Gorilla 2/2012

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Gorilla 2/2012

  1. 1. Ausgabe 2/2012 ISSN 1863-1789 ZGF GORILLA Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt von 1858 e. V. KAMPF UMS HORN Die Wilderei von Nashörnern erreicht einen beängstigenden Höchststand. ZGF Gorilla 3/05 Sept. 2005 25Genetische Wiederentdeckung auf Galápagos | Wölfe fressen Schafe | Der Goldpreis und die Entwaldung
  2. 2. ZGF VORSTAND& STIFTUNGSRATVorstand der Zoologischen GesellschaftFrankfurt (ZGF) und des Stiftungsratesder Stiftung Hilfe für die bedrohteTierwelt (HbT): INHALT 2/2012Gerhard Kittscher (Präsident ZGF; HbT)Prof. Dr. Manfred Niekisch (Vizepräs. ZGF, HbT)Klaus Becker (Hbt) 1 EDITORIALHerrmann Clemm (HbT)Gerold Dieke (ZGF)Prinzessin Alexandra von Hannover (ZGF, HbT) 2 PROJEKTHÄPPCHENDr. Thomas Kantenwein (ZGF, HbT)Dr. Rudolf Kriszeleit (HbT)Johann-Peter Krommer (HbT) 5 NOTIZEN AUS AFRIKAAltfried Lütkenhaus (Hbt)Renate von Metzler (ZGF)Prof. Dr. Volker Mosbrugger (ZGF) 6 SCHWERPUNKT | NASHORNHerbert Pfennig (HbT) 6 Wilde Nashörner müssen überlebenHans Joachim Suchan (ZGF) 9 KOMMENTAR | Eine fatale Kombination aus hoher Nachfrage und einfachere Handelswegen 10 Die Nashornkrise – eine MarktanalyseIMPRESSUMHerausgeberZoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.Bernhard-Grzimek-Allee 1, 60316 FrankfurtTel. (069) 94 34 46 0 Fax (069) 43 93 48E-Mail: info@zgf.dewww.zgf.deRedaktion 6 10 16Dipl.-Biol. Dagmar Andres-Brümmer,Zoologische Gesellschaft FrankfurtTel.: (069) 94 34 46 11 12 ZGF WELTWEIT – AUS DEN PROJEKTENFax: (069) 43 93 48E-Mail: andres-bruemmer@zgf.de 16 Galápagos | Genetische WiederentdeckungMit Beiträgen von 18 Wölfe | Keine leichte BeuteDr. Christof Schenck, Dagmar Andres-Brümmer, 20 Peru | Illegaler Goldabbau nimmt weiter zuKatharina Hensen, Dr. Stefan Stadler, Claudia Carda-Döring, Melanie Wenzel, Michael Brombacher,Lena Schmidt, Christine Kurrle sowie namentlich 21 ZGF INTERNgekennzeichneten Autorinnen und Autoren. 21 LeserbriefeLayout: 22 Ein Dankeschön an unsere SpenderMarkus Bernatzky, www.himmelbraun.de 23 Buchtipps Natur & TiereLektorat:Maria UllmannZGF GORILLA ist die Mitgliederzeitschrift der 24 AUS DEM ZOO FRANKFURTZoologischen Gesellschaft Frankfurt von 1858 e. V. 24 Nachwuch bei den Goldstirn-KlammeraffenDer Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. 24 Die flotte Lotte – Nachwuchs bei den ErdferkelnErscheinungsweise: vierteljährlich 25 Veränderungen im TierbestandAuflage: 5.500 Exemplare 25 Das Grzimek-Camp soll in neuem Glanz erstrahlenDruck: Hassmüller Graphische Betriebe, Frankfurt,gedruckt auf 100 % RecyclingpapierFotos: alle Bilder ZGF, sofern nicht andersangegeben.Titelfoto: Sven Zacek/OSF/OKAPIAISSN: 1863-1789©ZGF 2012Nachdruck nur mit Genehmigung gestattetDANKEWir danken unseren Freunden, Spendern undSponsoren, ohne die wir unsere Naturschutzarbeitnicht in dem Maße umsetzen könnten, wie wir esheute tun.
  3. 3. EDITORIAL LIEBE LESERINNEN UND LESER, LIEBE MITGLIEDER UND FREUNDE,Entsetzen und Verzweiflung stellen sich ein sobald man Alle sind sich einig, dass etwas getan werden muss undsich heute mit dem Thema Nashörner beschäftigt. Die zwar schnell. Nur beim „was“ scheiden sich die Geister.Hiobsbotschaften werden häufiger, die Bilder immer Während besserer Schutz der freilebenden Tiere und einedrastischer. Nashörner in Vietnam: ausgerottet! Gewil- viel bessere Überwachung der Handelswege noch einederte Tiere in Südafrika in den ersten vier Monaten die- breite Zustimmung finden, führt die Frage „Handelsfrei-ses Jahres: 159. Mehr als ein Tier pro Tag! gabe oder striktes Verbot?“ zu einer deutlichen Lager- bildung. Argumente gibt es für beides, wichtige DatenIm Internet finden sich herzzerreißende Fotos von Nas- zu Aufträgen, Transportrouten und den Märkten fehlen.hornkälbern, die sich an ihre tote, blutüberströmte Mut- Interpretationen und Schlussfolgerungen fallen zwangs-ter schmiegen, oder Videos, in denen schwer verletzte läufig sehr unterschiedlich aus.Tiere zusammenbrechen. Jeder, derheute Verantwortung für Nashörner Weil es sich um so ein wichtigesträgt, ist in Alarmbereitschaft – Park- Naturschutzorganisationen Thema handelt und weil wir uns alschefs, Ranger, Farmer, selbst Zoodi- ZGF ganz besonders dem Überlebenrektoren. Naturschutzorganisationen und Behörden fürchten der Nashörner in echten Wildnisge-und Behörden fürchten die Ausrot- bieten verpflichtet fühlen, haben wirtung eines der größten und charisma- die Ausrottung eines der diesen Heftschwerpunkt den Nashör-tischsten Tiere dieser Erde in wenigen nern und ihrem Schutz gewidmet.Jahren. Die Nashörner trifft bereits diecharismatischsten Tiere Und Sie werden sehen: Das Thema istdritte große Wildereiwelle. Und dies- überaus komplex und einen Königs-mal könnte es tatsächlich die letzte dieser Erde in wenigen weg zur Rettung gibt es nicht. Wirsein. Vor mehr als hundert Jahren ha- haben es auch gewagt, einen Artikelben westliche Großwildjäger zehn- Jahren. eines „Marktanalysten“ abzudrucken,tausende von Nashörnern erlegt, die auch wenn sich dessen Auffassungzu den „Big  Five“ – den großen Fünf nicht immer mit der unsrigen deckt.der Trophäenjagd zählen. Vor dreißig Wir denken, dass die Situation soJahren führte der Ölreichtum im Nahen Osten zu aus- prekär ist, dass man in allen Richtungen denken muss,reichend Kaufkraft für Dolchschäfte aus Nasenhorn und um letztendlich den besten Weg oder die besten Wege zuaktuell sind es die Boomstaaten Asiens und die Verwen- finden. Unter keinen Umständen, dürfen wir als die Ge-dung der Hörner in der traditionellen chinesische Medi- neration in die Geschichte eingehen, die zugelassen hat,zin, die die Nachfrage explodieren ließen. Inzwischen ist dass die Nashörner nach 50 Millionen Jahren auf dieserNasenhorn nicht mal mehr mit Gold aufzuwiegen. Erde endgültig durch Menschenhand ausgerottet wurden. Herzlichst, IhrZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 1
  4. 4. AKTUELLES | WELTWEIT ZGF PROJEKTHÄPPCHEN | WELTWEIT Neues aus unseren Projekten, von unseren Partnern und rund um die ZGF-Projektgebiete ALBANIEN UKRAINE Deutsche Botschafterin besucht ZGF plant bei Prespa Nationalpark Nationalparks mit as Wetter hatte es nicht gut ge- Regierungen Albaniens und Deutsch- ie Ukraine setzt eines der ambiti- D meint mit der Deutschen Bot- schafterin in Albanien. Als Carola lands ist. Der Park erhält über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) D oniertesten Nationalparkpro- gramme Europas um. Bereits 2008 Müller-Holtkemper Anfang April den erhebliche finanzielle Unterstützung hatte der damalige ukrainische Präsi- Prespa Nationalpark besuchte, zeigte des Bundesministeriums für Wirt- dent Viktor Juschtschenko verfügt, der sich von seiner trüben Seite. Die schaftliche Zusammenarbeit und Ent- dass in der Ukraine spätestens bis Botschafterin ließ sich jedoch nicht wicklung (BMZ). zum Jahr 2013 insgesamt 55 Schutz- entmutigen und stieg zu einer verreg- gebiete (vor allem Nationalparks) mit neten Rundfahrt auf dem Prespasee Im Rahmen des Projektes wird der einer Gesamtfläche von fast einer Nationalpark jedoch nicht nur mit Million Hektar ausgewiesen werdenFoto: W. Fremuth Ausrüstung und Infrastruktur unter- sollen. Die Auswahl der infrage kom- stützt, auch das Personal des Parks menden Gebiete wurde teilweise von erhält eine umfangreiche Aus- und der ZGF und teilweise von unseren Weiterbildung. Die Verwaltung des ukrainischen Partnern begleitet. Die Nationalparks wird von einem Zu- Einrichtung von drei neuen National- sammenschluss nationaler und in- parks in der Region Polesie im Nor- ternationaler Experten unterstützt, den des Landes war in der Vergan- der unter der Führung der Österrei- genheit von der ZGF finanziell unter- chische Bundesforste AG sowie der stützt worden. ZGF steht. Die Botschafterin