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Intermodale Verkehrskonzepte

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Crowd-Testing für Apps und Websites

DIE MASSE MACHT’S –
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Der Schwarm verfügt nicht nur über ...
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die Venus-Sonde »Mariner 1« fünf Minuten
nach dem Start von der
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inside / events

trendence Graduate Barometer 2013

STUDENTEN HONORIEREN
NACHWUCHSARBEIT VON FERCHAU
Die Ergebnisse de...
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ART OF ENGINEERING 2014

LIQUID SPACE: INNOVATIVE
UND KREATIVE »RAUMGESTALTER« GESUCHT!

Der FERCHAU-...
JETZT ANMELDEN UND LIVE ERLEBEN
ferchau.de/go/expedition
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IT Magazin atFERCHAU 2013/02

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IT Magazin atFERCHAU 2013/02

  1. 1. <atFERCHAU #11> DA S I T- M AGA Z I N VO N F E R C H A U E N G I N E E R I N G <06> < MENSCH 2.0 > Lässt sich die Schöpfung verbessern? <16> SUCHT ODER SUCHEN? // E-Mail macht uns krank, dumm und arm <24> CROWD-TESTING // Der teuerste Bindestrich der Welt
  2. 2. <02> ® Der Anzug muss sitzen. ihre abkürzung zu ferchau impressum atFERCHAU Ausgabe 02 | 2013 Auflage: 70.000 4. Jahrgang HERAUSGEBER FERCHAU Engineering GmbH Steinmüllerallee 2 51643 Gummersbach Fon +49 2261 3006-0 Fax +49 2261 3006-99 info@ferchau.de ferchau.de CHEFREDAKTION (V. I. S. D. P.) Martina Gebhardt REDAKTIONSTEAM GESTALTUNG DRUCK Dirk Cornelius Kerstin Kraft Patrick Mytanz Dietmar Schönherr Christoph Sedlmeir Matthias Müller Fon +49 211 63559150 grafish.de Gronenberg Druck & Medien 51674 Wiehl Fon +49 2261 9683-0 REDAKTION EXTERN Bernd Seidel & Friends Fon +49 89 890683620 seidelfriends.de
  3. 3. <editorial> Liebe Leserinnen, liebe Leser, mittlerweile sind über 1.100 FERCHAU-ITSpezialisten in spannenden Kundenprojekten engagiert. Unsere Business Unit IT umfasst die Bereiche Embedded Systems, Application Development, Systems Integration und Enterprise Solutions. Unsere Spezialisten bringen sich in den kompletten Entwicklungsprozess vom Requirements-Engineering über die Softwareentwicklung bis zum Softwaretest ein. Software, die für Steuergeräte im AutomotiveBereich, im Luftfahrtumfeld oder zum Beispiel in der Medizintechnik eingesetzt wird, aber auch die klassische Entwicklung von Applikationssoftware, die auf Smartphones, PCs oder Servern zum Einsatz kommt, steht bei uns auf der Tagesordnung. Die ITAdministration, die Einführung von IT-ServiceManagement, die Betreuung der Module von ERP-Lösungen und auch Themen in der Business-Intelligence runden unser Portfolio ab. Mal sind es einzelne Informatiker, die bei der Umsetzung unterstützen, mal sind es Projektteams, die eine komplette Entwicklung zum Erfolg führen. Wir planen, dass 2014 unser Fachbereich IT etwa ein Viertel unserer Dienstleistungen erbringen wird. Und wir spüren: Unser alter Anzug passt nicht mehr in diese Zeit. Mit »Anzug« meine ich unseren organisatorischen Rahmen aus Vertrieb, Projektsteuerung, Administration und Personalreferenten in den Niederlassungen, der bis dato eine eher generalistische Struktur hat. Das bislang erfolgreiche Konzept benötigt eine Anpassung, damit wir die Dynamik im Engineering-Markt besser umsetzen können. Es wird Zeit für eine maßgeschneiderte Lösung: Ab sofort erweitern wir unsere Aufbauorganisation in den Niederlassungen durch Business Units. Dabei handelt es sich, bleiben wir beim Bild mit den Anzügen, um ein Shop-in-Shop-System. Konkret: In den sieben größten FERCHAU-Niederlassungen werden noch in diesem Jahr die Experten stärker nach Branchen und Fachthemen gebündelt. Die bestehenden Teams erhalten Unterstützung durch speziell ausgebildete Fachleute im Sales, im Recruiting und in der Administration. Für Kunden und Partner bedeutet das: Wir haben mehr Zeit für sie. Und: Wir haben Ansprechpartner, die ihre Bedürfnisse noch besser kennen und verstehen, also passgenaue Experten für ihre Aufgaben anbieten können. Durch die neugeschaffenen Business Units verpassen wir uns einen neuen Anzug, der einen passenden Rahmen für Wachstum und mehr Qualität bietet – für Kunden und Mitarbeiter. Apropos Qualität: Unser IT-Magazin >atFERCHAU< ist im Sommer mit dem »Oscar für Kundenzeitungen«, dem Best-of-Corporate-Publishing-Award, in Gold prämiert worden – für eine herausragende Kommunikation mit Partnern und Kunden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. <03>
  4. 4. <04> <index> <atFERCHAU #11> DAS IT-MAGAZIN VON FERCHAU ENGINEERING 16 06 24 <numbers> <voices> <inside / Events > 05 16 26 GEHIRN VERSUS COMPUTER Digitaltherapeutin Anitra Eggler erklärt, warum die falschen Karrieregötzen vom Thron gestoßen werden müssen. <cover> 06 LÄSST SICH DIE SCHÖPFUNG VERBESSERN? Transhumanismus sagt voraus, dass Technik und Humanoide zusammenwachsen. <projects> 10 »NEUN« LAUTET DIE REVOLUTION IN DER GETRIEBESTEUERUNG FERCHAU-Spezialisten testen und integrieren bei ZF Electronic Systems Softwarebausteine für Hightech-Getriebe. 12 14 FACEBOOK IST SCHLECHT IM BETT, UND E-MAIL MACHT UNS KRANK <branchengeflüster> 20 22 24 ANTRIEBE FÜR DIE INDUSTRIE 4.0 WITTENSTEIN motion control GmbH, Anbieter für mechatronische Antriebe, setzt das Konzept von Industrie 4.0 bereits in Produkte um. SONNE UND WIND LASSEN SICH NICHT EXAKT PLANEN Bei IDS entwickeln FERCHAU-IT-Consultants intelligente Software für die Versorgungsnetze der Zukunft. BIG DATA Nur wer tief bohrt, kann den Rohstoff des 21. Jahrhunderts sinnvoll nutzen. INTERMODALER VERKEHR Die Konzepte sind da, an der Steuerungsund Leittechnik wird fieberhaft gearbeitet. DIE CROWD TESTET BESSER Deutsche Unternehmen testen ihre Apps intensiv, doch klagen die Firmen über fehlende Werkzeuge, Endgeräte und Experten für diese Aufgabe. CrowdTesting kann eine Lösung sein. TRENDENCE GRADUATE BAROMETER 2013 Studenten honorieren Nachwuchsarbeit von FERCHAU. 26 26 27 27 FERCHAU FREELANCE Zugang zu spannenden Projekten und Experten. LESERBRIEF Der Kontrolleur wird zum Coach. ART OF ENGINEERING 2014 »Liquid Space« – kreative Raumgestalter gesucht! GEWINNSPIEL
  5. 5. <numbers> DAS HIRN VERARBEITET PRO SEKUNDE EINE INFORMATIONS- MENGE VON <05> 2.500 GIGABYTE. 1.000 MILLIARDEN NERVENZELLEN SIND DURCH ETWA 100 BILLIONEN SYNAPSEN IN UNSEREM HIRN ENG MITEINANDER VERBUNDEN. (Quelle: Universität Heidelberg) 109 100.000.000.000.000 10.000.000.000.000.000.000 LEISTUNG EINES COMPUTERS in Rechenschritten pro Sekunde (RPS) 1.000-Dollar-Computer heute Supercomputer heute 1.000-Dollar-Computer 2020 1 Sekunde 1 Millisekunde (Quelle: Spektrum der Wissenschaft) 1 MILLISEKUNDE DAUERT EIN ELEKTRISCHER IMPULS, DER INNERHALB DES NERVENSYSTEMS INFORMATIONEN ÜBERTRÄGT. RPS RPS RPS
  6. 6. <06> <cover>
  7. 7. <cover> Hard- und Software optimiert Humanoide MENSCH 2.0 – LÄSST SICH DIE SCHÖPFUNG VERBESSERN? Wie wachsen Geist und Technik zusammen? Das ist eine Frage, die Forscher und Philosophen seit Jahrzehnten beschäftigt. In der Wissenschaft stehen nun bahnbrechende Entwicklungen an. W ir schreiben das Jahr 2049: Der Mensch, wie wir ihn kennen, ist verschwunden. Der neue Mensch ist ein Mischwesen. Er ist mit den Produkten seiner Technologien verschmolzen. Nanobots, winzige Roboter, in unseren Körpern halten uns gesund. Sie speisen die optimale Mischung aus Nährstoffen und Hormonen in die Blutbahn ein. Jedes unserer Organe kann ersetzt werden. Die Nanobots erzeugen eine virtuelle Realität unseres Nervensystems und ermöglichen eine direkte Hirn-Hirn-Kommunikation über das Internet. Die menschliche Intelligenz hat sich deutlich erhöht. Dabei ist die künstliche Intelligenz milliardenfach höher als die biologische. Sie verbessert sich immer schneller und von selbst. Dies prophezeit Ray Kurzweil, Erfinder und Autor. Er ist ein Vertreter des Transhumanismus, einer philosophischen Strömung, die die organische Synthese von Mensch und Technik erwartet. Seine Thesen führt Kurzweil zurück auf die Theorie des exponentiellen Wachstums nach Gordon Moore. Das Moore’sche Gesetz (1965) besagt, dass sich die Leistung der Computer alle ein bis zwei Jahre verdoppelt. Danach sei es nur eine Frage der Zeit, bis Maschinen das menschliche Gehirn überflügeln. Tatsächlich entwickeln sich die Informationstechnologien rasant: Der erste Computer kam 1941 auf den Markt, er wog eine Tonne, war groß wie ein Wohnzimmerschrank und beherrschte nur die Grundrechenarten. Heute starten und landen Computer Flugzeuge, treffen automatisch Investmententscheidungen oder organisieren Unternehmen. Ertaubte hören wieder dank Cochlea-Implantaten, Neuroprothesen könnten bald defekte Sinnesorgane ersetzen. Jedes Mal, wenn wir eine E-Mail verschicken oder mit dem Handy telefonieren, bringen intelligente Algorithmen die Informationen zum Ziel. All das sind Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI): Maschinenintelligenz, die bei bestimmten Aufgaben der menschlichen Intelligenz ebenbürtig ist oder diese übertrifft. Und sie werden immer schneller und schlauer. »Wir müssen die Erde verstehen, den Weltraum – und das Gehirn.« Ende 2009 wechselte bei Google der Suchalgorithmus von der generalisierten auf die personalisierte Suche: Vorherige Suchanfragen werden ausgewertet und kombiniert mit den Daten, die ansonsten im Internet über den Nutzer kursieren, wie Standort oder Klickverhalten. Jeder bekommt die Ergebnisse, die am besten zu ihm passen. ↘ <07>
