläubigen. Durch Balthasar Hubmaier von Friedberg, jetzt zu Waldshut, ausgegangen. ____ Die Wahrheit ist untödlich. M. D. XXV. Die Liebe freuet sich der Wahrheit. 1. Korinther 13.
  9. 9. 9 Allen frommen, christgläubigen und gottseligen Menschen wünsche ich, Balthasar Hubmaier von Fried- berg, ein Diener des Wortes Gottes, jetzt zu Waldshut, Gnade und Frieden in Christus Jesus, unserem einzigen Heiland. Geliebte in Gott. Ich weiß und muss es mit dem Propheten Jeremia [10:23] bekennen, dass der Weg des Men- schen nicht in seiner Gewalt ist, des- gleichen nicht im Manne, dass er seine Tritte regiere. Des Menschen Herz nimmt sich auch wohl etwas vor, aber Gott schickt es und richtet es, wie es ihm gefällt. Denn ich hatte mir immer vorgenommen, allein in meinem Fass1 und meiner Höhle zu bleiben und gar nicht hervorzukriechen an das Licht, nicht weil ich das Licht scheue, son- dern damit ich zufrieden bleibe. Aber Gott hat es anders gefügt und mich gegen meinen Willen hervorgezogen, damit ich einem jeden, der es begehrt, Rechenschaft gebe von meinem Glau- ben, der in mir ist, namentlich was die Sache der Kindertaufe und der rechten Taufe Christi betrifft, wenn ich auch bisher gehofft hatte, ein anderer hätte solches getan. Denn ich weiß genau, dass Gott sich noch wohl siebentau- send Männer2 vorbehalten hat, die ihre Knie vor der kindischen Kindertaufe nicht gebeugt noch sie für Recht er- kannt haben, obwohl etliche3 Kinds- wäscher sich sehr bemühen, dieselbe zu verfechten und daneben die rechte Taufe nach der Einsetzung Christi ver- hasst zu machen, und außerdem viele unbegründete, erdichtete und unwahr- 1 Anspielung auf Diogenes, der bedürfnislos in einer Tonne lebte 2 vgl. 1. Kön. 19:18 3 hier und bei den weiteren Anspielungen bezieht sich Hubmaier vor allem auf (antitäuferische) Schrif- ten Zwinglis; vgl. die Nachweise in Balthasar Hub- maier: Schriften. Hg. von Gunnar Westin und Tors- ten Bergsten. Quellen zur Geschichte der Täufer IX. Gütersloh 1962, S. 117-163 unwahr-haftige Vorwürfe einführen und sagen, man wolle so Rotten und Sekten machen, die Obrigkeit dadurch vertilgen und ihr nicht mehr gehorsam sein. Auch wenn man frage, warum wir uns wiedertaufen ließen (obwohl es keine Wiedertaufe ist), so würden wir antworten, dass uns nicht bewie- sen sei, ob wir getauft sind oder nicht. Sie verbreiten auch über uns, dass wir uns rühmten, wir könnten nach der Taufe nicht mehr sündigen, auch viele andere Unsinnigkeiten, die mir oder einem anderen rechtsinnigen und gut- herzigen Christen nie in den Sinn ge- kommen sind. Denn obwohl man uns als Rotten und Sekten verschreit, so ist es doch Christus, Jeremia, Paulus und anderen auch widerfahren, wir sind nicht mehr als der Herr. Aber uns ge- schieht Unrecht, wir machen nicht Rotten oder Sekten, sondern handeln nach dem Wort Gottes in diesem Fal- le. Das werden uns weder Engel, Teu- fel oder Menschen in Ewigkeit umsto- ßen können. Ob schon etliche noch so viel dagegen toben und drucken, so sieht man an ihrem Schreiben sehr wohl, dass sie lieber die klaren, hellen und lauteren Taufstellen verdunkeln und verfinstern wollen, damit man ih- ren Irrtum und Strauchelei nicht sehe, als dass sie begehren, das rechte Ver- ständnis hervorzubringen und anzu- zeigen. Aber man merkt ihren Kunst- griffen4 an, dass sie auf der Harfe Christi ganz und gar nicht klingen. Doch nicht viel Verdunkeln oder Glossieren gebe uns Gott, sondern kla- res, einfältiges Verständnis seines le- bendigen Wortes, das etwas taugt. Da- zu bekennen wir offen, dass eine Obrigkeit sein müsse, die das Schwert trage. Derselben wollen und sollen wir gehorsam sein in allem, das nicht wi- der Gott ist. Und je christlicher diesel- be ist, umso mehr begehrt sie von Gott, mit der Weisheit Salomos zu re- 4 wörtl. grifflin (Grifflein = Kniffe, Tricks)
  10. 10. 10 gieren, damit sie weder zur Rechten noch zur Linken von Gott abweiche, weswegen wir auch ernstlich und mit großem Fleiß für sie bitten sollen, auf dass wir ein ruhiges und stilles Leben untereinander führen mögen in aller Gottseligkeit und Redlichkeit5 . So bekennen wir unverhohlen, wir seien in der Kindheit nicht getauft. Deshalb lassen wir uns taufen auf- grund des ernstlichen Befehls Christi und der Apostel an vielen Stellen. Dass wir uns aber rühmten, als könn- ten wir nach der Taufe nicht mehr sündigen und dergleichen mehr, daran geschieht uns Gewalt und Unrecht, denn wir wissen, dass wir nach wie vor arme und elende Sünder sind. Und wenn wir sagten, wir sündigten nicht, so lögen wir doch, und die Wahrheit wäre nicht in uns6 . Wenn aber nun durch etliche törichte Menschen sol- che Reden ausgehen, soll man es den- selben untersagen und sie zurechtwei- sen und nicht wegen ihrer einfältigen Rede die ganze christliche Taufe ver- ächtlich machen und vernichten. Denn obwohl Judas Ischarioth Christus ver- raten hat, werden doch darum nicht al- le Jünger in der Schrift Verräter ge- scholten. Aber das ist auch einer der Kunstgriffe4 , den die rhetorischen Theologen7 gebrauchen, wir erkennen es8 an ihren Kunstgriffen. Darum, lie- be fromme Christen, lasset die Griffe Griffe sein, ihr werdet euer Leben lang aus diesen Griffen nicht lernen, was Taufen ist in dem Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Sondern ergebt euch dem hellen Wort Gottes, so ergreift ihr den rechten Grund der Wahrheit. Obwohl ich auch zur Erklärung der dunklen Schriftstel- len die Zungen oder Sprachen nicht verwerfe, zu den sonnenklaren Worten 5 1.Tim. 2:2 6 1.Joh. 1:8 7 Theologen, die rhetorische Pauschalurteile verbrei- ten 8 dass es sich um bloße Rhetorik handelt braucht man aber weder Zungen noch Lungen. Hierauf bitte und ermahne ich euch, dass ihr die Schrift daraufhin er- greift, die wird Zeugnis der Wahrheit geben, wenn auch ich selbst nichts ge- schrieben hätte. Wollt ihr aber nun meine einfache Art lesen, so tut’s ohne alles Ansehen der Personen, der hohen Namen, des Brauchs, Herkommens, auch ganz ohne alles Vorurteil, das euch von der Wahrheit abhalten könn- te. Danach urteilt in euren Gewissen nach dem einfachen Wort Gottes. Das allein lasset Schlichter und Richter sein, so werdet ihr nicht irren. Hiermit seid Gott befohlen! Gegeben zu Waldshut am Rhein, am XI. Tag des Heumonats9 . Anno etc. Im M. D. XXV. Die Wahrheit ist untödlich10 . 9 Juli 10 untötbar; kann nicht getötet werden
  11. 11. 11 Von der Taufe. Von mancherlei Taufen und was dieselben seien. Das erste Kapitel. I. Taufen im Wasser. II. Taufen im Wasser, in oder zu der Änderung des Lebens. III. Taufen im Geist und Feuer. IV. Wiedergeboren werden aus dem Wasser und Geist. V. Taufen im Wasser in dem Namen des Vaters des Sohnes und des Hei- ligen Geistes, oder in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi. I. Taufen im Wasser ist, den geständi- gen Bekenner seiner Sünden nach dem göttlichen Befehl mit äußerli- chem Wasser übergießen und ihn in die Zahl der Sünder aus eigener Er- kenntnis und Einwilligung ein- schreiben. Also hat Johannes ge- tauft. Matth. 3, Joh. 1:25f. II. Taufen im Wasser in oder zu der Änderung des Lebens ist genau auch, den geständigen Bekenner sei- ner Sünden nach dem göttlichen Be- fehl mit äußerlichem Wasser über- gießen und ihn in die Zahl der Sün- der aus eigener Erkenntnis und Ein- willigung einschreiben und in ein neues Leben nach der Regel Christi weisen. Matth. 3:11ff. III. Taufen im Geist und Feuer ist, den bekennenden Sünder mit dem Feuer des göttlichen Wortes durch den Geist Gottes wiederum erquicken und gesund machen. Das geschieht, insofern ihm die Verzeihung seiner Sünden in dem lebendigmachenden Wort Gottes schon zugesagt ist. Die Lebendigmachung tut und wirkt der Geist Gottes inwendig im Men- schen. Außerhalb desselben ist alle Lehre des Wortes ein tötender Buch- stabe. Matth. 3:11, Luk. 3:16, 2.Kor. 3:6. IV. Wiedergeboren werden aus dem Wasser und Geist11 ist, dem Sünder aus der Furcht und dem Schrecken herauszuhelfen, die er wegen des Nachweises seiner Sünden durch den Buchstaben des Gesetzes emp- fangen hat, und ihm durch das Wort Gottes, das da bleibt in Ewigkeit, wiederum Arznei und Trost zu ge- ben, damit er nicht verzweifle. 1.Petr. 1:23. In dem Ungläubigen ist diese Zusage ein Buchstabe und der Tod, in dem Gläubigen aber Geist und Leben. Und das gibt allein Gott, wem er will. Er erkennt die Seinen12 . Joh. 3:5. Es wird auch ihm, Christus, niemand die aus seiner Hand reißen, die ihm der Vater gegeben hat13 . Al- so hat Christus den Fürsten Niko- demus erschreckt und wiederum ge- tröstet. Joh. 3. V. Taufen im Wasser in dem Namen des Vaters und Sohnes und des Hei- ligen Geistes oder in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi ist nichts anderes als ein öffentliches Be- kenntnis und Zeugnis des inwendi- gen Glaubens und Sich-Verpflich- tens14 , womit der Mensch auch äu- ßerlich bezeugt und vor jedermann sich eingesteht, dass er ein Sünder sei. Dessen gibt er sich schuldig, doch dabei glaubt er gänzlich, dass Christus ihm die Sünde durch seinen Tod verziehen habe und durch seine Auferstehung ihn fromm gemacht habe vor dem Angesicht Gottes, un- seres himmlischen Vaters. Deswe- 11 1.Joh. 3:5 12 2.Tim. 2:19 13 Joh. 10:29 14 wörtl. Pflichten (der Pflicht)
