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Filmregisseurin Ursula Meier im Gespröch

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  1. 1. 18 6 | 2013via Sie sind im Grenzgebiet Schweiz–Frankreich aufgewachsen. Quasi zwischen den Welten. Inwiefern hat dies Ihre Identität beeinflusst? Am Zoll, den wir mehrmals täglich passierten, habe ich mich immer gefragt, wo ich bin: Frankreich? Schweiz? Diese 30 Meter zwischen den Ländern ha- ben meine Fantasie angeregt. Ich habe mir diesen «leeren Raum» zu eigen gemacht und ihn mit meiner Fantasie aufgefüllt. Ja, die France Voisine, dieses Niemandsland, hat mich sehr geprägt. Beeinflusst das heute Ihre Arbeit? Ich glaube schon. Dieses «Zwischen-den-Ländern- Sein» hat etwas sehr Freies und auch etwas Märchenhaf- tes. Ich glaube, das merkt man meinen Filmen auch an. Und gerade weil sie sich nicht konkret auf einen geografi- schen Ort festlegen, haben sie etwas Universelles, werden sie auf der ganzen Welt ver- standen. Wie eine Fabel oder wie die Märchen der Grimms, die ich über alles liebe. Ist das eines Ihrer Themen, das «Dazwischen-Sein»? Ich liebe es, ständig die Grenzen auszuloten, Neu- land zu erkunden, mit die- sem Wunsch, zu filmen, was sich unter der Oberfläche verbirgt, die Grauzonen, das Durcheinander, und dabei die ganze Zeit die Regeln des Films infrage zu stellen. Die Angst vor dem Eingesperrt- Sein spielt in meiner Arbeit eine zentrale Rolle (im Film «Home» schliessen sich die Darsteller übrigens tatsächlich ein). Deshalb liebe ich auch das Spiel mit den unterschiedlichen Genres, den Formen. Ich will nicht, dass man glaubt: Die Meier macht Autoren- filme oder Sozialdramen. Ich mag diese Etiketten nicht. Ich mache Filme. Punkt. Sie reisen durch die ganze Welt, sehen sich aber als Franko-Schweizerin. Muss man von zu Hause weggehen, um ein Heimatgefühl zu entwickeln? Es gibt einen Satz von Blaise Cendrars, der mir sehr gefällt: Wenn du liebst, musst du wegge- hen. Das gilt auch für mein Verhältnis zur Schweiz: Ich ziehe mich gern zu- rück, um sie besser betrachten und danach umso mehr schätzen zu können. Das tut gut, ja. Im Film «Home» kämpft eine Familie gegen eine Autobahn, in «Sister» ein ungleiches Duo gegen wirtschaftliche und emotionale Widrigkeiten. Was fasziniert Sie an diesen Aussenseiterfiguren? Ich mag Menschen, die unorthodox sind, und die von der Norm abweichen. Die ein anderes Leben wollen, als der Rest, die eine Utopie haben, ein eigenes Gleichgewicht suchen, das aber viel zu zerbrechlich ist für diese Welt. Sie experimentieren gerne, mögen überraschende Wendungen in Ihren Filmen. Gleichzeitig müssen Sie als Regisseurin sehr pragmatisch sein. Wie geht das zusammen? Ich glaube ganz fest an die Intuition … Das heisst? Ganz am Anfang, wenn eine Geschichte geboren wird, da regiert die Intuition. Verschiedene Wünsche treffen aufeinander, schliessen sich kurz. Das ist pure Ihre Filme feiern auf der ganzen Welt Erfolge. Bei uns spricht die Regisseurin Ursula Meier über Heimat, die Zukunft des Kinos und ihre liebsten Filmikonen. Text:Gaston Haas; Fotos:Raphael Zubler «Der Erfolg hat mich nicht verändert» Erleben Interview Ursula Meier «IchmagMenschen,die unorthodoxsind,unddievon derNormabweichen.» Ideen, Schuld&Demut Die liebste Tätigkeit im Zug? Aus dem Fenster schauen, in meine innere Gedankenwelt abtauchen, neue Ideen entwickeln. Das ist der einzige Moment, an dem ich mir erlaube, nichts zu tun. Die Idee zu «Sister» hatte ich im TGV von Paris nach Lausanne, daran erinnere ich mich noch gut. Das Billett habe ich immer noch, weil ich darauf die ersten Notizen zum Film gemacht habe. 1. Klasse oder 2. Klasse? (Wie aus der Pistole geschossen) 2. Klasse, immer. Das hat mit meiner protestantischen Erziehung zu tun. In der 1. Klasse fühle ich mich immer etwas schuldig. Die schönste Zugstrecke in der Schweiz? Lausanne – Montreux. Klischeehaft vielleicht, aber diese Reise ist einfach wunderschön. Der See, die Landschaft, ich bin jedes Mal total gebannt und überwältigt von so viel Schönheit, das macht bescheiden und demütig.
