Social Web - Praktiken und Öffentlichkeiten<br />Jan-Hinrik Schmidt<br />Wissenschaftlicher Referent <br />für digitale in...
Noch ein Strukturwandel von Öffentlichkeit?<br />Social Web<br />2 von 23<br />
Worüber spreche ich?<br />Die Ausgangslage: Was passiert gerade im Internet? <br />Individuelle Praktiken und überindividu...
Zielgruppe der Zukunft? Die Digital Natives<br />„Was wäre, wenn es kein Internet gäbe?“[Zitate aus Gruppendiskussionen mi...
Digital Natives?<br />Social Web<br />5 von 23<br />
Verbreitung des Social Web nach Alter<br />Erläuterung: Repräsentativ für deutsche Online-Nutzer ab 14 Jahren; Anteil der ...
Worüber spreche ich?<br />Die Ausgangslage: Was passiert gerade im Internet? <br />Individuelle Praktiken und überindividu...
Universalmedium Internet<br />Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen, Kompetenz...
Social-Web-Praktiken<br /><ul><li>Das Social Web hilft dabei, Anforderungen unserer gegenwärtigen Gesellschaft zu erfüllen:
„vernetzte Individualität“ als Leitbild
Informationsüberfluss als Kontext
Nutzung des Social Web ist somit Teil umfassender gesellschaftlicher Praktiken</li></ul>Social Web<br />9 von 23<br />
Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten<br /><ul><li>Social Web lässt persönliche Öffentlichkeiten entstehen, in denen Nutzer
(a) Informationennach Kriterien der persönlichen Relevanz auswählen,[anstatt nach journalistischen Nachrichtenfaktoren]
(b) sich an (intendiertes) Publikum richten, das aus sozialen Kontakten besteht,	[anstatt des verstreuten, unbekannten, un...
(c) und sich im Kommunikationsmodus des „Konversation Betreibens“ befinden.[anstatt im Modus des „Publizierens“]</li></ul>...
Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten<br /><ul><li>Im Social Web verschwimmt die Trennung zwischen „Sender“- und „Empfän...
Twitter, Facebook u.ä. Angebote haben Konzept des „streams“ popularisiert  – der konstante Informationsfluss, der an die S...
Konvergenz von Konversation und Publikation<br /><ul><li>Social Web macht professionellen Journalismus nicht überflüssig
Aber es bedrängt dessen Monopol auf das Auswählen, Aufbereiten und öffentliche zur-Verfügung-Stellen von Informationen…
… nicht so sehr, weil Nutzer auch als Urheber von Informationen auftreten („user-generatedcontent“; „citizenjournalism“)
…sondern vor allem, weil Nutzer als Filter bzw. Multiplikatoren innerhalb ihrer sozialen Netzwerke agieren und Information...
Social Web<br />13 von 23<br />Publizistische und persönliche Öffentlichkeiten<br /><ul><li>In den vernetzten Öffentlich-k...
Publizistische Angebote machen ihre Inhalte für die neuen Plattformen zugänglich
Nutzer verlinken, retweeten, bookmarken, diggen, teilen und empfehlen journalistische Inhalte
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  1. 1. Social Web - Praktiken und Öffentlichkeiten<br />Jan-Hinrik Schmidt<br />Wissenschaftlicher Referent <br />für digitale interaktive Medien <br />und politische Kommunikation<br />Augsburg, 21.09.2011<br />
  2. 2. Noch ein Strukturwandel von Öffentlichkeit?<br />Social Web<br />2 von 23<br />
  3. 3. Worüber spreche ich?<br />Die Ausgangslage: Was passiert gerade im Internet? <br />Individuelle Praktiken und überindividuelle Folgen: Wie wandelt sich Öffentlichkeit?<br />Einige Ratschläge: Was folgt daraus für Journalismus?<br />Social Web<br />3 von 23<br />