  12. 12. 12 gen habe er auch eingewilligt, fortan den Glauben und den Namen Christi vor jedermann öffentlich zu beken- nen, er habe sich auch verpflichtet und vorgenommen, fortan nach dem Wort und Befehl Christi zu leben, aber das nicht aus menschlichem Vermögen, damit es ihm nicht gehe wie Petrus, denn ohne mich könnt ihr nichts tun, spricht Christus, son- dern in der Kraft Gottes, Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Jetzt äußert sich der Mensch in Wor- ten und in Werken, verkündigt und macht groß den Namen und das Lob Christi, damit auch andere durch ihn im Wort und Glauben heilig und se- lig werden, wie er auch durch ande- re, die ihm Christus zuvor gepredigt haben, zum Glauben und zur Er- kenntnis Gottes gekommen ist, auf dass das Reich Christi gemehrt wer- de. Hier folgt nun Anfechtung, Ver- suchung, Verfolgung, das Kreuz und alle Trübsal wegen des Glaubens und des Namens Christi in der Welt, die das Licht hasset und die Finster- nis lieb hat, so dass der Mensch ganz und gar keinen Trost oder Beistand hat als allein die Zuflucht zu dem Wort Gottes, wie es Christus, Matth. 4:1ff, nach der Taufe auch gesche- hen ist. Mit demselbigen Wort be- schirmt sich der Mensch und er- wehrt sich aller feurigen Pfeile die- ser Welt, des Satans und der Sünde. Aus diesen Beschreibungen der Tau- fe kann jedermann merken und er- kennen, dass der äußerlichen Taufe das Wort oder die Lehre vorausge- hen muss, wodurch der Mensch ein- geführt wird in die Erkenntnis seiner Sünden und auch in die Erkenntnis ihrer Verzeihung durch das Lamm Gottes – wie vor der Taufe Christi –, mit dem Vorsatz, sein Leben mit Gottes Hilfe zu ändern. Dieses ganze Kapitel wird aus den nachfolgenden Schriftstellen über die Taufe des Jo- hannes und Christi ganz hell und klar werden. Von dem Amt des Johannes. Das zweite Kapitel. Es ist ein Mensch gesandt worden von Gott, dessen Name war Johan- nes, der ist zum Zeugnis gekommen, dass er von dem Licht zeugte, damit sie alle dadurch glaubten15 . Und Jo- hannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabstieg wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm, und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, mit Wasser zu tau- fen, derselbe sprach zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabsteigen und [auf ihm] bleiben, derselbe ist’s, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich sah es und be- zeugte, dass dieser ist Gottes Sohn16 . Dieses Zeugnis bestand in drei Arti- keln. Der erste: Er hat gepredigt. Der zweite: Er hat getauft. Der dritte: Er hat auf Christus oder zu Christus gewiesen. Seine Predigt war: Bessert euch, än- dert euer Leben, erkennt eure Sünde. Das Himmelreich, das ist die Ver- kündigung der Gnade Gottes, die er uns durch seinen Sohn Christus ge- leistet hat, ist nahe herzugekommen. Ich bin eine rufende Stimme in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen ernied- rigt werden, und was uneben ist, soll ebener werden, und was krumm ist, soll gerade werden, und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn: Was sollen wir denn tun? Er antwortete und sprach zu ih- 15 Joh. 1:6f 16 Joh. 1:32-34
  13. 13. 13 nen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat, und wer Speise hat, der tue es auch so. Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meis- ter, was sollen wir denn tun? Er sprach zu ihnen: Übervorteilt die Leute nicht mit eurer Tätigkeit. Da fragten ihn auch die Kriegsleute: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Ge- walt oder Unrecht und lasst euch ge- nügen an eurem Sold. Luk. 3:1-14. Aus diesen Worten ist zu erkennen, dass Johannes das raue und er- schreckliche Gesetz, den Buchsta- ben, die Sünde und den Tod gepre- digt hat, gleichwie die anderen Ge- setzesprediger und Propheten. Das bezeugen seine Worte: Erkennt eure Sünde. Bessert euer Leben. Ihr seid nicht auf dem rechten Weg. Bereitet und fügt euch in den Weg des Herrn. Alle Berge und Hügel sollen ernied- rigt werden. Ihr müsst an euch selbst verzagen und verzweifeln in euren Sünden. Erkennt euch selbst, da ist nichts Gutes in euch, und ihr bringt auch keine gute Frucht. Nun, ein je- der Baum, der nicht gute Frucht bringt, der soll abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Es hilft euch nichts, dass ihr euch Kinder Abrahams zu sein rühmt. Gott kann aus den Steinen Kinder Abrahams erwählen. Die Axt ist am Baum. Schaut, was ihr zu tun habt: Speisen, Tränken, Bekleiden, niemandem Unrecht oder Gewalt tun. Seht, wie all seine Predigt auf das Gesetz lau- tet. Ebenso bezeugt das auch seine rauhe Kleidung und Speise. Denn sein Kleid war von Kamelhaaren und ein lederner Gürtel war um sei- ne Lenden, seine Speise waren Heu- schrecken und wilder Honig. Matth. 3:4. Hier merkt man augenschein- lich, welch großer Fehler es ist, wenn einer es zur Aufbauschung seiner Sache so beschreibt, als habe Johannes das Evangelium sehr wohl gepredigt, wie Christus und die an- deren Apostel. Nein, nicht so. Er spricht: Das Reich Gottes nähert sich. Er weist darauf hin, aber er hat’s nicht gepredigt wie Christus, der den Gläubigen die jetzt gegen- wärtige Verzeihung der Sünden kundtut. Obwohl Johannes in diesem Fall mehr ist als die anderen Prophe- ten. Die haben allein auf den künfti- gen Christus gewiesen, Johannes a- ber hat auf den gegenwärtigen ge- wiesen und mit dem Finger auf ihn gezeigt, bei demselben werde man das Evangelium finden, das heißt, Verzeihung der Sünden. Wohlan, ich will niemand verhöhnen, das steht übel an. Gott wolle uns alle erleuch- ten, dass wir wieder aufstehen, wenn wir gefallen sind. Denn es ist be- kannt, wie das Wasser oder der Teich in Jerusalem niemanden ge- sund machte, wenn nicht der Engel Gottes das Wasser bewegte (Joh. 5:2ff). Ebenso sind alle Lehren tot, die Christus nicht durch seinen Geist bewegt und lebendig macht, wie auch Paulus geschrieben hat, 2.Kor. 3:6. Nun hat ja Johannes seine Jün- ger von sich gewiesen und sie zu Christus gesandt, der nehme die Sünden der Welt fort, mache leben- dig und vergebe die Sünden (Matth. 3:11). Das zweite im Amt des Johannes. Er hat getauft, und zwar die, die zu ihm hinausgingen, wo er taufte, und ihre Sünden bekannten, die sich auch ein neues Leben aneignen wollten. De- nen tat er kund, dass sie fortan die Werke wirken sollten, die einem bußwürdigen Leben wohl anstehen, wie er denn die Werke in Lukas 3:4ff aufgezählt hat. Daran sieht man aber, dass Johannes nicht junge Kinder getauft hat, sondern die, die sich ihrer Sünden schuldig gaben und sie erkannten. Nun, er hat mit Wasser getauft, das bedeutet, er hat alle die mit einem äußerlichen Zei-
  14. 14. 14 chen versehen, die sich zu ihren Sünden inwendig im Herzen be- kannten. Die waren nun in seiner Gemeinschaft und bezeugten öffent- lich, dass sie seine Jünger wären, bekannten sich schuldig, dass nichts Gutes in ihnen wäre. Das war nun hart gegen den pharisäischen Hau- fen. Dieselben wollten nicht Sünder sein, sondern fromm aus ihren eige- nen Werken, wie denn allenthalben die Schrift von ihnen kundtut, Luk. 7:30 und 18:9ff und an vielen ande- ren Stellen. Da fing der Krieg an zwischen Johannes und den Pharisä- ern. Mit dieser Wassertaufe hat Johannes getauft und auch die anderen Jünger des Herrn vor der Auferstehung Christi, denn sie haben alle nur zu Christus als den rechten gegenwärti- gen Arzt gewiesen. Aber nach der Auferstehung hat er ihnen als seinen Gesandten und Dienern auch die Vollmacht der Sündenverzeihung gegeben und gesagt: Empfangt den Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlas- sen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Joh. 20:22f. Gehet hin und lehret alle Völker, das heißt: predigt das Evangelium allen Kreaturen und tauft sie in dem Na- men des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matth. 28:19f) Denn welcher glaubt und getauft wird, der wird selig, welcher nicht glaubt, der wird verdammt. (Mark. 16:15f) Wie nun vor der Auferste- hung die Jünger Christi diejenigen, die ihre Sünden erkannten, zu Chris- tus wiesen, dass er sie ihnen verzei- he und ihnen mit einem Evangeli- schen Wort17 Vergebung der Sünden verkündete, wie er es denn oft getan hat, so haben sie jetzt selbst dasselbe Amt empfangen nach seiner Aufer- stehung, nämlich die Verkündigung 17 Wort des Evangeliums; dem Evangelium gemäß der Verzeihung der Sünden durch Christus, der nun selbst leiblich nicht mehr hier war, sondern fortan in seinem Wort und durch seine Jünger, wie er denn bei uns bleiben will bis zum Ende der Welt. Das e- ben will Christus in seinem Wort sa- gen, Joh. 20:21: Wie mich mein Va- ter gesandt hat, so sende ich euch, als wollte er sagen: Er hat mir Be- fehl gegeben, dass ich allen an mich Gläubigen Erlass ihrer Sünden zu- verlässig verkünden solle. Ebenso sollt ihr fortan auch tun, dass alle die, die an mich glauben, nicht ver- dammt werden, sondern das ewige Leben haben. Hier versteht ein jun- ges Kind, das noch kein Badegeld gibt18 , dass die Taufe vor der Aufer- stehung Christi und die darnach nicht ein [und dieselbe] Taufe ist im Blick auf das Zeugnis, wiewohl es ein [und dasselbe] Wasser ist. Aber Wasser ist nicht Taufe, oder es wür- de der ganze Rhein Taufe sein, das wäre mit der Schrift gegaukelt. Hier wird gefragt, ob Christus selbst auch getauft habe. Ich sage: nein, denn wiewohl die Schrift sagt, Joh. 3:22.26, er habe getauft, so erklärt sie sich doch selbst sogleich im 4. Kapitel V.2 und spricht, Jesus habe nicht selbst getauft, sondern seine Jünger. Dabei lasse man es bleiben – und mache nicht ohne alle Not aus dem »taufen« »lehren«19 , und das ohne allen Grund der Schrift –, da- mit wir nicht als zu eigensinnig und zu spitzfindig erkannt zu werden. Denn von der gleichen Art haben wir viele Stellen in der Schrift, dass eine Schriftstelle die andere klarer auslegt. So lesen wir in Markus 6:38, dass die Jünger sagten, sie hät- ten nur fünf Brote, und in Johannes 6:8f spricht die Schrift, Andreas ha- be so geantwortet. Auch findet man an einer anderen Stelle der Schrift, 18 das in der Badestube nicht zu zahlen braucht 19 wie Zwingli zu dieser und einigen anderen Tauf- stellen
