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Behavioral Finance - Grundlagen für Anleger und Trader

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In dem Artikel geht es um die Frage, ob sich Anleger und Trader rational oder irrational verhalten und welche psychologischen und physiologischen Gründe dies hat. Die typischen Fallen werden aufgezeigt sowie deren Konsequenzen. Zum Schluss folgen einige Tipps für besseres, erfolgreicheres Agieren an der Börse.

Veröffentlicht in: Wirtschaft & Finanzen
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Behavioral Finance - Grundlagen für Anleger und Trader

  1. 1. TRADERS´COVERSTORY Der Schlüssel zu besseren Trading-Entscheidungen Behavioral Finance Die vorherrschende Kapitalmarkttheorie basiert auf der Annahme, dass alle Individuen ein rationales Verhalten an den Tag legen. Dabei wird unterstellt, dass die Nutzenmaximierung im Mittelpunkt des Handelns aller Akteure steht und Entscheidungen stets auf der Basis einer vollständigen Verarbeitung aller wesentlichen Informationen getroffen werden. Dass dem in der Praxis nicht so ist, kann wohl jeder Trader bestätigen. Daher sorgte nicht zuletzt die Finanzmarktkrise für ein Umdenken und machte deutlich, dass die bisherigen Theorien der Realität angepasst und deshalb neu überdacht werden müssen. o Behavioral Finance = Ökonomie + Psychologie Der noch relativ junge Forschungszweig der Behavioral Finance, der Ökonomie mit Psychologie verknüpft, setzt genau hier an. Der Psychologe Amos Tversky legte mit dem späteren Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann die Grundlagen für die verhaltensorientierte Kapitalmarktfor-schung. Die Wissenschaftler machten Verhaltensmuster trans-parent, die bis dahin von den Verfechtern rationaler Entschei-dungen ignoriert wurden. Diese Verhaltensmuster entstehen, weil das logische Denken – insbesondere in Situationen der Unsicherheit – häufig von Gefühlen überlagert und außer 10 August 2012 | www.traders-mag.com Kraft gesetzt wird. Nicht nur für Wissenschaftler, sondern gerade für Anleger und Trader lohnt sich daher ein genauer Blick hinter die Kulissen des menschlichen Handelns. Warum sich der Mensch selbst im Weg steht Zu den wichtigsten Ursachen für das irrationale Verhalten gehören – neben der Gehirnarchitektur selbst – psycho-logische Beweggründe. Zum einen möchte der Mensch seine eigene Lage und die der unmittelbaren Umwelt so gut wie möglich unter Kontrolle halten. Aber weshalb hat der Mensch ein Kontrollbedürfnis? Die Theorie des Kont-rollmotivs geht davon aus, dass jeder Mensch das Bedürfnis hat, sich als Verursacher von Veränderungen seiner Umwelt wahrzunehmen, genauer gesagt: Ein Bedürfnis, der Über-zeugung zu sein, Kontrolle über seine Umwelt und sein Handeln zu besitzen. Hierdurch entsteht das Gefühl der Kompetenz und der eigenen Wertschätzung, was zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls führt. Ein Verlust der Kon-trolle kann dagegen schwerwiegende negative Auswirkun-gen auf das Wohlbefinden haben. Ein typischer Fall beim Trading: Viele Trader – aber auch Analysten – wollen mit aller Gewalt die zukünftige Kursent-wicklung vorhersagen statt einfach dem jeweiligen Markt zu folgen und sich bei Bedarf schnell anzupassen. Dabei sollte jedem klar sein, dass die krampfhafte Suche nach dem Kognitive Dissonanzen Nach fast allen Entscheidungen, bei denen die Wahl zwischen mehreren Alternativen bestand, geraten Menschen in einen Zwiespalt. Dieser entsteht, wenn die Alternative, für die sich die Person entschieden hat, negative Eigenschaften besitzt und die verworfene Möglichkeit positive Merkmale aufweist. Dieser Zustand löst ein unangenehmes Gefühl aus und wird in der Psychologie als „kognitive Dissonanz“ bezeichnet. Die Dissonanztheorie besagt, dass jeder Mensch versucht, Unstimmigkeiten in Wahrnehmung und Denken möglichst schnell zu beseitigen, weil diese ein unangenehmes Gefühl auslösen. Je größer die kognitive Dissonanz ist, desto stärker ist der Drang, sie zu reduzieren. Besteht eine starke emotionale Bindung zwischen Entscheider und der Entscheidung selbst (hohes Commitment), kann ein Rückgängigmachen der Entscheidung unmöglich werden.