  4. 4. Zielgruppe der Zukunft? Die Digital Natives<br />„Was wäre, wenn es kein Internet gäbe?“[Zitate aus Gruppendiskussionen mit Jugendlichen in Hamburg und im Emsland]<br />„Ich glaube, man würde damit klar kommen. Aber wenn man wüsste, dass es das mal gab und dann abgeschafft wird, ich glaub, dann würde ich durchdrehen. [- Warum? -] Ich müsste dann auf Youtube-Videos und so verzichten, und die sind schon witzig. Oder Chat und so.“ [Mädchen, 14 Jahre]<br />„Bei mir ist es, ich nutze halt das Internet einerseits sehr viel zur Kommunikation – Messenger läuft bei mir fast 24 Stunden am Tag, SchülerVZ ist natürlich auch hoch frequentiert. Aber zum Zweiten nutze ich das auch sehr viel, um mir halt Informationen zu beschaffen, die ich brauche.“ [Junge, 17 Jahre]<br />„Es geht auch ohne Internet, man kann ja auch was machen, was man nicht im Internet macht. Man kann zum Beispiel Playstation spielen, oder Nintendo DS, es gibt alles mögliche. Man muss nicht immer in Internet rennen, sonst is man n Internet-Freak.“ (Mädchen, 13 Jahre)<br />Social Web<br />4 von 23<br />
  5. 5. Digital Natives?<br />Social Web<br />5 von 23<br />
  6. 6. Verbreitung des Social Web nach Alter<br />Erläuterung: Repräsentativ für deutsche Online-Nutzer ab 14 Jahren; Anteil der Befragten, die Angebote zumindest selten nutzen. <br />Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2011; zitiert nach Busemann/Gscheidle2011. <br />Social Web<br />6 von 23<br />
  7. 7. Worüber spreche ich?<br />Die Ausgangslage: Was passiert gerade im Internet? <br />Individuelle Praktiken und überindividuelle Folgen: Wie wandelt sich Öffentlichkeit?<br />Einige Ratschläge: Was folgt daraus für Journalismus?<br />Social Web<br />7 von 23<br />
  8. 8. Universalmedium Internet<br />Identitätsmanagement (Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen, Kompetenzen, etc.)<br />Beziehungsmanagement (Pflege von bestehenden und Knüpfen von neuen Beziehungen<br />Informationsmanagement (Selektion und Weiterverbreitung von relevanten Daten, Informationen, Wissen- und Kulturgütern)<br />Das Social Web senkt technische Hürden für onlinebasiertes…<br />Social Web<br />8 von 23<br />
  9. 9. Social-Web-Praktiken<br /><ul><li>Das Social Web hilft dabei, Anforderungen unserer gegenwärtigen Gesellschaft zu erfüllen:
  10. 10. „vernetzte Individualität“ als Leitbild
  11. 11. Informationsüberfluss als Kontext
  12. 12. Nutzung des Social Web ist somit Teil umfassender gesellschaftlicher Praktiken</li></ul>Social Web<br />9 von 23<br />
  13. 13. Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten<br /><ul><li>Social Web lässt persönliche Öffentlichkeiten entstehen, in denen Nutzer
  14. 14. (a) Informationennach Kriterien der persönlichen Relevanz auswählen,[anstatt nach journalistischen Nachrichtenfaktoren]
  15. 15. (b) sich an (intendiertes) Publikum richten, das aus sozialen Kontakten besteht, [anstatt des verstreuten, unbekannten, unverbundenen Publikums der Massenmedien]
  16. 16. (c) und sich im Kommunikationsmodus des „Konversation Betreibens“ befinden.[anstatt im Modus des „Publizierens“]</li></ul>Social Web<br />10 von 23<br />
  17. 17. Entstehen persönlicher Öffentlichkeiten<br /><ul><li>Im Social Web verschwimmt die Trennung zwischen „Sender“- und „Empfänger“-Rollen der Massenkommunikation
  18. 18. Twitter, Facebook u.ä. Angebote haben Konzept des „streams“ popularisiert – der konstante Informationsfluss, der an die Seite bzw. Stelle von statischem Text tritt</li></ul>Social Web<br />11 von 23<br />
  19. 19. Konvergenz von Konversation und Publikation<br /><ul><li>Social Web macht professionellen Journalismus nicht überflüssig
  20. 20. Aber es bedrängt dessen Monopol auf das Auswählen, Aufbereiten und öffentliche zur-Verfügung-Stellen von Informationen…
  21. 21. … nicht so sehr, weil Nutzer auch als Urheber von Informationen auftreten („user-generatedcontent“; „citizenjournalism“)