  15. 15. 15 dass alle Jünger über die Maria, die die Salbe über den Herrn ausgoss, gemurrt hätten20 , und doch erklärt sich die Schrift selbst genauer, Joh. 12:4, und sagt, dass es Judas Ischa- rioth getan habe. Dies ist in der Schrift eine allgemeine Art zu reden, aus welcher ein Ruhmsucher wohl ein langes Geschwätz und Gezänk machen kann, aber vergebens, es beweist nichts. Christus sagt eben auch, Joh. 14:12: Wer an mich glaubt, der tut die Werke, die ich tue, und er wird größere als die tun, und es ist doch offenkundig, dass wir nichts tun oder vermögen, son- dern er muss es selbst tun, durch und in uns, wie in Apg. 3:12 und 14:15 steht. Und selbst wenn schon Taufen für Lehren genommen würde, würde es doch hier nichts bringen. Das Dritte im Amt des Johannes ist: Er hat auf Christus gewiesen als den rechten Arzt, Verzeihender der Sün- den und Gesundmacher. Er schreit und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich, und von seiner Fülle haben wir alle genom- men Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden, das heißt, unsere Gnade ist uns gegeben um der Gna- de Christi willen, die ihm gegeben ist, dass wir durch ihn das Gesetz er- füllten und den Vater erkennten, damit die Heuchelei aufhöre. Ferner spricht er: Sehet das Lamm Gottes. Ich kann euch nicht helfen, aber das Lamm nimmt hin die Sünde der Welt. Dieses ist’s, von dem ich euch gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich (das heißt: von Ewigkeit), und ich kannte ihn nicht. Sondern auf dass er offenbar 20 Matth. 26:8; Mark. 14:4 würde in Israel, darum bin ich ge- kommen, zu taufen mit Wasser. Se- het und begreifet es alle, die Augen und Hände haben, dass Johannes seine Jünger von sich weist, denn sie finden in seinen Predigten nichts als Gesetz, Sünde, Tod, Teufel und Höl- le, und weist zu dem Lamm Gottes, das würde ihnen einen Evangeli- schen Trost kundtun, das heißt ge- wisse Verzeihung der Sünden. Und ehe die Sünder davon hören, haben sie keine Ruhe noch Rast in ihren Gewissen, gleich wie wenn man ei- nem kranken Menschen lange von einem guten Arzt sagt, er bleibt doch solange krank, bis er zu dem Arzt kommt, der in gesund gemacht hat und sagt: Gehe hin und sei gesund. Ebenso ist es mit Christus. Er muss reden mit uns, so sich wir gesund an unseren Seelen, oder aber seine Ge- sandten müssen es an seiner Stelle tun. Geglaubte Verzeihung der Sün- den ist das rechte Evangelium, wel- ches ohne den Geist Gottes nicht sein kann; denn der Geist Gottes macht das Wort lebendig, und der Glaube ist ein Werk Gottes, Joh. 6.29. Denn im Glauben wird das Ge- setz der Sünde und des Todes ein Gesetz des Geistes, Röm. 8:2. Denn was dem Gesetz unmöglich war, das hat Gott erfüllt durch Jesus Christus, auf dass die Gerechtigkeit, vom Ge- setz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Daraus folgt, dass die Wassertaufe des Johannes nichts anderes ist als ein öffentliches Zeugnis, das der Mensch empfängt und gibt, darum dass er zugibt und erkennt, als ein elender Sünder schuldig zu sein, der sich selbst nicht helfen noch raten kann, auch nichts Gutes vollbringt, alle seine Gerechtigkeiten seinen vielmehr faul und mangelhaft, wes- halb er an sich selbst verzage. Er müsse auch (wenn ihm nicht seine
  16. 16. 16 Frömmigkeit zu Hilfe komme) ewig- lich verdammt sein, das zeigt ihm sein Gewissen an, belehrt aus dem Gesetz (welches eine Erkenntnis der Sünden ist). Jetzt ist Johannes da und weist ihn zu Christus, in dem- selben werde er Befreiung von sei- nen Sünden, Ruhe und Sicherheit finden, damit er nicht in Verzweif- lung verharre und so ewiglich verlo- ren werde. In summa: Gott führt durch Johannes hinab in die Hölle und durch Christus wieder herauf. Die Schriftstellen von der Taufe des Johannes. Das dritte Kapitel. Zuerst ermahne ich den Leser, dass er in allen Schriftstellen, die von der Taufe des Johannes handeln, auf diese Ordnung der Worte, des Sin- nes und Verstandes genau achten wolle. Und das ist die an den Stellen aufgezeichnete Ordnung: 1. Wort. 2. Hören21 . 3. Änderung d. Lebens und Erkenntnis der Sünde. 4. Taufe. 5. Werke. Aus dieser Ordnung der Schrift kannst du sehen, selbst wenn du blind wie ein Maulwurf wärest, ob Johannes junge Kinder getauft habe oder alleine die, denen er zuerst ge- predigt und die ihn gehört, ihre Sün- den bekannt und sich fortan an die Besserung ihres Lebens begeben ha- ben. Jetzt folgen die Schriftstellen. 21 wörtl. Gehör Matthäus 3:1ff. Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und a predigte in der Wüste des jüdi- schen Landes und b sprach: c Bessert euch, das Himmelreich ist nahe her- zugekommen. Und er ist der, von dem der Prophet Jesaja gesagt und gesprochen hat: Es ist eine rufende Stimme in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht seine Fußwege richtig. Da ging hinaus zu ihm die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich d tau- fen von ihm im Jordan und e bekann- ten ihre Sünden. Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ih- nen: Ihr Natterngezücht, wer hat euch verkündet, dass ihr dem künfti- gen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, f tut rechtschaffene Frucht der Buße. Denkt nur nicht, dass ihr zu euch selbst sagen könnt: Wir haben g Abraham zum Vater. Ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus die- sen Steinen Kinder zu erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelehnt. Darum wird der Baum, der nicht gute Frucht bringt, abgehauen und in das Feuer gewor- fen. Beachte, frommer Christ, wie hier im Grunde der oben mitgeteilten Ordnung gefolgt wird. Denn obwohl das Bekennen der Sünde äußerlich hinter der Taufe steht, so ist es doch im Herzen inwendig schon voraus- gegangen, denn es hat das Volk zur Wassertaufe hinausgetrieben, wie du aus seiner Frage heraushörst, als er sagte: Wer hat euch verkündet usw. a Wort b Hören c Änderung d Taufe e Erkenntnis f Eigene Werke g Eigener Glaube
  17. 17. 17 Lukas 3:2ff Es ist geschehen das h Wort Gottes über Johannes den Sohn des Zacha- rias, in der Wüste, und er kam in alle Gegenden um den Jordan und i pre- digte die Taufe der Buße zur Verge- bung der Sünden, wie geschrieben steht in dem Buch der Rede Jesajas des Propheten, der da sagt: Es ist ei- ne rufende Stimme in der Wüste: j Bereitet den Weg des Herrn und machet seine Fußsteige richtig. Alle Täler sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was krumm ist, soll ge- rade werden, und was uneben ist, soll ebener werden, und alles Fleisch wird den Heiland Gottes sehen. Da sprach er nun zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm k taufen ließe: Ihr Natterngezücht, wer hat euch verkündet, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, l tut rechtschaffene Frucht der Buße und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben m Abraham zum Vater. Denn ich sa- ge euch: Gott kann Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelehnt. Der Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das n Volk fragte ihn: Was sol- len wir denn tun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat, und wer Speise hat, der tue es auch so. Es kamen auch die Zöllner, dass sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut nie- h Wort i Hören j Änderung des Lebens k Taufe l Eigene Werke m Eigene Glaube n Aber nicht die jungen Kindlein mandem Gewalt und lasset euch ge- nügen an eurem Sold. Hier beachte: Der Evangelist Lukas hat die jungen Kindlein vergessen, denn er teilt ihre Frage nicht mit, was sie tun sollen. Liebe, fromme Christen, wenn sonst auf Erden keine Schriftstelle wäre als diese, so sollte doch keiner je so unverschämt und frevelhaft sein, dass er sich träumen ließe, ge- schweige denn, dass er’s wider sein eigenes Gewissen predigt und druckt, dass Johannes auch Kindlein getauft habe. Es gilt nicht Meinen, Dünken, Vermuten, es gilt Wissen, oder ich wollte meinen22 , Kaiphas, Hannas und Pilatus wären auch hin- aus gegangen und hätten sich taufen lassen. Die Schrift sagt: Das Volk fragte ihn. Die Kindlein können nicht reden, oder es müsste Johannes auch geantwortet haben: Welches Kindlein zwei Windeln hat, das gebe dem, welches keine hat. Wohlan, wir wollen’s Gott anbefehlen. Lukas 7:29f. Und alles Volk, das ihn a hörte (das ist Christus, wie er Johannes so hoch lobt), und die Zöllner gaben b Gott recht (das heißt, sie bekannten sich als Sünder und Gott als allein ge- recht) und ließen sich c taufen mit der Taufe des Johannes. Aber die Phari- säer und Schriftgelehrten verachte- ten Gottes Rat wider sie selbst und ließen sich nicht von ihm taufen. 22 könnte ebenso gut die Meinung vertreten a Wort b Erkenntnis c Taufen
