Bildung braucht Jugendarbeit

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Vortrag auf dem Schulsozialarbeiter_innen-Fachtag in Bremen 2016.

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Bildung braucht Jugendarbeit

  1. 1. Bildung braucht Jugendarbeit ein Plädoyer für die Kinder- und Jugendarbeit aus der Perspektive von Bildungsarbeit mit Fokus auf Kooperationspotentiale von Schule und Jugendarbeit
  2. 2. Jana Sämann …studierte bis 2013 Soziale Arbeit mit einem Schwerpunkt auf Außerschulischer Bildung. …teamt seit 2011 Seminare im Bereich politischer Bildung. …absolvierte 2013/14 das Anerkennungsjahr im Landesinstitut für Schule sowie im Referat für Kinder- und Jugendförderung der Senatorischen Behörde für Soziales, Kinder, Frauen und Jugend. …arbeitet seit 2015 als Bildungsreferentin der Nfj Bremen im Jugendhaus Buchte.
  3. 3. Was ist Jugendarbeit? Ju|gend|ar|beit „Gesamtheit aller von Staat, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien durchgeführten Tätigkeiten, die sich mit Bildung und Freizeitgestaltung von Jugendlichen befassen“ Kinder- und Jugendarbeit umfasst… „alle außerschulischen und nicht ausschließlich berufsbildenden, vornehmlich pädagogisch gerahmten und organisierten, öffentlichen, nicht kommerziellen bildungs-, erlebnis- und erfahrungsbezogenen Sozialisationsfelder von freien und öffentlichen Trägern, Initiativen oder Arbeitsgemeinschaften“
  4. 4. § 11 SGB VIII Jugendarbeit (1) Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen. (2) Jugendarbeit wird angeboten von Verbänden, Gruppen und Initiativen der Jugend, von anderen Trägern der Jugendarbeit und den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe. Sie umfasst für Mitglieder bestimmte Angebote, die offene Jugendarbeit und gemeinwesenorientierte Angebote.
  5. 5. § 11 SGB VIII Jugendarbeit (3) Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehören: 1. außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung, 2. Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit, 3. arbeitswelt-, schul- und familienbezogene Jugendarbeit, 4. internationale Jugendarbeit, 5. Kinder- und Jugenderholung, 6. Jugendberatung. (4) Angebote der Jugendarbeit können auch Personen, die das 27. Lebensjahr vollendet haben, in angemessenem Umfang einbeziehen.
  6. 6. Arbeitsformen von Jugendarbeit „Jugendarbeit ist nicht an bestimmten Arbeitsformen erkennbar, sondern an der Umsetzung ihrer Prinzipien“ Wolfgang Ilg 2013 Jugendarbeit – Grundlagen, Prinzipien und Arbeitsformen
  7. 7. Prinzipien von Jugendarbeit Freiwilligkeit Partizipation und Selbstorganisation Gruppenbezug Lebensweltorientierung Werteorientierung Akzeptierender Ansatz Herrschaftsarmut Verzicht auf Leistungskontrollen Prozessorientierung nach Thomas Coelen 2003 Kommunale Jugendbildung. Raumbezogene Identitätsbildung zwischen Schule und Jugendarbeit
  8. 8. Bildung in der Jugendarbeit „Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehören: 1. außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung“ „Tätigkeiten, die sich mit Bildung […] von Jugendlichen befassen“ „bildungs-bezogene Sozialisationsfelder“
  9. 9. Bildungsbegriff(e) Burkhardt Müller 1996 Bildungsansprüche in der Jugendarbeit „Erweiterung von Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein“ Benedikt Sturzenhecker 2006 Jugendarbeit ist Bildung Albert Scherr 2000 Emanzipatorische Bildung des Subjekts „Hauptaufgabe der Jugendarbeit ist die emanzipatorischer Subjektbildung und nicht ein Erziehungs- oder Wissensvermittlungsauftrag“ „Vorgang, durch den ein Individuum zu einer eigenen Wertorientierung und Lebensform kommt“
  10. 10. Bildungsinhalte Verfügungswissen Faktenwissen um Ursachen, Wirkungen und Mittel hat eine Qualifizierungsfunktion Orientierungswissen Interpretationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Urteilsvermögen, … Wissen um ethische Begründbarkeit des eigenen Handelns dient zur Orientierung im gesellschaftlichen Kontext nach: Jürgen Mittelstraß 2002 Bildung und ethische Masse