  22. 22. …sondern vor allem, weil Nutzer als Filter bzw. Multiplikatoren innerhalb ihrer sozialen Netzwerke agieren und Informationen (auch aus etablierten Medien) miteinander teilen</li></ul>+1, Fav-Stern, Retweet<br /> Diese Konvergenz von Konversation & Publikation wird zukünftig die Art und Weise prägen, wie wir uns individuell informieren und gesellschaftlich beobachten bzw. verständigen<br />Social Web<br />12 von 23<br />
  23. 23. Social Web<br />13 von 23<br />Publizistische und persönliche Öffentlichkeiten<br /><ul><li>In den vernetzten Öffentlich-keitendes Social Web äußert sich „Anschlußkommunikation“ des Publikums
  24. 24. Publizistische Angebote machen ihre Inhalte für die neuen Plattformen zugänglich
  25. 25. Nutzer verlinken, retweeten, bookmarken, diggen, teilen und empfehlen journalistische Inhalte
  26. 26. Die Online-Ableger etablierter publizistisch-redaktioneller Angebote bündeln aber nach wie vor das Gros der Aufmerksamkeit</li></li></ul><li>Nur wenig Kritik journalistischer Angebote in Blogs<br />Anteil bewertender Verweise von Blogs auf andere Online-Quellen (in %)<br />Quelle: Auswertung von N=1.750 Links von Blogs auf populäre journalistische Online-Angebote (Quelle hierfür: www.technorati.com)<br />Social Web<br />14 von 23<br />
  27. 27. Monitoring von Themen und Diskussionen<br />Social Web<br />15 von 23<br />
  28. 28. Quelle: Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009<br />Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation <br />Social Web<br />16 von 23<br />
  29. 29. z.B. Parteien, Vereine, Ver-bände, Kirchen, Stiftungen, …<br />Quelle: Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009<br />Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation <br />Social Web<br />17 von 23<br />
  30. 30. Folge des Medienwandels: Dis-/Reintermediation <br />Journalistische Vermittlung +<br />Reintermediation<br />z.B. Parteien, Vereine, Ver-bände, Kirchen, Stiftungen, …<br />z.B. Politische Akteure<br />Quelle: Neuberger/Nuernbergk/Rischke 2009<br />Social Web<br />18 von 23<br />
  31. 31. Worüber spreche ich?<br />Die Ausgangslage: Was passiert gerade im Internet? <br />Individuelle Praktiken und überindividuelle Folgen: Wie wandelt sich Öffentlichkeit?<br />Einige Ratschläge: Was folgt daraus für Journalismus?<br />Social Web<br />19 von 23<br />
  32. 32. 3. Journalistische Praxis: Einige Ratschläge<br />1) Reagieren Sie auf Erwartungen der „people formerly known as the audience“ <br /><ul><li>Kompetent, rasch und professionell das Wichtige vom Unwichtigen trennen und aufbereiten= (Qualitäts-)Journalismus betreiben!
  33. 33. Anschlusskommunikation erleichtern= Ihren Lesern/Hörern/Sehern die Möglichkeit bieten, Ihre Inhalte zu empfehlen und in anderen Kontexten zu verwenden
  34. 34. Konversationen anstoßen und moderieren= sich nicht (mehr) als „Sender“ oder gar „Verkünder“ begreifen, sondern mit Ihrem Publikum kommunizieren – auch um zu lernen
  35. 35. Dialog- und Kritikfähigkeit zeigen= damit rechnen (und sich dafür wappnen), dass Sie auch Fehler machen – und dass die Kritik des Publikums schnell sichtbar wird</li></ul>Social Web<br />20 von 23<br />
  36. 36. 3. Journalistische Praxis: Einige Ratschläge<br />2) Orientieren Sie sich selbst in den entstehenden Öffentlichkeiten<br /><ul><li>Allgemeinen Überblick zur „Nachrichtenlage des Social Web“ verschaffen (z.B. über rivva.de)
  37. 37. Ggfs. Recherchen zu spezifischen Themen, Meinungen oder Einschätzungen in den (Experten-) Öffentlichkeiten des Social Web anstellen
  38. 38. Dabei aber bitte den ethisch relevanten Unterschied beachten: zugänglich heisst nicht unbedingt auch öffentlich</li></ul>Social Web<br />21 von 23<br />
  39. 39. Fazit<br /><ul><li>Das Internet verändert das soziotechnische Umfeld, in dem Menschen Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement betreiben