  2. 2. TRADERS´COVERSTORY Relativer Gewinn B1) Dispositionseffekt Relativer Verlust Euro Bewertung Die Grafik zeigt, wie der Mensch Wertveränderungen wahrnimmt. Der Bezugspunkt in der Mitte repräsentiert den Einstandskurs. Rechts vom Bezugspunkt zeigt sich eine positive (Gewinnzone), links davon eine negative Bewertung (Verlustzone). Mit zunehmender Entfernung vom Bezugspunkt nimmt die Bewertung eines identischen Geldbetrags ab. Zudem sieht man, dass die Wertfunktion im Verlustbereich steiler als im Gewinnbereich verläuft, Verluste werden also meist stärker bewertet als Gewinne gleicher Höhe. Mit diesem Konzept lässt sich u.a. der Dispositionseffekt erklären. Quelle: TRADERS´ Grafik perfekten Einstieg und Ausstieg unmöglich ist. Und auch gar nicht nötig, um beim Trading Geld zu verdienen. 12 August 2012 | www.traders-mag.com Um dieses Kontrollbedürfnis befriedigen zu können, ist eine Auflösung sogenannter „kognitiver Dissonanzen“not­wendig, die nach einer Entscheidung entstehen können. Diese treten dann auf, wenn der Mensch bemerkt, dass eine getroffene Entscheidung ungünstig war. Ist dies der Fall, lässt sich die Dissonanz auf zwei Wegen verringern: Entweder wird die Entscheidung – in der rationalen Variante – revidiert oder man „korrigiert“ seine Einstellung mittels selektiver Wahrnehmung so, dass die Entscheidung anscheinend nicht mehr im Widerspruch zur Realität steht. Beispielsweise nei-gen Anleger dazu, schlechte Nachrichten zu einer Aktie, die sie im Depot haben, herunterzuspielen, während positive Informationen übergewichtet werden. Vereinfachen und schnell urteilen – Heuristiken Menschen, die sich am Börsengeschehen beteiligen, stehen häufig vor der schwierigen Aufgabe, in kurzer Zeit aus der Menge der Informationen richtige Schlüsse ziehen zu müs-sen. Die Behavioral Finance beschäftigt sich daher intensiv mit der Anwendung von Daumenregeln, den sogenannten „Heuristiken“. Es handelt sich hierbei um einen Automatis-mus, der zur Reduzierung der Komplexität sowie zu einer schnellen – aber in vielen Fällen nicht optimalen – Urteils-findung eingesetzt wird. Dies kann sowohl bewusst als auch unbewusst geschehen. Nachfolgend werden die wichtigsten Heuristiken beschrieben. Mentale Buchführung Mit mentaler Buchführung wird die Gewohnheit des Men-schen bezeichnet, die mögliche Abhängigkeit zwischen den einzelnen in Frage kommenden Engagements und Projekten zu vernachlässigen. Menschen haben daher nicht die Gesamtheit aller Projekte und deren wechselseitigen Auswirkungen im Kopf, sondern führen mehrere separate, sogenannte „mentale“ Konten. Werden zum Beispiel das Engagement in Aktie A und Aktie B (Annahme: Aktien wei-sen keine Korrelation auf) isoliert voneinander bewertet, könnte sich der Anleger aufgrund des hohen Risikos der bei-den einzelnen Aktien dazu entschließen, von einem Invest-ment abzusehen. Dabei übersieht er den Diversifikationsef-fekt und verschenkt mögliche Gewinnchancen. Wie uns Erfahrungen und Zufallszahlen beeinflussen Zur Reduzierung der Komplexität eines Sachverhalts wird auch die Verfügbarkeitsheuristik eingesetzt. So hält ein Anleger, der bereits einen Aktienmarktcrash miterlebt hat, die Wahrscheinlichkeit eines Kurseinbruchs für viel höher als ein Anleger, der bisher keine derartigen Erfahrungen gesam-melt hat. Um schnell zu einem Urteil zu kommen, erfolgt häufig der Rückgriff auf den „Ankereffekt“. So wird die Nei-gung der Menschen bezeichnet, ihre Einschätzungen mit – oftmals willkürlichen und daher falschen – Referenzwerten ihres Gedächtnisses zu verknüpfen. Dies geschieht insbe-sondere