jeden- Das neue Patrouillenboot des Prespa falls zeigte sich beeindruckt vom Das Bundesministerium für wirt- Nationalparks. Fortgang des Projektes, das seit schaftliche Zusammenarbeit und Ent- Herbst 2010 läuft. Und hoffentlich wicklung (BMZ) fördert durch die in das neue Patrouillenboot des konnte sie sich nach Ende der nas- Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW Nationalparks. Das kleine Kajütboot sen Bootstour an der neuen Heizung nun das ehrgeizige Nationalparkpro- war neben weiterer Ausrüstung des des gerade frisch renovierten Park- gramm der Ukraine und hat Mittel für Nationalparks, wie Autos und Motor- Hauptquartiers aufwärmen. Denn eine Machbarkeitsstudie bereitge- räder, mit deutschen Entwicklungs- diese Heizung wird ausschließlich stellt, die dazu dienen soll, die künf- geldern angeschafft worden, da die mit nachwachsenden Rohstoffen aus tige Entwicklung und Ausstattung Verbesserung des Prespa National- der Region betrieben und ist somit dieser Schutzgebiete zu planen. Die parks ein gemeinsames Projekt der klimaneutral. ZGF und ihre Partner wurden im Rahmen einer öffentlichen Ausschrei- bung ausgewählt, diese Studie durch- zuführen. DEUTSCHLAND Wildkatzen im „Wanderratten“- Versteck s ist noch nicht lange her, da hat- einem Wochenende entstanden, je- sich dabei tatsächlich um eine Wild- E ten wir von der Jugendgruppe „Wanderratten“ des von der ZGF un- weils gut mit Herbstlaub getarnt – in der Hoffnung, dass eine Wildkatze und nicht um eine Hauskatze han- delte, brachte nun eine DNA-Analyse terstützten Vereins Naturpark & Bios- dort einziehen würde. von Katzenhaaren, die an mehreren phärenreservat bayerische Rhön e. V. „Lockstöcken“ in der Nähe der Rei- berichtet. Mitte November hatten die Bereits an Silvester kam die erste sighaufen haften geblieben waren. Jugendlichen am Gangolfsberg bei Katze zur „Wohnungsbesichtigung“. Wissenschaftler der Abteilung Wild- Oberelsbach in der bayerischen Rhön Eine Kamera mit Bewegungsaus- tiergenetik des Forschungsinstituts Versteckmöglichkeiten für die Wild- löser fotografierte eine vermeit- Senckenberg Gelnhausen bestätigen katze errichtet. Fünfzehn große Hau- liche Wildkatze vor einem der Rei- jetzt: Am Gangolfsberg sind tatsäch- fen aus Reisig und Ästen waren an sighaufen. Letzte Sicherheit, dass es lich mehrere Wildkatzen zuhause! 2 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  5. 5. AKTUELLES | WELTWEIT KASACHSTAN FRANKFURT Erste Wolfsbesenderung Mehr Kostentransparenz rlan heißt im Kasachischen „Der wie sich die Wölfe in der Steppe Zen- ie ZGF ist im letzten Jahrzehnt ge- A Anführer eines Rudels“, der stär- kste und intelligenteste Wolf des Ru- tralkasachstans bewegen. „Wir waren sechs Tage lang in der verschneiten D waltig gewachsen und aus klei- nen Naturschutzprojekten sind in ei- dels. Arlan trägt nun einen Satelliten- Turgai Region unterwegs, haben rund nigen Regionen der Welt recht um- sender und führt nicht nur sein Rudel tausend Kilometer auf dem Motor- fangreiche und komplexe Programme sondern auch die Wissenschaftler, die schlitten zurückgelegt, bevor wir ei- geworden. Große Geldgeber wie bei- seinen Wegen folgen wollen, durch nen Wolf entdecken und schließlich spielsweise die Weltbank oder die EU die Turgai-Steppe in der kasachi- besendern konnten“, berichtet ZGF- fördern mittlerweile unsere Arbeit. schen Altyn Dala Region. Projektleiterin Eva Klebelsberg, die Für den Naturschutz ist das fantas- mit dem Team unterwegs war. Bevor tisch, da wir vor Ort wesentlich mehrFoto: E. Klebelsberg der frisch besenderte Wolf sich wieder erreichen können. Um auch organisa- auf den Weg machen konnte, wurden torisch den gestiegenen Ansprüchen ihm noch Haar-, Kot-, und Blutproben gerecht zu werden, hat die ZGF in für genetische Untersuchungen ent- diesem Jahr weltweit in den Projekten nommen. ein neues System zum Finanzmanage- ment und -controlling eingeführt. Ge- Der Wolf wird in Kasachstan zwar meinsam mit den Software-Experten stark bejagt, Informationen über von ABACUS Business Solutions seine Ökologie sind jedoch rar. Man wurde das Programm ABACUS allpro- weiß wenig über sein Wander- und jects an unsere speziellen Bedürfnisse Jagdverhalten, besonders im Hinblick angepasst und im ersten Halbjahr Arlan ist er erste Wolf, der in Kasachstan auf die Saigas. Mithilfe der Besende- 2012 in den ersten Projektbüros in besendert wurde. rung erhofft sich das ACBK-Team Afrika eingeführt, Südamerika und nun Erkenntnisse über Reviergrößen, Asien werden folgen. Anfang März war es den Mitarbeitern Wanderbewegungen und Räuber- unseres kasachischen Projektpartners Beute-Beziehungen. In diesem Jahr Dank des Cloud-basierten Systems ACBK (Association for Conservation sollen weitere vier Wölfe im Gebiet herrscht nun eine hohe Kostentrans- of Biodiversity of Kazakhstan) gelun- Altyn Dala besendert werden. Auch parenz, da die finanzielle Situation in gen, einen männlichen Wolf zu fangen das kasachische Komitee für Forst- den einzelnen Projekten jederzeit auf und mit einem Sender auszustatten. wirtschaft und Jagd begrüßt das Vor- Knopfdruck ersichtlich ist. Eine Kon- Das Team taufte den etwa zwei- bis haben und appellierte bereits an die solidierung der gesamten Daten fin- dreijährigen Wolf „Arlan“. Er ist der Jagdorganisationen, die Wolfsjagd in det nach wie vor im Frankfurter erste Wolf in Kasachstan, der einen diesem Jahr zu reduzieren und auf Hauptbüro statt, um den deutschen solchen Sender trägt und somit Auf- besenderte Wölfe besondere Rück- Jahresabschluss nach HGB (Handels- schluss geben wird darüber, wo und sicht zu nehmen. gesetzbuch) vorzulegen. Der Unter- schied zur früher: „Wir haben nun ein viel genaueres Bild von unseren Ko- sten in den Projekten und sehen je- FRANKFURT derzeit, wo wir finanziell stehen – das hilft uns, unseren Haushaltsplan Naturschutz-Ranger im Einsatz einzuhalten. Im Rahmen der Neuein- führung sind wir dabei unsere welt- as kann man tun, um Wildtiere Samstag 19. Mai und Sonntag 20. Mai weiten Finanzprozesse zu harmoni- W zu schützen? Besonders wichtig sind dabei die Ranger in den Pro- Jeweils von 10 bis 17 Uhr im Grzimek- Camp des Zoos Frankfurt sieren und standardisieren“, erläutert Florian Becker-Gitschel, der Leiter jekten vor Ort. des Finanzreferats der ZGF. Infos: www.naturschutz-botschafter.de Die Natur- und Kulturbotschafter von Zoo und ZGF zeigen spielerisch, wie das Leben der Ranger aussieht, was sie leisten und vor welche Herausfor- derungen sie ihr Einsatz für die Natur stellt. ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 3
  6. 6. AKTUELLES | WELTWEITNOTIZEN AUS AFRIKAKurzmeldungen aus ZGF-Projekten und ProjektgebietenPUBLIKATIONEN SERENGETIAlles zu den Über den Park hinausBale-Bergen edes Jahr fahren mehr als 150.000 zeigt sowie einiges mehr, das von der m Herzen der Bale-Berge im Hoch- J Besucher durch die Tore des Serengeti Nationalparks. Viele Tou- einheimischen Bevölkerung in Hand- arbeit hergestellt wurde.I land Äthiopiens liegt eines der wich-tigsten Schutzgebiete des Landes: der risten wollen nicht nur die legendäre Schönheit und Tierwelt der Serengeti ZGF-Projektleiter Dennis RentschBale Mountains Nationalpark. genießen, sondern auch mehr über ist der technische Berater des Besu- diese Gegend erfahren, eine Gegend, cherzentrums und hebt dessen stra-Ende 2011 hat die Ethiopian Wild- reich an kulturellen und natürlichen tegische Bedeutung hervor: „Es istlife and Natural History Society eine Schätzen. Seit kurzem gibt es dafür das Herzstück der gemeinschaft-Sonderausgabe ihres wissenschaftli- ein neues Informationszentrum. lichen Anstrengungen zum Natur-chen Magazins Walia herausgebracht, Foto: L. Hartstonein dem sich alles um die Bale-Bergedreht. Äthiopische und internationaleWissenschaftler und Naturschützerstellen hier auf über 300 Seiten ihreaktuellen Forschungsergebnisse vor.Die Themen sind vielfältig, es gehtum Untersuchungen zu bestimmtenTierarten, aber auch um die Ökologieder afroalpinen Hochebenen. Auchmit der Frage, wie eine Ressourcen-nutzung, Artenvielfalt und das Ma-nagement des Schutzgebiets bessereinhergehen können, befassen sichdie Autoren. Neues Besucherzentrum am Ikoma-Eingang der Serengeti. Das Besucherzentrum liegt in der schutz. Das Besucherzentrum lenkt Ikoma Wildlife Management Area die Aufmerksamkeit der Gäste auf (WMA), gleich außerhalb des Park- das Konzept der Wildlife Manage- eingangs Ikoma, im Westen der ment Areas und zeigt, welchen Nut- Serengeti. Es soll den Gästen die zen sowohl die Gemeinden, als auch Kulturgeschichte der benachbar- die Wildtiere davon haben.