Mit dem Plattbodenschiff nach Mallorca

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Für den Schiffsführer Das Logbuch - Für Seine Frau Ein Persönliches Tagebuch.
Schmerz und Freuden, Sehnsucht und Neugier, Emotionen und Euphorie.
Die tiefsten Gedanken und Gefühle Einer Frau, meiner mittlerweile verstorbenen Mutter, in Einem Reisebericht Verfasst.
Erleben SiE persönlichste und intime Gedanken, Liebende war Eine Mutter und Ehefrau ungeliebte Auf der Suche nach Harmonie und einklang bewegt.
Ein Bewusstseinsstrom von Erkenntnissen des eigenen Lebens Auf Einer bewegenden Reise in die Mandelblüte.

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Mit dem Plattbodenschiff nach Mallorca

  1. 1. Brigitte Lodders “Ich segel dann mal nach Mallorca, zur Mandelblüte und zurück” Mit dem Plattbodenschiff von der Elbe nach Mallorca Vielen Dank an: 1
  2. 2. - Diethld Mohr für die ehrenamtliche elektronische Texterfassung des ersten Teils und Ihre stets zuverlässige Freundschaft zu meiner Mutter. - Simone Menradt für die ehrenamtliche elektronische Texterfassung des zweiten Teils. - Jörg Bromig für die ehrenamtliche Erstellung der Internetseite und deren Pflege. - Peter Maffay und seiner Tabalugastiftung für die Zusammenarbeit im Namen meiner Mutter. Vorwort Zu Ehren und Erinnerung an meine liebe Mutter, die Verfasserin dieses Logbuchs, als interessanter Reisebericht und gefühlsstarken Tagebuchs. Legende/Lexikon ( Worterklärungen/Personen) Wilfried: Der „Schiffsführer“, Ehemann und Vater von Ralf Ralf: Der geliebte Sohn Kerstin: Die geliebte „Schwiegertochter“ Shirley: Die geliebte Enkelin Kevin: Der geliebte angenommene Enkel und Sohn von Kerstin Puschek: …heisst eigentlich S Einleitung Für „IHN“ das Logbuch – Für „Sie“ das Tagebuch. Für den „Einen“ ein interessanter Reisebericht – Für den „Anderen“ ein emotionaler Roman. Ein ungekürztes und unverändertes Werk meiner mittlerweile viel zu früh und unerwartet verstorbenen Mutter. Es beschreibt neben den interessant geschriebenen Erlebnissen und Erfahrungen einer langen Reise die tiefsten Gefühle, Gedanken und Ängste einer liebenden Mutter und ungeliebten Ehefrau. Nachspann und Bemerkung Dort, wo meine Mutter heute ist, kann sie nur eine Bereicherung sein. Ich bin traurig, dass ich keine Gelegenheit genutzt habe, als es noch die Möglichkeit gab, meiner Mutter zu sagen und zu zeigen, wie wichtig sie für mich ist und wie sehr ich sie liebe. Ich vermisse Dich ! Etappe Tespe – Port la Nouvelle 2
  3. 3. 5. Mai 2002 9.45 Abfahrt Hafen Tespe. Wir stechen „in See“, Temperatur 13 Grad, leichter Regen, Nebel. Warm anziehen ist angesagt. 11.45 erreichen wir Scharnebeck, und ruck-zuck um 12.15 wollen wir durch die Schleuse. Ralf will mit uns mit schleusen, aber so wie immer, nie pünktlich. In Lüneburg steht dann die Familie mit Puschek, um uns zu verabschieden. Um 14.00 kommt leicht die Sonne durch, ist aber immer noch kühl. 16.30 bei der Schleuse, Schleusenwärter hat aber keine Lust mehr. Macht nichts, ist ein schöner Abend, und wir haben einen netten Liegeplatz mit Vogelgezwitscher. GPS macht noch etwas Kummer. Statistik: 1 Schleuse auf 65 km 6. Mai 2002 6.45 Das bekannte Reise-Reise. Schleusenwärter ruft uns auf, jetzt oder irgendwann am Vormittag. Also, dann nichts wie raus aus den Federn. 7.05 in die Schleuse, dauert 20 min. Man bekommt Angst vor der Höhe, 23m. Um 13.30 geht es in den Mittellandkanal, und um 17.00 machen wir an einer ruhigen Ausweichstelle fest. Wetter kühl, um die 13 Grad, darum gibt’s jetzt einen Grog. Den haben wir uns verdient. Statistik: 1 Schleuse auf 85km 7. Mai 2022 7.45 ablegen, 10.00 kurz vor Hannover, 10 Grad und trocken. 11.30 Schleuse Anderten (Hindenburgschleuse), müssen nicht warten. Es geht abwärts 14,80m. 11.50 raus aus der Schleuse, es wird etwas wärmer. 12.30 ist erst mal Feierabend, der Mittellandkanal ist gesperrt. So können wir zusammen Mittag essen. Es ist 17 Grad warm und schön. Kaum haben wir gegessen, da geht es weiter, 13.15. Vor uns liegen 11 Binnenschiffe. Freuen uns über eine Wassertankstelle. In dieser Zeit sind die Schiffe weg. Uns kommen 25 – 30 Schiffe entgegen. Der Grund der Sperrung: nachts war ein Arbeitsboot abgebrannt, nun muss aufgeräumt werden. 17.15 machen wir an einer Ausweichstelle fest. Feierabend ist um 20 Uhr. Statistik: 1 Schleuse auf 60km 8. Mai 2002 3
  4. 4. 7.45 Oh, Schreck, die Maschine läuft und ich bin noch im Bett. Wilfried legt allein ab und lässt mich noch schlafen. Es ist kalt, 9,5 Grad, neblig und es wird den ganzen Tag nicht besser. Muss viel Tee kochen mit einer halben Flasche Medizin. 18.30 sind wir wieder fest, in der letzten Stunde haben wir Sonne. Verabreden uns für morgen mit Familie Grabbe. Unsere Lichtmaschine lädt nicht, Herr Grabbe will uns helfen. Das ist heute ein langer Tag. Statistik: 115km 9. Mai 2002 (Vatertag) 8.30 ablegen. Heute Morgen um 7 Uhr ist dicker Nebel und 12 Grad kalt. Um 8.30 kommt die Sonne durch. 9.45 Einfahrt in den Dortmund-Emskanal. Um 13.00 können wir gleich durch die Schleuse Münster fahren mit einem Binnenschiff. Um 14 Uhr fest im Stadthafen bei 21 Grad. Um 16 Uhr besuchen uns Herr und Frau Grabbe und nehmen uns mit zu sich nach Hause. Wir haben einen sehr schönen Abend mit einem schönen Essen. Um 22.30 sind wir wieder an Bord, und Wilfried freut sich über einen Anruf von Ralf (wg. Vatertag). Statistik: 1 Schleuse 10. Mai 2002 Hafentag in Münster. Die Lichtmaschine ist defekt, lädt nicht. Wilfried hat sie ausgebaut und gestern Herrn Grabbe mitgegeben, der einen Freund hat, der alles kann.... War ein Fehler, nie wieder! Der hat sie ohne unseren Auftrag nach Gütersloh geschickt, sie soll nicht vor Donnerstag wieder hier sein. Nun sitzen wir in Münster fest, ohne Lichtmaschine. Dann wäre es besser gewesen, wir hätten sie so wieder eingebaut. Nun können wir gar nicht fahren und sind sehr verärgert. Heute Morgen besichtigen wir dafür die Stadt, Lambertikirche und Dom. Bringen uns noch Obst und Gemüse mit. Mal sehen, was uns der Tag morgen bringt. Wilfried will versuchen, eine Peugeotvertretung zu finden. Heute ist Freitag – bis Donnerstag ist es lang. 11. Mai 2002 Notgedrungen Hafentag. Nachmittags kommt ein Monteur an Bord und verspricht viel. Mal sehen, was kommt. Mittags haben wir immerhin 20 Grad. 12. Mai 200 Hafentag, kalt, 13 Grad, aber trocken. 13. Mai 2002 Hafentag. Wir warten. Das Barometer steigt etwas, mittags sind es 20 Grad. Wir sitzen bis kurz vor 20 Uhr draußen. 14. Mai 2002 4
  5. 5. 24.30 Uhr. Wir schlafen schon fest, als das Telefon klingelt. Ralf bedankt sich für die Glückwünsche. Dabei merken wir, dass es toll regnet. Am Morgen ist es sehr windig und kalt, 13 Grad. Beim Frühstück bricht Wilfried ein Zahn ab, heute Abend bekommt er sein Gebiss wieder. Familie Grabbe besucht uns mit 6 Mann hoch. Wir müssen wirklich sagen, diese Kinder sind gut erzogen und brav, sie stören überhaupt nicht. Ist ein netter Abend. 15. Mai 2002 Warten auf die Lichtmaschine. Morgen soll es soweit sein. So Gott will!!! Es ist trocken, aber frisch. Mittags sind es 19 Grad. 16. Mai 2002 Heute gibt es nur Stress. Morgens um 8 Uhr will der Monteur sich bei uns melden und sagen, wann wir die Lichtmaschine bekommen. Wir warten - und warten! Oh! Um 13 Uhr ruft er an, sie ist um 14 Uhr da. Wie schön. Um 15 Uhr ruft er an und fragt, ob er sie bringen soll (sind wir blöd, oder was?). Ich sage ihm, er wüsste doch, dass wir noch bis zur Schleuse fahren müssen. Pfingsten wird nicht mehr geschleust, das hieße, wir würden die ganzen Feiertage im Weser-Dattel-Kanal liegen. Ja, ist gut, ich komme gleich. Um 15.45 ist er immer noch nicht da, obwohl es mit dem Auto nur 5 Minuten entfernt ist. Wilfried ist sauer, mir ist schlecht, vor Wut fange ich an zu heulen. Jetzt geht Wilfried zu Fuß los. Um 16.30 ist er wieder an Bord und baut die Maschine ein. Um 17 Uhr legen wir ab. GOTT SEI DANK! Nun haben wir doch noch etwas Glück. Das Wetter ist den ganzen Tag schön, um die 25 Grad, und so können wir lange fahren. Um 21.30 Uhr machen wir an der Dattelner Schleuse fest. Auf diesen Tag trinken wir 1, 2, 3 Schnäpschen. „Gute Nacht“ Statistik: 41km 17. Mai 2002 Heute Morgen um 7 Uhr geht Wilfried zum Schleusenwärter, um uns anzumelden. Auf diesem Weg fällt ihm die Brille ins Wasser. 7.30 erste Schleuse, geht alles wunderbar, keine langen Wartezeiten. Um 15.30 Uhr legen wir an in Wesel am Rhein. Hubhöhe von DEK – Rhein sind 43m. Der WDK hat 6 Schleusen. Treffe mich mit einer Schulfreundin (Westpfal Gerlinde), die seit 1962 in Dinslaken wohnt und die ich seit der Schulzeit nie wieder gesehen habe. Das sind immerhin 43 Jahre. Das ist ein lustiger Abend bei uns an Bord. Die Männer trinken Bier und wir 2 Weibsbilder Sekt. Wir erzählen von der Schulzeit, was aus uns und den anderen geworden ist. Die Zeit geht so schnell vorbei, dass wir es gar nicht glauben können. Um 24 Uhr gehen wir zu Bett. Statistik: 6 Schleusen auf 60km, Hafengebühr € 8,- Strom € 0,50 18. Mai 2002 5
  6. 6. 9.40 Uhr ablegen, es ist kalt, wir müssen den Parka anziehen, zwischendurch regnet es auch mal. Der Rhein ist schlecht zu fahren. Es gibt viel Verkehr und kabbeliges Wasser. Ich bin froh, als wir in den Wal-Maas-Kanal einfahren. 1. Schleuse und immer noch keine Wartezeiten. Es sieht aus, als wenn man auf uns wartet. Um 15 Uhr kommen wir in die Maas, und hier wollen wir Feierabend machen. Finden ein Hafenbecken genau in einer Stadt. Kein Wasser, kein Strom, keine Toiletten, keine Duschen. Wir machen trotzdem fest, da kommt schon ein Hafenmeister und will € 12,50 von uns. „Wilfried, mach die Leinen los, abzocken lassen wir uns nicht!“ Müssen leider noch 2 Stunden fahren, aber dann finden wir einen ruhigen und netten Hafen mit liebem Hafenmeister. Erfahren später, dass die Liegeplätze in der Stadt zum Einkaufen und nicht zum Übernachten vorgesehen sind. Wir vermuten, dass der angebliche Hafenmeister in der Stadt keiner war und sich ein paar Euro verdienen wollte. Es gibt lecker Spargel und Kotelett mit frischen Kartoffeln, noch ein wenig Fernsehen und dann ab, ins Bett im Hafen Gennep an der Maas. Statistik: 1 Schleuse auf 90km, Liegegebühr € 7,50 19. Mai 2002 (Pfingstsonntag) Morgens noch schnell die Haare gewaschen, gefrühstückt und um 9. 20 ausgelaufen, bei Sonne, aber noch etwas kühl. 1. Schleuse 10.15. Man sieht uns, und es wird grün. 2. Schleuse 15.00, 16.00 Jachthafen Poseidon bei Kassel. Der Wind ist kalt, und wir brauchen wieder den ganzen Tag den Parka, abends ist der Wind eingeschlafen, und es sind 23 Grad. Statistik: 2 Schleusen auf 56 km, Liegegebühr € 6,65 20. Mai 2002 (Pfingstmontag) Der Tag beginnt mit Sonnenschein, 15 Grad, ablegen um 8 Uhr. Kurz vor Maastricht noch tanken. Man fragt uns „weiß oder rot?“. In Holland und Belgien darf man mit Heizöl fahren. Da wir aber nach Frankreich weiter wollen, riskieren wir lieber nichts. Die Franzosen sollen sehr scharf sein, und wir wollen uns ja nicht ärgern, sondern leben, lieben und fröhlich sein. Saftige Liegegebühr! Statistik: 65 km, Liegegebühr € 17,57 21. Mai 2002 Maastricht im Sonnenschein, 19 Grad, um 8 Uhr auslaufen. 8.30 Schleuse (Belgien). Da wir nicht wissen, wie die Anmeldung vor sich geht, geht Wilfried hin und erledigt alles. Er bekommt einen Schein, den er bei jeder Schleuse abstempeln lassen muss und bezahlt € 1,05. 9.30 werden wir geschleust. Bei der Ausfahrt sehen wir, dass das Nachbarboot eine rote Fahne mit weißem Quadrat führt. Das haben wir auch schon 6