  8. 8. <08> <cover> Kritiker wie der Internetaktivist Eli Pariser fürchten drastische Folgen. Er hat, um dieses Phänomen zu beschreiben, den Begriff »Filterblase« geprägt: Der Nutzer lebe intellektuell isoliert – wie in einer Blase. Informationen, die seinen Wünschen und Ansichten widersprechen, werden ausgeschlossen. Pariser schreibt in einem Essay: »Eine Welt, die aus dem Bekannten konstruiert ist, ist eine Welt, in der es nichts mehr zu lernen gibt.« Dieses personalisierte Netz rückt dem Menschen immer dichter auf den Leib. Anfang nächsten Jahres kommt die vernetzte Datenbrille »Google Glass« auf den Markt: Sie verbindet das menschliche Auge mit dem Internet. Schaut der Brillenträger geradeaus, blickt er in die reale Welt. Bewegt sich sein Auge nach rechts oben, blickt er in die virtuelle Welt. Um die Datenbrille zu nutzen, muss man nicht mal Knöpfe drücken: Google Glass lässt sich per Augenzwinkern oder mit der Stimme steuern. solche Technik abgeschwächt bereits angewandt: Das amerikanische Unternehmen Applied Digital Solutions hat den implantierbaren »Verichip« entwickelt, der auf Radiofrequenztechnik basiert. Der Chip kann in Herzschrittmacher eingebaut werden, um zu überwachen, ob der Träger in Ohnmacht gefallen ist. Seit Jahren forschen Wissenschaftler auch an der Nutzung von Nervenprothesen. Implantierte Elektroden nehmen Signale aus dem Gehirn auf, die eigentlich den fehlenden Arm steuern. Der Chip wandelt die Signale in Computersprache um – und bewegt den künstlichen Arm. Während Mensch und Maschine immer enger zusammenwachsen, arbeiten Forscher mit Hochdruck an der Leistung von Computern. Sie wollen künstliche Intelligenz auf menschlichem Niveau schaffen. Maschinen, die eigenständig denken, aus Fehlern lernen, kreative Lösungen finden: superintelligente Computer, die schlauer sind als der Mensch. We are beginning to see intimations of this in the implantation of computer devices into the human body. Ist das nicht der Beginn der organischen Synthese von Technik und Körper, wie sie die Transhumanisten seit langem prophezeien? Kommt nach der Brille das Biochip-Implantat? Zumindest ist die Möglichkeit denkbar, miniaturisierte Maschinen direkt in den menschlichen Körper zu implantieren. In der Medizintechnik wird Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen die Forscher ein volles Verständnis des menschlichen Denkorgans. Sie brauchen ein simuliertes Hirn. »Das ist eine der drei großen Herausforderungen der Menschheit: Wir müssen die Erde verstehen, den Weltraum – und das Gehirn«, sagt in einem Interview Henry Markram, Neuroforscher von der Eidgenössischen Technischen
  9. 9. <cover> Hochschule Lausanne. Er ist Direktor des Human Brain Project (HBP) und will nichts Geringeres als das menschliche Gehirn in einem Computer modellieren. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen unter anderem den Kampf gegen Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer voranbringen – und die Entwicklung neuer Supercomuter ermöglichen. 80 internationale Forschungsinstitutionen arbeiten im HBP zusammen, beteiligt sind Neurowissenschaftler, Genetiker, Informatiker, Robotikexperten und Ethiker. Sie sollen das gesamte Wissen über das Hirn zusammenfassen und nachbilden. Die Forscher genießen politischen Rückenwind: Die EU hat das HBP zum Future-and-Emerging-Technologies (FET)-Flagship-Projekt erhoben und unterstützt es mit 1,2 Milliarden Euro. Die Finanzierung läuft bis 2023 – dann soll das Hirnmodell fertig sein. Am Kirchhoff-Institut für Physik der Universität Heidelberg forscht Prof. Dr. Karlheinz Meier an der Hardware des neuen Supercomputers. »Das Gehirn vereint in sich drei faszinierende Eigenschaften«, sagt der 57-jährige Wissenschaftler in einem Interview, »es lernt, ist fehlertolerant und energieeffizient.« Meier und sein Team wollen deswegen ein Abbild neuronaler Systeme als Hardware realisieren. Das Heidelberger Simulationssystem wird als neuromorph bezeichnet: Statt Mikroprozessoren arbeiten Chips mit neuronenähnlichen Eigenschaften. Sie verknüpfen sich untereinander nach biologischen Lernprinzipien: Künstliche Neuronen verbinden sich über Synapsen. Die Synapsen senden elektrische Impulse und speichern und verarbeiten so Informationen. Neuromorphe Computer würden keine Berechnungen mehr durchführen, also völlig anders als unsere PCs zu Hause funktionieren. Das Heidelberger neuromorphe System umfasst momentan 200 000 künstliche Neuronen und 50 Millionen Synapsen. Das menschliche Gehirn hingegen hat rund 1.000 Milliarden Neuronen und etwa 100 Billionen Synapsen. Die Forscher verwenden Siliziumscheiben, sogenannte Wafers, auf denen Chips in großer Dichte miteinander verbunden sind. Physiker Meier und sein Team streben an, die Leistung des Heidelberger Systems während des HBP um ein Vieltausendfaches zu erhöhen. Am Ende der Aufbauphase, also in rund zwei Jahren, stünde das bei weitem größte neuromorphe System der Welt zur Verfügung. Dessen Leistung entspräche dem Gehirn eines mittelgroßen Säugetiers. In zehn Jahren soll das menschliche Gehirn nachgebildet sein, ist Meier zuversichtlich. Die Erwartungen an das HBP sind hoch. Manche Hirnforscher halten das Projekt für utopisch, weil man viel zu wenig über die genauen Abläufe im Hirn weiß. In Interviews äußern sie ihre Zweifel: »Markram macht den vierten Schritt vor dem ersten«, sagt beispielsweise der Münchner Hirnforscher Moritz Helmstädter. Christian Steinhäuser von der Universität Bonn <09> meint: »Ich halte es in absehbarer Zeit für unmöglich, auch nur annähernd die Wechselwirkungen von Milliarden von Neuronen untereinander realistisch zu simulieren.« Raúl Rojas, KI-Experte von der FU Berlin, sagt: »Die Schöpfer solcher Simulationen unterschätzen die Komplexität des Gehirns. Wir wissen nicht, wie viel wir immer noch nicht wissen.« Nicht nur das HBP steht in der Kritik, sondern das gesamte Forschungsfeld der künstlichen Intelligenz sowie die Philosophie des Transhumanismus: Sie rütteln an den Grundprinzipien menschlicher Existenz, argumentieren Denker wie der Politikwissenschaftler und Autor Francis Fukuyama. Wenn sich die Grenzen zwischen Mensch und Technik auflösten, wenn der Mensch nicht mehr geboren, sondern mathematisch programmiert werde, verliere er seine Natürlichkeit. Doch nur von der Natur her, von Geburt an, sei jeder Mensch gleich und frei. Alle modernen Demokratien stützten ihre Gesellschaft auf die Freiheit und Gleichheit ihrer Bürger. Was bliebe von solchen Idealen, wenn die Menschen ihrer Natur beraubt würden? Nichts. Die Wissenschaftler sind unbeeindruckt von solcher Kritik und arbeiten weiter ehrgeizig am Menschen der Zukunft. Markram, Direktor des HBP, schildert, wie er sich das Leben seiner Enkel vorstellt: Sie downloaden ihr Gehirn, speichern das Bewusstsein und verbinden sich mit Maschinen. Nicht mehr die Natur bestimmt die Grenzen des neuen Menschen, sondern die Technik. // mehr informationen Human Brain Project: humanbrainproject.eu Heidelberger Kirchhoff-Institut für Physik: kip.uni-heidelberg.de Singularity University, gegründet von Ray Kurzweil: singularityu.org Francis Fukuyama, Kritiker des Transhumanismus: fukuyama.stanford.edu web-special HARDWARE MIT HIRN Das Heidelberger Kirchhoff-Institut für Physik will Computer nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns entwickeln. Wie kann das gelingen? ferchau.de/read/it132a
  10. 10. <10> <projects> ZF Electronic Systems: Revolution in der Getriebesteuerung »AUFBRUCH IN EINE NEUE DIMENSION« Neun. Das ist die Zahl der Gänge des momentan modernsten Automatgetriebes – gebaut von der ZF Friedrichshafen AG. Am Standort Auerbach in der Oberpfalz arbeiten FERCHAU-IT-Spezialisten an den kommenden Generationen von Getriebesteuerungen.