  18. 18. 18 Markus 1:1ff Dies ist der Anfang des e Evangeli- ums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, wie in den Propheten ge- schrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der da be- reite deinen Weg vor dir. Es ist eine f rufende Stimme in der Wüste: g Be- reitet den Weg des Herrn, macht sei- ne Fußpfade gerade. Johannes war in der Wüste und h taufte und i predigte von der Taufe der Buße zur Verge- bung der Sünden. Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und die von Jerusalem und ließen sich alle von ihm j taufen im Jordan und k bekannten ihre Sünde. Hier zeigt die Schrift zwei Stücke an, die Johannes geübt hat in der Wüste, nämlich Predigen und Tau- fen. Da schreit der Widersacher: Siehst du, dass hier die Taufe dem Predigen vorausgeht? Antwort: Deo gratie23 . Siehst du auch, dass dem Predigen die Taufe nachfolgt? Denn Lukas spricht: Und ließen sich alle von ihm taufen. Wehe über den Zank um Wörter, wir wollen uns die rechte Bedeutung, den Sinn vor- nehmen, damit wir niemanden mit fremden Glossen24 verwirren, und der ist: Johannes war in der Wüste und hat ohne Zweifel niemanden mit Wasser getauft als nur die, denen er vorher gepredigt und die er in die Erkenntnis ihrer Sünden eingeführt hatte. Vergleiche die oben angege- benen Schriftstellen zu dieser Stelle, wie man es denn bei der Auslegung der Schrift tun muss, so musst du bekennen, dass ich die Wahrheit re- de und deiner Glossen nicht bedarf. e Wort f Hören g Besserung h Taufe i Wort j Taufe k Werk 23 Gott sei Dank 24 Anmerkungen; Deutungen Und wenn er dieselben nun getauft hat, hat er ihnen weiter gepredigt und hat sie von der Taufe der Buße, das heißt von der Erkenntnis der Sünden, das heißt zu Christus ge- wiesen, wie denn oben in dem drit- ten Artikel vom Amt des Johannes klar aufgezeigt worden ist. Siehst du jetzt, dass Johannes vor der Taufe die Besserung gepredigt hat, und ferner, wie wir sie nicht bei ihm fin- den, sondern wie er uns zu Christus führt, in dem allein wir fromm25 werden sollen? Ebenso geht auch die Lehre der Taufe Christi voraus und folgt ihr nach, Matth. 28:19, so dass keiner getauft ist von Johannes oder mit der Taufe Christi, er sei denn zuvor in dem Worte Gottes unter- wiesen und in die Erkenntnis seiner Sünden eingeführt oder in die Er- kenntnis, dass sie ihm durch Chris- tus Jesus verziehen seien. Nun, wenn Johannes eine Schar mit Pre- digen und Taufen erreicht hatte, hat er gleich mit einer anderen wieder angefangen. Denn das ist sein Amt gewesen. So steht das Wort »und bekannten ihre Sünde« so stark und fest, dass es allein genug ist, um zu beweisen, dass Johannes keine Kinder getauft habe. Ach Gott, wozu braucht man noch mehr Zeugnisse? Aber die starken Riesen müssen so Jo, Jo vor dem Sieg schreien26 . Johannes 1:23ff. Johannes sprach: Ich bin eine a ru- fende Stimme in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn 25 rechtschaffen; gerecht 26 ironisch für Maulhelden, die ein Triumphgeschrei anstimmen, bevor überhaupt der Sieg errungen ist a Wort
  19. 19. 19 du nicht Christus bist noch Elias noch ein Prophet? Johannes antwor- tete ihnen und sprach: Ich b taufe im Wasser, aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt. Der ist’s, der nach mir kommen wird. Welcher vor mir gewesen ist, dessen ich nicht wert bin, dass ich ihm seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara jenseits des Jordans, wo Johannes taufte. Des anderen Tages sieht Johannes Jesus zu ihm kommen und spricht: c Sehet das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde hinwegnimmt. Hier betrachte abermals ein jeder Christ, wie Jo- hannes sich zum ersten eine Stimme nennt, das heißt, einen Prediger, da- nach verantwortet er seine Wasser- taufe, und da wird nicht Taufen für Lehren gesetzt, wie etliche wähnen, denn der Jordan selbst, wo er mit Wasser getauft hat, gibt Zeugnis da- für. Zum dritten. Nach der Taufe weist er seine Jünger von sich zu Christus und sagt: Sehet das Lamm Gottes, welches euch eure Sünden, mit de- nen ihr beschwert und betrübt seid, hinwegnimmt. Apostelgeschichte 19:1ff. Es geschah aber, als Apollos zu Ko- rinth war, dass Paulus die Oberen Länder durchwandelte, und er kam nach Ephesus und fand etliche Jün- ger, zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig geworden seid? Sie sprachen zu ihm: Wir haben noch nie gehört, ob ein Heiliger Geist sei. Und er sprach: Worin seid ihr getauft? Sie sprachen: In Johannes Taufe. Paulus aber sprach: Johannes hat getauft mit der Taufe der Buße und sagte dem Volk, dass sie an den glauben b Taufe c Weisung sollten, der nach ihm kommen sollte, das heißt an Jesus, der der Christus sei. Als sie das hörten, ließen sie sich taufen in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi. Und da Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten mit Zungen und weissagten. Und die Männer waren zusammen etwa Zwölf. Diese Stelle, o frommer Christ, zeigt dir einen so klaren, lauteren und hel- len Unterschied zwischen der Taufe des Johannes und der Taufe Christi, dass es ein Spott und eine Schande ist, dass etliche so dunkle und ver- wirrende Glossen hier einführen ge- gen ihre eigenen zuvor erschienenen Bücher, mit denen sie die Taufe des Johannes mit seiner Lehre vertau- schen möchten. Aber man soll nicht so mit dem Schatz des Göttlichen Wortes Gaukelspiel treiben, es wür- de sonst zuletzt aus der heiligen Theologie eine Anaxagorische Phi- losophie27 werden, und wir müssten so viele neue Glauben annehmen, sooft wieder ein neues Testament gedruckt würde. Denn es würde je- der Grillenkopf ein »in« für ein »im«, ein »Taufen« für ein »Lehren«, ein »in den Namen« für ein »im Na- men« einführen28 , ohne allen Grund der Schrift, und es würde zuletzt aus einem Kürbis ein neuer Christus wachsen. Nicht so, liebe Freunde, wir wollen den Text auf das allerein- fältigste vortragen. Paulus hatte zu Ephesus etliche Jünger des Johannes gefunden, die zur Erkenntnis ihrer Sünden gekommen waren, sie wuss- ten aber noch nichts von der Verzei- hung der Sünden. Denn obschon sie Johannes zu Christus gewiesen hat- te, sind sie ihm nicht nachgegangen, dass sie auch Verzeihung der Sün- den von Christus gehört hätten. Das 27 Der griechische Philosoph Anaxagoras (5. Jh. vor Chr.) vertrat eine rein verstandesmäßige Weltdeu- tung. 28 Wie Zwingli zu verschiedenen Taufstellen
  20. 20. 20 beweisen ihre Worte, als sie sagen: Wir haben nie gehört, ob ein Heili- ger Geist sei. Und er fragt sie ferner, worin sie denn getauft wären. So lautet sie alte lateinische Überset- zung und die neue Verdeutschung29 , die öffentlich gedruckt und erschie- nen ist. Sie gaben zur Antwort und sagten: in des Johannes Taufe, das heißt: Johannes hat uns getauft, und nachher sind wir nicht weiterge- kommen. Paulus aber sprach: Jo- hannes hat getauft mit der Taufe der Buße, das heißt, er hat die Sünde kundgetan, und die sich als Sünder bekannt haben, hat er im Wasser ge- tauft und hat sie gelehrt, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm kommen sollte, das heißt an Jesus, dass er Christus sei. Da beachte, dass an dieser Stelle Taufen nicht für Lehren gesetzt werden kann, denn es steht ja, unterscheidend, da: Er hat getauft mit der Taufe der Buße. Zum zweiten. Er hat gesagt, er hat sie gewiesen, er hat sie gelehrt, dass sie zu Christus laufen sollten, ihm glauben, vertrauen und ihn anrufen, der werde ihnen die Sünde verzei- hen. Dem sind aber die zwölf Jünger nicht nachgegangen, denn es ist ja nicht genug, einen zu Christus zu weisen, er muss auch gehen, anrufen und den Erlass der Sünden hören und glauben. Deshalb hat Paulus e- ben an diesem Punkt angefangen und ihnen Christus gepredigt, an den sie glauben sollten. Als die das ge- hört, haben sie ohne Zweifel ge- glaubt und sich taufen lassen auf den Namen, das heißt, auf die Gnade und Kraft unseres Herrn Jesu Christi, und öffentlich bezeugt, dass sie gänzlich den Erlass ihrer Sünden glauben. Und da hat Paulus die Hände auf sie gelegt, und der Heili- ge Geist kam, und sie redeten mit Zungen und weissagten. Das sind Werke, die im allgemeinen den 29 durch Martin Luther 1522 Neugläubigen und Neugetauften zu- geeignet werden. Jetzt bemerkst du abermals einen offenbaren und handgreiflichen Unterschied zwi- schen den zwei Taufen. Denn in summa: Johannes führt seine Zuhö- rer zur Erkenntnis der Sünden. Zum zweiten tauft er die, die ihre Sünden bekennen, und macht sie zu seinen Jüngern. Zum dritten weist er sie zu Christus. Zum vierten verzeiht Christus die Sünden. Zum fünften: Alle die, die die Verheißung glau- ben, sollen durch die Apostel Christi wiedergetauft werden. Das ist eine rechte Wiedertaufe, denn die Taufe des Johannes ist und heißt eine Tau- fe, und die Taufe Christi ist auch ei- ne Taufe, deshalb heißt dies zu Recht wiedergetauft. Das Kindlein- bad, wie wir’s bisher für eine Taufe gehalten haben, ist nicht eine Taufe, auch nicht des Namens Taufe wür- dig. Darum wird ohne Grund gesagt, dass wir uns wiedertaufen lassen. Das ist das rechte, schlichte, einfäl- tige Verständnis dieser Stelle. Dar- über will ich eine jede Christliche Kirche und Versammlung urteilen und befinden lassen. O blind, blind. Was betrübt man doch die frommen, einfältigen Christen hier mit solchen erdichteten, spitzhirnigen Glossen und Zusätzen. Und wenn schon an- derswo Taufen für Lehren gebraucht würde, so kann es doch hier der Text nicht tragen. Matthäus 21:25ff Woher (fragt Christus die Hohen- priester) war die Taufe des Johan- nes? War sie vom Himmel oder von den Menschen? Da bedachten sie es bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie sei vom Himmel gewesen, so wird er sagen: Warum glaubet ihr ihm denn nicht? Sagen wir aber, sie sei von den Menschen gewesen, so fürchten wir uns vor dem Volk.