  7. 7. mal in einem schlauen Buch gelesen, wissen aber nicht, für was das gut ist. Zaubere innerhalb von 5 Minuten auch so etwas. Mal sehen, wie lange das hält. Das Weiße ist Briefpapier, mit Tesa fest geklebt. Das Barometer fällt seit gestern total in den Keller, aber wir haben schönes, warmes Wetter, 28 Grad. Ab Lüttich ist die Fahrt hässlich, nur Industrie. Nach der dritten Schleuse ist um 16.30 Feierabend. Sind in der Nähe von Lucerie, ein schmutziger Hafen. Aber ab jetzt scheint die Gegend schöner zu werden. Es ist jetzt 19 Uhr, und wir haben immer noch 29º. Statistik: 3 Schleusen auf 60 km, Liegegebühr € 10,- 22. Mai 2002 Abfahrt 8.30, es ist wolkig und regnet leicht, aber 19 Grad warm. Die Gegend wird landschaftlich schöner, aber es regnet weiter und mag nicht aufhören. Immer bei den Schleusen scheint es schlimmer zu sein. Der Rock ist zum Auswringen. Um 16 Uhr legen wir kurz vor Dinant vor einer Schleuse an. Ehrlich gesagt, ein wildes Parken. Ausziehen, Heizung an und Grog machen, das ist eins. Dann gibt es Pfannkuchen. Ich gehe um 21 Uhr ins Bett, bin müde, und mir tun alle Knochen weh. Wilfried schaut noch fern bis 23.30. Dank unserer Sat-Schüssel bekommen wir ein schönes Bild. Statistik: 6 Schleusen auf 60 km 23. Mai 2002 8.45 ablegen, wolkig aber trocken bei 15 Grad. Das Barometer steigt etwas. Vor der ersten Schleuse müssen wir etwas warten, aber trotzdem geht alles ganz schön fix. Dinat ist eine wunderschöne Stadt, hoffentlich werden meine Bilder gut. Wilfried legt an, weil er eine Auto- Tankstelle sieht. Dann entdecken wir auch noch einen Sparmarkt und kaufen gleich ein. Es wird etwas wärmer, und die Sonne kommt durch. Um 14 Uhr verlassen wir die letzte Schleuse in Belgien. Die Schleusen sind alle alt und marode, dafür sind die Schleusenwärter alle nett. Nun sind wir um 14.45 an der ersten Schleuse in Frankreich. Der Zoll prüft unsere Papiere und wünscht uns gute Fahrt. Nun geht die Schleuserei in Frankreich los! Die ersten sind noch automatisch, aber die letzten drei werden mit der Kurbel bedient. Jetzt fahren wir durch den ersten Tunnel, 565m lang und 5,80m breit. Die Großschiffahrt endet hier, und wir sind fast allein. Insgesamt sind es seit zu Hause schon 38 Schleusen. Bei der 37. stellt Wilfried fest, dass ich zu blöd zum Schleusen bin. Was wird das wohl werden, etwas über 200km haben wir noch! „Gute Nacht!" Feierabend um 19 Uhr in Fumay, mit 21 Grad ein schöner Abend. Statistik: 11 Schleusen auf 54km 24. Mai 2002 Wilfried legt alleine ab, er will jetzt alles alleine machen! Ich frage ihn, ob wir’s nicht doch noch einmal zusammen versuchen wollen. Gott sei Dank, denn die nächsten Schleusen hätte er nicht allein geschafft (das sagt er selber!). Morgens noch 7
  8. 8. Sonnenschein, 15 Grad, gegen Mittag kommt leichter Regen auf, und es weht ein starker, kalter Wind. Die erste Schleuse bedient Wilfried allein mit Kurbeln und Laufen. Dann bekommen wir vom Schleusenwärter einen Funkpieper für die automatischen Schleusen. Da muss man ‘ranfahren, sich mit dem Pieper anmelden, bei grün reinfahren, festmachen und die blaue Stange nach oben drücken. Dann fängt die Schleusung von allein an. Tore zu, Wasser rein, Tore auf und rausfahren. Noch haben wir den Pieper. Mal sehen, wieviel Schleusen noch kommen. Bei der letzten Schleuse wird uns der Pieper wieder abgenommen. Feierabend um 16 Uhr. Gehen noch einkaufen in Bogny, zur Post (Tante Liesl anrufen und Geburtstagsbrief für Kerstin einstecken). Schöne Flasche Rotwein aufmachen und um 22 Uhr zu Bett. Statistik: 8 Schleusen auf 38 km 25. Mai. 2002 Es wird einfach nicht wärmer! Auslaufen um 10.30 bei 15 Grad. Der Wind ist kalt, und wir müssen wieder den ganzen Tag mit dem Parka fahren. Die Gegend hier ist fad und langweilig. Kurz hinter Charleville fahren wir trotz zweier zusätzlicher Schleusen in den Kanal des Ardennes. Da bekommen wir einen neuen Bootshaken (der alte ist uns zerbröselt), eine neue Solardusche und auch Diesel, der hier in Frankreich sehr teuer ist (1 Liter für € 1,05). Abends kommt die Sonne durch, müssen aber trotzdem die Heizung anmachen. Feierabend schon um 15.30. Wilfried hat versprochen. wir fahren in die Wärme zu den Palmen. Wo ist das? Wilfried meint, ich müsste etwas Geduld mitbringen. Na dann!!!! Statistik: 9 Schleusen auf 34 km 26. Mai 2002 Ich wiederhole mich nicht gern, aber es ist kalt! Bei 12 Grad ablegen um 9.30 Uhr. Die 2 Schleusen wieder zurück, und dann sind wir wieder auf unserer richtigen Route Richtung Sedan. Nach der zweiten Schleuse beschließen wir, nach weiteren 5 Schleusen auf 13 km in Sedan Sonntag zu machen. Aber was ist das bei der dritten Schleuse? 2 rote Lichter übereinander (Schleuse außer Betrieb). Handy her, anrufen „Ich deutsch, Schleuse 40 kaputt?“ „Oui, madame, o.k., au revoir!“ In 10 Minuten ist ein Schleusenwärter da, repariert, und in weiteren 10 Minuten sind wir durch. Ein riesengroßer Baumstamm mit bestimmt 70 cm Durchmesser hatte sich im Schleusentor verklemmt. Nun sind wir im Canal-Branche- Nord, parallel zur Meuse (Maas). Statistik: 7 Schleusen auf ? km, Liegegebühr € 8,60 27. Mai 2002 Es ist wieder Parka angesagt, das Barometer ist so tief, dass man das Weinen bekommen kann. Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Es ist 9.00 Uhr, ablegen bei 12 Grad. Wir wollen in Stenay Feierabend machen. Bei der vierten Schleuse fragt uns der Schleusenwärter, wie weit wir noch fahren wollen und wann wir morgen weiter wollen. Er versteht uns nicht, und so schreibe ich mit Hilfe meines Sprachcomputers auf: „dormir dans Stenay, demain dix montre. Merci.“ Soll heißen „schlafen in Stenay, morgen 10 Uhr weiterfahren.“ Er lacht, o.k., merci und steckt den Zettel ein. Um 14.30 legen wir in Stenay an, das Wetter bessert sich 8
  9. 9. etwas, und wir besuchen die Stadt. Dort ist alles grau in grau, aber die Menschen sind alle freundlich. Statistik: 5 Schleusen auf 42 km, Liegegebühr € 6,80 28. Mai 2002 Es wird immer kälter! Heute Morgen haben wir 10 Grad und Bodennebel. Vermutlich wird es immer kälter, da wir noch bergauf fahren. Mein Rücken tut mir so weh, dass ich morgens kaum laufen kann. Ich brauche Sonne und Wärme. 9.45 laufen wir aus, müssen noch etwas vor der Schleuse warten. Das Schleusen dauert jetzt länger, da ein Schleusenwärter immer 1 – 4 Schleusen bedienen muss. Er muss also mit dem Auto immer hin und her fahren. Die Automatik- Schleusen waren da besser, das dauerte nur ca. 5 Minuten, aber seit gestern ist das vorbei, da mussten wir unseren Pieper wieder abgeben. Eine Schleuse ist ganz bescheuert, die hat schräge Wände. Ein Holländer fährt uns fast den Mast ab. Machen kurz vor Verdun um 18.30 fest. Trinken Rotwein aus einem 5l-Kanister. Gehe um 21.15 das erste Mal mit schöner Bettschwere zu Bett. Statistik: 73 km und 12 Schleusen 29. Mai 2002 Ablegen um 8.30 bei 14 Grad und leichtem Regen. Bei der ersten Schleuse in Verdun müssen wir eine Stunde warten, da immer nur 3 Schiffe reinpassen und mächtig Andrang ist. Die Landschaft sieht hier aus wie im Hunsrück. 20 km vor St. Mihiel machen wir um 15.00 Uhr Feierabend. Die Schleuserei zieht sich heute sehr hin. Abends kommt der Schleusenwärter und fragt, wann wir morgen geschleust werden wollen. Wir sagen 9.30 Uhr. Noch einmal: die Menschen in Frankreich sind freundlich und höflich, da können sich die Deutschen ein Beispiel nehmen. Statistik: 32 km mit 7 Schleusen. 30. Mai 2002 Wir laufen um 9.15 aus und werden pünktlich um 9.30 geschleust. Die Sonne scheint, und Gott sei’s gelobt, es ist sogar warm! Wird’s jetzt langsam besser? Wilfried nimmt heute sein erstes Bad. Haben so viel Mist und Kraut im Wasserfilter und Ansaugstutzen, dass die Maschine schon 90 Grad hat. Also, ins Wasser steigen und mit dem Schrubber alles freiputzen. Legen um 15.00 Uhr in Commery an. Wilfried geht ‚in die Stadt‘, um Diesel zu kaufen. Obwohl es im Buch steht ist nichts zu bekommen. Es ist aber nicht schlimm, wir haben noch genug. Wie schön, wir liegen genau neben Aldi. Wir brauchen noch Rotwein zum Geburtstag feiern. Meine Mutter wäre heute 83 Jahre, und Kerstin hat morgen Geburtstag. Sollte ich heute um Mitternacht noch wach sein, rufen wir sie an. Statistik: 7 Schleusen auf 45 km. 31. Mai 2002 Gestern hat Wilfried noch mit der Luftpumpe den Ansaugstutzen durchgeblasen, jetzt läuft die Maschine wieder gut. Und es trifft ein, was er mir versprochen hat: S O N N E ! Ablegen 9
  10. 10. um 9.00 Uhr bei 12 Grad und etwas Wolken, aber dann! Nach er zweiten Schleuse wird es warm und sonnig. Um 15.00 Uhr ist Feierabend in Toul bei 28 Grad. Ist ein stressiger Tag, aber alles geht gut. Morgen wollen wir einen Hafentag machen, und ich bezahle schon die Hafengebühr für zwei Tage. Statistik: 31 km mit 17 Schleusen und einem Tunnel von 866 m. Liegegebühr 10,- 1. Juni 2002 Hafentag. Ich stehe um 9.30 auf. Wilfried hat schon seit 7 Uhr fern geschaut, gefrühstückt, Diesel geholt, geputzt, Wäsche gewaschen. Es ist sehr schönes Wetter, 26 Grad um 15 Uhr. Die Stadt Toul ist sehr schön. Der Dom St. Etienne sieht aus wie Notre Dame in Paris. Zwei Jungs kommen an unseren Steg und fragen nach Haschisch, Opium, Marihuana. Ich behaupte, das bräuchten wie selber. Da wollen sie an Bord, das Schiff ansehen. Kommt natürlich nicht in Frage. Sitzen bis 22 Uhr draußen bei 25 Grad. 22.30 ab ins Bett, Fernseher ist kaputt. Statistik: Liegegebühr 10,- 2. Juni 2002 8.30 ablegen. Müssen aber bei der Schleuse eine halbe Stunde warten. Ein Binnenkahn kommt, und der hat Vorrang. Bei der vorletzten Schleuse warten wir ganze zwei Stunden. Wir denken schon, weil Sonntag ist, wäre um 13 Uhr Schluss. Aber nein, um 15 Uhr kommt ein junger Schleusenwärter und fragt, ob wir weiter wollen. Ich zeige ihm auf der Karte, wohin wir wollen. Kein Problem, die Franzosen haben eine Ruhe! Herzinfarkt bekommen die keinen! Machen um 16 Uhr Schluss bei Richardmentt. Es ist ein schöner Sommertag bei 34 Grad. Statistik: 8 Schleusen auf 33 km, Liegegebühr € 4,- 3. Juni 2002 Legen um 8.45 ab bei 15 Grad, es ist bedeckt. Ein Schleusenwärter begleitet uns 16 Schleusen lang bis Charmes. Am Nachmittag regnet es leicht um 16 Uhr beim Festmachen scheint wieder die Sonne. Das erste Mal wird gegrillt. Um 19 Uhr noch 25 Grad. Statistik: 16 Schleusen auf 28 km, Liegegebühr € 4,-. 4. Juni 2002 1-2 Schiffe passen in eine Schleuse rein, und ein Schleusenwärter begleitet dann die Schiffe den ganzen Tag. Er sagt, wann du abfährst und wie weit du fährst. Zwischendurch mal Pause machen liegt nicht drin. Bei dieser ganzen Schleuserei fühlt man sich wie in Quarantäne. So geht es uns heute morgen. Wollen etwas später losfahren und auch nicht so weit. Wilfried geht in die Stadt zum Bäcker, da kommt auch schon der Schleusenwärter um 8.30 und sagt „9.00 Schleuse“. Ich sage ihm „Monsieur Boulanger, onze (11) abfahren.“ „Nein, neuf“ sagt er. Also, wenn nicht heute, dann morgen. Wilfried ist 5 Minuten später da. Ich hätte gern einen Hafentag gemacht (habe einen kleinen Brand, das Grillen war so schön). Aber nein, ungewaschen, kein Bett gemacht, kein Frühstück! Um 9 Uhr sind wir bei der Schleuse. Es 10