  40. 40. Es lässt einen neuen Typ von Öffentlichkeit entstehen: Persönliche Öffentlichkeiten, die aus Informationen von persönlicher Relevanz bestehen, die an vergleichsweise kleine Publika gerichtet sind; es geht eher um Konversation als um Publizieren
  41. 41. Dies wirkt sich nicht nur auf die Artikulation und Pflege sozialer Beziehungen aus, sondern ergänzt bzw. erweitert Leistungen des professionellen Journalismus und etablierter Medienorganisationen in zweierlei Hinsicht:</li></ul>(Produktion) Entstehen neuer themen- und gruppenspezifischer, nicht-institutionalisierter „Arenen“ mit eigenen Selektions- und Relevanzkriterien<br />(Filtern) „Gatekeeping“, das Beobachten, Selektieren und Aggregieren von Themen für ein Publikum, wird zunehmend auch von Laien sowie von Software-Code geleistet<br /><ul><li>Professionell betriebener Journalismus wird durch diese Veränderungen nicht überflüssig, muss sich aber auf den Strukturwandel von Öffentlichkeit einstellen</li></ul>Social Web<br />22 von 23<br />
  42. 42. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!<br />Dr. Jan-Hinrik Schmidt<br />Hans-Bredow-Institut<br />Warburgstr. 8-10, 20354 Hamburg<br />j.schmidt@hans-bredow-institut.de<br />www.hans-bredow-institut.de<br />www.schmidtmitdete.de<br />www.dasneuenetz.de<br />Social Web<br />23 von 23<br />
  43. 43. Quellennachweise Abbildungen<br />Folie 2:<br /><ul><li>[Kaffeehaus] http://en.wikipedia.org/wiki/File:ParisCafeDiscussion.png
  44. 44. [Zeitungen] CC-BY-NC-ND-2.0, Erik Hartberg, http://www.flickr.com/photos/captainsticky/344199724
  45. 45. [TV] CC-BY-SA-3.0, Takk, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Televison_Hungarian_ORION_1957.jpg
  46. 46. [Habermas] CC-BY-SA-3.0, Wolfram Huk, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:JuergenHabermas_crop2.jpg</li></ul>Folie 5ff.:<br /><ul><li>[Identität] © Hapf2, http://www.flickr.com/photos/44029537@N00/12760664
  47. 47. [Beziehung] CC BY-NC-SA-2.0, Myles!, http://flickr.com/photos/mylesdgrant/495698908
  48. 48. [Information] CC BY-NC-ND-2.0, Axel V, http://www.flickr.com/photos/axels_bilder/126700804
  49. 49. Folie 12 [Konversation]: CC-BY-NC-ND-2.0, Dominic Dada, http://www.flickr.com/photos/ogil/274628990/
  50. 50. Folie 21 [Holland]: CC-BY-NC-ND-2.0, Toby Bradbury, http://www.flickr.com/photos/mrlerone/2360572263/</li></ul>Social Web<br />24 von 23<br />
  51. 51. Weiterführende Literatur<br />Busemann, Katrin & Gscheidle, Christoph (2011). Web 2.0: Aktive Mitwirkung verbleibt auf niedrigem Niveau. Media Perspektiven, 7-8/2011, 360-369. http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online11/07082011_Busemann_Gscheidle.pdf<br />Benkler, Yochai (2006): The Wealth of Networks. How social production transforms markets and freedom. New Haven/London.<br />Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture. Whereoldandnewmediacollide. New York.<br />Münker, Stefan (2009): Emergenz digitaler Öffentlichkeiten – Die Sozialen Medien im Web 2.0. Frankfurt a.M. <br />Neuberger, Christoph/Christian Nuernbergk/Melanie Rischke (Hg.) (2009): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung. Wiesbaden. <br />Palfrey, John / Urs Gasser (2008): Generation Internet: Die Digital Natives – wie sie leben, was sie denken, wie sie arbeiten. München.<br />Schmidt, Jan (2009): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz.<br />Schmidt, Jan/Ingrid Paus-Hasebrink/UweHasebrink (Hrsg.) (2009): Heranwachsenmitdem Social Web. Berlin.<br />Stöcker, Christian (2011): NerdAttack! München.<br />Social Web<br />25 von 23<br />

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