  21. 21. 21 Denn jedermann hielt Johannes für einen Propheten. Hier kommen die Schriftreißer aber, haben etwas auszusetzen und sagen, die Taufe werde hier auch für die Lehre gesetzt. Sage du, sie steht für die Wassertaufe des Johannes, wie da oben, Joh. 1:26, wo sie auch sag- ten: Wenn du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet, warum taufst du denn? Er gab ihnen Ant- wort und sagte, dass er auf Befehl Gottes taufte, der ihn im Wasser zu taufen gesandt hätte. Dass aber die sagen, man hätte ihm leicht antwor- ten können und sagen, die Taufe des Johannes war von den Menschen, denn das Wasser ist auf Erden – ach Gott, was für ein Kinderspiel! Was- ser ist nicht Taufe, oder die ganze Donau würde Taufe sein, und die Fi- scher und Schiffsleute würden täg- lich getauft werden. Nein, nicht so. Er, Christus, will soviel wissen, ob Johannes getauft habe – ja, im Was- ser – auf Befehl Gottes oder der Menschen. Da blieben die hohen Gelehrten stecken und konnten nicht antworten. Darum lasse man diese Schriftstelle bei ihrer einfachen Be- deutung bleiben, weil weder die vor- hergehenden noch die folgenden Worte uns zu einem anderen Ver- ständnis zwingen oder führen. Und wenn hier auch Taufen für Lehren genommen stünde, würde dadurch nicht bewiesen, dass die Kindertaufe richtig sei. Soviel von der Taufe des Johannes. Von dem Amt der Apostel. Das vierte Kapitel. Jesus sprach abermals zu seinen Jüngern: Der Friede sei mit euch. Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden er- lasst, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Joh. 20,22f. Deshalb gehet hin in die ganze Welt, predigt das Evangelium allen Kreaturen, lehret alle Völker und tauft sie in dem Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Welcher glaubt und getauft wird, wird selig, welcher nicht glaubt, wird ver- dammt. Mark. 16: 15ff und Matth. 28:19f. Aus diesen Worten ist klar und deut- lich zu entnehmen, dass diese Sen- dung der Apostel in drei Artikeln und Befehlen besteht. Zum ersten im Predigen. Zum zwei- ten im Glauben. Zum dritten im äu- ßerlichen Taufen. Die Predigt der Gesandten ist gewe- sen, wie Gott der Sünde wegen ver- heißen habe, der Welt sein Wort zu senden, – wie die Propheten und Moses allenthalben diese Zusagen verkünden –, das habe er nun getan, und das Wort sei Mensch geworden, Jesus Christus, unser Heiland. Der sei nun wegen unserer Sünde ge- storben und wegen unserer Fromma- chung30 wieder auferstanden, damit alle die, die an ihn glaubten, nicht verloren würden, sondern das ewige Leben hätten (Röm. 4:25). Ebenso spricht David: Gott hat sein Wort gesandt und hat uns gesund ge- macht31 . Auch sagt Christus selbst: Ich bin gekommen in diese Welt, nicht damit ich sie verdamme, son- dern dass sie erhalten werde32 . Die- sen Christus haben wir aufgehängt an das Holz und gekreuzigt. Liebe Freunde, das ist nicht allein den leib- lichen Henkern Christi gesagt, son- dern uns allen, denn wir sind ja alle an seinem Tod schuldig. Er hat 30 Gerechtmachung; Rechtfertigung 31 vgl. Psalm 107:20 32 errettet werde; Joh. 12:47
  22. 22. 22 wahrlich unsere Krankheit gelitten, und unsere Schmerzen hat er getra- gen, und wir haben ihn gehalten für einen aussätzigen Menschen und ei- nen von Gott Verworfen. Er ist ver- wundet worden unserer Bosheit we- gen und zerquetscht unserer Laster wegen. (Jes. 53:4f) Eben deshalb beklagt sich Christus selbst durch den Propheten Jesaja und sagt: Je- doch habt ihr mich dienen gemacht33 mit euren Sünden und habt mit Mü- he bereitet mit euren Bosheiten. Ich bin’s, ich bin’s, der die Sünde tilgt um meinetwillen (denn es ist euch verheißen), und deiner Sünden wer- de ich nimmer gedenken. (Jes. 43:24f) Aus diesen und dergleichen Sprü- chen mehr, die die heiligen Apostel und Gesandten Christi allenthalben in ihren Predigten angeführt haben, sind die Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünden bewegt worden und haben doch dabei gehört, wie Chris- tus für sie gelitten habe, er habe sie bezahlt und dafür genuggetan34 am Kreuz. Das erfreut nun wiederum den Menschen, erquickt den Sünder und bringt ihn zurecht, so dass er seinen Glauben, Hoffnung und Lie- be auf Gott richtet und ihm alles Gu- te zutraut durch Jesus Christus, un- seren Herrn. Eben darum, und das ist die eigentliche Ursache, hat Christus seine Jünger gesandt, wie ihn Gott sein Vater gesandt hat, damit, wie er, Christus, selbst auf Erden zu den Gläubigen sagte: Sei getrost, stehe auf, gehe hin, deine Sünden sind dir vergeben, so sollen nun seine Jünger ihn, Christus, in seiner leiblichen Abwesenheit fortan vertreten und auch allen Gläubigen gewissen und sicheren Erlass ihrer Sünden zusa- gen durch ihn, Christus Jesus. Und dadurch kamen die Gläubigen zu Ruhe und Frieden in ihren Gewis- sen, denn sie wussten, dass sie einen 33 mich hart arbeiten lassen 34 Genugtuung geleistet; die Schuld erstattet gnädigen und barmherzigen Gott im Himmel bekommen hätten durch das Leiden Christi, zu dem sie schreien dürften: Vater, Vater, Vater unser, der du bist im Himmel. (Röm. 5:1, Röm. 8:15, Matth. 6:9) Wer da will, lese die schönen Predigten von Pet- rus, Paulus, Stephanus und anderen überall in den Geschichten der Sendboten35 samt den Angaben der Stellen aus dem Alten Testament, der wird’s also finden. Der zweite Artikel ist der Glaube. Darum predigt man, dass man glau- be und Gott vertraue. So beschreibt Paulus diesen Artikel den Römern in Kapitel 10:13ff: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll selig wer- den. (Joel 3:5) Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? Wie denn ge- schrieben steht: Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkün- digen, die das Gute verkündigen usw. So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Darum predigt man, dass man glaube, Gott vertraue, alles Gute von Gott, unserm himmlischen Vater, erwarte, dass er unser gnädi- ger, gütiger, milder, günstiger36 und barmherziger Vater sei im Himmel, der uns trage, beschütze und be- schirme wie ein Mensch sein Kind oder wie eine Henne ihre Küken un- ter ihren Flügeln. Diese Zuversicht und dieses herzliche Vertrauen zu Gott durch Jesus Christus, das heißt, durch die Gunst, Gnade und guten Willen, die Gott Vater gegenüber seinem allerliebsten Sohn Christus hat, das ist eben der rechte Glaube. Von diesem Glauben sind alle Bü- cher, voll, wenn sie denn gründlich den Glauben beschreiben. Und in 35 in der Apostelgeschichte 36 seine Gunst gewährender
  23. 23. 23 diesem Glauben sollen wir zu Gott schreien, bitten und rufen, dass er uns durch die Gunst und den geneig- ten Willen, den er gegenüber seinem Sohn hat, auch günstig sein wolle. Das heißt nun in dem Namen Jesu gebeten. Und was wir so im Namen Jesu vom Vater bitten, das wird er uns geben. Darum hat er uns sein ewiges, lebendiges Wort verbürgt und verpfändet, das uns in Ewigkeit nicht fehlgehen soll, eher müssten Himmel und Erde in Scherben fal- len. Wenn nun der Mensch, durch das Wort Gottes in die Erkenntnis seiner Sünden eingeführt, sich als ein Sün- der bekennt und noch weiter mit dem Wort Gottes belehrt wird, dass er um Verzeihung seiner Sünden zu Gott dem Vater um Christi willen rufen solle, so tut er das nun im Glauben und zweifelt nicht daran, jetzt habe ihm Gott sein Herz in die- sem Glauben und Vertrauen gerei- nigt und ihm alle seine Sünde erlas- sen. Sobald er diese Gnade und Gut- tat erkennt, ergibt er sich Gott und verpflichtet sich inwendig im Her- zen, ein neues Leben nach der Regel Christi zu führen. Damit er aber an- deren Christgläubigen sein Herz, Gemüt, Glauben und Vorhaben auch anzeige, begibt er sich in ihre Bru- derschaft und Kirche, auf dass er fortan mit ihnen und sie wiederum mit ihm als mit einem Christen um- gehen, nimmt deshalb an37 und gibt ein öffentliches Zeugnis seines in- wendigen Glaubens, und zwar lässt er sich mit Wasser taufen. Wir schreiben, beachte das genau, wie es sein soll. Ob es aber immer so sei bei denen, die sich taufen lassen, wollen wir Gott anheim stellen, der selbst die Herzen erkennt. Demsel- ben stehen und fallen sie auch, die damit recht und ungerecht umgehen. Denn wo es je recht zugeht, soll der 37 empfängt Glaube der Taufe vorausgehen. Dar- auf laufen alle Schriftstellen hinaus. Hieraus folgt, dass kein Mensch so blind und handlos sein kann, er muss es sehen und greifen, dass man nie- mand mit dem Wasser taufen soll, er bekenne denn zuvor den Glauben und wisse, wie er mit Gott dran sei. Das lehrt uns der heilige Petrus sehr gründlich in der ersten Epistel Kapi- tel 3:20ff und sagt, dass zur Zeit No- ahs auch etliche gläubige Seelen, als man die Arche zurüstete, erhalten38 wurden durchs Wasser hindurch, welches nun auch euch selig macht in der Taufe, die durch jenes ange- deutet ist, nicht das Abtun am Fleisch, sondern das zuverlässige Zeugnis39 eines guten Gewissens mit Gott durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher ist zur Rechten Got- tes in den Himmel gefahren. Da sieht und begreift ein jeder frommer Christ, dass, wer sich mit Wasser taufen lassen will, vorher zuverläs- siges Zeugnis39 eines guten Gewis- sens mit Gott durch das Wort Gottes haben soll, das heißt, dass er gewiss und sicher sei, dass er einen gnädi- gen, günstigen40 Gott habe durch die Auferstehung Christi. Daher stammt noch der Brauch, dass man bei der Taufe fragt: Glaubst du an Gott Va- ter usw. und an Christus usw.? Glaubst du an die Verzeihung der Sünden, an die Auferstehung des Leibes und das ewige Leben? So- dann antwortet, der da getauft wer- den will: Ja. Danach folgt die Wassertaufe. Nicht, dass dieselbe die Seelen reinigt, sondern sie ist das Ja eines guten Gewissens mit Gott, das da im Glauben inwendig vorausgegangen ist. Aus dem Grunde wird die Wasser- taufe genannt eine Taufe in remissi- onem peccatorum, Apg. 2:38, das 38 errettet 39 wörtl. gewisse Kundschaft 40 seine Gunst gewährenden