  11. 11. <projects> eun-Gang-Getriebe löst die Schalt-Revolution aus«, titelte die Tageszeitung »Welt« im vorvergangenen Jahr. Was steckt dahinter? Als weltweit erster Getriebehersteller hat ZF Friedrichshafen ein modernes Pkw-Automatgetriebe mit neun Gängen entwickelt. Es ist für Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor und Front- oder Allradantrieb gedacht und passt damit theoretisch in 75 Prozent aller weltweit gefertigten Pkw. Der Clou: Im Vergleich zu den üblichen 6-Gang-Automatgetrieben bietet das 9-Gang-Getriebe deutlich bessere Fahrleistungen bei gleichzeitigen Kraftstoffreduzierungen. Ausgesprochen kurze Reaktions- und Schaltzeiten – unterhalb der Wahrnehmungsschwelle – hauchen selbst Serienfahrzeugen Rennsport-Gene ein. Komplexe Steuerungs- und Regelungsalgorithmen sind neben ausgefeilter Mechatronik verantwortlich für solch herausragende Resultate. Die Hardware und hardwarenahen Basissoftwarekomponenten der Getriebesteuerung der nächsten Generation entstehen dazu am Standort Auerbach in der Oberpfalz – im Geschäftsfeld Electronic Systems. »Die Basissoftware ist die hardwarenahe (Embedded) Software, die man sich wie einen Treiber vorstellen kann. Sie bietet die Möglichkeit, Aktoren und Sensoren zu steuern und Werte abzufragen«, erklärt Klaus Erlenbach. Die eigentliche Steuerungslogik der Getriebe, die sogenannten Anwendungen, werde dann von den Kollegen am Standort Friedrichshafen programmiert, ergänzt sein Kollege Manfred Hößl. Beide IT-Consultants von FERCHAU Nürnberg sind in die Entwicklung und den Test der Getriebesteuergeräte in Auerbach involviert. Da insgesamt drei Standorte – von den Prototypen bis hin zur Serienreife – an der Getriebeentwicklung beteiligt sind, hat ZF ein standortübergreifendes Engineering etabliert. Ganz entscheidend ist, dass die Übergabepunkte exakt beschrieben sind, damit die Kollegen an den verschiedenen Standorten lückenlos und fehlerfrei mit ihren Entwicklungen auf der in Auerbach erstellten Basissoftware aufsetzen können. Umfangreiche Tests sowie die Integration der einzelnen Komponenten sind daher der Schlüssel zu einem erfolgreichen Endprodukt. Genau das richtige Umfeld für die FERCHAU-Spezialisten. Die Hauptaufgabe N Erlenbachs – in FERCHAU-Kreisen auch als »Mr. Test« bekannt – ist es, Testprozesse am Standort Auerbach zu optimieren und zu vereinheitlichen. »Ich unterstütze ZF bei der Analyse und der Definition des Testprozesses in allen Phasen des bewährten V-Modells sowie in der Realisierung und der Durchführung von Softwaretests«, bringt er seine Aufgaben auf den Punkt. Dazu berät der nach dem International Software Testing Qualifications Board (ISTQB) zertifizierte Informatiker die Teams und nimmt regelmäßig an Meetings zur projektübergreifenden Definition der Prüfprozesse teil. Als Ansprechpartner für interne Tester und Testmanager gibt er Hilfestellung und erarbeitet Lösungsvorschläge für konkrete Prüffälle. Sein Ziel: etwaige Fehler in der Software so früh wie möglich zu entdecken – denn sonst kann es teuer werden. Ein weiteres Steckenpferd des freiberuflichen FERCHAU-Spezialisten sind SourcecodeReviews. Dazu überprüft er den Quellcode auf Einhaltung der Programmierrichtlinien und auf logische Programmierfehler hin. »Wir stellen damit sicher, dass die geplanten Anforderungen korrekt im Programm umgesetzt sind«, konstatiert der 51-jährige Diplominformatiker. Im Team aus insgesamt drei Integratoren ist Manfred Hößl bei ZF in Auerbach zu Hause. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die von den Komponenten-Entwicklern entsprechend den Release-Anforderungen bereitgestellten Basiskomponenten zu einem Release-Stand zu integrieren und die Bedatung beziehungsweise Parametrierung durchzuführen. »Erst nach erfolgreichem Integrationstest wird das Softwarepaket ausgeliefert und an die Applikationsentwicklungskollegen weitergeleitet«, erklärt er. Da die Integration der Embedded Software aus vielen Teilschritten besteht und der Einsatz zahlreicher Tools für Load-, Build- und ConfigurationManagement sowie Anforderungs-, Änderungs- und Parametermanagement oder Tests erforderlich ist, haben die Integratoren den Prozess um detaillierte Ablaufbeschreibungen und Checklisten ergänzt. Die langjährige Erfahrung als Integrationsspezialist, insbesondere seine strukturierte Arbeitsweise, kommt dem 54-jährigen Hößl zugute, um das Ziel einer qualitativ hochwertigen Software sicher anzusteuern. Auch wenn es zeitlich mal eng wird, wie er sagt. Denn eins steht immer fest: der Auslieferungstermin. <11> Als Integrator achtet der Diplominformatiker mit Argusaugen darauf, dass die Zulieferungen rechtzeitig vorliegen, und er schätzt ab, welche Auswirkungen sich durch sogenannte »Last-MinuteÄnderungen« ergeben. Was für mechanische Bauteile die hundertprozentige Passgenauigkeit ist, oder für Softwaremodule sauber definierte Interfaces, ist für die Teamarbeit eine offene und regelmäßige Kommunikation. »Ich liebe meine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Basis- und Anwendungsentwicklung und die Möglichkeit, im Dialog mit meinen Kollegen Hürden zu umgehen oder sie zu überspringen«, resümiert Manfred Hößl. Sein Kollege Klaus Erlenbach schätzt insbesondere den Realitätscheck: »Als nach ISTQB zertifizierter Tester habe ich einerseits einen guten Einblick über Standards und Trends beim Testing. Und bei ZF erlebe ich andererseits hautnah, wie und ob die Theorie praxistauglich ist.« Sein Urteil für ZF: Test bestanden. // methoden & tools » Eclipse (Entwicklungsumgebung) » DOORS (Anforderungsmanagement) » ClearCase (Versionsverwaltung) » ClearQuest (Change-Requests) » CANoe (CAN-Diagnosetool) » Infineon Tricore Evaluation Board » Tasking-Compiler » Trace32 Debugger » Doxygen (Sourcecode-Dokumentationstool) » Lauterbach (Debugging) » arametrierung und Test: Vector CANape, P CDM Studio über zf friedrichshafen ZF ist ein weltweit führender Technologiekonzern in der Antriebs- und Fahrwerktechnik mit 121 Produktionsgesellschaften in 26 Ländern. Der Konzern mit rund 75.000 Mitarbeitern erzielte im Jahr 2012 einen Umsatz von 17,4 Milliarden Euro. Das Geschäftsfeld ZF Electronic Systems ist spezialisiert auf die Entwicklung von Steuerungen, Schaltern und Sensoren. mehr informationen ALEXANDER ABEL Account Manager IT FERCHAU Nürnberg nuernberg @ ferchau.de ferchau.de/go/nuernberg
  12. 12. 12 projects WITTENSTEIN motion control: Antriebe für die Industrie 4.0 IT HAUCHT MECHANIK INTELLIGENZ EIN Branchenexperten haben sie herbeigerufen – die vierte industrielle Revolution. WITTENSTEIN motion control GmbH, Anbieter für mechatronische Antriebssysteme, setzt das Konzept von Industrie 4.0 bereits in Produkte um. Konfigurierbare Mechanik, Sensoren und Software sind die Zutaten. S eit der Hannover Messe 2012 geistert ein Gespenst durch deutsche Fabrikhallen, Forschungsinstitute und Ent wicklungslabore: Industrie 4.0. Die Idee ist, künftige Fabriken intelligenter zu machen. Fertigungsprozesse und die dazu erforderlichen Maschinen sollen sich stärker selbst steuern und miteinander vernetzen. Software, Hardware und Kommunikationskomponenten wie etwa Sensoren und das Internet sind die technischen Eckpfeiler. An Geister glaubt man bei WITTENSTEIN motion control im niedersächsischen Bad Pyrmont nicht. Die Ingenieure und Informatiker im Geschäftsbereich »tool drives«, alle Spezialisten für mechatronische Antriebe, setzen bereits heute die Ideen der vierten industriellen Revolution in marktfähige Systeme um. Ihre Ziele sind eine hohe Flexibilität, schneller Umbau und erhebliche Kosteneinsparungen beim Anpassen von Bearbeitungsaggregaten, etwa fürs Bohren oder Fräsen, an neue Anforderungen in der Produktion. »Intelligentere Maschinen bedeuten in erster Linie flexible Steuerungsmöglichkeiten und gleichzeitig offene Kommunikationsschnittstellen«, erklärt Eduard Pineker. Der diplomierte Elektrotechniker von FERCHAU Engineering Hannover unterstützt das WITTENSTEINEntwicklungsteam im Geschäftsfeld »tool drives«. Sein Spezialgebiet ist die »hardwarenahe Entwicklung, also Software für Microkontroller programmieren und testen«, wie er es nennt. Die Forderung nach Flexibilität und mehr Intelligenz setzen die Ingenieure wir folgt um: Flexibel auswechsel- und zuschaltbare direktangetriebene Bearbeitungsmodule – die Antriebe – sind der eine Teil. Bestandteil zwei ist die dezentrale Steuerungseinheit, die bei WITTENSTEIN als »Control-Box« bezeichnet wird. »In dieser Schaltzentrale laufen sämtliche Daten über den aktuellen Zustand der Werkzeugmaschine zusammen«, erklärt FERCHAU-Entwickler Pineker. Welcher Auftrag wird gerade gefertigt, wie ist der Zustand der Werkzeuge, steht ein Wechsel an, welche vor- oder nachgelagerten Arbeitsschritte sind notwendig, oder hat es einen Werkzeugbruch gegeben? Fragen, auf die die Control-Box dem Bediener Antworten geben kann, ihn mittels integrierten Lifecycle-Managements frühzeitig informiert. FERCHAU-Mann Pineker kann bei der Entwicklung der Kommunikation zwischen Microkontrollern seine Erfahrungen als Elektrotechnikingenieur an der Schnittstelle zwischen Hard- und Software ausspielen. Programme, die er mit dem Open-Source-Werkzeug »Eclipse« in C++ erstellt, testet er anschließend einerseits mit Softwaretools und greift andererseits auf das Oszilloskop zurück, um den Signalverlauf zu analysieren und zu optimieren. Mechanik trifft IT – die ganze Bandbreite der Ingenieurskunst ist gefragt. Die Kommunikation zwischen Maschinen oder Fertigungszentren erfolgt über Echtzeitprotokolle wie z.  EtherCAT B. oder Profinet. Eine weitere Neuerung der ControlBox 2.0: Im Gegensatz zu den herkömmlichen Steuerungen, bei denen der Maschinenbediener Kenntnisse in den SPS-Programmiersprachen mitbringen muss, lässt sich die Werkzeugmaschine künftig über ein Web-Interface aus einem Browser heraus bedienen. »Mit wenigen Mausklicks ist der Techniker in der Lage, die erforderlichen Parameter einzustellen«, sagt Pineker. Entwicklergeist, gepaart mit Spieltrieb – das ist »das Optimum« für einen Ingenieur wie Eduard Pineker. »Alle Programme, die ich entwickle, setzen etwas Physisches in Bewegung, und ich habe sofort eine Rückmeldung, ob das Programm leistungsfähig ist oder nicht«, beschreibt der Ingenieur den Reiz seiner Tätigkeit. Dass WITTENSTEIN als Kernunternehmen im Technologie-Netzwerk Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe (it’s OWL) kräftig mitmischt, ist das i-Tüpfelchen bei seiner Arbeit. Die 174 Kooperationspartner – Unis, Fachhochschulen und Unternehmen – sind angetreten, aus dem Gespenst Industrie 4.0 intelligente Produkte und Produktionsverfahren zu entwickeln, die das Leben leichtermachen. //
  13. 13. projects 13 über wittenstein Mit weltweit rund 1.700 Mitarbeitern und einem Umsatz von 241 Mio. Euro (vorläufiger Wert 2012/13) steht die WITTENSTEIN AG national und international für Innovation, Präzision und Exzellenz in der Welt der mechatronischen Antriebstechnik. Die Unternehmensgruppe umfasst acht Geschäftsfelder mit jeweils eigenen Tochtergesellschaften. Ein Unternehmen ist die WITTENSTEIN motion control GmbH, die mechatronische Antriebs- und Servosysteme entwickelt. tooldrives.de wittenstein.de mehr informationen CHRISTIAN REINELT Senior Account Manager IT FERCHAU Engineering GmbH Niederlassung Hannover hannover @ ferchau.de Eduard Pineker am Systemprüfstand ferchau.de/go/hannover
  14. 14. 14 projects Applikations- und Datenbankoptimierung bei IDS WIND UND SONNE LASSEN SICH NICHT EXAKT PLANEN Die IDS GmbH in Ettlingen entwickelt hochverfügbare IT-Systeme für Daten- und Instandhaltungsmanagement sowie die Netzführung der Zukunft für Netzbetreiber und Stadtwerke im Energie- und Versorgungsbereich. IT-Consultant Robert Chwalczyk von FERCHAU Karlsruhe ist als Anwendungsund Datenbank-Tuner dabei. Durch Feintuning kitzelt FERCHAUEntwickler Robert Chwalczyk bis zu 50-mal mehr Leistung aus der Datenbank.