“ Das Be- ten Gemeinden nahebringen und sucherzentrum wird von besonders sie gleichzeitig über das Serengeti- geschulten Dorfbewohnern selbst Ökosystem informieren. Jede Menge geführt. Über sie sollen die Touristen interaktiver und informativer Ausstel- die Möglichkeit haben, den direkten lungselemente lassen die Geschichte Kontakt zur einheimischen Bevöl-Walia – Special Edition des Volks der Ikoma und der Natta kerung zu bekommen. Die Dorfbe-on the Bale Mountains für die Besucher lebendig werden. wohner wiederum haben durch dasJournal of the Ethiopian Wildlife Passenderweise sieht das Besucher- Besucherzentrum ein sicheres Ein-and Natural History Society, 2011. zentrum aus wie die traditionellen kommen. Das Zentrum wurde vomHerausgegeben von Deborah Rundhütten der Ikoma und wurde US-Innenministerium, der ZGF undRandall, Simon Thirgood und nur aus Materialien gebaut, die es in dem WWF finanziert, ein Experten-Anouska Kinahan. den fünf beteiligten Dörfern gibt. Im team der tansanischen BaubehördeOnline verfügbar unter Besucherzentrum werden außerdem hat den Bau beaufsichtigt.Ú www.zgf.de handgefertigte Körbe oder Speere ge- Laura Hartstone4 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  7. 7. AKTUELLES | WELTWEIT ÄTHIOPIEN DR KONGO Aktionsplan für den roten Wolf Bluthunde für Virunga och lebt er im afroalpinen Hoch- Um Ky Kebero in Äthiopien vor dem s gibt Hunde, denen entgeht nichts. N land in Äthiopien – der Äthio- pische Wolf (Canis simensis) oder Ky Aussterben zu bewahren, haben die Weltnaturschutzorganisation IUCN E Die begabtesten Schnüffler kön- nen eine einzelne Fährte aus bis zu Kebero, wie er in der Landessprache sowie eine Reihe von Naturschutz- fünf Millionen Gerüchen herausfiltern heißt. Weniger als 450 Tiere gibt es und Nichtregierungsorganisationen, und gehören der belgischen Rasse von dieser Art. Damit ist er der am darunter auch die ZGF, einen neuen Chiens de St. Hubert, zu Deutsch Blut- stärksten bedrohte Fleischfresser Afri- Aktionsplan erarbeitet. Ziel dieses hunde, an. kas und die seltenste Hundart der Plans ist nicht nur die Rettung von Ky Foto: J-L Klein & M-L Hubert/OKAPIA Welt. Auf der Roten Liste stuft die Kebero, sondern der Schutz des ge- IUCN ihn als stark gefährdet ein. samten afroalpinen Ökosystems, zum Nutzen aller dort lebenden Pflanzen, Der wunderschöne, schlanke, rote Tiere und Menschen. Der Plan gibt Wolf ist gewissermaßen Opfer seiner mit zahlreichen Karten und Grafiken eigenen Spezialisierung, denn er frisst einen sehr guten Überblick über al- fast ausschließlich die Nagetiere der les, was man über den Äthiopischen Hochebenen Äthiopiens. Die weni- Wolf weiß und ist somit ein abso- gen Hundert Wölfe verteilen sich auf lut lesenswertes Werk für jeden, den sechs voneinander isolierte Gebiete – diese besonderen Tiere interessieren. und diese schrumpfen immer mehr, Die Äthiopischen Wölfe haben übri- da zunehmend mehr Menschen in das gens bereits aktiv zum Erreichen des einstmals unbeachtete Territorium Ziels in dem für sie bestimmten Ak- von Ky Kebero eindringen und dort tionsplan beigetragen: mit 40 quick- siedeln. Und je kleiner der Lebens- lebendigen Wolfswelpen, die derzeit raum wird, umso weniger Beutetiere in den Bale-Berge herumtollen. Bluthunde sind erstklassige Schnüffler. gibt es und folglich umso weniger Äthiopische Wölfe. Darüber hinaus Strategic Planning for Ethiopian Wolf Im Virunga Nationalpark in der De- gefährden ihn auch die mit den Men- Conservation mokratischen Republik Kongo macht schen kommenden Haushunde, da Canid Specialist Group man sich nun im Kampf gegen die diese Krankheiten wie Staupe und IUCN / Species Survival Commision Wilderei diese einzigartigen Fähigkei- Tollwut übertragen. Ú www.ethiopianwolf.org/SPEWC.pdf ten der Hunde zunutze. Die Schwei- zer Tierärztin Dr. Marlene Zähner undFoto: Sylvain Cordier/BIOS/OKAPIA drei deutsche Polizisten bilden seit etwa einem Jahr fünf Bluthunde im sogenannten Man-trailing aus. Die Hunde lernen menschliche Fährten zu verfolgen, während ihre kongole- sischen Hundeführer wiederum den Umgang mit den temperamentvollen Tieren lernen. Künftig sollen fünf Man-trailing Teams, jeweils bestehend aus einem Ranger und einem Bluthund, vor allem Wilderer verfolgen, aber auch dabei helfen, verletzte Ranger schnel- ler aufzuspüren. Es gab bereits erste Erfolge: Wilderer die einen Elefanten getötet und seinen Kopf abgeschnit- ten hatten, wurden sogar mehrere Tage nach ihrer Tat von den Bluthun- den aufgespürt. Es gelang den Wilde- rern zwar zu fliehen, doch ihre Waffen mussten sie zurücklassen. Äthiopischer Wolf mit Beute. Ú http://congohounds.gorillacd.org/ ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 5
  8. 8. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORN Nicht immer is im Natur hutz klar, welch der richtige Weg ist, um ei Art zu retten. e ist urschu ches g g eine en n Während Südafrika sich daf stark macht, den Handel mit Horn zu erl uben, um die ch afür k c el rlau e Nashorn-Wilderei einzudä nW n dämmen, is ein Großteil der Naturschützer strikt dagegen. ist i e r k Hugo van der Westh zen erläutert, wo die ZG in die r Frage steh thuize t ZGF ieser eht. rinzipiell ist unser Ansatz im Naturschutz nicht der 2012 wahrscheinlich sogar noch übertroffen. WeltweitP Schutz einzelner Arten, etwa der Gorillas oder derNashörner, vielmehr geht es uns bei der ZGF immer um wird unter den Experten heftigst darüber diskutiert, wie man dieser Wilderei Herr werden kann. Die Vorschlägedie Erhaltung des Ökosystems, des Nationalparks, des reichen von der Enthornung der Tiere über die Legali-Wildnisgebietes in dem wir arbeiten. Das heißt selbst- sierung des Handels mit Nasenhorn bis hin zur massivenverständlich nicht, dass wir uns nicht um diese einzelnen Einzäunung und Bewachung der Parks mit militärischenstark bedrohten Arten sorgen oder kümmern würden. Gerätschaften. Sogar die Möglichkeit, die NasenhörnerGanz im Gegenteil. Wir alle sind Biologen bzw. Natur- lebender Tiere zu vergiften, wird diskutiert.schützer aus Überzeugung und mit ganzem Herzen –Nashörner oder Gorillas sind uns eine Herzenssache. Es gibt aber leider kein Patentrezept für die BeendigungAber nur wenn es diesen Arten in ihrer natürlichen Um- der Nashornkrise, denn das Problem ist sehr vielschich-gebung gut geht, wissen wir, dass wir das Richtige tun tig und komplex. Die Armut in den afrikanischen Län-und mit unserer Arbeit erfolgreich sind. dern und die Aussicht auf das schnelle Geld treiben die Wilderei genauso an wie die tief verwurzelte traditionelle2011 wurden in Südafrika 448 Nashörner gewildert. Und Überzeugung über den Nutzen des Horns auf der Abneh-wenn es so weitergeht, dann wird diese Anzahl im Jahr merseite in Asien. Hinzu kommt, dass die BevölkerungWie soll die Zukunft der Nashörner aussehen? Streg bewacht in eingezäunten Arealen oder frei, in großen unzugänglichen Wildnisge-bieten? Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die wilden Nashornpopulationen, die es noch gibt, sehr viel besser geschützt werden und dass ihreLebensräume erhalten bleiben. Das heißt, wir müssen den Schutz der entsprechenden großen Wildnisgebiete in Afrika noch weiter verbessern.6 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  9. 9. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORNin den Abnehmerländern schnell wächst und wenig in- Interesse an den Nashörnern haben, diesen Vorschlag be-formiert ist. Dort wird der illegale Handel mit dem Horn fürworten.von Kriminellen professionell organisiert und betrieben. FÜR DIE EINE ART GUT, FÜR DIE ANDEREHANDEL LEGALISIEREN - JA ODER NEIN? EINE KATASTROPHENashorn ist nicht gleich Nashorn. Weltweit gibt es fünf Ende des letzten Jahrhunderts gab es nicht mal mehr 100Nashornarten, drei davon leben in Asien ( Java-, Sumatra- wildlebende Südliche Breitmaulnashörner und beinaheund Indisches Nashorn) und zwei in Afrika (Breit- und wären sie ausgestorben. Dank intensiven Schutzes kamSpitzmaulnashorn). Wir müssen uns bewusst sein, dass diese Art aber wieder auf die Beine und ist heutzutage mitunser Eingreifen zum Erhalt einer bestimmten Art in ei- ca. 18.000 Tieren die zahlenmäßig stärkste Nashornunter-ner Region durchaus Auswirkungen für die anderen Arten art. Das Besondere an dieser Geschichte ist die Tatsache,in anderen Regionen haben kann. Sprich, lokale Maßnah- dass die südafrikanische Privatwirtschaft eine entschei-men können globale Auswirkungen haben. dende Rolle bei der Vergrößerung der Population gespielt hat. Der Bestand der Breitmaulnashörner wuchs in demDie momentan am heftigsten umstrittene Frage ist, ob Maße, wie privates Land in Wildtierfarmen umgewandeltder Handel mit Rhinozeroshorn zu einem gewissen Grad wurde, weil auf diese Weise letztendlich insgesamt mehrlegalisiert werden sollte oder nicht. Für eine Legalisie- Land für Wildtiere zur Verfügung stand.rung spricht, dass man prinzipiell den lebenden Tierendie Hörner absägen kann. Die Nasenhörner mancher Was in der Vergangenheit bei den BreitmaulnashörnernArten wachsen etwa fünf Zentimeter im Jahr und man in Südafrika gut funktioniert hat, muss nicht automatischkönnte Nasenhorn als eine Art nachwachsenden Rohstoff auch bei anderen Arten in anderen Regionen der Weltverstehen und nutzen. Einnahmen aus dem Verkauf die- funktionieren. Die Besitzverhältnisse und die Eigentums-ser Hörner könnten dann in die Erhaltung der ganzen Art rechte sind in den einzelnen Ländern sehr unterschied-reinvestiert werden. Die Befürworter argumentieren, dass lich. Es kann also gut sein, dass ein legaler Handel vonein geregelter Markt zudem dazu führen würde, dass die Nasenhorn für weiteres Wachstum der Breitmaulnas-Preise sinken. Auf diese Weise würde sich der Anreiz ver- hornbestände in Südafrika sorgt, weil es ein starkes wirt-ringern, Nashörner wegen ihres Horns zu wildern. schaftliches Interesse der privaten Nashornbesitzer gibt. Für die Spitzmaulnashörner in Sambia oder die Sumatra-Wenn man die Südlichen Breitmaulnashörner im Blick nashörner in Indonesien hingegen kann ein legaler Han-hat, dann macht diese Überlegung eventuell Sinn. Es del genau den gegenteiligen Effekt haben. Denn von ihnenüberrascht also nicht, dass vor allem die privaten Wild- gibt es jeweils sehr wenige, sie sind im Besitz des Staatestierfarmen in Südafrika, die ein massives wirtschaftliches und privaten Landbesitz in dem Maße gibt es dort nicht. Foto: Okapia/imagebroker/Pete WalentinZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 7
  10. 10. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORNFür uns als ZGF steht die Erhaltung Über all das hinaus stellt sich diegroßer Wildnisgebiete mit wild- „Wir als ZGF stehen ganz Frage, welche Signalwirkung ein le-lebenden Populationen im Vorder- galer Handel für den asiatischengrund. Legaler Nasenhornhandel klar für die Erhaltung der Markt hätte. Würde es die Nachfragewird hierzu nicht beitragen, weil er vergrößern, weil nun auch dieje-der Haltung von Nashörnern in ein- Nashörner in freilebenden nige zu Horn greifen würden, die esgezäunten Gebieten und unter zoo- sich bislang nicht illegal beschaffenähnlichen Bedingungen Vorschub Populationen in ihren wollten? Würde eine Legalisierungleisten würde. Denn in kleinen, gut quasi per Definition eine Wirksam-überwachten Gebieten ist es ein- natürlichen Lebensräumen. keit des Horns als Medikament be-facher, die Sicherheit der Tiere zu stätigen?gewährleisten und das Horn zu „ern- Ein Nasenhornhandel istten“. Diese Art der Haltung, ein re-gelrechtes „Farming“, würde die keine Option zur Rettung der Wir stehen ganz klar für die Erhal-Anzahl an Tieren wahrscheinlich tung der fünf Nashornarten in frei-deutlich erhöhen, es würde aber we- Nashörner.“ lebenden Populationen und zwarder dafür sorgen, dass der natürliche in ihren natürlichen Lebensräumen.Lebensraum besser geschützt wäre Das Management einer der fünf Ar-noch dass die wirklich wilden Populationen eine höhere ten darf keine negativen Effekte für eine der anderenÜberlebenschance hätten. Darüber hinaus hat man sich Nashornarten haben. Unter Abwägung aller momentanbislang keine Gedanken gemacht, wie das in einem pri- vorhandenen Informationen ist für uns als ZGF klar: einvaten Nasenhornhandel erwirtschaftete Geld überhaupt legaler Nasenhornhandel ist keine Option zur Rettung derzurück in den Naturschutz fließen könnte, vor allem in Nashörner.die kostspielige Erhaltung großer Schutzgebiete. Für uns hat der Schutz der noch vorhandenen und wildle-Ein zentraler Punkt in einem potenziellen Nasenhorn- benden Populationen höchste Priorität, und hier konzen-handel wäre, dass man sehr zuverlässige Kontrollsysteme trieren wir uns auf Tansania, Sambia und Simbabwe. Diebräuchte, um zu verhindern, dass illegal gewonnenes Unterstützung der für die Sicherheit der Nashörner dortNasenhorn auf den legalen Markt kommt. Weder die Län- zuständigen nationalen Stellen (z. B. Parkbehörden) istder, aus denen Nasenhorn kommt, noch die Länder, in de- der Schwerpunkt unserer Arbeit seit vielen Jahrzehnten.nen es konsumiert wird, dürften bislang in der Lage sein, Rangertraining, Ausbildung, technische Unterstützung,entsprechende Kontrollsysteme schnell einzuführen und Bereitstellung von Ausrüstung, Unterstützung beim Ma-verlässlich zu überwachen. nagement eines Gebiets oder bestimmter Populationen – das ist die Kernkompetenz der ZGF. Direkt vor Ort und als Partner des Parks. ANZAHL DER GEWILDERTEN NASHÖRNER Daher werden wir uns noch stärker darauf konzentrieren, IN SÜDAFRIKA VON 2007 BIS APRIL 2012 die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Parkbehör- den in den entsprechenden Ländern zu verbessern, damit sie die Nashörner sowie andere Tiere in ihren Schutzge-500 bieten noch effektiver beschützen können. 448 Damit diese Schutzbemühungen auch vom anderen Ende400 her langfristig erfolgreich sind, muss es Aufklärungskam- 333 pagnen in den asiatischen Verbraucherländern geben, die dabei helfen, den potenziellen Nasenhornkäufern die Zu-300 sammenhänge zwischen ihrem Konsum und den abneh- menden Nashornbeständen klarzumachen. Das ist ein immenses Unterfangen, das wir als eine Organisation, die200 171 sich auf die unmittelbare Arbeit vor Ort im Feld konzen- triert, nicht leisten können. Dieser Aufgabe werden sich 122 die großen, kampagnenorientierten Naturschutzorganisa- tionen stellen müssen. Aber auch die Regierungen der100 83 Nashorn- wie der Abnehmerländer müssen schnell und entschlossen Maßnahmen ergreifen. 13 0 -------------- 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Hugo van der Westhuizen leitet das Gonarezhou Conser- (15. April) Quelle: South African National Parks, rhinoconservation.org vation Project der ZGF in Simbabwe. Er ist Mitglied der Steuerungsgruppe für die ZGF und koordiniert die Arbeit der ZGF-internen Arbeitsgruppe „Nashörner“.8 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  11. 11. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORN „Eine fatale Kombination aus hoher Nachfrage und einfacheren Handelswegen“Dr. Christof Schenck er hätte gedacht, dass die wirtschaftliche Entwick- Güteraustausch erleichtern den Handel. Das heißt: DerW lung in Asien den Nashörnern in Afrika zum Verhäng-nis wird? Die Kaufkraft im Fernen Osten kombiniert mit Aufwand, das Nasenhorn auf illegalen Kanälen zu ver- markten, ist gesunken, die Rendite gestiegen.Jahrhunderte altem Glauben an die medizinische Wirkungdes Nasenhorns, haben, wie es der Marktanalyst Michael Hinzu kommt, dass es offensichtlich auch Marktverhal-`t Sas-Rolfes nachfolgend beschreibt, zu einem Markt mit ten gibt, das nicht immer den einfachen Regeln folgt. Sas-einem schwachen Angebot und einer sehr starken Nach- Rolfes gibt an, dass bei steigendem Preis die Nachfragefrage geführt, bei dem der Preis fast zwangsläufig uferlos abnimmt. Nur, genau das ist beim Nasenhorn nicht dernach oben schießt. Eigentlich ein Traum für jeden Unter- Fall gewesen. Im Gegenteil: Der Kilopreis stieg um dasnehmer. In diesem Fall aber ein Albtraum für den Liefe- Zwanzigtausendfache und die Zahl der gewilderten Tiereranten, das Nashorn. Mit einer gezielten Zucht der Tiere verdoppelte sich innerhalb eines Jahres. Dass es eine Ver-– so wird von Ökonomenseite argumentiert – einer scho- knappung des Angebots ist und nicht eine Steigerung dernenden Enthornung, der Verwendung der Hörner natürlich Nachfrage, die zur enormen Preissteigerung führte, istverendeter Tiere und einem kontrollierten legalen Handel, eher unwahrscheinlich.steige das Angebot, der Preis sinke und die Erträge für Wil-derer somit ebenfalls. Die Nashörner würden sicherer. Handelsverbote haben in vielen Fällen den Rückgang von Arten nicht aufhalten können. Aber: Wer weiß, ob derSüdafrikas Umweltministerin Edna Molewa hat Anfang Niedergang bei freiem Handel nicht viel schneller erfolgtApril verlauten lassen, dass Südafrika einen Antrag für wäre? Eine Handelsfreigabe würde, wenn auch unge-eine bedingte Handelsfreigabe an die nächste CITES-Kon- wollt, ein zusätzliches Signal aussenden: Sie würde Wirk-ferenz im März 2013 in Thailand vorbereite. Im Moment samkeit suggerieren. Da die bisherigen Studien keinewürden alle Für- und Wider-Argumente sowie die Rah- klare Wirksamkeit belegen, wäre dies extrem unfair allmenbedingungen geprüft, so die Ministerin. den kranken Menschen gegenüber, die Nasenhorn mit der Hoffnung auf Heilung konsumieren. Glauben zu be-Was aber, wenn auch ein größeres Angebot mit der Nach- einflussen kann schwieriger sein als Wissen zu verän-frage nicht mithalten kann? Wenn Kunden hinzukommen, dern, und doch muss unbedingt die Nachfrage verringertdie sich bisher von einem illegalen Produkt ferngehalten werden, wenn die Nashörner eine Chance haben sollen.haben? Wenn Werbung für das (legale) Produkt gemacht Und den Behörden in den Abnehmerländern muss be-wird? Wenn neue Märkte entstehen, z.B. bei der wachsen- wusst werden, dass sie eine globale Verantwortung fürden chinesischen Bevölkerung in Afrika selbst? Was, wenn Fortbestand oder Untergang eines der größten Landsäu-es billiger ist, ein freilebendes Nashorn zu töten, als die getiere dieser Erde haben.Tiere auf Farmen zu züchten? Und wie soll überhaupt derillegale vom legalen Handel getrennt werden, wenn das Mit unserem Schwerpunkt der praktischen Naturschutz-schon bei Tropenholz oder Elfenbein nicht gelingt? arbeit in Afrika können wir als ZGF nicht die notwendige Herkulesaufgabe eines Bewusstseinswandels in ChinaNeben der Nachfrage gibt es einen zweiten Faktor, der oder anderen asiatischen Staaten übernehmen. Oder dazuzur geradezu explosionsartigen Entwicklung der Situa- beizutragen, dass national und international Handels-tion in den letzten vier Jahren beigetragen hat: Wilderei wege mit strengen Kontrollen und Strafen trockengelegtund Handel scheinen einfacher zu werden, denn bessere werden. Aber wir stellen uns unserer Verantwortung beimHandynetze und Internetverbindung selbst in den entle- Schutz freilebender Nashörner in Tansania und Sambiagensten Gebieten erlauben koordinierte Aktionen. Mehr und werden unser Möglichstes tun, diese unglaublich ein-und bessere Flugverbindungen sowie mehr Personal- und drucksvollen Tiere und ihre Lebensräume zu erhalten.ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 9
  12. 12. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORN Foto: Martin Harvey DIE– NASHORNKRISE EINE MARKTANALYSEIn den letzten fünf Jahren ist die Anzahl der gewilderten Nashörner vor allem in Südafrika,wo weltweit die meisten Nashörner leben, dramatisch gestiegen. Selbst sicher geglaubteBestände sind das Ziel immer aggressiverer Wilderei. Befeuert wird diese von einem offen-bar attraktiven und wachsenden Markt für Nasenhorn. Naturschutzorganisationen wie dieZGF lehnen eine Legalisierung des Handels ab. Doch die Zusammenhänge sind komplexund querdenken muss erlaubt sein, um eine Lösung zu finden.Michael ‘t Sas-Rolfes beleuchtet die Entwicklungen des Marktes für das Nasenhornaus Sicht eines Ökonomen.10 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  13. 13. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORNDurch ein internationales Handelsverbot im Rahmen des gischen Funden und historischen Aufzeichnungen wissenArtenschutzabkommens CITES (Convention on Internati- wir, dass Nashörner in vielen Teilen der Welt gejagt wur-onal Trade of Endangered Species) wird bereits seit 1977 den. Nashornfleisch war ein begehrtes Nahrungsmittelversucht, den Markt für Nasenhorn auszutrocknen. Lei- – von den frühen Jägern der Eiszeit, die in Europa dasder ist es damit nicht gelungen, den Handel zu unterbin- Wollnashorn gejagt haben, bis hin zu den englischen undden, vielmehr ist er in den Untergrund getrieben worden, niederländischen Siedlern in Südafrika im 19. Jahrhun-mit der Konsequenz, dass es fast unmöglich ist, an zuver- dert. Obwohl die Nashörner wegen ihres Fleisches er-lässige Daten für eine Marktanalyse zu kommen. Nichts- legt wurden, fanden die Jäger natürlich für alle Teile desdestotrotz glaube ich, dass wir genug wissen, um zu Tieres Verwendung, beispielsweise zu dekorativen odererklären, was im Moment abläuft und warum. medizinischen Zwecken. In den Jäger- und Sammler- Gesellschaften brachte es einem Jäger hohes Ansehen,WAS TREIBT DIE NASHORNWILDEREI UND ein derart großes und gefährliches Tier zu erlegen. ManDEN ILLEGALEN HANDEL AN? kann sich also vorstellen, warum das Horn sowie Pro- dukte aus Nasenhorn zu Statussymbolen wurden, stetsWilderer agieren mit der Aussicht auf Profit. Je größer umgeben mit der Aura des Mystischen.der zu erwartende Profit, desto größer ist der Anreiz zuwildern. Dasselbe gilt auch für die Händler. Das heißt, Die besondere Ästhetik des Nasenhorns machte es für dendas Ausmaß in dem Wilderei und illegaler Handel statt- Gebrauch im Kunsthandwerk schon immer sehr attraktiv.finden, hängt zum einen vom Preis ab, den der Endver- Beispiele hierfür reichen von jemenitischen Dolchgriffenbraucher bereit ist zu bezahlen und zum anderen von bis hin zu handgeschnitzten Schalen aus Asien (beson-den „Betriebskosten“, die für das Wildern und den Han- ders China) und Europa. Früher besaßen nur Mitgliederdel anfallen. der Oberschicht derartige Objekte.Für Wilderer und Schmuggler zählt in der Regel das, was Da das Horn darüber hinaus Bestandteile enthält, die mitsie direkt und unmittelbar verdienen können. Die Mög- Alkaloiden reagieren, haben adelige Europäer und Asiatenlichkeit, dass sie eventuell auch erwischt und potenziell gerne Behälter aus Nasenhorn verwendet, um vermeint-bestraft werden könnten, wird meist ausgeblendet. Das liche Gifte aufzuspüren. Und wahrscheinlich ist es diese Ei-heißt, je wahrscheinlicher es wird, dass sie geschnappt genschaft, die dazu führte, dass dem