  11. 11. wird ein heißer und anstrengender Tag. Um 17.30 sind wir fest in Epinal. Sprechen mit dem Schleusenwärter ab 9 Uhr, also Abfahrt 8.30. Bin um 22 Uhr im Bett, das habe ich mir heute verdient. Statistik: 16 Schleusen auf 23 km, Liegegebühr € 3,50 5. Juni 2002 Legen wie geplant um 8.30 ab, es ist bedeckt, 17 Grad. Ab Mittag wird es kühl, es stürmt und regnet. Wir fahren durch einen Zauberwald, die Vögel zwitschern, man kann es hören trotz Motorengeräusch (Krach). Mich sticht eine Hornisse. Ich bekomme einen dicken, heißen Unterarm, sehr schmerzhaft. Erreichen heute den höchsten Punkt. Nun geht es bergab, und das Schleusen wird einfacher. Unser Barometer steht mit dem Zeiger senkrecht nach unten auf 715mbr. Das hat wohl was mit der Höhe zu tun. Um 13 Uhr müssen wir Schluss machen, da die Schleusenwärter nicht mehr wollen. Wir liegen in Girancourd. Statistik: 15 Schleusen auf 18 km. 6. Juni 2002 Order vom Schleusenwärter: 9 Uhr ablegen bei 14 Grad und strömendem Regen. Ich schleuse mit Regenschirm, Wilfried steht unter seinem ‚Sonnendach‘. Um 12 Uhr macht der Schleusenwärter Mittag bis 13.30, wir also notgedrungen auch. Also, wieder einmal in Quarantäne. Um 13.30 immer noch bei Regen weiter. An der letzten Schleuse steht ein Fischwagen, der wartet schon auf „Vrouwe Antje“. Bis wir eingekauft haben wartet auch der Schleusenwärter mit dem Schleusen. Wir kaufen Lachs und Hochseekrabben für morgen zum Grillen ein (so Gott will!). Legen um 16 Uhr an, und es ist trocken in Uzemain. Statistik: 17 Schleusen auf 10 km. 7. Juni 2002 Um 9.30 erwartet uns der Schleusenwärter. Er ist zuständig für 9 Schleusen. 7 Schleusen schaffen wir bis 12 Uhr, dann macht er erst mal Mittag, dann noch zwei, und er hat Feierabend. Gottlob, jetzt kommen endlich wieder automatische Schleusen und man ist nicht mehr der Willkür der Schleusenwärter ausgesetzt. Die Landschaft besteht seit Tagen nur aus Wald und Ruinen von Häusern. Schlimmer als 11
  12. 12. früher das ‚Ossiland‘. Es ist wolkig, 14 Grad und gegen Abend etwas freundlicher. Um 15.30 ist Schluss in Fontenay-Le-Chateau. Statistik: 16 Schleusen auf 16 km. 8. Juni 2002 Wollen eigentlich einen Hafentag machen und die Ortschaft besichtigen. Wilfried steht schon früh auf und geht schon mal schauen. Es lohnt sich nicht, alles grau in grau. Wegen der automatischen Schleusen können wir jetzt fahren wann wir wollen. Legen um 10.30 ab. Es ist ein schöner Tag bei 22 Grad. Bei der Schleuse 40 (Wilfried stellt in der Schleuse meist den Motor aus) springt die Maschine nicht mehr an. Was für ein Scheiß, draußen stehen zwei Schiffe, die rein wollen, und wir kommen nicht raus. Er versucht alles Mögliche, nichts geht. Die Maschine bekommt keinen Sprit, und Wilfried befürchtet, dass die Einspritzpumpe kaputt ist. Wir hangeln uns aus der Schleuse raus und in die Böschung rein. Ich sage: „Setz dich erst mal hin und trink ein Bier!“ Und so beim Sitzen und Schauen stellt er fest: nichts kaputt, alles bestens, die ganze Aufregung, das Schwitzen und die Angst: alles umsonst. Der Fehler liegt bei ihm ganz allein. Es ist doch zu schön, wenn einem vollkommenen Menschen auch mal was passiert! Aber jetzt kommt der zweite Mist. Die Schleuse 41 ist mit der 40 gekoppelt, und da wir mindestens eine Stunde vertrödelt haben (wir haben dann auch gleich noch geduscht und Haare gewaschen), geht die 41 nicht auf. Also, wieder in die Böschung, am Baum fest machen und zu Fuß zur Schleuse, um einen Schleusenwärter zu benachrichtigen. Der kommt eigentlich sehr schnell und ist sehr freundlich. Das ist für ihn kein Problem. Um 17.30 legen wir in Carre an. Grillen ist angesagt, und es wird ein netter Abend. 22.30 ab ins Bett. Statistik: 11 Schleusen auf 22 km, Liegegebühr € 10,- 9. Juni 2002 Sonntag, Hafentag, ‚Stadt‘ besichtigen, aber alles grau in grau. 22 Grad, schwül. Vom Telefonhäuschen rufen wir Ebel’s, Jasker’s und Richard an, der hat heute Geburtstag. 10. Juni 2002 Im zweiten Anlauf um 9.45 ablegen. Die Maschine läuft schon als wir feststellen, dass ein Binnenkahn kommt. Also, alles noch mal von vorn. Es ist ein kalter Tag, 11 Grad, aber gottlob schneit es nicht. Bei Schleuse 3 sind alle Lichter aus. Automatische Schleusen sind gut, wenn sie heile sind. Diese ist es nicht. Die Automatik macht eine Stunde Mittag, wir auch. Es gibt Pfannkuchen. Jetzt sind wir in der Saone, die geht bis Lyon. Die Landschaft 12
  13. 13. wird hübscher. Um 16 Uhr Schluss in Port-Sur-Saone. Um 17 Uhr ruft Uwe an. Wir werden uns hier treffen, er ist ca. 20 km von uns entfernt. Werden wohl 1-2 Tage zusammen bleiben. Statistik: 5 Schleusen auf 43 km, Liegegebühr € 4,- . 11. und 12. Juni 2002 Hafentage, feiern, grillen, Wein trinken, erzählen und lachen. Haben viel Spaß. Morgens um 1.30 mit kalten Füßen zu Bett. Heute Morgen wache ich um 9.30 auf. Um 10 Uhr ruft meine Cousine Eva aus Österreich an (stört), dort sind 30 Grad, hier 24 Grad. Langsam wird das Wetter besser. Heute Abend wollen wir wieder grillen. Margrit und Uwe gehen einkaufen. Schluss hier für heute um 12 Uhr, morgen mehr. 13. Juni 2002 Verabschieden uns von Margrit und Uwe um 9.00 bei 18 Grad. Wir hatten zwei wunderschöne Tage. Uwe hat gestern noch Rosé-Wein gekauft, nicht viel, nur 15 Liter. 5 haben wir fast geschafft. Die beiden ‚armen Kloocks‘ sollten mit uns mit fahren, bei uns fängt die schöne Zeit jetzt an mit Wetter und Landschaft. Es sind auch nicht mehr so viele Schleusen. Heute haben wir in den Schleusen Schweizer, die reinsten Chaoten. Da wird man ganz wuschig. Um 16.30 legen wir bei 28 Grad mitten in der Wallachei an, an einem Gammelsteg, aber umsonst. Ich gehe ins Wasser, das schön warm ist und wasche eine Stunde Boot und Schlauchboot. Das Wasser ist hier sehr sauber, und ich hoffe, dass es (das Boot) nicht mehr so schmutzig wird. Jetzt kommt unsere Pflege dran, mit Haare waschen und was so dazu gehört. Dann ein, zwei Gläser Wein und um 22.30 zu Bett. Statistik: 8 Schleusen auf 65 km, 2 Tunnel von 681 und 643 m 14. Juni 2002 Legen um 8.45 ab, es ist sonnig, 25 Grad. Gott sei Dank sind wir heute allein in den Schleusen. Ich stelle fest, dass ich das Schleusen sehr gut mache, naja, bei der Fahrweise von Wilfried. Machen um 17.30 fest an einem kaputten Eimerbagger. Das Erste, was wir bei 31 Grad machen, ist schwimmen, schwimmen. Ach, wie herrlich. Das ist Sommer. Statistik: 7 Schleusen auf 79km. 15. Juni 2002 Gestern haben wir um 21.00 noch gebadet bei 28 Grad! Heute Morgen wieder schwimmen bei 23 Grad, 9 Uhr auslaufen. Ich suche mir Arbeit (Betten beziehen, sauber machen). Im Radio läuft Fußball (Weltmeisterschaft Deutschland – Paraguay). Deutschland muss gewinnen, sonst fahren sie nach Hause. 10.12 in Deutschland, 5 Minuten vor Ende steht es 0:0. Es gibt wohl Verlängerung oder Elfmeterschießen. Ich mache jetzt Schluss. Nein! Eben fällt das Tor, 3 Minuten noch. Hoffentlich passen sie jetzt auf! Der Strom fällt aus, eine Sicherung ist durchgehauen, kann wohl das heiße Spiel nicht vertragen. Aber sie gewinnen und sind jetzt im Viertelfinale. Es ist jetzt 10.30, und ich mache für jetzt erst einmal Schluss. Die 228. Schleuse kommt. Dann bis abends! 15 Uhr anlegen an einer verlassenen Ölraffinerie bei 34 13
  14. 14. Grad. Die erste Arbeit: Badeleiter ins Wasser! Den Rest des Tages verbringen wir mit Baden und Grillen. Statistik: 2 Schleusen auf 65 km. 16. Juni 2002 Heute Morgen werde ich wach vom Vogelgezwitscher und dem Quaken der Frösche. Aber da ist noch etwas: ein fauchendes Geräusch immer in Abständen. Mir ist nicht ganz wohl dabei. Raus aus dem Bett, da ist über uns ein Ballon, ich kann jetzt sogar die Stimmen der Menschen hören. Und das morgens um 5 Uhr. Ein zweiter kommt um 6.30, landet auf dem Wasser und kommt wieder hoch. Wir machen noch ein Bild, sind aber nicht schnell genug. Nun ist die Nacht endgültig vorbei, und ich gehe um 7 Uhr schwimmen bei 22 Grad. Das ist eine gute Idee, denn um 8 Uhr fängt es leicht zu regnen an, da wäre ich ja nass geworden. Laufen um 8.30 aus bei 23 Grad. Die Landschaft wird immer schöner. Die Schleusen sind riesig, damit die Großschifffahrt reinpasst. Wir müssen heute eine halbe Stunde warten vor der Schleuse. Bergauf kommen ein Motorboot, 3 Charterboote und 3 große Binnenkähne. In Chalon Sur Saone füllen wir 75 l Sprit in die Kanister (für 68 Euro). Inzwischen kommt die Sonne wieder, und wir machen um 16.30 kurz vor Macon bei 34 Grad fest. Den Rest des Tages verbringen wir wie gestern mit Grillen und Schwimmen. Statistik: 1 Schleusen auf 79 km. 17. Juni 2002 7 Uhr schwimmen, 8 Uhr auslaufen bei 21 Grad. Ungewöhnlich heißer Tag. Wilfried geht einkaufen um 12 Uhr bei 31 Grad. Eine ganze Stunde ist er weg, und er tut mir richtig Leid, aber so haben wir wieder frisches Fleisch zum Grillen und natürlich R O T W E I N. Machen um 16.30 fest bei 35 Grad. Sind 20 km vor Lyon. Haben einen sehr schönen Steg, nur für uns gemacht. Der Rest des Tages: Sch...W..., Gr.... wie die Tage vorher. Statistik: 1Schleuse auf 70 km. 18. Juni 2002 Vorm Ablegen um 8 Uhr noch schnell baden. Jetzt kommen wir nach Lyon. Es ist eine sehr schöne Stadt, aber kein Sportboot macht hier fest, man hört die schlimmsten Geschichten (am hellichten Tag rauben sie dich aus, und wenn du mit der Pistole drohst, lachen sie dich aus). Außerdem ist es zum Rumlaufen viel zu heiß. Bislang haben wir immer da fest gemacht wo wir fast alleine waren, um baden zu können. Bei Lyon fließt die Saone in die Rhone. Die ist hier schon sehr breit und hat eine sehr starke Strömung. Beim Schwimmen muss man schon sehr aufpassen. Um 13 Uhr stellt sich noch ein starker Wind ein, und da er von vorn kommt, schaukeln wir ganz schön. Aber naja, wir können das ja ab, sonst müssten wir uns einen Wohnwagen kaufen. Um 15 Uhr legen wir das erste Mal an, aber das ist nichts, da gibt es nur Eisendalben, und "Vrouwe Antje" schlägt immer dagegen. So legen wir um 16 Uhr wieder ab 14