  15. 15. projects September. Die vergangene Nacht im »Refugio Toni Demetz« auf rund 2.700 Metern Höhe war frisch und klar. Dementsprechend gut ist die Fernsicht heute Morgen. Die schroffen Gipfel der Sella-Runde zieren die Szene, die Morgensonne taucht den Langkofel in zartes Rot. 8:15 Uhr. Robert Chwalczyk hat bereits gefrühstückt, typische Südtiroler Brettljause. Viel vorgenommen hat sich der 47-jährige IT-Consultant; heute will er seinen persönlichen Rekord brechen. Mindestens vier Stunden soll der Gleitschirmflug dauern – mindestens. Akribisch analysiert er alle lebenswichtigen Details. Im Kopf hakt er die Checkliste ab: Gurtzeug perfekt eingestellt, Variometer und GPS-System funktionieren, Route, Landmarken und mögliche Landeplätze im Gedächtnis gespeichert. Westwind. Typisch für diese Jahreszeit. Passt. Er stellt den Schirm auf, leichter Gegenwind. Abflug. »Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Flug ist die systematische Analyse aller lebenswichtigen Parameter: Mensch, Gerät und Umgebungsbedingungen. Und: nüchtern und mit klarem Verstand reagieren, wenn sich Aspekte ändern«, erklärt Robert Chwalczyk. Das analytische Denkvermögen spielt der FERCHAU-Experte bei seiner Tätigkeit bei der IDS GmbH aus. Das Unternehmen entwickelt IT- und Automatisierungslösungen in den Bereichen Smart Grid und Smart Metering. Mit den Lösungen von IDS steuern und überwachen zahlreiche Energieversorger sowie Betreiber der Hoch- und der Mittelspannungsnetze ihre Netze und Anlagen. 28. Die Datenspeicher umfassen nicht selten ein Volumen im zweistelligen Terabyte-Bereich. »Wind und Sonne lassen sich nicht exakt vorausplanen, daher müssen die Versorger auf Gefährdungen der Netzsicherheit und Engpässe rasch reagieren können«, erläutert FERCHAU-Mann Chwalczyk. IT-Systeme seien das Rückgrat hierfür. Über die gesamte Kette – von der Energieerzeugung über die Netzeinspeisung bis hin zu den Verbrauchern – liefern dazu Tausende von Messstellen unablässig Betriebsdaten, die gespeichert und verarbeitet werden müssen. Die Menge der Daten ist das eine. Um den aktuellen Netzstatus untersuchen, Simulationen und kurz- und mittelfristige Prognosen erstellen zu können, werden die Daten sofort gebraucht. »Die Datenspeicher umfassen nicht selten ein Volumen im zweistelligen Terabyte-Bereich, dabei werden Tabellen mit knapp 100 Milliarden Datensätzen betrachtet«, sagt Chwalczyk. Die Folgen sind bekannt: Während die Datenmenge schnell und kontinuierlich wächst, plagen die länger werdenden Antwortzeiten die User. »Was also kann und muss getan werden, um bessere Antwortzeiten der Anwendung zu erreichen?«, bringt Robert Chwalczyk seine tägliche Frage auf den Punkt. Um sie zu beantworten, stellt der FERCHAU-Spezialist der Niederlassung Karlsruhe die Bestandteile der Anwendungen auf den Prüfstand. Logik, Syntax der Programmanfragen, Volumen der Daten sowie die logische Strukturierung in der Oracle-Datenbank. Zudem optimiert er die Art der Zugriffe (direkt, via Views, vorwiegend lesend oder schreibend), frisiert datenbankspezifische Mechanismen wie Subpartitionierung oder I-O-Tabellen und betrachtet daneben die Leistungsfähigkeit der gesamten Datenbankinfrastruktur wie Speicherausstattung und -verbrauch sowie CPU-Auslastung. Wie vor jedem Gleitschirmflug analysiert er Schritt für Schritt das System und dokumentiert zuerst das aktuelle Laufzeitverhalten. Die Zeitmessungen bildet er als Charts ab, die den zeitlichen Verlauf der Responsezeiten in Abhängigkeit von der Komplexität der Anfrage und der Menge der gelieferten Daten wiedergeben. Danach ermittelt er die Komponenten mit dem schlechtesten Zeitverhalten – die 15 sogenannten Bottlenecks. »Dadurch stelle ich sicher, dass immer erst die Problemstellen angegangen werden, bei denen das größte Verbesserungspotential zu erwarten ist«, sagt IT-Consultant Robert Chwalczyk. Anhand der Analyse der generierten SQL-Abfragen findet er die maladen DBStrukturen heraus, für deren Optimierung ihm wiederum eine Palette an Möglichkeiten wie etwa Datenumorganisation, Indizes, Caching oder Datenvorberechnung zur Verfügung steht. Das Ergebnis des Tunings kann sich sehen lassen: »In der Praxis erreichen meine Maßnahmen Geschwindigkeitssteigerungen um den Faktor 5 bis 50, Spitzenwerte liegen sogar darüber«, erklärt er grinsend. Die Möglichkeit, sehr viele sehr unterschiedliche Technologien kennenzulernen und seine Soft Skills zu perfektionieren, kommt dem Diplominformatiker bei seiner Arbeit bei IDS gerade recht. Herausforderungen, die Robert Chwalczyk gerne annimmt, wie die Planung seiner nächsten persönlichen Bestleitung beim Gleitschirmfliegen. Vier Stunden und 23 Minuten sind es übrigens am 28. September geworden. // methoden tools Datenbank: Oracle 11g Enterprise Edition Entwicklungsumgebung: Eclipse/Java SDK und JBoss Application Server Datenbank-Management: Toad Analysen: Tabellenkalkulation als Chartgenerator über ids Die IDS-Gruppe ist der Spezialist für IT- und Automatisierungslösungen in den Bereichen Smart Grid und Smart Metering für den internationalen Markt der Ver- und Entsorgungswirtschaft. Das Produkt- und Dienstleistungsportfolio ist auf alle Aspekte des technischen Netzbetriebs, des geografisch basierten Informationsmanagements und des Zählwesens ausgerichtet. // ids.de Startplatz von Robert Chwalczyk: +46° 29' 48.42, +11° 45' 14.38 mehr informationen KERSTIN KRAFT Stellvertretende Niederlassungsleiterin FERCHAU Karlsruhe karlsruhe @ ferchau.de ferchau.de/go/karlsruhe
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  17. 17. voices 17 E-Mail und Social-Media-Nutzung – Sucht oder Suchen ? »DIE FALSCHEN KARRIEREGÖTZEN VOM THRON STÜRZEN« Nachdem sie zwei Jahre ihres Lebens mit Mailen und Surfen vergeudet hat, sagt Digitaltherapeutin Anitra Eggler dem E-Mail-Wahnsinn den Kampf an. Kritischer Umgang und Abschalten sei nötig und wenn nichts mehr hilft: harter Entzug. E-Mails machen dumm, krank und arm. So lautet der Titel Ihres Buches. Woher nehmen Sie diese Erkenntnisse? Eine Studie am britischen King’s College belegt, dass bekiffte Menschen IQ-Tests besser lösen als Menschen, die durch E-Mails abgelenkt werden. Durch E-Mail-Multitasking sank der gemessene IQ-Wert um zehn Prozent – doppelt so stark wie bei der Kiffer-Gruppe. E-Mails machen also dumm. Dass die permanente Informationsflut in Kombination mit ständiger Arbeitsunterbrechung durch E-Mails, Handy, SinnlosSurfen unkonzentriert und unproduktiv macht, ist nicht neu. Wird dieser Zustand allerdings Normalzustand, entsteht die Kommunikationskrankheit »Attention Deficit Trait (ADT)«. Harvard-Arzt und -Psychiater Edward M. Hallowell schätzt, dass bereits jeder zweite Manager unter ADT leidet. Ergo: E-Mails machen krank. Wie hoch ist der finanzielle Schaden? Nur eine tägliche Ablenkungsstunde pro Mitarbeiter – mittlerweile ein Wert am unteren Ende der Skala – bei einer Gehaltsklasse von 3.700 Euro Monatsbrutto kostet den Arbeitgeber inklusive Die New Yorker Beraterfirma Basex hat bereits 2008 herausgefunden, dass Angestellte durch Ablenkung im Schnitt 2,1 Arbeitsstunden am Tag verplempern – 28 Milliarden Arbeitsstunden im Jahr. Wirtschaftlicher Schaden? 588 Milliarden US-Dollar. Aber nicht nur das. E-Mails machen in zweierlei Hinsicht arm: betriebswirtschaftlich und beziehungstechnisch. Beziehungstechnisch, warum das? »Wissensarbeiter werden im Schnitt alle elf Minuten abgelenkt. Stellen Sie sich einen Marathonläufer vor, dem alle elf Minuten die Schnürsenkel aufgehen.« Die Worte Facebook, Handy, E-Mail »zieren« bereits jede dritte Scheidungsklage in Großbritannien. Kein Wunder: Wer überall zugleich sein will, ist nirgends mehr richtig; wer mehr Zeit mit digitaler Kommunikation verbringt als mit den Menschen, die er von Herzen liebt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er beziehungstechnisch verarmt. Wann haben Sie persönlich gemerkt, hier stimmt was nicht, ich leide an E-MailWahnsinn und Sinnlos-Surf-Syndrom? Die Verarmung – ist das dann das Resultat? Ja. Krankhafter Konzentrationsverlust, ausgelöst durch zwanghafte Ablenkungslust. Weil sie uns so lange und so häufig von der Arbeit ablenkt, dass wir verlernen, konzentriert – das heißt produktiv – zu arbeiten. Sind das jetzt Ihre Hochrechnungen? Lohnneben- und Gemeinkosten bei 250 Arbeitstagen im Jahr rund 25 000 Euro – pro Mitarbeiter. Bei 100 Mitarbeitern sind das bereits 2,5 Millionen Euro. Ich habe eine Studie im PM Magazin gelesen, die besagt: Wenn wir 75 Jahre leben, verbringen wir rund acht Monate mit dem Löschen unerwünschter E-Mails und nur zwölf Stunden mit Orgasmen. ↘