  24. 24. 24 heißt, zur Verzeihung der Sünden. Nicht, dass durch sie oder in ihr die Sünden erst verziehen würden, son- dern kraft des inwendigen Ja im Herzen, das der Mensch öffentlich bezeugt durch den Empfang der Wassertaufe, dass er glaube und im Herzen schon der Nachlassung41 seiner Sünden gewiss sei durch Je- sus Christus. Entsprechend wird die Taufe des Johannes eine Taufe der Buße genannt, das heißt, dass, wer sich taufen lassen will, sich zu sei- nen Sünden bekennt und dass er ih- rer schuldig sei. Hier erwäge und ermesse ein jeder Christenmensch, wie man doch die jungen Kindlein taufen soll, weil doch weder Wort, Predigt noch Glauben vorausgeht. O Christus, wie sind wir so weit von deiner Ordnung und deinem Befehl abgefallen. Wir bitten dich, du wol- lest uns aus Gnaden wieder auf die rechte Bahn helfen. Dass man aber meint, die Kindlein auf einen künftigen Glauben zu tau- fen, so zu handeln ist doch wohl ein Spott, denn es ist keineswegs so die Einsetzung Christi gewesen. Er sagt: Lehret alle Völker, und danach tauft sie in dem Namen des Vaters und Sohnes und Heiligen Geistes. So- dann weiß man auch nicht, ob es mit der Zeit des Kindes Wille sein wird oder nicht. Aber es ist genau ein Ding, Kindlein auf künftigen Glau- ben hin taufen, wie schon um Ostern herum einen Fassreifen42 auszuhän- gen auf künftigen Wein hin, der im Herbst erst gefasst werden soll, wo man noch nicht weiß, ob er vorher durch Hagel, Reif oder anderes Un- wetter verdorben wird. Nun kommen sie jetzt mit einem neuen Kunstgriff und nennen die Kindertaufe ein anfängliches Zei- chen. Mein Lieber, sag mir um Got- tes willen, was für ein Anfangen be- zeichnet denn dieses Zeichen? Ein 41 Vergebung 42 zum Zeichen des Weinausschanks Anfragen des Geistes Gottes? Dann hat es ihn vorher nicht gehabt, das spricht gegen dich. Oder das Anfan- gen des Glaubens? Das kannst du auch nicht sagen. Denn das Wort ist nicht vorausgegangen, aus dem al- lein der Glaube herfließt. Oder aber das Anfangen eines neuen Lebens? Das kann auch nicht sein, denn sie wissen nicht, was gut oder böse, neu oder alt ist, 5.Mose 1:39, 1.Kor. 14:20. Aber nun beschönigen sie es noch mehr und sprechen: Es ist ein anfängliches Zeichen, eine Zeremo- nie oder Teleta43 (auf griechisch), gleich als wenn man die jungen Kindlein in die Orden gestoßen hat. Man hat ihnen die Kutte verpasst, noch bevor sie die Statuten und Ord- nungen gekannt haben, sondern sie haben sie eben erst in der Kutte er- lernt. Antwort: Es sei griechisch oder kalkuttisch44 , so gefällt mir der Vergleich fast gut. Denn wie die ei- nem verpasste Kutte keinen Mönch macht und nichts nütze ist, sondern es gegen Gott geschieht, so macht die Kindertaufe keinen Christen, fängt kein neues Leben an, geschieht gegen die Einsetzung der Taufe Christi. Aus dem Haus mit solchen Kunstgriffen! Sie gehören nicht auf die Laute des Wortes Gottes. Man darf nur Schrift zu Schrift bringen, das wird wie die Harfe Davids klin- gen. Oder ich möchte fast fragen: Wie, wenn das Kind zu einem Nar- ren würde, was wäre da die Taufe für ein anfängliches Zeichen? Nun ziehen etliche einen fremden Glau- ben hervor, nämlich ihrer Väter und Mütter, Paten und Patinnen, und sa- gen: Auf den können die Kindlein getauft werden. Antwort: Ich finde keine Taufe in der Schrift, die auf einen fremden Glauben geht. Chris- tus spricht: Welcher selbst glaubt 43 antiker Fachausdruck für die Einweihung in einen Mysterienkult 44 beliebtes Wortspiel Kutte / Kalkutta (portugiesi- scher Hafen in Indien)
  25. 25. 25 und getauft wird. Ebenso fragt Phi- lippus den Schatzmeister: Glaubst du aus ganzem Herzen, so ziemt es sich45 . Aber man muss solche Leute schwätzen lassen, die Zunge ist schon bezahlt46 . Ja, nun gebrauchen sie noch einen spitzfindigen, subtilen Kunstgriff und geben zu, es sei vorzeiten so gewesen und es sei noch so, wenn man mit Ungläubigen zu tun habe, so müsse man ihnen erst predigen und, wenn sie glauben, sie alsdann taufen. Aber unsere Kindlein haben gläubige Väter und Mütter, darum könne man sie wohl taufen, noch ehe sie glauben. Wenn mir die Leute nicht zu gelehrt wären, dass ich mit ihnen reden dürfte, wollte ich sie nach zwei Dingen fragen. Erstens, ob unsere Kindlein, die gläubige Vä- ter und Mütter haben, selbst gläubig oder ungläubig sein. Jetzt muss man sie jeweils mit dem Wort Gottes un- terrichten und gläubig machen, wie man es mit anderen Ungläubigen auch tut. Zum zweiten höre ich von ihnen, dass es zweierlei Taufen ge- be. Eine für die Ungläubigen, die man zuerst mit dem Wort lehren muss und danach taufen, und die ist in der Schrift begründet. Die andere für die Kinder der Gläubigen, die man taufen kann und nicht vorher zu lehren braucht. Hier frage ich euch alle miteinander, wo diese Taufe in der Schrift zu finden ist. Wenn ihr’s mir nachweist, will ich euch sagen, wie Melchisedeks Vater geheißen hat47 . Aber es ist genug zu diesem Artikel, denn wollte ich all ihr un- sinniges Gerede beantworten, so würde mir die Zeit nicht reichen. Zum dritten. Somit besteht das Amt der Apostel in der äußerlichen Was- sertaufe, wenn Christus gesagt hat: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie usw. Da ist von der Was- 45 Apg. 8:37 46 soviel wie: ihr Geschwätz ist ihr einziger Lohn 47 d.h. es ist völlig ausgeschlossen; vgl. Hebr. 7:3 sertaufe die Rede, das kann niemand leugnen. Was aber diese Wassertau- fe sei, darüber ist oben im ersten Kapitel genügend enthalten, und be- sonders über die Wassertaufe, die im Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes geschieht. Es steht auch von diesem Amt in Mar- kus 16:15f geschrieben, woraus a- bermals deutlich und unmissver- ständlich hervorgeht, dass man die jungen Kinder ohne allen Grund der Schrift tauft, denn man soll jeweils vorher im Glauben belehrt und un- terrichtet worden sein. Du fragt jetzt in guter Meinung: Was oder doch wie viel muss ich wissen, wenn ich getauft werden will? Ant- wort: Das und soviel musst du wis- sen in dem Wort Gottes, ehe du dich taufen lässt, dass du dich als einen elenden Sünder bekennst und schul- dig gibst, dabei auch an die Verzei- hung deiner Sünden durch Jesus Christus glaubst und dich mit dem guten Vorsatz, dein Leben zu bes- sern und nach dem Willen Christi zu richten, zu einem neuen Leben ver- pflichtest, in der Kraft Gottes, des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Und wenn du dich darin verfehlst, dass du dich aber nach der Regel Christi, Matth. 18:15ff, stra- fen lassen wolltest, damit du von Tag zu Tag im Glauben gleichwie ein Senfkörnlein bis in die Wolken des Himmels aufwachsest. Das musst du wissen, denn dies zu wis- sen und zu glauben heißt glauben, dass Jesus der Christus ist, und die- ser Glaube ist vor der Taufe nötig, Apg. 2:38, 8:37, 16:31, 19:8f. Dar- um bin ich auch so wenig zufrieden mit den Wasserschüttern, die nur gießen, gießen, und es ist doch keine Lehre vorausgegangen. Ferner kenne ich viele fromme Christen, die öffentlich bekennen, dass die Kindertaufe in der Schrift keinen Grund hat, man solle deshalb die Kinder nicht taufen. Aber doch