dann, wenn bestimmte Informationen nicht sofort eingeordnet und bewertet werden können. Bei Kursprogno-sen dienen meist „runde“ Kursniveaus, Höchst- oder Tiefst-kurse oder das aktuelle Niveau als Anker. So dürfte aktuell Mentale Buchführung Fall A: Herr Mustermann hat eine Theaterkarte zum Preis von 100 Euro erworben. Vor dem Theater angekommen, stellt er fest, dass er die Karte verloren hat. An der Kasse gibt es noch Karten der gleichen Preisklasse. Wird Herr Mustermann eine neue Karte kaufen? Fall B: Herr Mustermann hat sich eine Theaterkarte an der Abendkasse reservieren lassen. Vor dem Schauspielhaus angekommen, stellt er fest, dass er 100 Euro aus seinem Geldbeutel verloren hat. Wird er die Karte kaufen, wenn er noch genügend Geld dabei hat? Aus ökonomischer Sicht sind beide Fälle identisch. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Mehrheit der Befragten im Fall A von einem Theaterbesuch absieht, aber im Fall B die reservierte Eintrittskarte einlöst. Man erkennt an diesem Beispiel, dass durch das Führen zweier separater Konten („Theaterkonto“ und „Geldkonto“) das Entscheidungsverhalten in einer ökonomisch identischen Situation unterschiedlich sein kann. Der Ankereffekt In einem Experiment wurden Probanden befragt, wie hoch sie den prozentualen Anteil der afrikanischen Staaten an den Vereinten Nationen schätzen. Dazu wurden sie in mehrere Gruppen eingeteilt. Vor dem Beantworten der Frage wurde jeder Gruppe eine Zufallszahl zwischen null und 100 präsentiert. Anschließend mussten die Versuchspersonen angeben, ob ihre Schätzung über oder unter der Zufallszahl lag. In einem weiteren Schritt wurden die Teilnehmer des Experiments nach der konkreten Zahl befragt. Hierbei zeigte sich, dass die vom Glücksrad zufällig ermittelte Zahl eine deutliche Auswirkung auf das Resultat hatte: In der Gruppe, bei der die Zufallszahl zehn lautete, betrug die Antwort 25 Prozent. Die andere Gruppe, bei der die Zufallszahl 65 ermittelt wurde, kam auf einen deutlich höheren Wert von 45 Prozent.
  3. 3. TRADERS´COVERSTORY B2a) Trade-Phase 1: Long-Einstieg Nach einem erfolgreichen Pullback an die 6500er Zone leitet der DAX im März 2011 eine dynamische Aufwärtsbewegung ein. Wenige Wochen später wird das letzte Verlaufshoch bei 7442 Punkten geknackt, sodass der Trader am 29. April eine Long-Position bei 7475 Punkten eröffnet. Als Ziel wird der Bereich der 8000-Punkte- Marke angepeilt, ein Stopp für die Position existiert nicht. Quelle: www.tradesignalonline.com B2b) Trade-Phase 2: Breakout mutiert zum Fakeout August 2012 | www.traders-mag.com 13 beim DAX die 6000-Punkte-Marke für viele Anleger im Fokus stehen, obwohl sie aus dem analytischen Betrachtungswin-kel irrelevant ist. Die Orientierung an einem willkürlichen und damit falschen Bezugspunkt verhindert eine neutrale Bewertung und führt daher häufig zu Fehlentscheidungen. Der Ankereffekt ist auch beim täglichen Einkaufen zu beob-achten: Hier dient die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, die meist vom jeweiligen Händler unterboten wird, als Anker für den Kaufinteressenten. Empirische Unter-suchungen zeigen, dass selbst Zufallszahlen die Einschät-zung stark beeinflussen können. Zusammenhänge, die es gar nicht gibt Ein anderes Phänomen zur schnellen Urteilsfindung ist die sogenannte „Repräsentativitätsheuristik“. Repräsentativität lässt sich am einfachsten mit dem Begriff „Schema“ erklären. So hat jeder Mensch eine Vielzahl von Schemata im Kopf, die er sich durch Erfahrungen oder durch Lernen angeeignet hat. Probanden, die beurteilen sollen, welche