  18. 18. 18 voices Digitales Leben 86 44 % kommen ohne ihr mobiles Endgerät nicht aus oder sind »immer online« % benutzen ihr mobiles Endgerät, um in der Mittagspause zu arbeiten 20 sehen sich selbst an der Grenze zum Workaholic % 15 % nehmen ihr mobiles Endgerät sogar mit in den Urlaub Quelle: Varonis Systems Diese Studie in Kombination mit dem Leidensdruck meiner Mitarbeiter war Auslöser, die Kommunikationskultur meiner Mitarbeiter zu hinterfragen und zu optimieren und meine eigene Lebensbilanz zu ziehen. Und? Die war erschreckend: Ich hatte bereits 1,5 Lebensjahre vermailt und 2,5 Lebensjahre versurft. Und von der Orgasmus-Zeit sprechen wir jetzt mal nicht, da arbeite ich dran. Wie konnte es dazu kommen? Highspeed-Kommunikation und Rundum-die-Uhr-Erreichbarkeit, auch im Urlaub, habe ich immer als karrierebedingte Notwendigkeit, als Wettbewerbsvorteil, Synonym für Projektmanagement und Internet-Dienstleistertugend angesehen. Darunter haben meine Teams gelitten – und meine Lebensqualität. Wie haben Sie die Kurve gekriegt? Als Tageszeitungsredakteurin habe ich in den 90er Jahren gelernt, abzuschalten. Wenn die Zeitung im Druck ist, defragmentiert man das Hirn, um Platz zu schaffen für den nächsten Tag. Ohne diese Fähigkeit wäre ich sicher ausgebrannt. Einige meiner Kollegen und Weggefährten hatten diese Fähigkeit nicht. In meinem Freundes- und Kollegenkreis gibt es inzwischen mehr Burn-out-Fälle als Familien mit Kindern. Sie diagnostizieren Facebook-Inkontinenz, wenn Menschen mehr Spaß mit Facebook haben als im echten Leben. Was ist schlimm daran? Ganz einfach: Sie verpassen das echte Leben. Wer zwei Stunden am Tag auf Facebook verbringt, investiert einen Monat Lebenszeit im Jahr in Facebook. Und was bekommen wir zurück? Man muss kritisch hinterfragen, ob das Sonnenuntergangsbild auf Facebook (sehen, knipsen, posten, warten auf »Likes«, Sonnenuntergang vorbei) wichtiger ist als das Erleben des Sonnenuntergangs. Sie rufen zu einem rationalen Umgang mit Onlinemedien auf. Das klingt anstrengend und langweilig und – verzeihen Sie – ewiggestrig. Wollen Sie die Zeit zurückdrehen? Nein, darum geht es nicht. Wir werden die technische Innovationen nicht aufhalten und sollten das auch nicht; aber kritisch hinterfragen, wer da eigentlich wen beherrscht. Ich finde es super, dass wir dank Facebook lachen – auch am Arbeitsplatz. Nur: Derzeit sind wir stark in Richtung Unterhaltung gekippt. Alle posten nur noch den banalen Blubb aus ihrem Privatleben: süße Katzenfotos, Sonnenuntergänge oder wehrlose Kinder mit verschmiertem Schokomund. Darin steckt die Gefahr, dass wir alle zunehmend verblöden, weil unser Horizont schmaler wird. Facebook nutzt man überwiegend in der Freizeit, warum sollte man da kein banales Zeug posten? Ein Trugschluss! In Wirklichkeit sind das private und das berufliche Leben schon komplett vermischt. Wenn man sich anschaut, wie viele Stunden Mitarbeiter auf Facebook verbringen, dann kostet die verlorene Arbeitszeit die deutsche Wirtschaft einer Studie zufolge 26,8 Milliarden Euro. Durch den ständigen Besuch bei Facebook ist die Ablenkung Normalzustand geworden. Das brennt uns langfristig aus. Deshalb müssen wir wieder lernen, unsere Filter neu einzustellen. Suchen wir uns diese Ablenkung nicht selbst, wenn wir ständig unseren E-MailEingang oder unser Facebook-Konto kontrollieren? Doch, verrückterweise. Handy-Besitzer checken im Schnitt einmal pro Stunde ihr Handy. Das ist keine Notwendigkeit, das ist Sucht. Unser Gehirn giert nach dem sogenannten Glückshormon – Dopamin- und Adrenalinausschüttungen, die einen Aufmerksamkeitsreiz begleiten. Mediensucht gilt als substanzunabhängige Verhaltenssucht, ist deshalb aber nicht weniger schädlich als eine Abhängigkeit von Drogen oder Alkohol. Wenn Sie Menschen auf Facebook-Entzug setzen, reagieren diese mit Einsamkeit, mit Depression und mit Entzugserscheinungen, die laut einer Studie der Universität Chicago schlimmer sind als bei Nikotin- und Alkohol-Entzug. Wann und woran merkt man, dass Kollegen, Mitarbeiter oder das Team reif für einen digitalen Entzug sind? Machen Sie einen Test: Lassen Sie den Chef um 20.30 Uhr eine Mail an ein paar Leute mit Bitte um Feedback schreiben. Die, die binnen fünf Minuten antworten, sind reif für eine Digitaltherapie. Sollte man die Hersteller von Smartphones verpflichten, auf die Gefahren der Nutzung ihrer Geräte hinzuweisen: Achtung: Häufiges Surfen kann zu Verblödungen führen? Fände ich großartig! Bei der Tabakindustrie hat es auch lange gedauert … aber dann … da bin ich optimistisch.
  19. 19. voices Wie lautet denn Ihr Tipp, um dem harten Entzug vorzubeugen? Zum Beispiel bei Smartphones den automatischen Mail-Download abschalten. Dann sieht man nicht dauernd, dass schon wieder 20 ungelesene Mails im Postfach liegen. Wir können nämlich nicht anders, wir wollen dann »nur mal kurz gucken«, daraus wird aber meistens »ziemlich lang«. Abschalten? Sorry, das klingt zu einfach. Wie erkläre ich das denn meinen Kollegen, dem Chef und den Kunden? Abschalten ist extrem wichtig. Ständig wird so getan, als sei Multitasking eine Karrieretugend. Schauen Sie sich Stellenanzeigen an: Da wird nach der Krake gesucht, die 17 Dinge auf einmal tun kann. Das ist absurd. Ständige Erreichbarkeit steht für mich als Synonym für miserables Zeitmanagement. Nur Sklaven sind ständig erreichbar. Das ist ein falscher Karriere-Götze, der gestürzt werden muss. Sie persönlich haben feste Leerungszeiten Ihres E-Mail-Postfachs; um 10.00 und um 16.00 Uhr – wie beim gelben Briefkasten. Aber noch mal: Welcher Kunde oder Vorgesetzte macht das mit? Jeder, dem Sie von Anfang an klar kommunizieren, dass Kommunikation der Turbo für Projekterfolg oder -misserfolg ist. E-Mail-Öffnungszeiten müssen Sie breit kommunizieren, das beginnt bei der eigenen Signatur, geht über die Visitenkarte etc. Kunden von mir arbeiten inzwischen mit einem Autoreply, das zwar kurzfristig die Flut erhöht, darin steht allerdings, dass die Mail außerhalb der Öffnungszeit kommt und je nach Wichtig- und Dringlichkeit dann und dann beantwortet wird. Auch das hilft, um die Kommunikationspartner umzuerziehen. Was raten Sie Unternehmen als sinnvollen, effizienten Umgang etwa mit Mails und Social Media? Unternehmen müssen aufhören, ständige Erreichbarkeit, zementierte Stressresistenz und mehr Multitaskingfähigkeit zu fordern. Das steigert kurzfristig die Produktivität, langfristig ruiniert es sie. In der Unternehmenskommunikation geht der Trend daher klar in Richtung kollaborative Zusammenarbeit über webbasierte Lösungen. E-Mail wird zunehmend durch Mailboxen, Chat- und PostingSysteme in diesen Systemen ersetzt. Es ist aber keinen Deut besser, wenn die Mitarbeiter ihren Tag in diesen Intranets verbringen statt in der E-Mail-Box. Deshalb: Es ist jetzt Zeit, den Kommunikationsmix neu zu definieren und klare Regeln zu schaffen. Wie lange dauert es nach Ihrer Erfahrung, bis die Regeln und Änderungen gelebt werden? Das hängt ab von der Unternehmensgröße. Eine Firma mit 50 Mitarbeitern benötigt im Schnitt ein Quartal bis sechs Monate. Bei einem Konzern können es BLITZTHERAPIE GEGEN E-MAIL-WAHNSINN 1. Arbeitstag im Offline-Modus: 20 Prozent der Aufgaben, die 80 Prozent Arbeitsergebnis bringen, definieren. 2. Geregelter Tagesablauf für E-Mails mit fixen Öffnungs- und Bearbeitungszeiten, automatischen E-Mail-Abruf deaktivieren, keine Sounds bei Posteingang, weniger E-Mails versenden, um weniger E-Mails zu erhalten. 3. Tägliches E-Mail-Budget im Amt vereinbaren. E-Mail-Verkehr nach dem Mimosenprinzip regeln: »Was ich nicht erhalten möchte, sende ich auch keinem anderen!«. 4. E-Mails strukturieren wie ein Nachrichtenredakteur, also Betreffzeile gedanklich durch Betreffziele ersetzen. 5. Täglich Posteingang leeren, Unwichtiges sofort löschen, quartalsweise in großem Stil löschen. 19 durchaus ein bis zwei Jahre sein, weil das Thema zu einem Wandel in der Unternehmenskultur führt. Ganz wichtig ist, dass die Chefs das vorleben und jeder Einzelne selbstverantwortlich mitlebt. Wir müssen uns untereinander liebevoll auf die Finger schlagen und Fehlverhalten ahnden. Kommunikation ist Pingpong, wenn nur einer was ändert, funktioniert das nicht. Frau Eggler, vielen Dank für das Gespräch. // über anitra eggler ANITRA EGGLER ist Digitaltherapeutin aus Liebe zum Web, Bestsellerautorin aus Schreibleidenschaft, begeisternde Top-100-Rednerin und Dozentin. Offizieller Blog: anitra-eggler.com Leben Sie noch oder vergeuden Sie Ihre Zeit im Web? rescuetime.com web-special FÜNF TIPPS GEGEN DEN E-MAIL-WAHNSINN ferchau.de/read/it132b
  20. 20. 20 Big Data DAS ÖL DES 21. JAHRHUNDERTS Für jeden, der sich mit Informationstechnologie beschäftigt, ist Datenflut eigentlich das am wenigsten überraschende Phänomen. Umso verwunderlicher ist, dass Analysten wie Gartner das Thema Big Data momentan zu dem nächsten »Big Thing« der IT ernannt haben.