  2. 2. 19 6 | 2013 via Interview Ursula Meier Erleben «Kino, das ist eine Erfahrung, die man zusammen in einem dunklen Saal macht»: Ursula Meier im Kino Le Capitole in Lausanne.
  3. 3. 20 6 | 2013via Erleben Interview Ursula Meier Alchemie, der entscheidende Moment im Leben eines Filmes. Das spüre ich ganz tief in mir, wenn ein Film entsteht. Der Verstand, der dramatische Aufbau, die Arbeit als solche kommen erst viel später ins Spiel. Leiten Sie Ihre Schauspieler auch mit Intuition? Eigentlich geht es immer um den Ausgleich zwischen Intuition und Vernunft, zwischen Bauch und Kopf. Ich erkläre den Schauspielern die Charaktere, ihren Hintergrund, ihre Motive, ihre Schwächen, was bei jeder Szene auf dem Spiel steht, aber auch, wie sich die Schauspieler zu bewegen, wie sie etwas zu sagen ha- ben. Das hat etwas Mathematisches in der Strenge. Und dann kommt das Intuitive, das nicht Erklärbare dazu, vor allem vor der Kamera. Meine Art, die Schauspieler anzuweisen, hat etwas Instink- tives, etwas sehr Körperliches. Kontrolle und Experi- ment richtig dosiert. Wir sitzen hier in einem der schönsten Kinos der Schweiz. Haben diese Plüschprunksäle im Zeital- ter von youtube und Streaming noch Zukunft? Ich bin da optimistisch. Letztlich ist Kino eine ge- meinsame Erfahrung in einem dunklen Saal. Daran glaube ich. Aber die grosse Frage ist natürlich jene der Verteilung. Ist das nicht etwas gar romantisch? Ich bin eine grosse Romantikerin (lacht). Im Ernst: Das Kino lebt, das be- weisen doch die grossen Erfolge der Filmfestivals auf der ganzen Welt. Im- mer mehr Menschen stehen Schlange, um sich die Filme anzuschauen: Die Säle sind tagelang vollständig ausge- bucht und nicht nur bei den grossen Festivals wie Cannes oder Berlin. Das beweist, dass eine wirkliche Nachfrage besteht. Heute beanspruchen die grossen kommerziellen Filme alle Kinos für sich und es hat sogar für Filme, die in den Kinosälen wirklich erfolgreich sein könnten, keinen Platz mehr. Zudem bleibt keine Zeit mehr für die Mund-zu- Mund-Propaganda für Filme, die nicht von riesigem Werbeaufwand profitie- ren. Der Verleih und der Vertrieb sind die grossen Herausforderungen von heute und morgen. Wie und wo sollen die Filme gezeigt werden? Diese Fragen fesseln mich. Für «Sister» haben Sie einen silbernen Bären am Filmfestival in Berlin erhalten, Sie waren in der Jury des Festivals in Venedig – Sie sind ein Star. Hat Sie der Erfolg verändert? Jetzt Gönnerin oder Gönner werden: 0844 834 844 oder www.rega.ch Bis er fliegen gelernt hat, braucht’s die Rega. INS_Rega_Hd_210x138_4f.indd 1 11.04.13 17:02 Zur Person UrsulaMeierwurde1971alsTochter einerfranzösischenMutterundeines Deutschschweizer VatersinFrankreich geboren.NachdiversenKurzfilmen, Dokumentarfilmenundeiner FernsehproduktionfürArteunddie TSRkam2008ihrersterabendfüllen- derSpielfilm«Home»,derfürdas FilmfestivalinCannesnominiertwar, indieKinos.EinJahrspäterhatsiefür diesenFilmdenSchweizerFilmpreis erhalten.FürihrenZweitling«Sister» (inderSchweiz«L’enfantd’enhaut») erhieltUrsulaMeier2012inBerlin einensilbernenBärenundweiteredrei SchweizerFilmpreise,darunterdenfür denbestenFilm.SielebtinBrüsselund Lausanne,wosie2009mitihren FreundenLionelBaier,Jean-Stéphane BronundFrédéricMermouddie ProduktionsgesellschaftBandeàpart Filmsgegründethat. «DerVerstand,derdramatische Aufbau,dieArbeitalssolche kommenerstvielspäterinsSpiel.»