  11. 11. formal, non-formal, informell formale Bildung non-formale Bildung informelle Bildung
  12. 12. Bildungsverständnis in der Jugendarbeit Auf freiwilliger Basis und unter Beteiligung der Jugendlichen werden non-formale und informelle settings geschaffen, in denen Prozesse zur Bildung eines Orientierungswissens angestoßen werden mit dem Ziel der Befähigung zu Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Mitverantwortung. Ellen Schneider 2009 Bildung in der Jugendarbeit „Innerhalb der gemeinsamen Bildungsverantwortung der verschiedenen Bildungsakteure leistet die Jugendarbeit hinsichtlich des gesamtgesellschaftlichen Auftrages einen spezifischen Bildungsbeitrag.“
  13. 13. Relevanz Misserfolge formeller Schulbildung beim Ausgleich von Benachteiligungen aufgrund sozialer Herkunft Bundesjugendkuratorium 2004 Neue Bildungsorte für Kinder und Jugendliche „Für den formalen Sektor besteht ein dringender Bedarf, nicht-formales und informelles Lernen anzuerkennen.“ ungenügend berücksichtigte Bedeutung außerschulischer Bildungsprozesse
  14. 14. Bremer Thesen zur Sozialen Arbeit an Schulen von der LAG Schulsozialarbeit und den Organisator_innen des 4. Fachtag Schulsozialarbeit entworfen und Anfang 2015 veröffentlicht „Die Thesen beschreiben, wie wir uns Schulsozialarbeit in Bremen in der Zukunft vorstellen und haben damit einen klaren Forderungscharakter, an die Bildungsbehörde, an die Politik, und manchmal auch an uns selbst.“
  15. 15. Bremer Thesen zur Sozialen Arbeit an Schulen
  16. 16. Bildungsverständnis in der Jugendarbeit Auf freiwilliger Basis und unter Beteiligung der Jugendlichen werden non-formale und informelle settings geschaffen, in denen Prozesse zur Bildung eines Orientierungswissens angestoßen werden mit dem Ziel der Befähigung zu Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Mitverantwortung.
  17. 17. Relevanz als Folge einer Überforderung durch zunehmende gesellschaftliche Komplexität (Individualisierung, Globalisierung, Verlust von Handlungsperspektiven) „politische Paralysierung“ Wilhelm Heitmeyer 1991 Individualisierungsprozesse und Folgen für die politische Sozialisation von Jugendlichen Notwendig sind konkrete Partizipationsstrukturen, die an die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen anschlussfähig sind. So wirkt (Jugend-)Beteiligung zum Klaus Hurrelmann 1997 Veränderte Jugend „ Erhalt und Ausbau der demokratischen Grundordnung“
  18. 18. Kooperationsverhältnis Jugendarbeit-Schule Friedrich Reimers 1913 Die Träger der Jugendpflege „So sehr vieles – und oft gerade das Beste – kann man den Jugendlichen doch nicht in der Schule geben, das muss außerhalb derselben geleistet werden.“ „Erklärter Zweck derselben ist, schon früh das zu untergraben, was christliche Familie und Schule an religiös-sittlicher und staatsbürgerlicher Erziehung aufgebaut haben.“ August Pieper 1910 über sozialdemokratisch organisierte Jugendorganisationen Jugendfürsorge und Jugendvereine
  19. 19. Herausforderungen im Verhältnis Schule und Jugendarbeit Inhalte, Arbeitsweisen und Funktionen • Schule mit sehr klaren inhaltlichen, zeitlichen und personellen Strukturen, Jugendarbeit mit sehr viel flexibleren Strukturen kann dagegen konzeptlos wirken • Jugendarbeit mit Schwerpunkt Subjektbildung, Schule mit Schwerpunkt Qualifizierung • Hierarchische vs. Herrschaftsarme Strukturen Institutionelle Asymmetrie • Größenunterschiede • Finanzielle und gesetzliche Absicherung • Zertifizierung der institutionell erzielten Resultate • Gesellschaftliche Anerkennung Berufskulturelle Schwierigkeiten • Gegenseitige Unkenntnis der Arbeitsfelder • und daraus resultierende unzutreffende Erwartungen nach: Bettina Pauli 2008 Kooperation von Jugendarbeit und Schule: Chancen und Risiken