  26. 26. 26 finden sie die Wiedertaufe, die man jetzt anwende, auch nicht in dem Wort Gottes begründet. Antwort: Liebe, fromme Christen, hört zu. Erstens irrt ihr darin, dass ihr die jet- zige Taufe, wie man sie braucht, ei- ne Wiedertaufe nennt, wenn doch die Taufe der Kindlein keine Taufe ist, nach eurem eigenen Bekenntnis und in Wahrheit. Demnach ist somit die eine Taufe, und es geschieht de- nen Gewalt und Unrecht, wenn man sagt, sie haben sich wiedertaufen lassen. Nein, nicht so, sondern sie haben sich taufen lassen. Dabei lasse man’s bleiben. Dass aber jeder Mensch, der da glaubt und nicht getauft ist, wenn denn die Kindertaufe keine Taufe ist, schuldig ist, sich taufen zu las- sen, ob er schon hundert Jahre alt wäre, das wollen wir mit trefflichen Gründen beweisen. I. Der erste. Christus Jesus, unser Seligmacher, hat gesagt, Matth. 28:18f: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet hin und lehret alle Völker, taufet sie in dem Namen usw. Hier befiehlt Christus seinen Aposteln zwei Stü- cke in Kraft der Vollmacht, die ihm Gott Vater gegeben im Himmel und auf Erden, nämlich, dass sie die Menschen lehren sollen. Zum zwei- ten: Und sie taufen im Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Sind nun diese zwei Stücke den Aposteln von Christus so hoch und ernstlich befohlen mit der ge- nannten Vollmacht, die ihm Gott gegeben hat, so sind sie auch ohne Zweifel beide mit gleichem Ernst dem Menschen anzunehmen befoh- len, weil ja sonst der Befehl umsonst wäre und vergeblich gegeben. Des- halb, wie es nötig ist, zu lehren und gelehrt zu werden, so auch, zu tau- fen und getauft zu werden, oder es müssen die Worte zugrunde gehen: Taufet sie in dem Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geis- tes. Eher müssen Himmel und Erde zerbrechen. II. Der zweite Grund. Dass die Was- sertaufe so mit hohen, mächtigen und unergründlichen Worten einge- setzt und geordnet ist, nämlich in dem Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes, – derglei- chen Wörter finden wir nirgends in dem alten oder neuen Testament so ausdrücklich und klar beieinander gesetzt –, daraus ist abermals der Ernst zu bemerken, dass Christus auf jeden Fall will, dass die, die im Glauben belehrt worden sind, ge- tauft werden sollen. Denn ein ernst- licher Befehl zieht einen ernstlichen Gehorsam und Befolgung nach sich. Führwahr, führwahr, ich sage euch, Christus hat solche kostbaren Worte nicht vergebens gebraucht für eine Sache, die man tun oder lassen kön- ne, wie ein jeder frommer Christ für sich selbst wohl erkennen kann. A- ber das ist eben die Art menschlicher Weisheit: Was Gott hoch achtet oder befiehlt, das schätzt sie am wenigs- ten. III. Der dritte Grund. Es steht ge- schrieben, Mark. 16:15: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangeli- um allen Kreaturen. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig, wer aber nicht glaubt, der wird ver- dammt. Wohlan, es steht auf jeden Fall klar da: 1. Gehet. 2. Prediget. 3. Wer da glaubt. 4. Und getauft wird. 5. Der wird selig. Hier siehst du eine ordentlich zusammengesetzte Rede, von der kein Buchstäblein fallen wird. Sie muss so eingehalten wer- den. Wer kann es nur anders ma- chen? Ja, sagst du, diese Ordnung ist denen gegeben, denen man zuerst das Evangelium predigen muss, ehe man sie dann tauft, und ist nicht den jungen Kindlein gegeben. Antwort: das gefällt mit gut, ich bin mit dieser
  27. 27. 27 Auskunft wohl zufrieden. Nun teile mir aber der Kindertäufer auch seine Ordnung und seinen Befehl mit. a Wo steht geschrieben: Gehet hin und taufet die jungen Kindlein der Gläubigen, und sechs oder acht Jah- re später, so predigt ihnen das Evan- gelium? Sehet, ihr lieben Kindertäu- fer, dass ihr euch einer Ordnung und einer Taufe rühmt, die in der Schrift ganz und gar keine Grundlage hat. IV. Der vierte Grund. Nachdem auch Petrus eine schöne Predigt gehalten und viele kostbare Schriftstellen an- geführt hatte, gingen die Zuhörer in sich, das heißt, sie erkannten sich als Sünder, und sagten zu Petrus und zu den anderen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder? Petrus antwortete ihnen: Bessert euch und lasse sich ein jeglicher tau- fen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heili- gen Geistes. Die nun sein Wort gern annahmen, das heißt, die da glaubten (denn glauben heißt, das Wort an- nehmen), ließen sich taufen und wurden hinzugetan an dem Tag bei dreitausend Seelen. Apg. 2:37ff. Hier sehen alle die, die Augen ha- ben, und hören alle, die da Ohren haben, dass es nicht genug ist, dass der Mensch seine Sünden bekennt und sein Leben bessert, sondern dar- über hinaus ist es vonnöten, dass er sich taufen lasse auf den Namen Je- su Christi. Nun wird da jeweils von der Wassertaufe geredet, denn die Geschichte bezeugt es selbst durch die dreitausend Seelen, die über das hinaus, dass sie sich ihrer Sünden schuldig bekannten und sein Wort gern annahmen, das heißt, an die Vergebung ihrer Sünden glaubten, welches alles vor der Wassertaufe geschah, sich danach erst auch mit Wasser taufen lassen mussten, nach a Man belege es! der Einsetzung Christi zur Verge- bung der Sünden. Das heißt, sie mussten öffentlich bezeugen, dass sie auch Jünger derjenigen wären, die an die Vergebung der Sünden glaubten durch Jesus Christus. Kurzum, die da glauben, sind auf- grund dieser Schriftstelle schuldig, sich taufen zu lassen, oder Petrus müsste lügen und verführen. Das ist ferne von ihm, denn die Worte ste- hen hell und klar da: Bessert euch, erstens; zweitens: und lasse sich ein jeglicher (niemand ausgenommen) taufen auf den Namen Jesu Christi. Ich halte dafür, diese Schriftstelle sei auch ein Herkules48 . V. Der fünfte Grund. Paulus schreibt an die Hebräer im Kapitel 10:22f diese Worte: So lasset uns hinzu- gehn (gemeint ist: zu Gott dem Va- ter durch das Blut Jesu) mit wahr- haftigem Herzen, in völligem Glau- ben, besprengt in unserem Herzen von dem bösen Gewissen und gewa- schen am Leib mit reinem Wasser, und lasset uns halten an dem Be- kenntnis der Hoffnung ohne Wan- ken. Das schreibt Paulus den Brü- dern des neuen Testaments, welche zu den Waschungen des alten Geset- zes nicht verpflichtet waren. Hier sieht, hört, riecht, schmeckt und greift man offensichtlich, dass alle die, die zu Gott durch das Blut Christi gehen wollen, gehen müssen mit wahrhaftigem Herzen, in völli- gem Glauben, besprengt in unseren Herzen von dem bösen Gewissen. Ebenso muss, muss, muss das je- weils auch geschehen mit einer Wa- schung am Leib mit reinem Wasser. Glaubst du das, so glaubst du dem Wort Gottes, glaubst du das nicht, so reiß und kratze diese Worte heraus. Was sollen sie im Buch, wenn sie nicht wahr sind? Ei, lieber Kindstäu- fer, reiße sie nicht heraus, bleib 48 ist so voller Kraft wie der Herkules der antiken Mythologie
  28. 28. 28 friedlich. Die Worte Gottes lassen sich nicht zerreißen, sie bleiben in Ewigkeit. VI. Der sechste Grund. Lies die Ge- schichten der Apostel, so findest du, Apg. 8:5ff, wie die Samariter dem Philippus glaubten und überdies sich danach taufen ließen. Ebenso glaub- ten Simon und der Schatzmeister der Königin Candace und wurden dar- aufhin getauft, im gleichen Kapitel [8:9ff.26ff]. Paulus glaubt und wur- de danach getauft, Apg. 9:19. Kor- nelius glaubte mit seinem Hausge- sinde, empfing den Heiligen Geist, und daraufhin wurden sie mit Was- ser getauft, Apg. 10:47f. Lydia, die Purpurkrämerin, und der Turmhüter haben geglaubt und sind danach erst getauft worden, Apg. 16:14. Viele Korinther haben geglaubt und wur- den getauft, Apg. 18:8. Die zwölf Männer in Ephesus glaubten an Je- sus und wurden getauft auf den Na- men des Herrn Jesu, Apg.19:5ff. Der Glaube und die Taufe des Paulus werden nochmals erwähnt, Apg. 22:16. Wer will und kann nun etwa denken, dass sich die alle hätten taufen las- sen, wenn sie nicht die Ordnung und der ernstliche Befehl Christi dazu bewogen hätten? Wahrlich, sie hät- ten auch wohl sagen können: Ja, wir glauben, ja, wir haben zum Teil auch den Heiligen Geist schon empfan- gen, was bedürfen wir der Taufe, der Glaube macht uns selig. Nein, nicht so. Sondern wer glaubt, der lässt sich taufen und disputiert nicht wei- ter, denn er sieht die Ordnung Chris- ti vor Augen, und zwar, wenn Was- ser und ein Täufer vorhanden sind. Wo man aber die zwei nicht be- kommen kann, da ist der Glaube ge- nug. Nimm ein Exempel. Wenn der Schatzmeister, auf dem Wagen ne- ben dem Philippus sitzend – und glaubend –, plötzlich gestorben wä- re, bevor sie zu dem Bach kamen, wäre er nicht weniger selig gewor- den als nach der Taufe. Das will Christus sagen, wenn er sagt: Wer glaubt und getauft wird, der wird se- lig, wer nicht glaubt, wird ver- dammt49 . Denn ohne Zweifel sind viele Tausend selig geworden, die nicht getauft sind, denn sie haben nicht dazu kommen können. Als nun der Schatzmeister den Täufer und das Wasser beieinander hatte, war er nach dem Befehl Christi schuldig, sich taufen zu lassen. Hätte er das nicht getan, hätte ihn Christus für einen Verschmäher und Übertreter seiner Worte gehalten, und er wäre demnach bestraft worden. VII. Der siebente Grund. Es ist nie ein Christ auf die Erde gekommen, so frevelhaft, gottlos und stolz, der da sagen dürfte dass die Wassertaufe nicht ein Befehl und eine Einsetzung Christi sei, und zwar für die Gläubi- gen, denn eine andere Taufe kann ich in der Schrift nicht finden. Ist nun die Wassertaufe eine Einsetzung und Pflanzung Christi, verflucht und verdammt ist der, kraft des Wortes Christi, der die Taufe auflöst, denn es steht geschrieben: Ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis dass es alles ge- schehe. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich, Matth. 5:19. Hier merkt ein jedes Schaf, dass die Taufe nötiger ist als der Tisch des Herrn, denn der Befehl der Wassertaufe geschieht mit Geset- zesworten: Gehet hin, lehret und tau- fet. Wer glaubt und getauft wird. Bessert euch und werde ein jeglicher getauft in dem Namen des Herrn Je- su. Diese Worte darf man nicht auf- lösen. Aber Paulus spricht von dem 49 Mark. 16:16