  15. 15. und finden 8 km weiter um 17 Uhr eine Pier. Wir haben 35 Grad, baden und grillen, abends schläft der Wind ein. Statistik: 3 Schleusen auf 75 km. 19. Juni 2002 Baden und ablegen danach um 8.45. Es ist leicht bedeckt, aber 23 Grad warm. Um 10 Uhr kommt die erste Schleuse. Die Schleusen sind riesengroß und haben einen Hub von 10-15 m. Gestern waren wir ca. 30 km per Auto von St. Etienne entfernt, habe aber nicht mehr bei Franck angerufen. Er hat meine Handynummer und auch die von Ralf. Hat sich nie gemeldet, hat wohl kein Interesse, schade! Ach ja, dann muss ich noch erzählen, mein Handy spinnt des Öfteren, dann muss es in den Kühlschrank. Der Kühlschrank wiederum kommt mit dem Kühlen nicht mehr nach, unter 10 Grad schafft er es nicht mehr. Hitze! Aber das wollten wir ja so! Die Landschaft ist herrlich, Weinberge und Burgen. Machen um 15.15 an einer Schute fest und sparen so eine Menge Hafengeld. Die Menschen sind nett, und man wird nicht belästigt. In den Städten ist es schon gefährlicher. Es ist sehr schwül, 36 Grad, könnte noch ein Gewitter geben. Aber erst einmal wird gebadet und der Grill angemacht. Statistik: 3 Schleusen auf 60 km. 20. Juni 2002 7 Uhr schwimmen bei 22 Grad, 8 Uhr auslaufen. Wir hatten eine stille und ruhige Nacht, nur die Frösche waren zu hören. 4 Schleusen, die erste geht sehr flott, es ist gleich grün. Aber bei der zweiten warten wir 45 Minuten auf Grün, und dann geht es auch noch sehr langsam, scheint was kaputt zu sein. 18 m Hub, das Tor braucht 20 Minuten bis es offen ist. Wir vermuten, dass die Schleusenwärter das Tor mit der Hand hoch kurbeln, da es nur zentimeterweise geht. Die dritte Schleuse ist 22 m und die vierte 23 m hoch. Heute sehen wir Gebirge, in der Straßenkarte stellen wir fest, dass es die Ausläufer der Alpen sind. Zwischen Lyon und Valence sind es etwa 100 km, östlich liegt Grenoble. Machen um 16.45 fest an einem alten Frachter, 40 km vor Avignon. 37 Grad und SCHWIMMEN!! Statistik: 4 Schleusen auf 88 km. 21. Juni 2002 Gestern: bitte nachschauen, 23. Mai. Es ist wieder passiert! Wir hatten die 239. Schleuse. Heute Morgen ist nichts mit Schwimmen, der Strom ist zu stark. Legen um 8.15 ab bei 24 Grad. Wollen heute nur bis Avignon und morgen die Stadt besichtigen. Beim Reinfahren sehen wir schon, dass die Stadt wunderschön ist. Wir legen um 12.45 bei 37 Grad an im Stadthafen. Hoffentlich ist es morgen etwas 15
  16. 16. kühler. 13.30 Fußball, D – USA, Deutschland gewinnt. Kaufen Diesel ein und sind jetzt wieder voll!! Es ist jetzt 18.30, und wir haben immer noch 33 Grad Statistik: 2 Schleusen auf 42 km. Liegegebühr 11,94 Euro 22. Juni 2002 Hafentag in Avignon. Um 8 Uhr los in die Stadt zur Besichtigung. 3 Stunden bei 23 Grad sind schön, aber anstrengend. Um 12 Uhr sind es 37 Grad, um 13 Uhr schon 39 Grad. Karten schreiben, Wäsche waschen und am Abend grillen. Morgen geht es weiter. 23. Juni 2002 Verlassen Avignon um 9.15 bei 30 Grad. Es wird wieder ein heißer Tag. Fahren um 13 Uhr in die Petit Rhone (kleine Rhone) ein und sind jetzt in der Camargue im Canal Du Rhone a Sete. Vor dem Hafen von Gallican machen wir fest neben einem Holländer und einem Franzosen. Gesprochen wird mit Händen, Füßen und Englisch. Die erste Tat ist wieder schwimmen gehen, und um 18.15 macht Wilfried wieder den Grill an. Luft 31 Grad, Wasser 26 Grad. Statistik: 2 Schleusen auf 71 km. 24. Juni 2002 Letzte Nacht war Scheiße. Dreimal ist Wilfried aus dem Bett gesprungen, wollte raus und das Schiff anlegen und fest machen. Ich hatte Angst, dass er ins Wasser fällt und sagte ihm, dass das Schiff angebunden ist und er wieder ins Bett gehen soll. Da schnauzte er mich an und meinte, ich wäre Schuld, wenn wir auflaufen. Für mich war die Nacht vorbei, und ich konnte erst morgens wieder einschlafen. Was das wohl war? Der Vollmond, die Hitze, oder?? Um 9 Uhr legen wir ab, es ist schon wieder heiß. Wir müssen durch eine Schwimmdrehbrücke. In Frontigan gibt es eine Hebebrücke, die nur 3mal am Tag öffnet. Im Buch steht 16.30, dann wollen wir mit durch. Sind um 14.30 da, baden noch, und um 16 Uhr geht die Brücke schon auf. Wir schaffen es, das ist klar. Aber alle Bücher, die wir haben, sind neu (das letzte haben wir in Avignon gekauft) und trotzdem fehlerhaft. Da sind Liegeplätze angegeben, die es gar nicht gibt, andere sind an einer anderen Stelle, oder sie sind gleich Schrott. Heute sehen wir die ersten Palmen, außerdem viele Flamingos und Wildpferde. Ich schicke Ralf eine SMS und erzähle es ihm, der will es nicht glauben und meint, wir wären im Zoo. Machen hinter der Brücke von Frontigan um 16
  17. 17. 16.30 Feierabend. Hier führt der Kanal schon Salzwasser. Es ist jetzt 18.30 und 33 Grad warm. Statistik: 53 km 25. Juni 2002 Der heutige Tag ist wieder einmal aufregend und katastrophal. Um 8 Uhr legen wir ab und fahren noch 5 km in den Salzsee „Etang de Thau“. Könnte hier sehr schön sein, aber leider bläst der Mistral mit 5-6 Windstärken. Die Speigatts müssen verstopft sein (Wilfried will das heute noch überprüfen), denn das ganze Wasser läuft in den Maschinenraum. Der Motor steht unter Wasser, die Kolben klopfen. Wilfried hat Angst, dass wir einen Maschinenschaden haben, aber Gott sei Dank, sie fängt sich wieder und schnurrt, als das ganze Wasser raus ist. Dafür verabschiedet sich die neue Lichtmaschine (272,60 Euro im A...). Durch diese ganze Aufregung vergessen wir doch tatsächlich das Fußballspiel D – Korea (Halbfinale). Hören um 17 Uhr die Nachrichten, Deutschland hat gewonnen. Machen um 16.15 fest in Beziers. Statistik: 6 Schleusen (ovale und ein runde mit 4 Toren, ganz was Neues) auf 50 km 26. Juni 2002 Seit gestern sind wir im Kanal Du Midi, ein schöner Kanal. Die Uferböschung ist befestigt durch die Wurzeln der Bäume, die den ganzen Kanal entlang stehen. Da kann man wunderbar das Schiff festmachen. Was das für Bäume sind habe ich noch nicht raus bekommen. Das Blatt sieht aus wie ein Ahorn. Es gibt eine runde Frucht, etwas kleiner als eine Kastanie. Aber jetzt kommt etwas, das kann ich nicht beschreiben. Es müssen hunderttausende (oder mehr) GRILLEN? in den Bäumen sitzen. Die machen einen Krach, dass man den Motor kaum hört. Hoffentlich machen die bei Dunkelwerden Schluss. Wilfried meint, ich solle im Lexikon mal unter Platanen nachsehen, und richtig, es sind Platanen. Lexikon: Zierbaum mit großen Blättern, abfallender Borke und kugeligen Früchten, kommt aus Asien und Nordamerika (hab ich nicht einen schlauen Mann!!). Legen um 8.15 ab. Der Schleusenwärter (Halbgott) lässt uns wieder einmal eine halbe Stunde warten. Gleich danach kommt eine Schleusentreppe mit 6 Schleusen. 2 Stunden müssen wir auch da warten. Dann geht es los: 4 Boote in der Kammer, alles völlig chaotisch, jeder schubst jeden. Machen um 16.15 wieder an Baumwurzeln fest und schwimmen gleich bei 38 Grad. Statistik: 7 Schleusen auf 36 km 27. Juni 2002 Legen um 8.45 ab. Es gibt heute einige Schwierigkeiten mit den Schleusen, jede ist anders zu bedienen. Die ersten sind automatische. Da legt man an, gibt in einem Kasten einen Code ein, fährt in die Schleuse rein, drückt auf einen roten Knopf und fährt nach dem Schleusen raus. Dann kommt mal wieder ein Schleusenwärter, dann muss man mal wieder an einem Seil drehen, und die nächste Schleuse ist wieder anders. Das muss man ja erst einmal heraus finde, da es nirgends im Buch steht. Aber, Gott sei Dank! Das sind heute für längere Zeit die letzten Schleusen. Wir verlassen heute den Kanal du Midi und fahren in den Kanal de la Robine, ein Stichkanal zum Mittelmeer über die Stadt Narbonne, nach Port la Nouvelle. In unserem schlauen Buch steht: ein sehr schöner und romantischer Kanal. Wir sind wohl zu verwöhnt. Zeitweise ist er sehr langweilig und schmutzig. Um 17.45 machen wir fest. Wollen uns morgen einen Liegeplatz suchen, wo es einen Kran und eine Werkstatt gibt, um unsere 17
  18. 18. "Vrouwe Antje" segelklar zu machen. Baden (wieder in Salzwasser), waschen mit der Solardusche die Haare. Machen eine Flasche Sekt auf und gehen um 22 Uhr müde zu Bett. Statistik: 11 Schleusen. Statistik: Tespe – Port la Nouvelle 2339 km und 269 Schleusen. Etappe Port la Nouvelle – Mallorca 28. Juni 2002 Hafentag. Wir kommen von der Pier nicht weg. Heute Nacht hat der Mistral eingesetzt (Nord-West). Macht mir nichts aus, endlich ein Tag Ruhe und nichts tun. 29. Juni 2002 Hafentag. Gehen heute Vormittag einkaufen. Der Mast wird von einem Kran in den Koker gehoben, aufstellen kann Wilfried ihn 18
  19. 19. selber. Trotzdem bezahlen wir noch € 65,-. Kommen auf unseren Platz an der Pier nicht mehr zurück, da eine Brücke dazwischen ist und wollen in den Jachthafen. Nur leider gibt es keinen Platz für ein 10m-Schiff. Sehen einen schönen Platz, der wohl für Polizei oder sonst noch jemanden reserviert ist und legen uns trotzdem dorthin. Wenn wir weg müssen, wird uns schon jemand was sagen. Abends kommt noch ein Gewitter. Wir spielen Karten und sind um 23.30 im Bett. 30. Juni 2002 Heute wird "Vrouwe Antje" segelklar gemacht. Hören Fußball, Brasilien ist Weltmeister mit 2:0. Um 16.30 kommt ein Franzose und bittet uns höflich, den Platz frei zu machen, um 18 Uhr käme das Schiff, dessen Platz wir belegt haben. Nun liegen wir im Jachthafen, aber wie! An einem anderen Schiff längsseits und Kopfseite am Steg. Gleich erzählt man uns, dass Brasilien Weltmeister ist und wir ein ganzes Jahr hier liegen bleiben können. Die Menschen sind alle sehr freundlich. Das Wetter ist schön, 30 Grad, aber sehr windig. Mal sehen, wann wir auslaufen können. 1. Juli 2002 Wilfried geht Diesel kaufen, ich mache mich gerade fertig als es am Schiff klopft: „Polizei“. Sie wollen die Pässe kontrollieren, und ich muss ein Formular ausfüllen, wo wir herkommen, Name, Geburtstag und und...Sie sind freundlich, es gibt keine Probleme. Wir laufen um 11.45 aus. Setzen das erste Mal Segel, für eine Stunde, dann schläft der Wind ein und wir müssen bis Port Barcares motoren. Eine Marina mit Kasino, Discothek und Halli-galli, nichts für uns. Und nun geht’s Los mit der Liegegebühr! Statistik: 13 Meilen, Liegegebühr € 23,48 2. Juli 2002 Auslaufen um 9.30 mit gutem Wind. Wilfried setzt nur das Großsegel. Zwischendurch wird es wieder weniger Wind und Wilfried setzt auch noch die Fock. Ein wunderbares Segeln, nur in der letzten Stunde leider wieder Flaute. Bergen Segel rechtzeitig, bevor es wieder aufbrist, als wir gerade in den Hafen Port Vendres (Hafen der Venus) kommen. Wurde früher von den Griechen und Römern genutzt. Dennoch gehörte der Ort abwechselnd zu Spanien und Frankreich, bis Voubon ihn 1679 ausbaute und mit Festungsanlagen versah. Die Stadt ist sehr schön, rundherum Berge. Es sind die Ausläufer der Pyrenäen. Wir wollen 2 Tage bleiben, der nächste Hafen wird schon Spanien sein. Statistik: 18 Meilen, Liegegebühr € 23,- 3. Juli 2002 Besichtigen die Stadt, die Kirche ist aber wieder einmal abgeschlossen. Der GPS geht immer noch nicht. Er findet keinen Satelliten. Wilfried spielt seit Deutschland fast jeden Tag damit. 19