Nasenhorn heilendewerden bevor sie ein Nashorn erreichen und töten kön- Kräfte nachgesagt werden. Diese mutmaßlichen Heilkräftenen, desto mehr wird ihre Aussicht auf guten Profit ge- waren der Grund für die große Nachfrage nach Nasenhornmindert, das Risiko ihrer „Investition“ in die Wilderei – und zwar nicht allein in Asien, sondern auch in Europa,steigt folglich. wo es auch als „Horn des Einhorns“ gehandelt wurde.Wenn die Wahrscheinlichkeit geschnappt zu werden je- Traditionelle Medizin seit 2000 Jahrendoch gering ist, dann halten selbst schwerwiegende Stra-fen (inklusive Todesstrafe) die Wilderer nicht davon ab, Nasenhörner werden in der traditionellen chinesischenNashörner zu töten. Ähnliches gilt für alle anderen Betei- Medizin (TCM) bereits seit mehr als 2000 Jahren verwen-ligten in der illegalen Handelskette. det. Typischerweise wurde Nasenhorn, in Kombination mit bestimmten Kräutern, als sogenannte „kalte Medi-Die Preise sind der wichtigste Indikator dafür, was in zin“ verschrieben, um Entzündungen, Fieber und andereeinem Markt geschieht. Sie spiegeln die Verfügbarkeit be- Beschwerden zu heilen, die mit Gift und erhöhter Kör-stimmter Produkte wider. Preise, die im Vergleich zu an- pertemperatur in Verbindung gebracht wurden. Wie beideren Produkten (oder zu früheren Preisen) hoch sind, anderen TCM-Praktiken auch, hat sich diese Anwendungzeigen an, dass ein Produkt relativ rar ist. des Horns, wahrscheinlich über Jahrtausende hinweg entwickelt. TCM ist heute in Asien ein anerkannter Teil-Nasenhorn – schon immer begehrt bereich der Medizin, mit strenger Ausbildung und Zulas- sung, und hat auch in den westlichen Gesellschaften, woUm die Attraktivität von Nasenhorn zu verstehen, müs- Anwendungen wie Akupunktur und Kräuterpräparate im-sen wir in die Geschichte zurückblicken. Aus archäolo- mer beliebter werden, immer mehr Anhänger.ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 11
  14. 14. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORN ENTWICKLUNG DER AFRIKANISCHEN NASHORN- MARKTGRÖSSE UND PREISE BESTÄNDE 1970 BIS HEUTE SOWIE DES SCHWARZ- MARKTPREISES FÜR HORN In einem Markt gibt es zwei Variablen. Die eine ist die An- zahl der Menschen, die daran interessiert sind, ein Pro- Anzahl 65.000 dukt in der gewünschten Menge zu kaufen. Hier geht es Tiere $ um die Quantität. Die andere ist der Preis, den diese Men-60.000 schen dafür bereit sind zu bezahlen. Diese zwei Größen bedingen sich gegenseitig: Je niedriger der Preis, desto höher die Nachfrage; wenn die Preise steigen, nimmt die Nachfrage ab.50.000 Es gibt zwei Aspekte des Nasenhornmarktes, die dem Na- turschutz zu denken geben sollten, über die man aber40.000 wenig weiß: Das eine ist die Marktgröße (gemessen am Gesamtmarktwert), das andere die stabile Nachfrage trotz steigender Preise (gemessen an der sog. Preiselastizität).30.000 Statt von der Nachfrage nach Nasenhorn zu sprechen, ist es sinnvoller, die Marktgröße, respektive ihren Wert (durchschnittlicher Preis mal gehandelter Menge) zu betrachten. Ein hypothetischer Markt, auf dem jährlich20.000 zehn Tonnen Nasenhorn zu einem durchschnittlichen Preis von 1.000 US-Dollar pro Tonne gehandelt werden, ist de facto genauso groß, wie ein Markt, auf dem jähr-10.000 lich 100 Tonnen für nur 100 US-Dollar pro Tonne ge- handelt werden. Der Gesamtwert beider Märkte beträgt 10.000 US-Dollar. Würde nun der Durchschnittspreis 1.200-3.075 17-75 477-764 des ersten Marktes auf 1.200 US-Dollar pro Tonne und $ $ 0 Jahr ansteigen, hätte der erste Markt einen höheren Wert 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 (12.000 US-Dollar) als der zweite, obwohl nur ein Zehn- tel der Gesamtproduktmenge gehandelt wird. Da es die Spitzmaulnashorn Südl. Breitmaulnashorn Rentabilität ist, die die Wilderei und den illegalen Han- $ Kilopreis für Nasenhorn (in $ US) del anheizt, stehen wir hier vor einem interessanten As- pekt: Ein Markt von hohem Wert, der kleinere Mengen bewegt, kann tatsächlich eine größere Bedrohung dar- stellen als ein Markt mit niedrigerem Wert, der größereJetzt ist es nicht so, dass man in China überall Nasen- Mengen handelt.horn kaufen könnte – trotz des verbreiteten Glaubens anseine Heilkraft. China hat klare Gesetze, die die Nutzung DIE ENTWICKLUNG DES MARKTES FÜRvon Nasenhorn verbieten und die werden auch strikt um- NASENHORNgesetzt. Daher wird es nur heimlich verwendet und ge-handelt. Im benachbarten Vietnam werden die Gesetze Da der weltweite Markt für Nasenhorn schon seit überjedoch lockerer gehandhabt. Neuere Untersuchungen in drei Jahrzehnten illegal ist, bekommt man leider keineVietnam haben gezeigt, dass der Glaube an die Wirksam- verlässlichen und statistisch relevanten Daten. Doch diekeit von Nasenhorn sowie die anderer tierischer Produkte Forschungsarbeit von Esmond Martin und anderen, diedort weitverbreitet ist und dass vor allem hochrangige für Organisationen wie TRAFFIC arbeiten, liefert uns ei-Mitglieder der Gesellschaft diese Produkte kaufen. niges an Hinweisen.Doch beim Nasenhorn geht es in diesen Ländern nicht Vor dem CITES-Verbot von 1977 wurden Nashörner innur um „Medizin“. Es ist eine komplexe Mischung aus Afrika stark gejagt, ihr Horn wurde vorwiegend nachÄsthetik, Statussymbolik, tief verwurzelten Heilungstra- Asien und in den Mittleren Osten exportiert. In denditionen sowie kulturellen Aspekten, die zur Wertschät- 1960er- und 70er-Jahren war vor allem der jemenitischezung des Horns beiträgt. Erst wenn es uns gelingt, diese Markt für zeremonielle Dolche für die große Nachfragetiefsitzende kulturelle Affinität zu verstehen – und wir nach Nasenhorn aus Ostafrika verantwortlich. Der Jemenwegkommen von unseren populistischen westlichen An- profitierte vom Boom der saudischen Ölwirtschaft, diesichten, dass das Nasenhorn in Asien nur aufgrund seiner Einkommen stiegen und immer mehr jemenitische Män-aphrodisierenden Wirkung oder als Wundermittel gegen ner konnten sich Nasenhorn-Dolche als StatussymboleKrebs konsumiert würde, gibt es eine Chance auf einen leisten. Dies wiederum führte zu einem akuten Anstiegechten Dialog und eine vernünftige und dauerhafte Lö- der Nashornwilderei in den ostafrikanischen Ländernsung für das Wildereiproblem. Äthiopien, Somalia, Sudan und Kenia.12 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  15. 15. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORNEinige Länder mit vielen Abnehmern für Nasenhorn sind verboten die Verwendung von Nasenhorn in Medika-CITES nicht sofort beigetreten, weshalb es von dort Da- menten. In Südkorea stieg der Verkaufspreis aufgrundten über die Preisentwicklung nach dem Verbot von 1977 strenger Verbotsüberwachung auf das Doppelte und dergibt. Offizielle Importdaten von Japan, Taiwan und Süd- Verkauf von Nasenhornprodukten ging langsam zurück.korea zeigen eine signifikante Preissteigerung in den Jah- Es wurden in der Folge weniger Nashörner gewildertren nach 1977. Die Daten aus dem Jemen zeigen, dass die und der Niedergang der afrikanischen Spitzmaulnashorn-Preisspanne für Nasenhorn vor dem Verbot bei ca. 17 bis population verlangsamte sich.75 US-Dollar pro Kilo lag. Bis 1980 ist der Kilopreis aufca. 477 bis 764 US-Dollar angestiegen. 90 Prozent der afrikanischen Nashörner, die nach der verheerenden Wildereiwelle noch übrig waren, konzen-Das Verbot von 1977 schaffte es nicht, die Wilderei merk- trierten sich auf drei Ländern: Südafrika, Namibia undlich zu verringern. Die Spitzmaulnashornpopulation Afri- Simbabwe. Diese Populationen waren besser geschütztkas wurde weiter dezimiert; die geschätzte Anzahl nahm worden. Aufgrund von besseren Organisationsstrukturenvon ca. 12.750 Tieren im Jahr 1981 auf 2.550 im Jahr 1993 und mehr Geld waren die Naturschutzbehörden sowieab. In dieser Zeit schrumpfte die Population in Tansania, die privaten Landbesitzer in Südafrika hier in einer we-Simbabwe und Sambia drastisch – in Sambia wurden die sentlich besseren Ausgangssituation als ihre nördlichenSpitzmaulnashörner sogar vollständig ausgerottet. 