  4. 4. 21 6 | 2013 via Interview Ursula Meier Erleben Überhaupt nicht, nein. Ich bin immer ich selber (denkt nach, insistiert). Ja, wirklich, der Erfolg zwingt mich dazu, mich nicht zu verlieren, mich auf mich selbst zu konzentrieren und bringt mich sogar noch näher an mich heran, als ich es eh schon bin. Sie bekommen unzählige Anfragen von Medien, Filmjurys, Festivals, Angebote für Videoclips. Wie schaffen Sie das alles? Der Zeitaufwand für all die Anfragen hat extrem zugenommen, ja. Deshalb sage ich öfter ab als früher. Aber wenn ich zusage, dann gebe ich alles: Ich engagiere mich gleich stark, egal, ob es um ein Interview für eine lokale Studentenzeitung oder «Le Monde» geht, um einen Kurzfilm für die «Zauberlaterne» oder um ein grosses Spielfilmprojekt, ich wäge das nie ab. Der Tag, an dem ich aus Prestige- oder aus Geldgründen etwas annehme, wäre der Anfang von meinem künstlerischen Ende. Ich mache alles mit ganzer Energie und von Herzen. Oder ich lasse es bleiben. In «Home» konnten Sie Isabelle Huppert für eine Hauptrolle Die liebsten und die grössten Die liebsten Filme «Fanny und Alexander» von Ingmar Bergman. Vitali Kanevskis «Bouge pas, meurs et ressuscite». Orson Welles’ «Citizen Kane», «Wanda» von Barbara Loden und «À nos amours» von Maurice Pialat. Die grössten Schauspieler Frauen:Anna Magnani, Gena Rowlands, Meryl Streep, Isabelle Huppert, Monica Vitti. Männer: Marlon Brando, Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Viggo Mortensen, Robert De Niro, Al Pacino, Jean-Louis Trintignant. Veloplus ist die Nummer 1 für Velo- zubehör in der Schweiz. Wir bieten kompetente Beratung und erst- klassigen Service. Neu: Montage- und Reparaturarbeiten in allen Läden. WWW.VELOPLUS.CH VELOHANDBUCH Jetzt gratis bestellen! Alle Produkte vom Veloplus Team getestet. VELOWELTEN In Basel, Emmenbrücke, Ostermundigen, St. Gallen und Wetzikon ONLINESHOP Über 15000 Produkte online verfügbar. Auch als App erhältlich. CLAUDE BALSIGER’S ABENTEUER ABENTEUER BIKEN IN LADAKH AUF 6000 METER ÜBER MEER Erzähl uns dein Velo-Abenteuer! Velo-Abenteuer! Velo-Abenteuer! GEWINNE DEIN TRAUM-VELO IM WERT VON CHF 5000.– JETZT MITMACHEN AUF WWW.VELOPLUS.CH gewinnen. Wie bekommt man solche Stars? Ruft man da einfach mal an und fragt, ob sie Lust und Zeit hätten? Isabelle Huppert hatte einer meiner Fernsehfilme für Arte sehr gut gefallen, und sie hat mich bei unserem ersten Treffen darauf ange- sprochen. Sie ist unglaub- lich neugierig und risiko- bereit. Sie hat das Drehbuch von «Home» sehr gemocht, und wir haben uns sehr gut verstanden. Voilà, und da stand sie vor meiner Kamera! Wann dürfen wir uns auf Ihren nächsten Film freuen? Im Augenblick arbeite ich an zwei Projekten gleich- zeitig. Einer der Filme spielt wieder in der Schweiz. Ich drehe sehr gern in der Schweiz und vor allem im Wallis. Diese Landschaft mit den zerklüfteten Bergwänden und den langen Strassen hat etwas Amerikanisches. Verraten Sie uns etwas über die Schauspieler und die Geschichte? Ich werde mich hüten (lacht laut)? ■ Den Ausgleich zwischen Intuition und Vernunft finden.

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