  20. 20. Endlich baut er die Antenne ab, und was nun, der Pilz ist voller Wasser. Innerhalb einer halben Stunde ist er trocken und findet nun 6 Satelliten. Ich bin vielleicht froh! Jetzt ist er ja noch nicht so wichtig, wir fahren ja an der Küste lang. Aber bei der Überfahrt nach Ibiza könnte man schon abdriften, und nach Algerien möchte ich wirklich nicht. Wir liegen seit gestern neben einem Angelboot. Heute Morgen waren die Angler draußen und haben mir Fische geschenkt. Nun habe ich zu tun. Die ich zum Mittag (17 Uhr) nicht schaffe, lege ich süßsauer ein. BON APPETIT Statistik: Liegegebühr € 23,- 4. Juli 2002 Hafentag! Windstärke 7 (Mistral)! Gestern hat ein junges Paar neben uns fest gemacht. Sie vom Vater aus deutsch, lebte aber nie in Deutschland, Mutter Amerikanerin, Ehemann Französische Schweiz. Sie haben einen Jungen von 8 Monaten, der genau so freundlich ist wie unser Mäuschen. Haben uns sehr nett unterhalten. Wilfried erzählte ihr, dass ihm unser Brot aus Deutschland fehlt, hier gibt es ja nur Weißbrot mit viel Luft und Löchern. Heute Morgen kommt sie mit 3 dunklen Broten (Mohn, Grau u. Schwarz) und drückt sie Wilfried in den Arm. Als er fragt wieviel Geld sie dafür bekommt, meint sie nur: “Brot bezahlt man nicht!“ Wir sind ja auch arme verhungerte Rentner, sehen wir so aus? Sie gibt mir für morgen noch den französischen Wetterbericht (W 5, nachmittags Flaute), und danach legen sie ab. Sie müssen auch bei Windstärke 7, da sie am Montag wieder zur Arbeit müssen. Statistik: Liegegebühr € 23,- 5. Juli 2002 Heute sind es genau 2 Monate, dass wir unterwegs sind. Laufen um 8.45 aus mit etwas Wind, aber bestimmt keine 5! Nach 2 Stunden ganz Flaute. Wetterbericht stimmt auch nicht immer. Landschaftlich ist die Fahrt heute wunderschön. Große Felsen aus Lava mit Höhlen, eine Ankerbucht nach der anderen. Werfen um 13.30 in einer Ankerbucht bei Port Lligot den Anker. Ein malerischer Fischerort, der gut geschützt ist gegen nahezu jede Windrichtung. Vor uns liegt das skurrile Haus von Salvadore Dali. Auf den Hügeln rund herum riesengroße Kakteen. Das Wasser ist glasklar, und alles ist sehr aufregend. Was ich noch erzählen muss: wir werden überall bewundert. Das fing schon in Holland an, obwohl unsere "Vrouwe Antje" aus Holland kommt. In allen Sprachen werden wir angesprochen, wie schön sie (Antje) ist, und immer wieder wird der Daumen hoch gehalten. Sogar beim Ankern, ich will gerade schwimmen, kommt ein Spanier mit einem Kanu. Er unterhält sich mit Wilfried eine Weile und will alles Mögliche wissen. So, jetzt Schluss, ich gehe wieder schwimmen. Statistik: ? Meilen 6. Juli 2002 Heute Nacht hat der Wind um 180 Grad gedreht, ganz langsam. Aber heute Morgen kommt Sturm auf, der Anker hält nicht mehr. Also schnell die Maschine an. Es ist noch eine Boje frei, an die wir gehen. 20
  21. 21. Hafentag. Ich sticke, lese und bade. Der Spanier von gestern kommt auch wieder und will das Boot von innen sehen. Wilfried lässt ihn rein. Süßer Kerl, ganz braun, mit Lendenschurz und Knackarsch. Lebt in einer Hütte mit Wasser aus der Pumpe und offenem Feuer. Wie nennt man so was? Aussteiger/Lebenskünstler? 7. Juli 2002 Der Wetterbericht sagt ‚Schweinewetter‘, also Starkwind. Aber der Himmel ist blau, und der Wind kommt für uns aus der richtigen Richtung (NW). Wir legen um 9.30 ab. Setzen das Groß und haben gleich 5,5 Knoten und das 2 Stunden lang, dann muss die Fock raus. Es wird ein schöner Segeltag, bis auf die letzten 5 Meilen zu unserem geplanten Hafen. Der Wind dreht auf Süd, und unsere Maschine muss wieder ran. Wir wollen nach Llafranc, lt. unserem Buch ein schöner Hafen, aber es ist ein Horror. Links und rechts fahren Motorboote wie die Henker vorbei, mitten im kleinen Hafenbecken surft ein wackeliger Anfänger, und dann ruft uns auch noch einer zu: “komplett!“ Wir sind froh, nichts wie raus. Müssen noch ein paar Meilen bis zum Stadthafen von Polomos fahren, wo wir um 17.45 anlegen. Die Fahrt war schön, eine wunderbare Landschaft. Statistik: 31,4 Meilen, Liegegebühr € 35,50 8. Juli 2002 Legen um 9.30 ab. 0 Wind, später Südwind. So muss den ganzen Tag die Unterwasser-Genua arbeiten. Mitten auf dem Meer kommt die Küstenwache und hält uns an. Was sie eigentlich von uns wollen, wissen wir nicht. Sie fragen, wohin und woher wie kommen, ob wir Urlaub machen. Unser Seitenschwert interessiert sie, sowas kennen sie nicht. Wir vermuten, sie sind nur neugierig, sagen adios, ok und fahren wieder. Um 15.30 laufen wir in Arenys de Mar ein. Statistik: ? Meilen, Liegegebühr € 21,75 9. Juli 2002 Wollen hier einen Hafentag machen, da wieder Südwind, also von vorn. Machen es uns auch schon so richtig gemütlich mit Wasserschlauch in der Plicht (bei 30 Grad), und Windsäcken in den Luken. Da heißt es, alle Gäste raus, man braucht die Plätze für eine Regatta. ‚Die Freundlichkeit der Franzosen fehlt uns hier‘. Also fahren wir weiter, 6 Meilen immer gegenan. Dann wieder ein großer Hafen. Wir fahren rein, bei der Einfahrt ist eine Tankstelle. Ein Mann sagt: “Komplett“. Ich sage: “Nichts komplett, anderer Hafen auch komplett“ und zeige ihm mit der Hand, dass der Wind von vorne für uns zuviel Wellen bringt. Er merkt, dass ich sauer bin und gibt uns einen Platz bei der Tankstelle, in der Nähe der Fischer. Der Platz ist nicht schlecht, wir haben Strom und Wasser. Mal sehen, ob man auch Liegegeld will. Wenn nicht, ist der Platz sogar gut! 21
  22. 22. 10. Juli 2002 Legen morgens um 7.30 bei Flaute ab. Später kommt Wind auf, NW 4-5. Holen die Segel aber nicht mehr heraus, da wir kurz vor unserem Ziel sind. BARCELONA. Machen um 11.30 fest. Ich bezahle die Liegegebühr gleich für 3 Tage. Am Abend gehen wir los und sehen Straßen-musikanten, Tänzer, Feuerschlucker... Für Kerstin kaufen wir einen Fächer und Wilfried besorgt sich einen Sexy-Wickelrock, den er schon länger wollte. Statistik: 20 Meilen, Liegegebühr € 24,27 11. Juli 2002 Hafentag: Wir gehen in die Stadt, besichtigen die Altstadt mit der Kathedrale und kaufen einen Riesenventilator, da wir 32 Grad haben. Heute gibt des zum ersten Mal selbst gefangenen Fisch, ist nur Nachspeise, reicht nicht zum satt werden, ist aber gut. 12. Juli 2002 Hafentag: Gehen heute zum Museum ‚ Atarazens Reales‘, die ehemalige königliche Schiffswerft. wo in den mächtigen gotischen Hallen 30 Galeeren gleichzeitig gezimmert werden konnten. Es ist einmalig in Europa. Man sieht Schiffsmodelle, originale Gallionsfiguren und historische Seekarten. Ja, und dann gehen wir noch in das Wachsfigurenkabinett (Taller del Museo de Cera). Es ist ein heißer Tag, und die Füße brennen. 13. Juli 2002 Hafentag: Wind kommt von vorn und ist zu stark. Ich sticke eine Geburtstagskarte für Kerstin. Abends gehen wir noch in die Hauptstraße von Barcelona, die Rambla, wie die Spanier sie nennen. An der Kolumbussäule beginnt sie, ich denke, sie ist wohl so 2-3 km lang. Man kann vieles sehen: Gaukler, Wahrsager, Kunsthandwerker, Maler, Lotterieverkäufer und bettelnde Zigeuner. Auch zerlumpte Menschen, die in den Ecken liegen. Daneben der Kontrast, exklusive Mode- und Juweliergeschäfte und Andenkenbuden mit sehr viel Kitsch. In der großen Markthalle daneben kaufen wir Gemüse und Fleisch. Abends noch Karten gespielt, und um 23.45 HEIA. 14. Juli 2002 Auslaufen um 10 Uhr, 2 Stunden motoren, dann kommen die Segel raus. Eine Stunde 22
  23. 23. recht und schlecht segeln (der Wind dreht und kommt wieder von vorn), also Segel wieder rein. Machen um 15 Uhr in Vilanover fest. Statistik: 26 Meilen, Liegegebühr € 27,27 15. Juli 2002 9.15 auslaufen. Flaute, viel Wind, wenig Wind, immer von vorne. SCH....! Fahren um 12.30 nach Torredembarra rein. Statistik: 16 Meilen, Liegegebühr € 26,10 16. Juli 2002 Gestern kam gegen 18 Uhr noch Sturm auf, von Süden. Um 20 Uhr war’s vorbei, und der Wind kam von Nord, der Wind, den wir gern hätten. Heute Morgen ist kein Wind, also laufen wir aus. Aber die See ist noch unruhig von gestern, und wir stampfen wieder gegenan. Um 12.30 haben wir die Schnauze voll und laufen Combrils an. Statistik: 17 Meilen, Liegegebühr € 28,50 17. und 18. Juli 2002 Hafentage. Heiße 32 Grad, aber zu viel Wind. 19. Juli 2002 Laufen um 7.30 aus Cambrils aus. Es ist schlimm, zwar kein Wind, aber See von der Seite. Werde das erste Mal in diesem Jahr seekrank. Laufen um 11.30 in Llorret de Mar ein, eine schöne Stadt. Wilfried geht einkaufen, mir ist es zu heiß, 35 Grad. Statistik: 16 Meilen, Liegegebühr € 21,44 20. Juli 2002 7.30 aus laufen. 34 Meilen nach Alcanar und wieder der gleiche Mist: kein Wind und Wellen von der Seite. Ich möchte endlich segeln. Wann? Sind um 13.15 fest. Statistik: 34 Meilen, Liegegebühr € 20,17 21. Juli 2002 Alkanar Hafentag. Es ist Sonntag, Alcanar ist ein sehr schönes Städtchen. Ein kleiner Fischereihafen mit wenig Gästeliegeplätzen. Wir sind die einzigen Gäste und haben an der Pier einen Platz längsseits. Alle sind freundlich und nett. Gestern hatten wir 40 Grad, heute ist es etwas kühler mit 29 Grad. Die letzte Nacht haben wir bis Mitternacht mit fast nichts an draußen gesessen. Heute wird gegrillt, und zwischendurch gehen wir immer mal wieder ins Wasser. Mache heute mal eine Bilanz: Bislang haben wir € 2930 ausgegeben. Für Diesel, Liegegebühr und Lichtmaschine € 23
  24. 24. 1802,78, für Essen und TRINKEN € 1127,22 und das in fast 3 Monaten = 87 Tagen = pro Tag € 33,67. Muss schon sagen, gut gewirtschaftet. 22. Juli 2002 Auslaufen um 7.45 bei Flaute. Ein heißer Tag, 34 Grad.. Machen um 13.30 fest in Vropesa del Mar, eine große Marina,. Nicht ganz unser Geschmack, obwohl die Landschaft rund herum schön ist. Mit 80 m hohen Abhängen, die voll mit Pinien bewachsen sind. Statistik: 34 Meilen, Liegegebühr € 15,59 23. Juli 2002 7.45 auslaufen bei Flaute. Später kommt Wind von vorn, aber ein schönes ruhiges Fahren und ‚viel warm‘. Ein Phänomen haben wir wieder: Wilfried gibt die Koordinaten in den GPS ein, aber der spielt verrückt. Er zeigt alles falsch an. Ankunftszeit wäre 21.30, und die Radarnadel ist gar nicht zu sehen. Also ist entweder der GPS kaputt oder Wilfried macht etwas falsch. Also alles noch einmal von vorn, aber wieder dasselbe, alles falsch. Da kommt Wilfried dahinter: wir haben den 0-Meridian durchfahren, und dann muss statt Ost West eingegeben werden. Nun ist alles klar, aber das muss man erst einmal merken, denn so was hatten wir noch nie. Immerhin fahren wir schon 22 Jahre. Um 15.30 laufen wir in Valencia ein. Wir suchen in dem großen Hafen einen Liegeplatz, es ist viel frei, aber keiner weist uns ein. So fahren wir zur Tankstelle. Der Tankwart ruft schon von Weitem: „Suchst du Platz?“ Ich sage. „Ja, auch! Wollen aber auch tanken!“ „Kommen, hier gut liegen, morgen tanken, nichts bezahlen!“ Na, ist das nicht prima. Wieder einmal mindestens € 20,- gespart. Statistik: 47 Meilen 24. Juli 2002 Auslaufen um 9.30. FLAUTE. Legen um 12.45 in Cullera an einer Pier an, ohne Wasser und Strom. Die Landschaft wäre sehr schön, aber es ist alles zugebaut mit Hochhäusern. Wir denken, dass ist die richtige Idylle für uns. Morgen wollen wir weiter nach Denia. Bin neugierig, ob einer zum Kassieren kommt. Um 15 Uhr haben wir 37 Grad. Statistik: 19 Meilen 25. Juli 2002 Um 8.30 auslaufen. Müssen wieder alles motoren wegen Flaute. Das Wasser von Valencia bis ca. 15 Meilen südlich von Cullera ist sehr schmutzig. Laufen um 13 Uhr in Denia ein. Hier ist das Wasser wieder sauber. Die Berge gehen bis zum Hafen, eine schöne Gegend. Wieder haben wir 30 Grad. Denia ist der letzte Hafen vor Ibiza. Wir wollen 2-3 Tage bleiben und dann, wenn das Wetter mitspielt, die Überfahrt machen. Statistik: 26 Meilen, Liegegebühr € 19,63 26. Juli 2002 Denia Hafentag. Die Maschine hat in den letzten Tagen etwas gespuckt. Mal wurde sie schneller, mal langsamer. Wilfried schaut 24