1991 Nachbarn. Als die Wilderei in den frühen 1990er-Jahrenzeigte eine verdeckte Untersuchung in Taiwan, dass der in Südafrika anzusteigen begann, konnte das durch ent-durchschnittliche Schwarzmarktpreis für afrikanisches schiedene Gegenmaßnahmen erfolgreich eingedämmtNasenhorn dort bei ca. 3.075 US-Dollar pro Kilo lag, der werden.Kilopreis für asiatisches Nasenhorn sogar bei ca. 60.025US-Dollar. Im Jemen bewegte sich der Kilopreis für afri- Zwischen 1995 und 2007 war die Wilderei auf einem ver-kanisches Horn in den frühen 1990er-Jahren bei rund ca. nachlässigbaren Niveau, aber was auf dem Verbraucher-1.200 US-Dollar. markt für Horn in der Zeit los war, darüber habe ich nur sehr wenig Informationen.Wendepunkt Mitte der 90er Jahre WAS HAT DIE DERZEITIGE WILDEREIKRISEMitte der 1990er-Jahre kam ein Wendepunkt für die VERURSACHT?Nashörner. 1994 brach im Jemen der Bürgerkrieg aus, derdie Wirtschaft stark beeinträchtigte. Mehrere ostasiatische 2003 besuchten erstmals vietnamesische StaatsangehörigeStaaten gaben dem politischen Druck der USA nach und Südafrika, um dort auf Trophäenjagd zu gehen und Breit- Foto: Rosseforp/Imagebroker/OKAPIAIm 19. Jahrhundert waren beide Nashornarten in Afrika – Spitzmaul- und Breitmaulnashorn – weit verbreitet und häufig. Auch wenn es keineexakten Bestandsdaten gibt, lassen die Berichte der frühen Naturforscher sowie der Großwildjäger darauf schließen, dass es Zehntausende waren.W.C. Harris beschreibt 1838 von einer Jagdreise durchs südliche Afrika dass er 60 Spitzmaulnashörner an einem Tag gesehen habe. In nur wenigenJahrzehnten wurden die Bestände fast vollständig abgeschossen. Die letzten beiden Breitmaulnashörner im nördlichen Simbabwe wurden 1893erlegt – um Material für die englischen Museen sicherzustellen.ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 13
  16. 16. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORNmaulnashörner zu schießen (dies ist der einzige legale Die Nachfrage steigt schneller als das potenzielle AngebotWeg, um unter den CITES-Bestimmungen Nasenhorn zu und unter einem Handelsverbot wird das so bleiben, wasexportieren). In den darauf folgenden Jahren kamen im- dazu führen wird, dass die Marktpreise weiterhin anstei-mer mehr vietnamesische „Jäger“. Als es offensichtlich gen werden. Diese Tatsache macht den Nasenhornmarktwurde, dass sie ausschließlich daran interessiert waren, zunehmend attraktiv für spekulative Investoren.Nasenhorn zu beschaffen, griff die südafrikanische Re-gierung ein. Unter anderem verschärfte man die Auflagen Die Vorräte an Nasenhorn gingen zur Neige,zum Umgang mit Nashörnern und Nasenhorn, begrenzte neue Vertriebswege mussten herdie Anzahl von Trophäen, die pro Person exportiert wer-den dürfen und setzte den Binnenhandel mit Nasenhorn 1995 stellte die Environmental Investigation Agency (EIA)aus. Letzterer war bis zu diesem Zeitpunkt legal gewesen. fest, Chinas Markt sei „stillgelegt“. Das ist allerdings un-Unmittelbar nach diesen Verschärfungen stieg die Wilde- wahrscheinlich, angesichts des Wiederaufflammens derrei rapide an. Nachfrage auch ein Jahrzehnt später – und das trotz deut- lich höherer Preise. Wahrscheinlicher ist, dass der MarktWie sich zeigte, ist der Marktpreis von Nasenhorn in Viet- Zeit brauchte, sich anzupassen, Vorräte aufzubrauchennam seither auf ein außergewöhnliches Niveau gestiegen: und neue Vertriebswege aufzubauen, da die meisten Ge-Er soll 2011 im Durchschnitt bei ca. 65.000-US Dollar pro biete mit „leichter Beute“ (schlecht geschützte Nashorn-Kilo gelegen haben. Kein Wunder, dass derartige Preise populationen) ja bereits leer gejagt waren. Vorräte, diedas organisierte Verbrechen auf den Plan gerufen haben. von traditionellen Medizinern angelegt worden waren,Daraufhin sind gut organisierte Kriminelle in den Nasen- könnten ebenfalls eine Rolle bei der verzögerten Wieder-hornmarkt eingestiegen, was sich an der Professionalität aufnahme der Wilderei gespielt haben. Da Nasenhorn oftund den Methoden zeigt, die im illegalen Handel inzwi- nur in sehr geringen Mengen verwendet wird, kann derschen an den Tag gelegt werden. Hornvorrat eines einzelnen Arztes zehn Jahre lang rei- chen. Wenn also TCM-Mediziner vor Inkrafttreten des Ver-Der Markt hat sich neu sortiert und bots ihre Vorräte aufgestockt hatten, dann brauchten sieder Preis steigt erst seit Beginn des neuen Jahrtausends Nachschub.Was geschah also zwischen Mitte der 90er-Jahre und Selbst Kriminelle nutzen die Gelegenheit, ihre Ziele mit2007? Woher kam die plötzliche gesteigerte Nachfrage? legalen Mitteln zu erreichen, wenn es möglich und ri-Tom Milliken von TRAFFIC geht davon aus, dass das Han- sikoärmer ist. So gesehen ist es verständlich, dass sichdelsverbot ab Mitte der 90er-Jahre funktioniert hat, dass asiatische Geschäftsleute zunächst als Jagdtouristen anes aber unterminiert wurde, als in Vietnam das Gerücht die privaten südafrikanischen Wildtierfarmen hielten. In-aufkam, Nasenhorn könne ein Heilmittel gegen Krebs sider nehmen an, dass sich bereits in den 90er-Jahrensein. Auf diese Weise entstand ein völlig neuer Markt. In ortsansässige Käufer in Südafrika darangemacht haben,Vietnam wird Nasenhorn für diverse Krankheiten ein- private Hornbestände, beispielsweise von Tierärzten, auf-gesetzt und teilweise sogar bei so trivialen Dingen wie zukaufen. Ab 2003 begannen die ersten vietnamesischeneinem Kater verabreicht. Zudem gelten die Hörner als „Jagdtouristen“, langfristige Geschäftsbeziehungen mitwertvolle Geschenke. Eine Lieferung von Nasenhorn, die einheimischen Jägern und Wildtierhaltern aufzubauen.letztes Jahr in Hongkong abgefangen wurde, war auf demWeg nach China. Milliken mutmaßt, dass sie für die Kunst- Bei derartigen Geschäftsaussichten ist es nicht verwun-handwerks-Industrie bestimmt war. derlich, dass einige südafrikanische Wildtierfarmer die il- legale Handelskette gerne beliefert haben. Trotzdem istIch persönlich finde die derzeitigen Marktaktivitäten es unwahrscheinlich, dass diese Südafrikaner damit einennicht ungewöhnlich. Der Markt hat sich anhand von An- „neuen Markt“ geschaffen haben. Die Behauptung, dassgebot und Nachfrage neu sortiert. Nasenhorn ist und Anbieter oder Händler die Nachfrage schüren würden, istbleibt in Südostasien ein äußerst begehrtes Produkt – und meiner Meinung nach eher fragwürdig. Vielleicht ist daszwar aufgrund derselben komplexen Mischung kulturel- bei süchtig machenden Substanzen der Fall, in den mei-ler Gründe, die es schon immer gab. Dass Vietnam ein sten „normalen“ Märkten wird die Nachfrage jedoch vonderart wichtiger Markt geworden ist, ist ebenfalls nicht Bedürfnissen, Wünschen und der Kaufkraft der Verbrau-überraschend. Seit den frühen 90ern wächst die vietna- cher gesteuert.mesische Wirtschaft stark und es liegt nahe, dass mehrMenschen nun das Geld haben, sich solche Statussymbole GIBT ES WEGE AUS DEM DILEMMA?zu kaufen. Aufgrund der laxeren Gesetze sowie der lan-gen gemeinsamen Grenze mit China war das Land wohl Strafverfolgung und ein Handelsverbot, wie es durch CI-aber ursprünglich eine Art Zwischenlager für Horn, das TES besteht, und das in den letzten 35 Jahren nach undeigentlich für China bestimmt war. nach von den meisten Staaten umgesetzt wurde, konnte die Nashörner nicht vor der Wilderei schützen. Dieser An-Wenn wir uns also den Nasenhornmarkt anschauen, se- satz hat seine Grenzen, nämlich in Märkten mit einer hart-hen wir einen eindeutigen Trend: einen dramatischen näckigen und dauerhaften Nachfrage. Die Erfahrung ausAnstieg des Marktpreises. Die Botschaft ist eindeutig: Na- Märkten mit ähnlichen Nachfrage-Charakteristiken, z. B.senhorn ist ein Rohstoff mit steigendem Seltenheitswert.14 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012