  20. 20. Praxis „Ziel sollte die Einnahme einer komplementären Perspektive von formalen, nicht-formalen und informellen Bildungsanteilen unter gegenseitiger Anerkennung der jeweiligen pädagogischen Profession sein, um im Sinne der Jugendlichen die Vernetzung von Kompetenzen aller Bereiche zur Verbesserung individueller Förderung zu erreichen.“ Ellen Schneider 2009 Bildung in der Jugendarbeit
  21. 21. Courage- und Gender-Projekttage Projekttage zu vielfältigen Themen politischer Bildungsarbeit (Diskriminierung, Geschlechterbilder, Rassismus, Nationalismus…) – die Interessen der Teilnehmenden werden in der Vorbereitung abgefragt und individuelle Schwerpunkte gesetzt Begreifbar machen, wie Mechanismen von Macht und Unterdrückung funktionieren Meinungsbildung anregen und diese in Schule und Gesellschaft vertreten Durchführung außerhalb von Schule, ohne anwesende Lehr- oder Betreuungspersonen Teamer_innen bilden sich laufend in Arbeitskreisen weiter
  22. 22. Bildungsreisen historisch-politische Bildung am spezifischen Interesse einer Clique im Jugendzentrum ausgerichtet, arbeitet die Gruppe selbstständig zu Themen des Deutschen Faschismus. Mit Unterstützung des Freizis werden Seminare und Fahrten zu Gedenkstätten organisiert. Internationale Jugendbegegnung In Kooperation organisieren Jugendzentrum und Schule eine Internationale Jugendbegegnung nach London. Es gibt ein gemeinsam erstelltes Konzept, welches die Aspekte sprachlicher Bildung, Begegnung und Austausch umfasst.
  23. 23. SchuLeiCa Jugendgruppenleiter_innen-Ausbildung in der Schule Die SchuLeiCa ist die Ausbildung für Schüler_innen ab der 8. Klassenstufe zur Anleitung von Gruppen im Kontext von Schule. Ziel: Partizipation von Schüler_innen an Schule fördern, selbstorganisierte Angebote im Rahmen von AGs, Projekttagen Ausbildungsphase: in Seminaren werden die Themenfelder Gruppenpädagogik, Konflikmanagement, Projektmanagement, Spielpädagogische Methoden sowie Sensibilisierung für Diskriminierung bearbeitet. Es werden eigene Gruppenangebote entwickelt. Erprobungsphase: Schüler_innen bieten eigenständig Projekte an ihrer Schule oder in den Jugendfreizeiteinrichtungen des BDP oder der NfJ an. Dabei werden sie beraten und unterstützend begleitet.
  24. 24. Expert_innen-Konferenz kollaboratives Lernen in der Medienkompetenzförderung Workshop für Schüler_innen, in dem das aktuelle Medienverhalten der Teilnehmenden thematisiert und reflektiert wird. Jugendliche werden dabei als Expert_innen ihrer Lebenswelt wahrgenommen, Erwachsene bekommen es von den Schüler_innen erklärt. Ziel: Anstoß zur Reflexion der eigenen Mediennutzung Inhalte: Einführung ins Thema „Medienwelten”, Recherche zu selbstgewählten Themen, Diskussion
  25. 25. Chancen in der Kooperation …für Kinder und Jugendliche • Erschließen der Institutionen im Stadtteil und ihrer Angebote sowie niedrigere Hemmschwelle, Angebote in Anspruch zu nehmen • neue soziale Kontakte und Netzwerke im selbstgewählten Kontext • Bildungserfahrungen ohne Leistungsdruck • Wenig hierarchische Bereiche der non-formellen und informellen Bildung ermöglichen umfangreiche Partizipationsprozesse • Verbindung unterschiedlicher Bildungssettings ermöglicht es, unterschiedliche Grade von Freiheit, Verantwortung und Beteiligung auszuprobieren • Lernprozesse im Umgang mit Pluralität, Komplexität und Ungewissheit
  26. 26. Chancen in der Kooperation …für Schule und Jugendarbeit • Entlastung von pluralen pädagogischen Aufgaben v. a. von Lehrer_innen • Perspektivwechsel: Ressourcen- statt Defizitorientierung • Methodische Kompetenzen aus der interprofessionellen Kooperation tragen zu differenzierteren Lehr- und Lernformen bei • Höherer Bekanntheitsgrad der eigenen Angebote • Ganztagsschul-Bezug • Das Einbinden ins Schulsystem kann für Jugendarbeit eine Aufwertung in der öffentlichen Wahrnehmung bedeuten • Verwirklichung professionspolitischer Ansprüche
  27. 27. Bildung braucht Jugendarbeit.

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