Folge von Münz-würfen wahrscheinlicher ist – KKKK oder KZZK (K = Kopf, Z = Zahl) – halten meist die letztere Konstellation für wahr-scheinlicher. Statistisch betrachtet handelt es sich jedoch um jeweils unabhängige Ereignisse und die Wahrscheinlichkeit für beide Szenarien beträgt 6,25 Prozent. Da das menschliche Gehirn dafür gemacht ist, Muster intuitiv zu erkennen, führt uns das Denksystem oft in die Irre. So ist zu beobachten, dass Menschen Wahrscheinlichkei-ten von repräsentativen Ereignissen überschätzen. Ebenso häufig werden empirische und kausale Zusammenhänge überbewertet beziehungsweise auch dann gesehen, wenn gar keine vorhanden sind. Letzteres kann mit dem eingangs beschriebenen Kontrollbedürfnis in Verbindung gebracht werden. Per Saldo zeigt sich, dass die Anwendung von Heu-ristiken häufig zu Fehleinschätzungen und zu nicht optima-len Entscheidungen führt. Renditekiller Nummer Eins: Der Dispositionseffekt Neben den aufgeführten Heuristiken spielt die Tatsache, dass Menschen stets relativ bewerten, eine große Rolle innerhalb der Behavioral Finance und erklärt damit zahlreiche Verhal-tensanomalien. Beispielsweise belegen Studien, dass die meisten Menschen lieber in einer Umwelt leben würden, in der sie 100 000 Euro besäßen und der Durchschnitt der Bevölkerung nur 50 000 Euro, als in einer Umwelt, in der sie 200 000 Euro, alle anderen aber noch mehr, nämlich 300 000 Euro hätten. Die relative Wahrnehmung und Bewertung hin-terlässt auch beim Investorenverhalten deutliche Spuren. Jeder Anleger hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er Aktien, die über die Jahre hohe Kursgewinne verzeichnet haben, zu früh verkauft hat und diejenigen, die von Tief zu Tief dümpeln, immer noch besitzt. Selbst erfahrene Investo-ren laufen immer wieder in die gleiche Falle. Woran liegt das? Die Wissenschaft erklärt dieses Verhalten so: Für den Anleger fungiert der Einstiegskurs als Bezugspunkt und defi-niert damit die Gewinn- und Verlustzone. Fällt der Kurs unter den Einstandswert, fällt der Verkauf des Wertpapiers des-halb so schwer, weil Gewinne und Verluste nicht gleich stark empfunden werden. Verluste wiegen schwerer als Gewinne. Der Reflection-Effekt Es stehen folgende Alternativen zur Auswahl: Fall A: Sicherer Gewinn von 1000 Euro Fall B: Gewinn von 2000 Euro mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit Die Mehrheit wählt A und verhält sich damit risikoavers. Bei einer Wiederholung des Versuchs mit umgekehrten Vorzeichen – es stehen 1000 Euro sicherer Verlust oder 2000 Euro Verlust mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit zur Auswahl – werden die Probanden überraschenderweise risikofreudig und wählen die letztgenannte Alternative. Grund: Der unsichere Verlust wird subjektiv weniger negativ bewertet als der sichere Verlust in Höhe von 1000 Euro. Die Freude nach dem Einstieg in die Long-Position währt nicht lange. Nach einem kurzen Sprung auf 7600 Punkte dreht der DAX wieder gen Süden. Der Trader befindet sich nunmehr im Minus und wird nervös. Als der Leitindex wieder an der 7000-Punkte-Marke nach oben dreht, keimt aber wieder Hoffnung auf, sodass der Trader weiter an der Position festhält. Quelle: www.tradesignalonline.com