  21. 21. branchengeflüster aut einer Studie von McKinsey nimmt die weltweit gespeicherte Informationsmenge jährlich um 40 Prozent zu. Bereits 2010 wurde die Zettabyte-Grenze an produzierten Daten überschritten. Die Ursache dafür liegt in einer grenzenlosen Digitalisierung aller Lebensbereiche, die ununterbrochen Bits und Bytes produziert. So erzeugt beispielsweise ein einziges Flugzeugtriebwerk innerhalb von 30 Minuten zehn Terabyte an Daten, die es auszuwerten gilt. Noch stärker als der geschäftliche Sektor wächst der Endanwenderbereich, der laut IDC im vergangenen Jahr 68 Prozent aller digitalen Informationen erzeugte und konsumierte. Big Data geht über traditionelle Kategorien wie Storage- und Content-Management hinaus. Datenwachstum wird dabei nicht mehr nur als zu bewältigendes Speicher- und Verwaltungsproblem aufgefasst, sondern wird vielmehr als neuartige Rohstoffquelle, als Öl des 21. Jahrhunderts, beschrieben. Neue Methoden der Analyse versprechen diese Datenschätze deutlich gewinnbringender einzusetzen – hoffentlich. Denn bisher liegt bei allem Fortschritt der Datenverwertung – klammern wir die Nutzung durch Geheimdienste und Sicherheitsbehörden mal aus – das Gros des Potentials brach. Christoph Bornschein, Gründer der Social-Media-Agentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr, bringt die Notwendigkeit der zielgenauen Analysen auf den Punkt. »Ich bin erstaunt, dass ich angesichts der Fähigkeiten der IT immer noch Angebote für Flüge nach Tokio als Banner angezeigt oder gar per Post nach Hause geschickt bekomme. Auch wenn der Flug ›nur‹ 499,- Euro kostet, das Angebot geht völlig an meinen Bedürfnissen vorbei.« Bornschein ist kein Einzelfall. Um bei potentiellen Kunden künftig besser zu punkten, sei Big Data der richtige Ansatz, wie Holm Landrock, Senior Advisor des Beratungshauses Experton Group, auf einer Pressekonferenz erklärte. Big Data wird über vier Eigenschaften definiert: das Datenvolumen, die Vielzahl von Datenquellen, die Geschwindigkeit der L Datenproduktion und die steigende Anzahl von Nutzern, die sich mittels Analysen die Potentiale von Big Data erschließen wollen. Aufgrund der Vielzahl von Datenquellen ist Big Data zudem gekennzeichnet durch einen Mix aus strukturierten und unstrukturierten Daten mit komplexen Beziehungen untereinander. Heute schätzt man, dass 90 Prozent aller Daten im Big Data unstrukturiert sind. Die prominentesten Produzenten von Big Data sind soziale Medien (über eine Milliarde FacebookMitglieder) und das mobile Internet mit seinen Verbindungsdatensätzen (call detail records) und Lokalisierungsdaten. Daneben gibt es weitere Datenproduzenten: intelligente Ablesegeräte und Sensoren bei Strom, Wasser, Verkehr und Mautdaten, maschinenerzeugte Daten über Verhalten und Leistung von Servern, Netzwerken und anderer Rechner-Infrastruktur, RFIDInformation in der Supply-Chain, Zeiterfassungssysteme und viele andere. Big Data erfordert einen Data Scientist als Mittler zwischen der IT und den Fachabteilungen. Welche neuen Ansätze sind nun nötig, um Big Data umzusetzen? Zunächst gilt das Augenmerk der Technologie: Die traditionelle relationale Datenhaltung stößt hier an ihre Grenzen. Um die Petabytes und mehr an Daten zu lesen und zu durchsuchen, nutzt man heute analytische oder NoSQL(not only SQL)-Datenhaltungssysteme. Hier werden unterschiedliche Software- und Hardwaretechnologien eingesetzt, teilweise auch miteinander kombiniert: Objektorientierung, Spaltenorientierung, Parallelisierung, Datenkompression, In-Memory-Verarbeitung, massiv parallele Verarbeitung (MPP) über Rechner-Cluster und spezielle sogenannte Data-Appliances, um die gängigsten zu nennen. Ein weiterer Ansatz zur Beherrschung von Big Data kommt vom Open-Source-System Hadoop, welches das Potential hat, den Standard der Zukunft zu setzen. Beim Data-Management geht es im Zuge von Big Data zwar immer noch um 21 Integration, Lineage und Qualität, aber es kommt noch einiges hinzu: So ist eine neue Klasse von Integrationswerkzeugen zur agilen Web- und Cloud-Integration entstanden, um beispielsweise auch auf Datenquellen zuzugreifen, die keine API-Schnittstelle haben. Plattformen zur Datenintegration werden durch Selbstoptimierung beschleunigt und um HadoopVerarbeitung ergänzt. Daneben werden die bekannten Verfahren zum Data-Management parallelisiert und clusterfähig, denn die Anforderungen an den Durchsatz steigen natürlich erheblich. Serviceorientierung der Infrastruktur und Verarbeitung in Echtzeit sind Pflicht. Data-Discovery steht jetzt ganz vorne in der Bedeutung. Dazu gehören Filtern und Visualisieren von Daten, kollaborative Werkzeuge zur Teamarbeit, intuitive Benutzerschnittstellen und eine neue Generation von Geräten wie Tablets, damit man in den Fachabteilungen produktiv und erfolgreich arbeiten kann. Hinzu kommen neue analytische Methoden und Verfahren wie die Textanalytik, insbesondere für unstrukturierte Daten. Sie verbinden linguistische Verfahren mit Suchmaschinen, TextMining, Data-Mining und Algorithmen des maschinellen Lernens. Veränderte Technologien sind das eine: Big Data erfordert auch neue Rollen wie die der Data-Scientists, die als Mittler zwischen der IT und den Fachabteilungen den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit vorantreiben, die Verarbeitung von Big Data fördern und helfen, die Potentiale von Big Data auch zu realisieren. Das erfordert neue Skills und eine Neuorientierung der IT. // mehr informationen Studie der Experton Group: bit.ly/14zgGkw Apache hadoop (Open Source) bit.ly/QZ4pu Big Data – im Rahmen des EU-Projekts »Horizon 2020« big-project.eu
  22. 22. 22 branchengeflüster Intermodale Verkehrskonzepte VERZAHNT GEGEN DIE REICHWEITENANGST Elektro-Autos sind noch nicht der Verkaufshit – unter anderem liegt das an dem mangelnden Vertrauen in ihre Reichweite. Eine bessere Verzahnung von öffentlicher und individueller Mobilität könnte das Problem lösen. N achts auf einsamer Landstraße: Stille. Der Motor macht keinen Mucks, der Saft in der Batterie reicht nicht mal mehr, um den Warnblinker zu aktivieren. Keine Ladesäule weit und breit. So sehen Alpträume von Elektrofahrzeug-Benutzern aus. Die Angst vor dem Liegenbleiben wirkt auf den Markterfolg elektrischer Autos wie die angezogene Handbremse. Die Lösung liegt in intermodalen Verkehrskonzepten. Der Reiseplan stützt sich dabei nicht auf ein einziges Fahrzeug, nicht einmal auf ein einziges Verkehrsmittel. Sondern auf den optimalen Mix aus Privat- oder (elektrischem) Leihauto, Tram, Eisenbahn und – für den, der's mag –, Fahrrad. Solche Modelle ermöglichen umweltschonendes und zugleich wirtschaftliches Reisen – und im Falle des Elektrofahrzeugs: Verreisen ohne Reichweitenangst, denn das Elektromobil muss ja nicht die ganze Strecke alleine ran. Eine Reise von Hamburg in eine süddeutsche Kleinstadt könnte dann etwa so aussehen: Hamburg–München per ICE, weiter geht’s mit der S-Bahn nach, sagen wir: Freising. Dort steht am Bahnhof das Elektromobil bereit, das den Reisenden über die letzten Kilometer bis zum Bestimmungsort bringt und dort auch für die Dauer seiner Reise die individuelle Mobilität sichert. Klingt simpel, und technisch machbar ist das bereits. Doch noch gibt es keine Möglichkeit für Privatpersonen, eine solche Reise zu organisieren. Das würde den koordinierten und unternehmensübergreifenden Einsatz von IT-Plattformen und Kommunikationssystemen voraussetzen. Datenbanken mit Fahrplänen und Reservierungen, Abrechnungssysteme und Zeitmanagement – all das muss zwischen den Akteuren harmonisiert und sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. Der Trend zu Mobilitätskonzepten ist nicht mehr umzukehren – auch und gerade, weil junge Menschen sich immer weniger ein eigenes Auto vor die Tür stellen. Denn der Kunde will nicht bei Anbieter A die Bahnfahrkarte kaufen, bei Anbieter B das Fahrzeug mieten und vielleicht noch beim Anbieter C das Ticket für die Straßenbahn erstehen – und dann bei jedem Dienstleister einzeln bezahlen. Zeit- und Fahrpläne, Platz- und Fahrzeugreservierungen, Buchungen und Geldtransfer müssen im Rahmen eines One-Stop-Buchungs- und -Bezahlmodells Hand in Hand gehen. Problem eins: Wem gehört der Kunde und wer managt die Kundenbeziehung? Die Bahn, der Car-Sharing-Anbieter, der Fahrradverleiher oder ein neugegründeter Mobilitätsanbieter? Problem zwei: Wer managt das Zusammenspiel der