  17. 17. SCHWERPUNKTTHEMA | NASHORNAlkohol und Drogen, zeigt, dass hier Verbote nicht nurineffektiv sein können, sondern sogar kontraproduktiv. NASHORN-GIPFEL 2012Bei Wildtieren, wo es ja darum geht, die Arten in ihremLebensraum zu erhalten, ist es vernünftig und zielfüh- Im Jahr 2025 könnte Schluss sein. Schluss mit wildlebendenrend, die Bestände direkt vor Ort zu schützen, anstatt nur Nashornpopulationen in Afrika. Das zumindest ist die Prognose derdie Produkte abzufangen, die nach ihrer „Ernte“ (also Experten, sofern die Wilderei auf dem aktuellen Niveau bleibt odernachdem ein Nashorn bereits tot ist) auf den Markt kom- gar noch weiter steigt. Daher trafen sich Anfang April zahlreichemen. Im Drogenhandel macht es theoretisch Sinn, kon- Vertreter von 25 verschiedenen im Nashornschutz in Afrika aktivenfiszierte Ware zu vernichten, weil es hier um den Schutz Organisationen und Institutionen zu einem Krisengipfel in Nairobi.der Konsumenten geht. In illegalen Wildtiermärkten, bei Eingeladen hatten hierzu die African Wildlife Foundation (AWF) unddenen die Verbrauchernachfrage unverändert bestehen der Kenya Wildlife Service (KWS). „Es wird bereits viel getan, um diebleibt, führt die Zerstörung konfiszierter Ware schlicht Wilderei zu bekämpfen“, begründet Julius Kipng’etich, der Direktorzu einer weiteren Erhöhung des Seltenheitswerts. Der des KWS, die Notwendigkeit des Krisentreffens. „Ziel des Nashorn-Preis steigt, was letztlich einen erneuten Anreiz für wei- Gipfels war es, alle Beteiligten zusammenzubringen und Erfahrungentere illegale Beschaffung erzeugt. Der akute Anstieg der auszutauschen, um daraus zu lernen und die bisherigen Maßnah-Nashornwilderei in Südafrika, der nach dem Inkrafttre- men zu verbessern.“ten von strengeren Bestimmungen anfing, scheint dieszu belegen. Wissenschaftler, Nashornbesitzer, Naturschutzexperten, National- parkbehören, sie alle versuchten sich auf einen sehr konkretenIst eine bessere Bewachung und Strafverfolgung mög- Plan und die wichtigsten Eckpunkte zu verständigen, die nun schnelllich? Dafür bedarf es größeren politischen Willen,auf gut umgesetzt werden müssen. Im Kern einigte man sich darauf, dieDeutsch: mehr Geld. Wobei größere Budgets auch keine folgenden fünf Ziele binnen der nächsten sechs bis neun MonateGarantie für einen Erfolg sind. Und, können sich die Re- mit Nachdruck erreichen zu wollen:gierungen der Nashornländer die notwendigen Ausgabenfür den Krieg gegen die Nashornwilderei durch mehr 1. Bessere Unterstützung der Überwachungs- undStrafverfolgung überhaupt leisten? Anti-Wilderer-Einheiten vor Ort mit neuen Strategien und Technologien, beispielsweise moder-Wenn also die Budgets an ihre Grenzen stoßen, müs- neren Kommunikationsmitteln, mehr Fahrzeugen und nach Mög-sen wir andere Möglichkeiten im Kampf gegen die Nas- lichkeit Hubschraubern.hornwilderei in Betracht ziehen. Die einzig möglichenOptionen sind entweder irgendwie die Nachfrage zu re- 2. Stärkung der Strafverfolgung und bessere Koordinationduzieren oder dieser Nachfrage mit einem legalen Ange- national wie international.bot zu begegnen. Obwohl ich persönlich meine Zweifel Das beinhaltet z.B. höhere Strafen, bessere Fahndungsmethodenan der Wirksamkeit von nachfragesenkenden Maßnah- (Spürhunde an den Flughäfen), härtere Strafverfolgung.men habe, bedarf es genauerer Prüfung und Abwägungbeider Optionen. 3. Drosselung des Bedarfs und des Handels von Horn durch mehr Aufklärungskampagnen in den VerbraucherländernDas Problem Nashornwilderei kann nur gelöst werden, aber auch den Herkunftsstaaten.wenn alle, die an der Rettung der Nashörner arbeiten, ei-nen offenen und ehrlichen Dialog miteinander führen. 4. Lobbyarbeit und EinflussnahmeDie Verantwortlichen für die Bestände in Afrika wie in bei politischen Entscheidungsträgern, Financiers und Regierungs-Asien, Nashornbesitzer, internationale Naturschutzorgani- beamten auf dem höchst möglichen Niveau.sationen, aber auch die asiatischen Verbraucher von Na-senhornprodukten sollten letztendlich alle das gleiche Den vollständigen Aktionsplan finden Sie onlineZiel haben: Das Aussterben der wilden Nashornpopulati- Ú http://awf.org/rhinoactionplanonen zu verhindern. Foto: Aditya Singh/Imagebroker/OKAPIA-------------Die Leidenschaft von Michael ‘t Sas-Rolfes gilt seit mehr als30 Jahren der Natur und den Tieren. Dennoch studierteer Wirtschaftswissenschaften und will heute sein ökono-misches Wissen in den Naturschutz einbringt. Bereitsseit 1989 beschäftigt er sich mit den Marktdynamik desNasenhorns.Den ausführlichen Originalartikel von Michael ‘t Sas-Rolfes(The Rhino Poaching Crisis: A Market Analysis) finden Sie aufÚ www.rhino-economics.comZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012 15
  18. 18. AUS DEN PROJEKTEN | GALÁPAGOS Foto: Ingo Arndt/SAVEDie Galápagos-Riesenschildkröten der Insel Floreana gelten seit mehr als 150 Jahren als ausgestorben.Neue genetische Untersuchungen zeigen jedoch, dass es auf der Insel Isabela etliche hybride Nachkom-men mit dem Erbgut der Floreana-Schildkröte gibt. Sie lassen sogar darauf hoffen, dass noch einigereinrassige Individuen dieser bislang für ausgestorben gehaltenen Art leben.Von Dr. Antje MüllnerVon den berühmten Galápagos-Riesen- Im Rahmen dieser Untersuchungen nen, folgern die Forscher, dass nochschildkröten gibt es 15 Arten. Vier hatten die Forscher bereits 2008 Erb- einige reinrassige Elterntiere derdavon gelten als ausgestorben, da- gut der Floreana-Art im Genom von Floreana-Riesenschildkröte inmit-runter die Floreana-Riesenschild- elf Vulkan-Wolf-Riesenschildkrö- ten der Population am Vulkan Wolfkröte (Chelonoidis elephantopus). ten gefunden. Bestärkt durch diese existieren könnten. Für WashingtonVon einer weiteren Art, der Pinta- Entdeckung kehrten die Wissen- Tapia, den Leiter der wissenschaft-Schildkröte (Chelonoidis nigra schaftler nach Isabela zurück und lichen Abteilung des Nationalparks,abingdoni) gibt es nur noch einen weiteten ihre Untersuchungen auf wäre das eine aufregende Perspek-letzten lebenden Vertreter, den trau- fast 1.700 Tiere aus (die Population tive: „Wenn diese Individuen ge-rig-berühmten „Lonesome George“. der Vulkan-Wolf-Riesenschildkröten funden werden könnten, wäre esIm Zuge der Suche nach hybriden wird auf ca. 7.000 Tiere geschätzt). möglich, ein Zuchtprogramm für dieNachkommen dieser Pinta-Schild- Inzwischen sind die Proben aus- Floreana-Schildkröte zu starten undkröte, wird den Riesenschildkröten gewertet und die Wissenschaftler die Nachkommen später auf Flore-auf der Galápagosinsel Isabela syste- konnten ihre überraschenden Ergeb- ana wieder anzusiedeln.“matisch Blut zur Untersuchung ab- nisse in der Fachzeitschrift Currentgenommen. Ein Team, bestehend aus Biology vorstellen: 84 Tiere zeigten WIE KOMMT DIE FLOREANA-Wissenschaftlern der Yale Universi- einen derart hohen Anteil an Erb- SCHILDKRÖTE NACH ISABELA?tät in den USA und aus Mitarbeitern gut der Floreana-Riesenschildkrötedes Galápagos Nationalparks sowie Chelonoidis elephantopus, dass die Warum die Floreana-Schildkröten,der Charles Darwin Foundation, stu- Autoren den Schluss ziehen, diese die auf der Insel Floreana heimischdiert und überwacht seit einigen Jah- Schildkröten müssten einen reinras- waren, überhaupt nach Isabela ge-ren die Riesenschildkröten rund um sigen Elephantopus-Elternteil ha- kommen sein könnten, zeigt einden Vulkan Wolf auf der Insel Isa- ben. Da 30 der 84 Tiere jünger als Blick zurück ins 19. Jahrhundert, inbela, die Vulkan-Wolf-Riesenschild- 15 Jahre sind und Riesenschildkrö- die Zeit der Piraten und Walfänger.kröten (Chelonoidis becki). ten gut 100 Jahre alt werden kön- Die Besatzungen der Walfangschiffe16 ZGF GORILLA | AUSGABE 2/2012

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