  4. 4. TRADERS´COVERSTORY 14 August 2012 | www.traders-mag.com Verlustbereich zeigt die abnehmende Sensitivität zunächst die gleiche Wirkung: Der Ärger über den ersten Euro Verlust ist am höchsten und nimmt dann immer mehr ab. Dies hat fatale Folgen, denn mit jedem weiteren Abgleiten in die Ver-lustzone gewinnt der Faktor Hoffnung an Bedeutung – meist mit negativem Ausgang. Die Bilder 2a bis 3b zeigen den Dis-positionseffekt in der Praxis: Verluste werden laufen gelas-sen und Gewinne begrenzt. Total irrational: Der Reflection-Effekt Eine höchst irrationale Verhaltensform, die sich aus der abnehmenden Sensitivität gegenüber Wertveränderungen ergibt, ist der Reflection-Effekt. So ist hinsichtlich riskanter Alternativen zu beobachten, dass sich die Entscheider beim Übergang von Gewinnen zu Verlusten genau umgekehrt und damit in höchstem Maße irrational verhalten. Das Bei-spiel aus dem Infokasten soll dies im Detail verdeutlichen. Hinterher ist jeder klüger Nachdem die wichtigsten „Rationalitätsfallen“ dargestellt wurden, stellt sich nun die Frage nach der Umsetzbarkeit in der Praxis. Gerade an der Börse zeigt sich nämlich, dass immer wieder aufs Neue klassische Fehler begangen wer-den. Zum Beispiel ist der sogenannte „Rückschaueffekt“ oft zu beobachten. Fragt man heute beispielsweise einen Inves-tor, Analyst oder Wissenschaftler, ob er den Dotcom-Crash oder die Finanzkrise vorausgesehen hat, dürfte die Antwort sehr häufig mit einem Kopfnicken bejaht werden – auch wenn die damalige Einschätzung komplett daneben lag. Woran liegt das? Hand aufs Herz: Keiner gibt gerne zu, wenn er falsch lag. Die Gefahr dieser Neigung liegt vor allem in der Überschätzung. Wer glaubt, er habe in der Vergangenheit vieles richtig prognostiziert, wird dies fälschlicherweise auch von der Zukunft annehmen. Ein Lerneffekt kann sich folglich nicht einstellen. Professionelle Trader und vor allem diejenigen, die es werden wollen, kommen daher nicht um ein Trading-Tage-buch herum. Erst mit dem Führen eines Journals, das alle Parameter der Trades enthält und damit die Basis für eine umfassende Fehleranalyse darstellt, lässt sich die Perfor-mance so richtig erhöhen. Überlisten Sie sich selbst Die Behavioral Finance zeigt, dass das Verhalten der Markt-teilnehmer alles andere als vollständig rational ist. Emotionen und Erfahrungen spielen eine große Rolle. Die Rationalitätsfal-len – zum Beispiel das Anwenden von Heuristiken, das relative Bewerten und das Streben nach Dissonanzfreiheit – stehen im klaren Gegensatz zur Theorie des Homo Oeconomicus und machen klar, dass erst die Zusammenführung von Finanz- und Sozialwissenschaft zu einem besseren Verständnis über die Finanzmärkte beiträgt. Der einzelne Anleger kann von den Erkenntnissen ebenfalls profitieren; denn wer typische Ver-haltensfehler bei sich selbst erkennt, kann seine eigenen Ent-scheidungen verbessern. Gleichzeitig kann man die durch das Fehlverhalten anderer entstehenden Ineffizienzen nutzen. Der Contrarian-Ansatz, also das „Schwimmen gegen den Strom“, wird am Kapitalmarkt oft mit einer Als die 7000-Punkte-Marke beim vierten Test unterschritten wird, kommt es zu einer Verkaufslawine, die den Index bis September um rund 2000 Punkte einbrechen lässt. Der Trader missachtet selbst glasklare Verkaufssignale und bleibt in der Long-Position, weil die Hoffnung auf einen Turnaround mit jedem weiteren Absturz größer wird, die Verluste aber immer weniger wahrgenommen werden. Ein klassischer Fall des Dispositionseffekts, der zeigt, dass ein Absicherungsstopp und ein Trading-Plan das A und O beim Trading sind. Quelle: www.tradesignalonline.com B2c) Trade-Phase 3: DAX-Crash So ärgern wir uns über einen Verlust von X Euro mehr, als wir uns über einen Gewinn von X Euro freuen. Anfängliche Kurs-gewinne sorgen für Freude beim Anleger, die Intensität des positiven Gefühls nimmt jedoch mit dem weiteren Anstieg der Buchgewinne nur noch unterproportional zu. Bei