verschiedenen Dienstanbieter und von deren Systemen? Problem drei: Wie sehen die Geschäftsprozesse aus, wer leistet welchen Service, und wie werden die Leistungen abgerechnet? Fragen, auf die die beteiligten Unternehmen noch keine Antworten haben. Auch weil sie dem ein oder anderen nicht schmecken dürften. Hier taucht Problem vier auf: Welchem Automobilhersteller ist daran gelegen, die Kunden nicht mehr selbst zu managen? Trotzdem: Der Trend zu Mobilitätskonzepten ist nicht mehr umzukehren – auch und gerade, weil junge Menschen sich immer weniger ein eigenes Auto vor die Tür stellen. Tendenz drastisch sinkend. So finden sich allenthalben Projektpartner aus Autoindustrie, Wissenschaft und öffentlichem Nah- und Fernverkehr zusammen, um die Verzahnung verschiedener Verkehrsmittel zu modellieren und durchzuspielen. Unterstützung kommt aus der Forschung: Ein Beispiel ist das Projekt I-eMM (Intermodales eMobilitätsmanagement), in welchem unter Federführung des Softwarehauses PTV Group sechs Partner zusammenarbeiten, darunter das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Forschungszentrum Informatik (FZI) und der ÖPNV-Anbieter Rhein-NeckarVerkehr GmbH. »Das Projekt zielt darauf ab, intermodale Angebote zur E-Mobilität zu entwerfen. Dazu gehören neben Bussen und Bahnen auch Leihräder und Segways, ebenso wie Car-Sharing«, erläutert Dr.-Ing. Martin Kagerbauer vom Institut für Verkehrswesen des KIT. Der Plan der Forscher sieht die Einrichtung einer Mobilitätsleitstelle vor, die in die bestehende Betriebsleitstelle der Stadtwerke integriert werden soll. Das Konzept lebt von der engen Verzahnung von Individualverkehr und ÖPNV. Als Tätigkeitsschwerpunkte nennt Kagerbauer die
  23. 23. branchengeflüster 23 it-plattform für vernetzte mobilität Auch der Elektroriese Siemens tüftelt in seiner Division »Infrastructure Cities« an der Informationstechnik für die Vernetzung verschiedener Transportmittel. Benutzern soll die geplante Plattform ein SingleSign-on und eine zentrale Abrechnung für alle genutzten Services bieten. Neben Buchungs- und Reservierungsfunktionen soll das System auf Basis von EchtzeitVerkehrsdaten Routen- und Verkehrsmittelempfehlungen erzeugen. Als Informationsdrehscheibe zwischen den Beteiligten fungiert ein Service-Bus; die für das Billing erforderliche User-Authentifizierung erfolgt über Smartphones. Alle Funktionen liegen unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche. Vernetzt kommt man weiter als nur mit dem Elektrofahrzeug. Intermodale Konzepte sind deshalb stark im Kommen. Modellierung der intermodalen Wege, die Entwicklung eines Geschäftsmodells und die Integration in ein rechnergestütztes Betriebsleitsystem (RBL). Die IT, die all diese Daten und Funktionen bereitstellen soll, muss allerdings erst noch entwickelt werden. Auf Basis modellhaft ermittelter Mobilitätsmuster soll ein Demonstrator mit Buchungs- und Abrechnungsfunktion entstehen, erklärt Thomas Schuster, Abteilungsleiter im Bereich Software Engineering des FZI. Gut möglich, dass diese Funktionen auf Basis einer Service-Oriented Architecture (SOA) und einer Broker-Funktion dargestellt werden – aber die konkrete Softwareimplementierung ist gar nicht der wichtigste Gesichtspunkt. »Weniger die Plattform ist das Neue als vielmehr das Konzept einer vollständigen intermodalen Kette«, so Schuster. Noch offen ist die Behandlung der »letzten Meile«: Wenn der Anwender an seiner Haltestelle aus Zug oder Bus ausgestiegen ist, bietet sich eine unübersehbare Fülle von Möglichkeiten – vom Car-Sharing bis zum (Elektro-)Fahrrad oder zum klassischen Mietfahrzeug. Sie alle gilt es einzubinden. Die öffentlichen Verkehrsmittel spielen jedenfalls eine starke Rolle im WiMobil-Konzept. Sie stellen sogar die Lade-Infrastruktur bereit: Haltestellen für Busse und Tram sollen mit Stromzapfsäulen für die Elektrofahrzeuge und mit der nötigen Bezahl-IT ausgestattet werden. Die Reichweitenangst der Nutzer von Elektrofahrzeugen dürfte das hoffentlich zerstreuen. //
  24. 24. 24 branchengeflüster Crowd-Testing für Apps und Websites DIE MASSE MACHT’S – BESSER Der Schwarm verfügt nicht nur über viel Intelligenz, sondern auch über jede Menge Smartphones und Rechner. Für das »Crowd-Testing« werden sie gebraucht, um Nutzbarkeit und Funktionalität von Apps und Websites umfassend zu überprüfen.
  25. 25. branchengeflüster m 22. Juli 1962 wurde die Venus-Sonde »Mariner 1« fünf Minuten nach dem Start von der NASA per Funkbefehl gesprengt. Durch eine Fehlfunktion der Steuerung hatte die Gefahr bestanden, dass die Rakete unkontrolliert auf die Erde zurückgeflogen wäre. Berichten zufolge hatten die Entwickler einen Strich im FORTRAN-Code vergessen, wodurch die falschen Daten verwendet wurden. Der mit einem Verlust von angeblich 80 Millionen Dollar »teuerste Bindestrich der Geschichte« ist nur ein Beispiel für das Versagen von Software – und die einzige Möglichkeit, das Risiko zu minimieren, sind strukturierte Softwaretests. In den Zeitaltern von Mainframes und Client-Server-Systemen war die Situation noch relativ überschaubar: Die Zielgruppe der Applikation saß im eigenen Unternehmen, die Endgeräte waren bekannt, und das Programm war fertig, wenn es abgenommen war – »Bananen-Software, die beim Anwender reift«. Doch die zunehmende Consumerisierung und Appifizierung der IT führt dazu, dass Software immer schneller und in einer relativ hohen Qualität auf den Markt kommen muss – schließlich basieren vielfach Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse auf den kleinen Anwendungen, und peinliche Schnitzer kann sich ein Unternehmen in der Außenwirkung nicht leisten. Allerdings haben Unternehmen Defizite bei den TestRessourcen, heißt es im aktuellen »World Quality Report« von Capgemini, Sogeti und HP. Zwar testen die Deutschen ihre Apps so intensiv wie kein anderes Land der A Welt, doch klagen die Firmen über fehlende Werkzeuge, Endgeräte und Experten für diese Aufgabe. Den Spagat zwischen hohem Anspruch, schnellen Lösungen und fehlenden Ressourcen soll der Schwarm schaffen – Crowd-Testing heißt das Prinzip. »Wir nutzen die Internet-Community vom Laien bis zum Experten, um Programme auf unterschiedliche Arten zu testen«, erläutert Markus Steinhauser, Mitgründer von Testbirds, einem CrowdTesting-Unternehmen aus München. Im Zentrum stünden Usabilit y und Funktionalität von Apps sowie Websites über PCs, Smartphones und Tablets. Crowd-Testing sei kein Ersatz für interne Entwicklung, interne Prozesse und für Usability-Labore, sagt Steinhauser: »Es ist eine Ergänzung, um die Qualität weiter zu verbessern.« Testspezialisten und Qualitätssicherer sind sich einig: Wenn man genau weiß, was mit Crowd-Testing erreicht werden soll, ist es ein vernünftiger Zusatz. Darunter fallen beispielsweise die Fragen, ob Anwender überhaupt mit der Nutzung der Software zurechtkommen oder ob das System einer Belastung standhält. Zudem deckt Crowd-Testing auch die Vielfalt der Endgeräte gut ab, also Monitore, Browser, Betriebssysteme und -modelle. Nicht verzichten kann man etwa auf strukturierte Plausibilitätstests. Sie müssen unbedingt ausschließen, dass einem Minderjährigen im Internet eine Versicherungspolice verkauft wird – guter Code allein ist hier nicht gut genug. Unbestritten ist, dass der Schwarm Dinge leisten kann, die ein herkömmliches WIE ICH CROWD-TESTER WERDEN KANN 1. Tester registriert sich 2. Tester füllt Profil aus 3. Tester legt die verfügbaren Endgeräte an 4. Tester absolviert Einstiegstest (ohne Kundenauftrag) zur Qualifikation 5. Falls der Tester die gesuchten Profil eigenschaften und / oder Geräte hat, wird er zum Testen eingeladen 6. Kunde gibt Test in Auftrag 7. Testablauf wird entwickelt 8. Tester werden nach Profil ausgewählt 9. Tester testen, geben Feedback und / oder erfassen Bugs 10. Bugs werden (optional für den Kunden) an andere teilnehmende Tester zurückgespielt 11. Der Projektmanager wertet die Ergebnisse aus und verfasst einen Abschlussbericht mit Handlungs empfehlungen 12. Tester können sich ihr Geld über die Plattform auszahlen lassen 25 Projekt überfordern würden. Beispiele sind das quelloffene Betriebssystem Linux oder die Wikipedia, aber auch die Suche nach Vermissten über soziale Netzwerke. Bei der Firma Testbirds erhält jeder Tester bei Aufträgen einen Grundbetrag pro Stunde und eine Prämie pro Fehler, wobei ein kritischer Bug mehr einbringt als ein