  25. 25. heute mal nach. Der Ölfilter ist dicht. Er wäscht ihn mit Spiritus aus. Nun wollen wir hoffen, dass der Fehler behoben ist. Klingen tut sie jetzt gut. Im Moment haben wir Ostwind, hoffentlich dreht er noch bis morgen früh. Wir wollen die Überfahrt nach Ibiza wagen. Die Liegegebühr hält sich im Rahmen, nur Wasser und Strom geht extra, und das ist nicht wenig. Statistik: Liegegebühr € 19,63, Strom und Wasser für 2 Tage € 8,41 27. Juli 2002 6.45 auslaufen Richtung Ibiza. Müssen natürlich wieder motoren und kräftig eiern. Laufen den Hafen San Antonio um 16 Uhr an. Im Hafen ist niemand zum Einweisen. Man müsste sich über Funk anmelden. Funk haben wir keinen, brauchen wir auch nicht, wir können ja die Sprache nicht. Also ankern wir an einer freien Boje (wird wohl keiner zum Kassieren kommen). Ich gehe gleich baden. Statistik: 57 Meilen Überfahrt von Denia–Ibiza (Sonnenaufgang) 28. Juli 2002 Hafentag. Wir hatten einen schönen Abend und eine ruhige Nacht. Ich war ganz wunderlich, das sah gestern Abend so schön aus, wie auf den Ansichtskarten.. Heute Morgen kommt der Besitzer der Boje. Für eine Nacht zahlen wir € 5,- . Es gibt keine Probleme, und wir machen uns einen ruhigen Tag mit baden und lesen. Wilfried versucht zu angeln. Es ist jetzt 11.30, und wir haben schon 35 Grad. Aber bei einer kleinen Brise und immer wieder ins Wasser gehen hält man es gut aus. 29. Juli 2002 8.45 auslaufen. Müssen wieder motoren, es ist wie verhext. Immer kein Wind und wenn, dann von vorne. Uwe hat Santa Euladia sehr gelobt. Also will Wilfried 5 Tage bleiben. Wir wollen auch in das große Portemonnaie greifen, mit € 250,- rechnen wir. Wir fahren um 13.30 rein in den Hafen, tanken und machen dann am Wartekai fest. Man sagt uns, wir müssten vor dem Hafen ankern und um 16 Uhr, wenn das Büro aufmacht, würde man uns sagen, komplett oder nicht. Wilfried ist sauer. Der Wartekai ist frei, und im Buch steht’s auch, dass man da warten soll. So fahren wir vor den Hafen und ankern. Es ist sehr unruhig: die Ausflugsdampfer, die Banane und die Scheiß-Motorboote, die kein bisschen Rücksicht nehmen. Wir liegen dort mit 7 Booten, der Anker hält gut. Der Hafen gefällt uns nicht, so wollen wir nur eine Nacht verbringen und am nächsten Tag weiter. Es wurde eine Scheiß-Nacht. Wir lagen voll im Schwell, haben aber eine Menge Geld gespart. Statistik: 30 Meilen 25
  26. 26. Ibiza haben wir erklommen, sie haben uns nur nicht aufgenommen. In jedem Hafen heißt es, es ist komplett, das findet Wilfried gar nicht nett. Wir müssen ankern, das find ich gut, so kann ich baden, wie Gott mich schuf. Kohle haben wir auch gespart, pro Tag so 100 Mark. 30. Juli. 2002 Auslaufen um 8.30. Gott sei Dank weg von dem Schwell. Laufen um 12.30 im Norden der Insel in eine Ankerbucht Cala Portinatx. Es sieht schön aus, könnte sein, dass wir hier länger bleiben. Der nächste Hafen wird schon auf Mallorca sein. Statistik: 15 Meilen 31. Juli 2002 Hafentag/Ankertag. Heute schlafen wir lange, bis 10.30. Wollen hier ein paar Tage bleiben, und so wie es aussieht, können wir auch gar nicht weg. Wir haben immer Ostwind und zuviel davon. Laut meines Seewetterberichtes, den ich 2 x täglich über mein Handy bekomme, wird’s auch die nächsten Tage nicht besser werden. Heute Morgen gibt es sogar ein Gewitter und etwas Regen. Jetzt haben wir schon wieder 35 Grad. Das Barometer ist auch im Keller. Wir gehen schön schwimmen und faulenzen. Das tut uns gut. Das einzige Problem ist, dass wir immer hin und her schwojen und der Anker nicht mehr hält. Wir suchen uns einen neuen Platz, hoffentlich hält er diesmal. Gestern ist Wilfried mit dem Schlauchboot zum Einkaufen gefahren, es gibt hier einen Sparmarkt, aber leider kein Fleisch zum Grillen. Nur für die Strandlieger kalte Getränke, Würstchen, Käse und was man sonst noch so braucht wenn man am Strand liegt. Aber wir haben noch genug zum Essen und Trinken. Kochen tu ich Moment mit Spiritus. Strom haben wir ja nicht und Gas muss ich sparen für die Heimreise. Die Gasflaschen können hier nicht aufgefüllt werden. Aber wir haben ja immer doppelt gemoppelt. August 2002 Ankertag. Heute Morgen fahre ich mit zum Einkaufen mit dem Schlauchboot. Es geht ganz gut. Wieder baden, lesen, faulenzen. Aber am Nachmittag so ca. 16 Uhr bekommen wir so einen Schwell, dass wir dermassen eiern und ich dadurch wieder einmal seekrank werde. Muss Wodka trinken. Wilfried hilft mir dabei, weil ich ihm Leid tue, muss er aus Kummer trinken. Gegen Mitternacht wird es etwas besser, oder wir merken es nicht mehr. Die Flasche schaffen wir und schlaffen gut (und wieder € 50,- gespart). 26
  27. 27. 2. August 2002 Ausschlafen. Um 9.30 stellen wir fest, dass wir abgenommen haben, Wilfried ganz besonders. Der halbe Bauch ist weg. War wohl doch ganz schön anstrengend. Naja, bald sind wir auf Mallorca, dann wird erst einmal ausgeruht. Lesen heute Abend noch einmal den Wetterbericht auf dem Handy, sieht ganz gut aus. Wir beschließen, morgen auszulaufen und gehen um 22.30 zu Bett. 3. August 2002 Heute Nacht kam Wind auf von Nord, für uns nicht gut. Stehen um 6.30 auf, das Barometer ist immer noch tief, der Himmel sehr wolkig, also gehen wir wieder zu Bett und wollen es morgen versuchen. Schwitzen, baden, faulenzen. Am Abend hat Wilfried wohl ein Tief. Er meint, noch einmal würde er die Strapazen nicht mehr machen, es wird Zeit, dass wir in Arenal ankommen und zur Ruhe kommen. Außerdem wäre er nur wegen mir gefahren, damit ich die Mandelblüte sehe (dass ich nicht lache). Es ist ihm wohl doch alles ein bisschen viel, umsonst ist der Bauch nicht weg. 4. August 2002 Auslaufen um 7 Uhr. Ist diesig, aber wir machen eine gute Fahrt. Einlaufen um 15.30 im Stadthafen von Andraitx, ganz nett und mit Strom. Statistik: 48,4 Meilen, Liegegebühr € 12,05 + Strom € 2,40 Mallorca bei Antratx 5. August 2002 Auslaufen um 10 Uhr, sind jetzt in Arenal fest am Wartekai. Die Marineros sind sehr freundlich. das tut richtig gut, auf Ibiza waren sie frech und arrogant. Da wir ja nicht nur einen Tag bleiben wollen, müssen wir in das Hafenbüro. Auch da ist man sehr nett. Dank Karl-Heinz bekommen wir einen Platz, müssen nur noch warten, kann sein bis morgen. Auf gut Glück hätten wir nicht kommen dürfen. Auch dieser Hafen ist mit Dauerliegern voll. Viel Deutsche und Engländer. Nun sind wir auf den Tag genau 3 Monate unterwegs. Es war ein schöner Trip, aber auch anstrengend. Sind froh, dass wir jetzt hier sind. Nun müssen wir und auch das Boot erst mal zur Ruhe kommen. Heute Morgen hat die Maschine geklopft, gestern Abend ging die Trinkwasserpumpe kaputt, eine neue Lichtmaschine brauchen wir, der Brennstofffilter muss neu, ohne Echolot fahren wir auch, da ist ein Kabel lose, aber wir bekamen nirgends einen Lötkolben. Jetzt haben wir Zeit dafür, besser gesagt: Wilfried, das alles in Ordnung zu bringen. Immerhin sind wir 2339 km mit 269 Schleusen und 595 Meilen gefahren, da geht es nicht ohne Schaden ab. ‘Aber wir sind heile!‘ Statistik: 24 Meilen 27
  28. 28. Vor Ort Mallorca 8. August 2002 Noch liegen wir am Wartekai. Es kann lange dauern, bis wir einen festen Platz bekommen, aber wir bekommen einen. Liegen trotzdem gut hier. Eine neue Wasserpumpe haben wir schon wieder (€ 265,-), eine neue Lichtmaschine wird heute Abend eingebaut (€ 250,- billiger als die Reparatur in Münster. Auch der Ölfilter ist da, geht alles ohne große Schwierigkeiten. In Münster haben wir eine Woche auf die Lichtmaschine gewartet, das war schon ärgerlich. 28
  29. 29. 29
  30. 30. 6. September 2002 Die Brüder Helmut und Siegfried Enzinger Jetzt liegen wir schon 4 Wochen in Arenal am Wartekai, und heute dürfen wir auf unseren festen Platz. Es ist ein guter Platz, es hat sich gelohnt zu warten. Es ist ein aufregender Tag. Siegfried Enzinger, ein Bekannter aus meiner Heimat Österreich, bringt uns ein schönes Auto (Opel Corsa). Ich hatte ihn vor einer Woche angerufen und gebeten, für uns einen Wagen zu kaufen. Für € 1500,- sind wir nun versorgt wie zuhause. Post haben wir auch schon eine Menge bekommen, 6 Briefe und 2 Ansichtskarten und viele, viele SMS. Klappt alles bestens, nur Herr Mörchel lässt nichts von sich hören. Von uns hat er eine Menge Lebenszeichen bekommen, aber von seiner Seite tut sich nichts mehr. Nun haben wir auch keine Lust mehr. Am Nachmittag fahren wir mit unserem ‚SCHICKEN AUTO‘ Siegfried nach Hause, in den Norden von Mallorca, nach Alcudia. Christel und Kurt haben sich bei uns tel. gemeldet, sie machen bis 19. September Urlaub in Cala Millor. Da wir ja das Auto haben, werden wir uns mal sehen. 7. September 2002 Wilfried geht einkaufen, und als er ‚nach Hause‘ kommt, will er einen Ausflug machen (wir haben ja ein Auto!). Fahren an der Süd- Ostküste entlang und wollen das Restaurant ‚Azena Blanco‘ besuchen (Schwager von Herrn Hartkop, dem Vorbesitzer von "Vrouwe Antje" ). Finden es aber nicht. Nun sind wir nicht mehr weit entfernt von Cala Millor. Christl und Kurt machen vielleicht große Augen als sie uns sehen. Ich glaube, sie freuen sich sehr. Wir essen gemeinsam im Hotel zu Abend. Um 20 Uhr fahren wir wieder in Richtung Heimat. Sind um 21.30 wieder in Arenal. Es ist stockfinster, aber wir haben es gut gefunden. Wilfried ist gut gefahren, aber ein bisschen schnell. Wir wollen uns noch einmal mit den Beiden treffen und einen Ausflug machen. Hätte beinahe vergessen zu erzählen, dass wir bei der Fahrt entlang der Küste Bäume sahen, die wir nicht kannten. Es waren Feigenbäume. Wir haben uns Feigen gepflückt, süß und saftig und nicht so vertrocknet, wie wir sie zu Weihnachten essen. Die Insel ist einfach toll. Wieder Katze an Bord (macht nicht soo viel Schmutz) 30