zwi-schenzeitlichen Rückschlägen steigt daher die Tendenz deutlich an, den Gewinn – meist zu früh – mitzunehmen. Im Die Flaggen-Formation bei der Apple-Aktie liefert Anfang Juli 2011 ein Kaufsignal. Der Trader eröffnet am 7. Juli folglich eine Long-Position bei 355 Dollar und freut sich über den schnellen und dynamischen Anstieg in den Folgemonaten. Als die Aktie im Bereich der 426-Dollar-Marke zweimal nicht mehr weiterkommt und mit einer Inselumkehr reagiert, entscheidet sich der Trader am 10. November für einen Ausstieg bei 391 Dollar – ganz nach dem Motto: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“. Der Trade generiert damit einen Gewinn von zehn Prozent. Quelle: www.tradesignalonline.com B3a) Long-Einstieg und Sicherheitsverkauf
  5. 5. TRADERS´COVERSTORY August 2012 | www.traders-mag.com 15 überdurchschnittlichen Rendite belohnt, insbesondere dann, wenn Extreme wie Gier und Panik zu beobachten sind. Die Aktienmarktentwicklung im Jahr 2009 bietet sich hierzu als exzellentes Beispiel an. Per saldo gilt: Je neutra-ler und rationaler eine Entscheidung getroffen wird, desto besser – auch wenn wir uns der Tatsache hingeben müs-sen, dass wir auch in Finanzfragen wohl niemals vollständig rational handeln werden. Die nachfolgenden Tipps sollen Anlegern und Tradern helfen, ihre Performance nachhaltig zu verbessern: • Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Informatio-nen und analysieren Sie diese genau. • Nachrichten, die schnell und einfach greifbar erscheinen, sind auch für andere leicht verfügbar. Die Gefahr, dass diese bereits in die Kurse eingeflossen sind, ist daher hoch. • Wenn Sie eine Meinung zu einem bestimmten Markt oder Wertpapier haben, versuchen Sie Menschen zu finden, die eine konträre Sicht haben. Marktteilnehmer, die Ihren Analysen zustimmen, haben häufig die gleiche Position wie Sie selbst und sind daher alles andere als neutral. • Lassen Sie sich nicht von „Stimmungsmache“ ablenken, sondern treffen Sie Ihre eigene Entscheidung. • Sorgen Sie für eine ausreichende Diversifikation Ihrer Anlagen. • Gehen Sie diszipliniert vor. Setzen Sie sich bereits vor der Transaktion Kauf- und Verkaufsziele. Eine gute Trade- Planung leistet hierbei wertvolle Dienste. • Behalten Sie das große Bild im Auge, anstatt auf jede gerade verfügbare Neuigkeit zu reagieren. • Vermeiden Sie Entscheidungen, die von Panik oder Euphorie getragen werden. • Erkennen Sie eigene Fehler und sehen Sie diese als Chance an, daraus zu lernen. n Bereits wenige Tage nach dem Verkauf der Apple-Aktie kommt es zu einer massiven Rallye, die den Titel binnen weniger Monate von 363 Dollar auf über 600 Dollar katapultiert. Der Trader, der nun realisiert, dass er zu früh ausgestiegen ist, bereut seine Entscheidung; er schafft es aber nicht mehr, auf den fahrenden Zug aufzusteigen. Zu frühe Gewinnmitnahmen lassen sich – ebenso wie das Laufenlassen von Verlusten – anhand des Dispositionseffekts erklären. Quelle: www.tradesignalonline.com B3b) Die Rallye geht weiter David Pieper verfügt über das Analystendiplom CIIA und beschäftigt sich seit Ende der 1990er Jahre mit dem Thema Börse. Schon während seines BWL-Studiums und seiner späteren Tätigkeit als Investmentanalyst bei einer Bank verknüpfte er die Fundamentalanalyse mit den Vorzügen der Technischen Analyse. Pieper konzentriert sich auf den Handel mit CFDs und ist als freier Autor im Bereich Kapitalmärkte tätig. Weitere Informationen finden Sie unter www.trade4life.de. Kontakt: david.pieper@traders-mag.com David Pieper

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