  29. 29. 29 Christenmahl: So oft und immer wenn ihr dies tut, – das ist freige- stellt, so sollt ihr des Herrn Tod ver- kündigen – das ist in Gesetzesform gesagt. Sieh hier, ob die, die sich nicht taufen lassen wollen, nicht Auflöser und Zerreißer der Worte Christi sind? VIII. Der achte Grund. Es kam Naeman mit Rossen und Wagen und hielt an vor der Tür des Hauses Elisas. Da sandte Elisa zu ihm einen Boten und sagte: Geh hin und werde siebenmal im Jordan gewaschen, so wird dein Fleisch Gesundheit empfangen und du wirst gereinigt werden. Da er- zürnte Naeman, fuhr hinweg und sagte: Ich meinte, er werde zu mir hinausgehen, dastehen und den Na- men des Herrn seines Gottes anrufen und hätte mit seiner Hand die Stelle des Aussatzes berührt und mich ge- sund gemacht. Sind nicht die Wasser in Damaskus besser als alle Wasser in Israel, dass ich darin gewaschen und gereinigt würde? Als er sich nun wandte und zornig davonzog, sind seine Knechte zu ihm gekommen und haben zu ihm gesagt: Vater, wenn dich der Prophet etwas Großes geheißen hätte, wahrlich, du würdest es getan haben, wie viel mehr, wo er dir nur gesagt hat: Werde gewaschen und gereinigt. Er ist daraufhin hin- abgefahren und hat sich siebenmal im Jordan gewaschen nach dem Be- fehl des Mannes Gottes, und sein Fleisch ist wieder gesund wie das Fleisch eines jungen Kindleins, und ist gereinigt worden. Darum hat er den Gott Israels hoch gelobt, 2.Kön. 5:9ff. Ebenso, fromme liebe Chris- ten, ist die Taufe nicht zu verachten, obwohl sie nur im Wasser geschieht. Denn hätte uns Christus in Malva- sier50 oder Balsam zu taufen befoh- len, so würden wir es doch tun, wie viel mehr, wo er nur gesagt hat: im 50 Malvasier, ein berühmter griechischer Wein Wasser. Denn so macht Gott die Weisheit dieser Welt zu einer När- rin. Und was hoch ist vor den Men- schen, das ist ein Gräuel vor dem Angesicht Gottes. IX. Der neunte Grund. In einem christ- lichen Leben51 ist allezeit der Wille Gottes, den er uns zu erkennen gibt in seinem Wort, höher und ernstli- cher zu erwägen als die Werke selbst. Denn, wie schon gesagt, will Gott bisweilen die allergeringsten und unansehnlichsten Werke von uns haben, um uns so zu prüfen und unsere Weltweisheit zu Boden zu stoßen. War es nicht ein schlichtes Werk, das er von Adam und Eva forderte, dass sie von der Frucht ge- nau jenes einen Baumes nicht essen sollten? War es nicht ein törichtes Gebot, dass man den achttägigen Knäblein das Häutlein vorn am Zim- pel abschneiden sollte? War es nicht ein gleichgültiges Gebot, das Gott gab, 5.Mose 23:13ff, und sprach: Du sollst außerhalb des Lagers einen Ort haben, und wenn du zu deiner Not[durft] hinausgehst, trage ein Schäuflein mit dir, grabe ein Grüblein, setze dich darüber und verscharre nachher, was von dir ge- gangen ist? Wie gefällt dir der Scheißpott, mit Verlaub gesagt? War es nicht auch ein schlichtes Ding um die Fußwaschung? Und doch sagt Christus zu Petrus: Wenn ich dich nicht wasche, wirst du kein Teil an mit haben, Joh. 13:8. Also, liebe Freunde, wiewohl nach der An- schauung der Menschen diese Wer- ke schlicht sind, will Gott sie doch haben. Denn wie Samuel zu Saul sagt, 1.Sam. 15:23, ist es wie ein Laster der Abgötterei, dem Wort des Herrn nicht gehorchen zu wollen. Darum seht euch vor, dass ihr recht wandelt und nicht nach menschli- cher Weise sagt: Ach, was ist’s? Es 51 wörtl. in einem Christlichen Wesen
  30. 30. 30 ist doch nur Wasser, was liegt unse- rem Herrn am Wasser? Ihm liegt gar nichts am Wein noch am Wasser, sein ist der Himmel und die Erde. Es liegt ihm aber an seinem Wort und Befehl, den [Gehorsam] fordert er und will ihn von uns haben, oder wir werden kein Teil an ihm bekommen in seinem Reich. Lügt, was ihr wollt. Ich habe euch treulich gewarnt. X. Der zehnte Grund. Wo die Was- sertaufe nicht ist, daselbst ist keine Kirche, kein Diener, weder Bruder noch Schwester, keine brüderliche Strafe, Ausschluss oder Wiederauf- nahme, und zwar reden wir hier von der äußerlichen Kirche, wie Chris- tus, Matth. 18:15ff. So muss es je- weils auch ein äußerliches Bekennt- nis und Zeugnis geben, durch das Brüder und Schwestern einander äu- ßerlich erkennen, denn der Glaube ist allein im Herzen. Aber durch den Empfang der Wassertaufe bezeugt der Getaufte öffentlich, dass er sich dazu verpflichtet habe, fortan nach der Regel Christi zu leben. Aufgrund dieser Verpflichtung hat er sich den Schwestern, Brüdern und der Kirche unterworfen, dass sie jetzt Gewalt haben, ihn, wenn er sich einer Über- tretung schuldig macht, zu ermah- nen, zu strafen, zu bannen und wie- deranzunehmen. Aber das gilt nicht von denen, die noch draußen sind. Höre, wie Paulus von denen redet, die draußen oder drinnen sind, 1.Kor. 5:9ff: Ich habe euch ge- schrieben in dem Brief, dass ihr nichts mit den Buhlern52 zu schaffen haben sollt? [Ja, aber] das meine ich gar nicht von den Buhlern dieser Welt oder von den Geizigen oder von den Räubern oder von denen, die Bilder verehren, ihr müsstet sonst aus der Welt gehen. Nun aber habe ich euch geschrieben, ihr sollt nichts mit denen zu schaffen haben. 52 unzüchtigen Liebhabern Wenn nämlich jemand da ist, der sich einen Bruder nennen lässt und ist ein Buhler oder ein Geiziger oder ein Verehrer der Bilder oder ein Schelter oder ein Säufer oder ein Räuber, mit demselben sollt ihr auch nicht essen. Denn was gehen mich die draußen an, dass ich sie richten sollte? Richtet ihr doch nicht einmal die, die drinnen sind. Gott aber wird die, die draußen sind, richten. Tut von euch hinaus, wer böse ist. Sagst du aber: Die Strafe und die Gewalt gebrauchen die Brüder und Schwes- tern beim Nachtmahl; wer da mites- sen will und doch ein öffentlicher Sünder ist, derselbe wird ausgeschlossen. Darauf antworte ich: Nun müssen ja die Schwestern und Brüder, auch ehe man zum Nachtmahl zusammenkommt, eingeschrieben sein und übereinander Gewalt53 haben, denn man muss ja den Sünder vorher zweimal gestraft haben. Woher kommt die Gewalt, wenn nicht allein aus der Verpflichtung [in] der Tau- fe?Das sind nun zehn Gründe, das heißt, zehn Marksteine, die ich ge- legt habe, damit sie öffentlich davon Zeugnis geben, dass alle die, die da glauben, schuldig sind, sich taufen zu lassen nach der Pflanzung Christi. Wer das nicht tut, soll als ein Knecht, der den Willen seines Herrn weiß, mit viel Schlägen gestraft werden. Wenn nun etliche naseweise Leute hier einwerfen und sagen: Ei, nun kann doch einer glauben, sein Leben ändern, bessern und sich nach der Regel Christi richten, obschon er nicht mit der äußerlichen Taufe ge- tauft ist, deshalb ist das Taufen nicht vonnöten. Antwort: Das solltet ihr Hochgelehrten nicht mir, sondern Christus selbst gesagt haben, bevor er die Taufe eingesetzt hat, damit er dieselbe unterlassen hätte. Aber ihr 53 gegenseitige Vollmacht
  31. 31. 31 seid damals nicht seine Ratsherren gewesen, wenn ich recht gehört habe – ein übles Versäumnis. Die Schriftstellen von der Taufe Christi. Das fünfte Kapitel. Hier bitte ich dich abermals, lieber Leser, dass du in den nachfolgenden Schriftstellen von der Taufe Christi in den Worten und in der Bedeutung diese Ordnung genau wahrnehmest. 1. Wort. 2. Hören54 . 3. Glaube. 4. Taufe. 5. Werke. Aus dieser Ordnung ergründest du mit Gewissheit, ob man die jungen Kindlein taufen soll. Matthäus 28:18ff Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, darum gehet hin und a lehret alle b Völker und c tau- fet sie in dem Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie d halten alles, was ich euch befohlen habe. Genau diese Wassertaufe finde ich in dieser Schriftstelle, die die Apostel ge- braucht haben, und sonst keine ande- re. Nun können aber die Kinder nicht vorher gelehrt werden. Des- halb kann man sie mit der Taufe nicht taufen. Das ist fest wie eine Mauer. 54 wörtl. Gehör a Wort b Glaube c Taufe d Werke Markus 16:15f Gehet hin in alle Welt und e predigt das Evangelium allen f Kreaturen. Wer da g glaubt und h getauft wird, der wird i selig werden. Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Nun finde ich aber keinen Text, der da lautet: Gehet hin in alle Welt und taufet die jungen Kindlein und lehret sie nach etlichen Jahren. Nicht ge- tauft zu sein, das verdammt nicht, wenn man einen Täufer oder das Wasser nicht haben kann, aber nicht zu glauben, das verdammt. Apostelgeschichte 2:36ff Die nun zerstreut waren, gingen und a predigten das Evangelium. Philip- pus aber kam hinab in eine Stadt Samariens und predigte ihnen von Christus. Das Volk aber hatte ein- mütig acht auf das, was von Philip- pus gesagt ward, b hörten ihm zu usw. Es war aber zuvor in der Stadt ein Mann mit Namen Simon, der trieb Zauberei und verzauberte das sama- ritische Volk und gab vor, er wäre etwas Großes. Und sie sahen alle auf ihn, von dem Kleinsten an bis auf den Größten, und sprachen: Der ist die Kraft Gottes, die da groß ist. Sie sahen aber darum auf ihn, dass er sie lange Zeit mit seiner Zauberei ver- zaubert hatte. Da sie aber den Pre- digten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu e Wort f Hören g Glauben h Taufe i Seligkeit a Wort b Hören

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