  31. 31. 8. September 2002 Sonntag ausschlafen, besuchen mit dem Schlauchboot einen Österreicher, der vorm Hafen ankert (Bauernsohn aus Seewalchen und seine Frau aus Frankenmarkt). Sie laufen aber heute wieder aus, der Schwell ist zu stark, und im Hafen ist es ihnen zu teuer (23 m-Boot für € 100). Wir baden in der Bucht. Jetzt ist es 17 Uhr, und Wilfried macht den Grill an. Guten Appetit! 18. September 2002 Haben wieder einen schönen Tag hinter uns. Wetter immer gut, fahren fast jeden Tag mit dem Schlauchboot zum Baden, einen Tag zum Ballermann 6. Der Strand ist zwar schön, aber überfüllt. Wilfried hat immer noch keine Lust, mit ‚"Vrouwe Antje" raus zu fahren, wird wohl noch kommen. Samstag, wir saßen noch beim Frühstück, klopfte es, Besuch. Karl-Heinz Plischke kam für 3 Tage nach Arenal. Ist schon toll, wir brauchten 3 Monate. Gestern trafen wir uns mit Christl und Kurt, wollten einen Ausflug machen, wir waren um 12 Uhr in Cala Millor. Die Beiden hatten aber keine Lust, es war ihnen im Auto zu heiß. Sie hatten ja sowas von Recht. Mir hat’s auch nichts ausgemacht, es wurde ein sehr schöner Nachmittag. Wir saßen am Pool bei kühlem Bier, Wodka-Lemon und Wasser. Ich habe auch gebadet. Am Abend haben wir auf dem Zimmer 205 geduscht, und dann wurden wir auch noch zum Essen eingeladen. Das war uns etwas peinlich, aber wir durften nichts dazu geben. Um 21.15 waren wir wieder zu Hause in Arenal. Bis jetzt ist jeder Tag ein Erlebnis. 29. September 2002 7. September 2002 Was für ein Glück, dass wir hier sind. In Deutschland hat es bis 600 m herunter geschneit. Im Harz, Schwarzwald und München lag Schnee. Lüneburg 15 Grad und Regen. Hier ist am Tag immer noch 30 Grad, nur nachts etwas kühler, 17 Grad., richtig angenehm. Wir fahren oder gehen fast jeden Tag an den Strand zum Baden. Es ist herrlich hier. Am 23. hat Eitel angerufen, endlich! Er hat den Brief, den ich am 5.8. abgeschickt habe, immer noch nicht bekommen. 14 Briefe habe ich abgeschickt, alle sind angekommen, nur Eitels nicht, ist wie verhext. Nun habe ich noch einmal geschrieben, abgeschickt am 24.9. Nun mal sehen! Vorgestern war eine Scheiß-Nacht. Bei uns haben sich im Vorschiff 3 Grillen verkrochen und so laut (wie sagt man?) gegrillt? – jedenfalls Krach gemacht, dass man nicht schlafen konnte. Als es hell wurde war Ruhe. Gestern Abend, beim Dunkelwerden, ging der Krach wieder los. Ich aber raus und mit der Giftspritze in jedes offene Loch gespritzt. Wir hatten eine gute Nacht. Gestern Abend hat uns Karl-Heinz eine SMS geschickt. Sie melden sich für Donnerstag, den 3. Oktober an. Wir freuen uns. 3 x abgesichert……. Normal kochen wir mit Gas. Da man aber in Spanien Unsere Gasflaschen nicht füllen kann, müssen wir sparen. Im Hafen kochen wir mit Strom. Und beim Ankern, zur Not, haben wir noch Spritus. 31
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  34. 34. 22. Oktober 2002 Mittags 25 Grad, wolkenloser blauer Himmel, aber Sturm mit Orkanböen, sogar im Hafen schaukeln wir. ‚UNS GEHT’S GOLD‘. Mohrchen sagt, wir sind Superrentner. Sie hat Recht, so fühlen wir uns auch. 02. November 2002 Wir haben immer noch schönes warmes Wetter, um die Mittagszeit 30 Grad. Eben hat Götz angerufen: Deutschland 6 Grad und Regen. Am 29. Oktober sind wir das erste Mal mit "Vrouwe Antje" raus gefahren. Konnten sogar segeln, war eine Kaffeefahrt. Zwischendurch bin ich ins Wasser und habe den Wasserpass geputzt. Langsam hat Wilfried sich jetzt von der Reise erholt. Ich habe ja erzählt, dass er abgenommen hat und der Bauch weg war. Nun: er ist wieder da, wieder hier....Waren auch auf Besuch bei Dubbel, die haben ein Restaurant in Poto-Colom, da haben wir wunderbar gegessen. In Arta gibt es eine Tropfsteinhöhle, die wir besucht haben, und hinterher sind wir nach Sant-Jordi zum Essen. Ein Menü mit 4 Gängen, erste Klasse für € 16,- So, und nun kommt’s: am 30. Oktober sitzen wir in der Sonne, ich mit Lockenwickler, da höre ich eine Stimme sagen: „Und Brigitte mit Lockenwickler!“ Ich habe gedacht, ich träume, und Wilfried hat sie gar nicht erkannt, weil sie so dünn geworden ist und erblondet mit kurzen Haaren. Julchen aus Berlin, natürlich mit Mann. Wir haben uns riesig gefreut. Sie bleiben bis 3. November, also ein Kurztripp. Lange haben wir uns nicht gesehen, ich glaube 8 Jahre, und nach Mallorca kommen sie uns zu besuchen. Heute machen wir zusammen einen Ausflug, und dann wird noch einmal schön essen gegangen. Es ist jetzt 12 Uhr Mittag, und wir haben 29 Grad. 03. November 2002 Gestern sind wir mit Julchen und Mathias auf den Berg Randa zu den Klöstern gefahren. Wir kannten das, so konnten wir mit ruhigem Gewissen zeigen, wie schön es da oben ist. Man kann bis Palma sehen, die Aussicht ist traumhaft, dann waren wie noch essen in Randa. Zum Abschied gab es auf der "Vrouwe Antje" noch eine Flasche Sekt. Es war schön mit den Beiden, heute 14 Uhr fliegen sie wieder zurück nach Berlin. 34
  35. 35. 11. November 2002 Waren heute in Palma von 11 bis 15 Uhr und kamen durchgeschwitzt zurück nach Hause. Wilfried hat in der Plicht geduscht, jetzt, 16 Uhr sitzt er draußen – nackelich – bei 30 Grad. Was machen wir bloß nächstes Jahr am 11.11.? Vorm Fernseher sitzen, Grog trinken und von Mallorca TRÄUMEN In 10 Tagen habe ich Burzltag. Habe neue Ohrringe bekommen heute in Palma. Freuen uns, Ingrid hat sich angemeldet, kommt zu meinem Geburtstag. Eben im Radio Wetterbericht: Berlin Schneeregen 2 Grad, Hamburg Regen, Nebel, Vorsicht Glatteis –1 Grad. Ich mag gar nicht ans nächste Jahr denken. Vielleicht klappt es ja noch im LOTTO! Dann aber! 17. November 2002 3 Tage Sturm, Regen und Gewitter. Wilfried hat 50 l Regenwasser aufgefangen zum Blumen gießen und vieles ist noch vorbei gegangen. Hatte endlich Zeit, meine Weihnachtskarten zu basteln und zu schreiben. heute sitzen wir wieder draußen, Sonne, 25 Grad. Freuen uns, heute Abend kommt Ingrid. 30. November 2002 Ingrid ist Mittwoch nach Hause geflogen und hat das gute Wetter hier gelassen. Haben ein paar schöne Ausflüge gemacht. Unter anderem waren wir im Norden in den Bergen. Über Valdemossa: Umgeben von Johannisbrot-, Mandel- und Olivenbäumen in 400 m Höhe liegt Valdemossa. Hier wohnten berühmte Persönlichkeiten, darunter Frederic Chopin und George Sand, der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator, der Schriftsteller und Philosoph Miguel de Unamuno und der Maler Santiago Rusinol. Die Küste entlang nach Deia: Hier entlang haben sich die Reichen und Schönen ihre Häuser gebaut. Man weiß, wo es schön ist. Auch der Erzherzog Ludwig (ein Neffe vom letzten Kaiser) hat sich ein Anwesen gebaut. Nun geht es nach Soller: Das Tal der Apfelsinenbäume, ein sehr schöner Naturhafen. 35
  36. 36. Hier haben wir Kaffee getrunken und sind dann wieder durch den Tunnel del Soller (3123 m) zurück nach Arenal. Waren noch mit Ingrid auf dem Berg Randa und hinterher schön essen beim Klosterwirt. Es gab Kalbsschnitzel so groß wir ein Klodeckel. Ich glaube, Ingrid haben die Tage gefallen, uns auch. Sie ist sehr angenehm. Gestern am 29. November haben wir unsere "Vrouwe Antje" weihnachtlich geschmückt. Morgen darf ich das erste Türchen vom Adventskalender, den mir Mohrchen geschickt hat, aufmachen. Nun muss ich noch meinen Geburtstag beschreiben. Morgens zum Frühstück kam Ingrid mit einem Blumenstrauß (rosa Rosen) und drei wunderschönen blauen Handtüchern mit goldenem Anker. Von meinem Schätzchen bekam ich schon vor 10 Tagen beim Frankfurter (Deutsches Restorante) einen Tisch bestellt, also wollten wir schön essen gehen. War nichts! Als wir kamen, saß er mit Freunden am Tisch und sagte zu uns: „Heute habe ich keine Lust.“ Wilfried sauer, wir hungrig. Ich wollte nach Hause, selbst etwas brutzeln. Nein, meinte Wilfried, nicht an Deinem Geburtstag. Wir fuhren übers Land und fanden einen rustikalen Gasthof (Zum Teufel). Wilfried a´Lamm, Ingrid und ich Paella. Der Geburtstag war gerettet. Am Abend noch ein Glas Sekt. Viel Post und auch Anrufe habe ich bekommen. Nächstes Jahr, meinen 59., werde ich wieder in Lüneburg feiern. Paella: Schale mit Reis, Einlagen von Tintenfisch, Muscheln, Schnecken und Krabben. „LECKER“! Mit Plieschkes in der Schinkenstraße 13. Dezember 2002 Heute war bislang die kälteste Nacht mit 6,5 Grad, aber jetzt ist es 12.30 Uhr und schon wieder 25 Grad. Wilfried sitzt draußen und liest die Zeitung. Die letzten zwei Wochen hatten wir viel Gewitter. Nun bin ich schon sehr aufgeregt, nächste Woche kommen die Kinder, ich freue mich schon sehr. Hoffentlich verläuft alles so wie ich mir das wünsche. Kein Stress, kein Streit, nur Liebe und Frieden und viel Harmonie. So, wie es eigentlich sein sollte. Dienstag waren wir in Palma in der Kathedrale und in der Altstadt, die sehr schön weihnachtlich geschmückt ist. Was toll aussieht, ist auch der Blumenschmuck. Große Flächen sind bepflanzt mit Alpenveilchen, Stiefmütterchen und meterhohen Weihnachtssternen (wie groß? ca. 3-4m, sieht stark aus) und ein großer Weihnachtsbaum.. Gestern habe ich mir einen kleinen Rucksack für den Heimflug gekauft. Donnerstag ist in Arenal immer Markttag, beim Heimweg kamen wir an einem Reisebüro vorbei. Es hat alles gut gepasst, der Termin und auch der Preis. Und so habe ich mir das Flugticket gleich gekauft. Also Abflug 10.1.03, und ich bin wieder zurück in Arenal am 20.1.03, pünktlich zur Mandelblüte. 36
  37. 37. 27. Dezember 2002 Weihnachten ist vorbei, und es war schön und mal was anderes. Die Kinder kamen am 21.12. und bleiben bis zum 7.1.. Am Heiligen Abend haben wir die Bescherung in der Plicht gemacht., das war gut so, so konnte man das Papier von den Geschenken gleich zum Mülleimer gebracht werden. Als die Sonne unterging mussten wir rein, da wurde es kühl. Dieses Jahr gab es kein Fondue wie sonst immer. Es gab Riesengarnelen in guter Soße, verfeinert mit Weißwein und Weinbrand, dazu Baguette mit Kräuterkäse, war lecker. Mohr’s haben uns ein Paket geschickt mit Süßigkeiten und einem Spiel, mit dem wir den Abend verbracht haben. Am nächsten Tag haben wir gegrillt. Gestern war Wilfried mit den Kindern in Palma, ich blieb zu Hause. Erstens passen wir nicht alle ins Auto, zweitens musste ich mal wieder sauber machen, und drittens brauchte ich mal Zeit für mich. Es ist schön, dass alle hier sind, aber es ist sehr anstrengend. Heute sind alle Mann nach Llucmajor zum Markt. Das Barometer ist gefallen, und es sieht trübe aus. Hoffentlich wird’s wieder besser, sonst bekommt Kevin Langeweile. Gestern Abend haben wir bis 1 Uhr nachts gespielt, erst Mohrchens Spiel und dann Mau-Mau (natürlich Kevin auch). Shirley hat geschlafen, der Tag war für sie anstrengend (die Tage sind für sie alle anstrengend, wie bei der Oma). Plieschkes sind auch auf der Insel, und ich brauchte auch dieses Jahr nicht ohne Weihnachtskekse zu leben. Marlies brachte mir eine große Dose selbst gebackene, und Tante Liesl hat uns auch nicht vergessen. Ralf brachte einen Stollen, Kekse und einen gestickten Weihnachtsbaum mit. Ich habe mich sehr gefreut. Sigi war auch noch vor Weihnachten hier und brachte eine kleine Laterne als Weihnachtsgeschenk mit. Ich habe so viel Weihnachtspost bekommen, dass die Mädchen im Büro, wo ich die Post abholen muss, schon gesagt haben, keiner bekäme so viel Post wie wir. Sie finden das schön. Wie sagt Herr Mörchel? „Man schreibt heute nicht mehr“ 08.Januar 2003 Nun sind wieder ein paar Tage vergangen. Silvester ist vorbei, und die Kinder sind gestern in das kalte Deutschland zurück geflogen (-17 Grad). Hier sind heute +19 Grad, aber sehr windig. Silvester waren wir bis 24 Uhr an Bord, dann haben wir uns über Palma das Feuerwerk angesehen. Plieschke kam und hat die (großen) Kinder zum Feiern in einem Hotel abgeholt. Wir haben die (kleinen) Kinder gehütet (das ist Oma-und Opa-Aufgabe). Leider war Shirley den ganzen Aufenthalt über erkältet und nicht so gut drauf. Wenn wir mit ihr allein waren, war sie sehr lieb, aber wenn alle zusammen waren war sie ein Schreikind. Irgend“jemand“ macht etwas falsch, das war aber auch schon früher bei Kevin so. Die letzten 5 Tage war sie nur noch bei uns, und ich habe das genossen. Ralf, Kerstin und Kevin haben die Insel erkundet, und es hat ihnen scheinbar so gut gefallen, dass sie am liebsten für immer hier sein möchten. Na ja, mal sehen. So einfach ist es ja auch nicht, da muss viel überlegt werden, und das Geld spielt auch eine große Rolle. Freitag, den 10.01.03 fliege ich nach Hause. Es ist für mich der erste richtige Flug und dann noch alleine. Will Tante Liesl zu ihrem 80. Geburtstag überraschen. Bin neugierig, was sie dazu sagt. Hoffentlich bekomme ich das alles hin, was man am Flugplatz alles machen muss. Ein bisschen mulmig ist mir schon. Aber im Grunde habe ich ja immer alles geschafft, was ich wollte, „so Gott will“. 37