Rechtschreibfehler. »Pro Woche melden sich rund 100 neue Tester an, derzeit sind mehrere 1.000 auf unserer selbstentwickelten Plattform eingetragen«, sagt Steinhauser. Je nach Testanforderung werden sie eingeteilt in verschiedene Zielgruppen (  »Hausfrauen über 30«, »Studenten«, »Physiotherapeuten«) sowie nach ihrem technischen Background, der Testerfahrung und der verfügbaren Geräte. »Zudem können wir kritische Bugs an viele Tester zurückspielen und erkennen, ob der Fehler systemübergreifend ist und eine höhere Priorisierung braucht«, sagt Steinhauser. Testexperten glauben, dass das Verfahren speziell für Website-Tests und Apps wichtiger wird, weil immer mehr Anwendungen direkt in den Markt geschickt werden. Und selbst bei kostenlosen Marketing-Apps können es sich Unternehmen kaum noch leisten, die Programme ungetestet in die freie Wildbahn zu entlassen und ihren Ruf zu riskieren. So ist Crowd-Testing dann auch keine Bedrohung für traditionelle Softwarekontrolleure, sondern die Möglichkeit, das eigene Produkt vor der Freigabe mit den Anforderungen der späteren Zielgruppe abzugleichen. Schließlich muss der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. // linksammlung mit mehr informationen bit.ly/1650Fqe web-special KLEIN UND GEMEIN Die 10 prominentesten Software-Bugs ferchau.de/read/it132c
  26. 26. 26 inside / events trendence Graduate Barometer 2013 STUDENTEN HONORIEREN NACHWUCHSARBEIT VON FERCHAU Die Ergebnisse des »trendence Graduate Barometer 2013« können sich sehen lassen: Im Vergleich zum letzten Jahr stieg FERCHAU Engineering bei der Frage, welcher Arbeitgeber sich an Hochschulen besonders um Studierende bemüht, auf den 4. Platz (Vorjahr: Platz 7). Damit würdigt der ingenieurwissenschaftliche Nachwuchs das starke Engagement des EngineeringDienstleisters an Hochschulen (Vorjahr: Platz 18, jetzt Platz 13), mit dem das Familienunternehmen dem in Deutschland herrschenden Fachkräftemangel entgegentritt. Bei der »European Engineering/IT Edition« der Studie, für die über 130.000 Studenten befragt wurden, belegte FERCHAU Platz 251 unter den beliebtesten Arbeitgebern in Europa und konnte seinen Rang somit um 60 Plätze verbessern (Vorjahr: Platz 311). weitere informationen Martina Gebhardt Leiterin Unternehmenskommunikation martina.gebhardt @ ferchau.de FERCHAU Freelance TATORT PROJEKTE Freelancer und Kunden, die Vielfalt und Marktführerschaft von FERCHAU Engineering nutzen möchten, finden auf FERCHAU Freelance ihr passendes Projekt und Experten. Profil anlegen, abschicken, und ab geht’s. Vom Requirements-Engineer über den Entwickler bis hin zum Gesamtprojektleiter. Ob Embedded Software oder Business-Applikationen. Freiberuflern und Kunden bietet FERCHAU Freelance gleichermaßen einen Marktplatz für Projekte. »In den vergangenen zwölf Monaten hat sich FERCHAU Freelance als feste Instanz für anspruchsvolle Projekte etabliert. Das spiegeln uns die rasant wachsenden Zahlen von Freelancern und von Projekten, die Kunden bei uns einstellen, wider«, erklärt Konstantin von Witzleben. Leiter Service-Center FERCHAU Freelance. Besonders attraktiv für Interessenten und in der Branche einzigartig ist die Verzahnung des OnlineAngebots mit dem engmaschigen Netz von über 60 FERCHAU-Niederlassungen. Der Vorteil: Die überregionale Suche nach spannenden Aufgaben im Web wird durch persönlichen Service vor Ort unterstützt. »Dank der regionalen Struktur sind wir sehr nah dran an unseren Kunden, stellen Vakanzen nach kurzer Prüfung sofort ins Portal ein und sichern damit eine zeitnahe Besetzung«, ergänzt Witzleben. weitere informationen ferchau.de/go/freelance t FERCH AU tmanagemen serbrief Projek Le THEM A rbach .06.2013 / Aue M / ORT 05 DATU B. Wozniok TEILNEHMER Kontrolleur itartikel »Der be ich Ihren Le agazins geleteresse ha sgabe Ihres M Mit großem In r aktuellen Au h« in de ollumfängliche , dass eine »v wird zum Coac eniger d verstanden t jeman bedeutet. »W sen. Endlich ha ler Probleme die Lösung al rt. Ich kann agie nicht ion« wird prop Spezifikation« r Kommunikat lege ich eientation, meh hen Pr axis pf Dokum betr ieblic en. In meiner elverfehlungen imm bei Zi dem nur zust chungen oder der bei Abwei okumentation n Wer tekanon, sungen. Die D ne sonder n Lö at t zu begr ün igen sucht, ngen ist, anst keinen Schuld trotzdem gega um et w as zeigt auf, w ar nicht. den, w ar um rs. s Projektleite verständnis de liegt im Selbst ative Tätigkeit satz ine oper Ein weiterer An s Grund für se t, ng wird of t al gation zuläss iter Rückdele e Verant wor tu Sein r Projektle de . Viel sehen. Wenn Teil der Lösung im Projekt ge n ms und nicht dern, bewer te Teil des Proble isse einfor ist er letztlich nicht iter die Ergebn diese r Projektle angen, jedoch mehr muss de rrekturen verl mehweichungen Ko klich auch mal dann wir und bei Ab st eine beiten. Gibt es st er ar zuminde cheiden oder unbedingt selb , muss er ents sses des sungsansätze eines Beschlu rere Lö in Form eiführen (z. B. Dies kann er herb wird. Entscheidung ng umgesetzt volviert war. s), welche Lösu erungskreise cht oper ativ in Steu n er selbst ni ktiv tun, wen nur dann obje e Systeme d Elektronisch Ber nd Wozniok , Geschäftsfel ts wesen Leiter Qualitä dr ichshafen AG ZF Fr ie serbriefPM Seite 1 von 1 05.06.2013
  27. 27. inside / events 27 ART OF ENGINEERING 2014 LIQUID SPACE: INNOVATIVE UND KREATIVE »RAUMGESTALTER« GESUCHT! Der FERCHAU-Wettbewerb ART OF ENGINEERING (AoE) geht in die vierte Runde. Das Thema »Liquid Space« ruft neben Künstlern, Ingenieuren, Technikern und Informatikern auch erstmals Architekten auf den Plan. »Liquid Space oszilliert zwischen den starren, vorgegebenen Begrenzungen unserer Mitwelt und den Lebensbedürfnissen einer jungen Generation«, erklärt Prof. Dr. Ulrich Schneider, Kunsthistoriker Art Advice und Mitglied der AoE-Jury. Kurz: Alles fließt. »Berufliche und private Welten verschwimmen, dauerhafte Beziehungen sind selten«, führt Ulrich Schneider aus. Auch Technik und IT sind vom Liquid Space durchdrungen, wie Dr. Patrick Hoyer von der Fraunhofer-Gesellschaft e. V. München deutlich macht: »Pneumatische Prozesse regeln Abläufe und bringen räumliche Veränderungen, in der Adaptronik variieren Materialien unter Einfluss von angelegter Spannung ihre Form, und sensorische Elemente nehmen Raumeigenschaften auf und spiegeln diese wider.« In der IT bieten Modelle wie CloudComputing oder agile Entwicklungsmethoden eine rasche Anpassung von Entwicklung und Kapazitäten an die Bedürfnisse der User und ergänzen oder ersetzen bisherige starre Konzepte. So lassen sich aus der Cloud flexibel Speicher, Rechenkapazitäten oder vollständige Anwendungen hinzubuchen oder auch wieder aufkündigen. Der Wettbewerb: Gestalten Sie Ihre ganz eigene Vorstellung vom Liquid Space. Überzeugen Sie unsere hochkarätige Jury mit Kreativität, innovativen Ideen und originellen Konzepten, Objekten und Installationen. Es lohnt sich: Es winken insgesamt Preisgelder von 20.000 Euro. Die drei Besten des Wettbewerbs werden im Rahmen einer Preisverleihung auf der Hannover Messe ausgezeichnet. anmeldeschluss 30.11.2013 weitere informationen ferchau.de/go/artofengineering hannover messe 2014 07.–11.04.2014 atFERCHAU-Gewinnspiel DAS PASSENDE LICHT ZUR GEMÜTSLAGE Mit der Timeroption und der WLANLampe »Hue« werden Sie künftig ganz sanft geweckt oder sorgen für lauschiges Ambiente beim Rendezvous. Es ist möglich, eine Szene aus einem Bild der Morgensonne zu erstellen und Hue als ganz persönlichen Sonnenaufgang zu gestalten. Abendsonne geht natürlich auch! Die LED-Technologie in den WLANLEDs von Hue kann verschiedene Töne Weißlicht wiedergeben, von warmem gelbem Licht bis hin zu einem lebendigen Blauweiß. Gesteuert wird die Lampe über ein Smartphone – auch von unterwegs. Sie möchten Hue gewinnen und für Atmosphäre sorgen, die zu Ihrer Stimmung passt? Dann loggen Sie sich ein unter: ferchau.de/go/it-gewinnspiel und beantworten Sie folgende Frage: Welche Datenmenge erzeugt ein einziges Flugzeugtriebwerk innerhalb von 30 Minuten? Kleiner Tipp: Aufmerksam den Artikel ab Seite 20 lesen. Einsendeschluss ist der 29.11.2013. Viel Glück! Über den Roboterbausatz Spykee hat sich Herr Günter Axtmann von der Firma Daimler AG, Werk Wörth, gefreut. Herzlichen Glückwunsch! ferchau.de/go/it-gewinnspiel
  28. 28. JETZT ANMELDEN UND LIVE ERLEBEN ferchau.de/go/expedition

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