  38. 38. Am 6. Januar ist der größte Feiertag in Spanien. Geschenke werden nicht wie bei uns am 24.12. verteilt, sondern am 6.1. von den 3 Königen. Es gibt einen großen Umzug (wie bei uns im Karneval). Die Könige kommen mit dem Schiff in den Hafen, steigen in Kutschen (jeder hat seine eigene), fahren sie mit Gefolge durch die Stadt und werfen dabei Bonbons in die Menge. Begleitet werden sie alle mit Musikkapellen mit Dudelsack und Trommeln. 10. Januar 2003 Heute sollte ich eigentlich nach Deutschland fliegen. Habe mir am 12.12. im Reisebüro in Arenal einen Platz reservieren lassen und auch bezahlt. Gestern fuhren wir zum Flugplatz, um das Ticket abzuholen. Dabei wurde festgestellt, dass der Flug von Palma nach München gebucht war. Ich war zornig, wütend und habe bald geweint. Warum muss immer mir so was passieren? Wir mussten umbuchen, für heute war kein Platz mehr frei, also dann morgen. Jetzt will ich mir vom Reisebüro noch 45,- Euro holen, die hatte ich durch die Umbuchung mehr zu bezahlen. Ob ich die bekomme ist fraglich. Aussage – Aussage, aber was soll ich in München? Am Abend hat Wilfried mich noch bearbeitet. Ich würde ihn alleine lassen, das Flugzeug könnte runterfallen. Im Großen und Ganzen meinte er, ich solle hier bleiben. Jetzt bin ich ganz durch den Wind, mir ist alles ja selbst nicht einerlei. Hoffentlich geht alles gut! Heute regnet es in Strömen, 13,5 Grad. Laut Radio: „Mallorca Eiszeit“ …saßen mit mir am 20.01.03 mit mir im Flieger Sehr sympathisch !!! 23. Januar 2003 Nun bin ich wieder auf der Insel, die Flüge waren schön, die Menschen alle freundlich und nett, und ich habe alles alleine geschafft ohne Hilfe. Na, die Tante Liesl hat Augen gemacht und sich riesig gefreut. Damit hat sie nicht gerechnet, dass ich zu ihrem Geburtstag komme. Zu Hause habe ich mir sehr viel vorgenommen. Wollte alle Tage ausschlafe, in die Sauna gehen und jeden Tag Logbuch schreiben. Aber dazu kam ich nicht. Ich wurde eingeladen, und auch ich bekam Besuch. Jede Stunde war ausgebucht. Ich hatte das Gefühl, man mag mich. Richard hat alles warm gemacht (Zimmer und Badewasser), Frau Buzan und meine lieben Kinder haben mir den Kühlschrank aufgefüllt, und in der Stube stand ein Rosenstrauß von Ralf. Das Wetter war nasskalt, naja Deutschland. Am 20. kam ich wieder auf die Insel, war 20 Grad und wunderschöner Sonnenschein. Leider gabs gleich Ärger. Morgens rief mich Wilfried noch an und sagte mir, er holt mich ab und fährt ins Parkhaus. Nun traute ich mich nicht, von der Ankunfthalle weg zu gehen, aber er wartete draußen und ich drinnen. Bin leider etwas dumm, das hätte ich wissen müssen, dass ich nach draußen zum Parkplatz gehe. Kann wohl doch nichts alleine! 38
  39. 39. Gestern waren wir einkaufen und haben beim Heimfahren noch einen kleinen Umweg gemacht. Haben festgestellt, dass langsam die Mandelblüte anfängt. Heute Nacht hat’s geregnet, jetzt 14 Uhr Sonnenschein und 22 Grad. Wilfried sitzt draußen und liest die Zeitung. 29. Januar 2003 Gestern wunderschöner Sonnentag und warm. Waren bei Lidl zum Einkaufen, und dann haben wir einen Ausflug in die Berge gemacht. Über Andrax die Westküste lang bis Valdemossa. Das ist umgeben von Johannisbrot-, Mandel- und Olivenbäumen und liegt in 400m Höhe: das königliche Karthäuserkloster Jesus Natzare. Das Kloster befindet sich in einem ehemaligen Palast, in dem der asthmakranke König Sanc lange Zeiträume verbrachte, weil das örtliche Klima seine Beschwerden linderte. 1399 vermachte König Martin, der Menschliche, den Palast dem Karthäuserorden. Die Klosterkirche ist klassizistisch und besitzt einen Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes. Ihre Kuppel ist mit Fresken des Mönches Fray Bayen dekoriert. In der Nähe des Kreuzganges ist eine alte Apotheke erhalten, in der noch Tiegel mit den ungewöhnlichsten Arzneien zu sehen sind. 1835 wurden die Karthäusermönche dann im Zuge der gesetzlichen Enteignung der Kirche vertrieben. Das Gebäude wurde unterteilt und an Privatpersonen verkauft. Die Klosterzellen dienten später so berühmten Besuchern wie Frederic Chopin und dem österreichischen Erzherzog Ludwig Salvator als Unterkunft (Chopin: Pole, gelebt von 1.3.1810 – 17.10.1849). Auf dem Weg zum Kloster rief ich bei Liesl und auch bei Ralf an. Regen, kalt, PÄH! Wilfried mit kurzen Ärmeln und nackten Füßen. Was mag uns das sagen? Bei der Rückfahrt Richtung Palma stellten wir fest, dass es nicht mehr lange dauert bis die Mandelbäume in voller Blüte stehen. Als Abschluss fuhren wir zum Teufel (Gasthaus) und haben schön gegessen. 18 Uhr kamen wir nach Hause. heute starker Wind, aber Sonne und 18 Grad. 4. Februar 2003 Heute riesiger Sturm, aber sonnig mit 18 Grad. Stürme gibt es in letzter Zeit viel, aber immer wieder ist auch ein schöner Tag dazwischen. Letzte Woche (30.1.) machten wir wieder einen schönen Ausflug. Fuhren über Inca in die Berge zum Kloster ‚Monastir Lluc‘. In diesem Kloster befindet sich die auf Mallorca hoch verehrte Heilige Jungfrau von Lluc, eine gotische Schnitzfigur aus dunklem Holz. Von Lluc aus fuhren wir durch die Gebirgsgegend um den Puig Tomir und durch das Tal Vall den March hinunter ins 18 Kilometer entfernte Pollenca. Da besuchten wir auch den Hafen, der in einer malerischen Bucht liegt. Hier werden wir auch mal mit dem Schiff herfahren, im Frühjahr, wenn das Wetter es zulässt. Von Pollenca fuhren wir zum Leuchtturm vom Kap Formentor. Die Fahrt war für Wilfried anstrengend, für mich traumhaft. Man kann gar nicht beschreiben wie schön, man muss es gesehen haben. Das Wetter war klar, und man konnte bis Menorca sehen. Die Rückfahrt ging über Alcudia (da waren wir auch im Hafen) wieder nach Hause. 39
  40. 40. Freitag, den 31.1. gab es nach Aussage von Sigi bis 6cm Schnee in Alcudia. Hier im Süden merkten wir nichts davon. Schon gut, dass wir hier im Süden überwintern. Samstag, den 1.2. ging Wilfried wieder zum Bezahlen der Hafengebühr. So ein Monat ist schnell vorbei und wir mussten leider feststellen, dass es wieder teurer geworden ist um 5%. Nun bezahlen wir schon 515,- Euro. Von Greti Offenzeller bekam ich einen lieben Brief, u.a. schreibt sie, sie wüsste nicht, ob sie das Faulenzen so lange aushalten würde. Wie stellen sich die Leute das eigentlich vor? Kochen muss ich jeden Tag, ich muss putzen, Wäsche waschen, dann fahren wir einkaufen, Mallorca wird auf den Kopf gestellt, Briefe schreiben, Handarbeiten, und im Sommer beim Segeln hat man genug zu tun. Ich mache nicht mal Mittagsschlaf – keine Zeit! Deutscher Wetterbericht: Schnee – Eis – Rutschpartie. 20. Februar 2003 Viel gibt es Moment nicht zu berichten. Das Wetter ist nicht so berauschend. Haben zwar 15 Grad, aber viel Wind und zeitweise auch Regen. In den Bergen gibt es Schnee. Man sagte uns, im März soll es besser werden. Ich sticke viel. Letzte Woche waren wir zur Mandelblüte, sie ist aber noch nicht in voller Blüte. Dieses Jahr dauert es etwas länger, es ist noch zu kalt. Zur Zeit werden im Hafen die Toiletten und Duschen erneuert. Eine Dusche beim Swimmingpool ist noch in Betrieb mit Gas. Wenn der Boiler ausgeht, geht man ins Büro und sagt Bescheid. Ja und dann wird der in 10 Minuten wieder angemacht – sagt man uns. Aber das sind natürlich spanische Minuten. Spanische Minuten = Stunden Deutschland = Schnee, Eis und –10 Grad Einmal konnten wir Schnee auf den Bergen sehen, aber hier in Arenal konnten wir mit T-Shirt gehen. 5. März 2003 Die Mandelblüte ist nun vorbei. Nach Aussage vieler Leute war sie dieses Jahr sehr spät und auch nicht so schön wie normal. Der Winter war nasser und kälter als sonst. Ich fand die Mandelblüte aber traumhaft. Am 1. März fing das schöne und warme Wetter an. Es ist jetzt 11 Uhr, und wir haben schon 22 Grad. Gestern hat sich Mohrchen angemeldet. Sie kommt am 31.3. Wir freuen uns. Im April will Ralf mit Familie kommen, alles klar machen für die Einreise nach Mallorca (Schule), und dann müssen sie sich ein Haus suchen. Hoffentlich klappt das alles so, wie sie sich das vorstellen. Ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen. 12. März 2003 40
  41. 41. Letzte Woche am 6. März war wunderbares warmes Wetter. 28 Grad, saßen den ganzen Tag in der Sonne. Am 7. März sind wir wieder in die Berge gefahren, aber am mit 1443 Metern höchsten Berg war es leider neblig und sogar noch etwas Schnee. Der Weg übers Gebirge nennt sich ‚Die Straße nach nirgendwo‘. Wie eine Schlange windet sie sich in zahllosen Kurven und Serpentinen durch das Gebirge. Dort lebten seit Jahrhunderten sechs Familien, die so von der Zivilisation abgeschnitten waren, dass sie nicht einmal Spanisch sondern nur Mallorquin sprachen. Früher führte nur ein Fußpfad durch die Berge ins Inselinnere. „Es war ein vollkommenes Paradies“ erinnert sich ein alter Mann damals an der Straße. Als der Ingenieur Parietti sein Projekt entwarf, ahnte er nicht, dass er eine Sehens-würdigkeit konstruierte. Hunderte von Arbeitern wühlten sich ohne Maschinen durch die Berge. Nur mit Pickel, Schaufel, Brecheisen und Dynamit. Wir fuhren durch das Tal mit Tunneln und zwei Seen, die mit Regen und Schneewasser gefüllt sind und Mallorca mit Trinkwasser versorgen. Dabei kamen wir zum Fluss Torrent de Pareis. Heute ist er die meiste Zeit des Jahres trocken, aber wir sahen ihn voll und Richtung Meer fließen. Über Inca fuhren wir wieder nach Hause. Am 10. März haben wir das erste Mal in diesem Jahr gegrillt. Es ist immer um die 25 Grad warm. Gestern waren wir mit der ‚Vrowen Antje‘ in Palma (Hafenrundfahrt) und in Portals, ein sehr großer und teurer Hafen mit 670 Liegeplätzen. Mit dem Auto waren wir im September schon ein Mal dort. Heute hatte Wilfried großes Pech. Die Antenne vom GPS hatte sich gestern hin und wieder verabschiedet, aber das kannten wir ja schon vom letzten Jahr, Feuchtigkeit. Wilfried hat die Antenne aufgemacht zum Trocknen, hat es gut gemeint und mit feiner Drahtbürste geputzt. ‚Kaputt‘ geputzt! Nun müssen wir mal sehen, was wir machen. Wenn es nicht zu reparieren geht, müssen wir einen neuen GPS kaufen. 21. März 2003 GPS ist bald wieder in Ordnung, Friedhelm hat eine neue Antenne bestellt. Das Wetter wird immer besser, heute ist Frühlingsanfang, und wir haben jetzt um 14 Uhr 27 Grad. Walter hat uns mit seiner neuen Frau besucht. Sie ist nicht unsympathisch, aber mehr möchte ich mich dazu nicht äußern. 41

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