Aber hallo! - Martin Lehmann

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Vorwort von Bänz Friedli

Veröffentlicht in: Unterhaltung & Humor
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Aber hallo! - Martin Lehmann

  1. 1. Kolumnen Vorwort von Bänz Friedli Cosmos Verlag
  2. 2. Martin Lehmann Aber hallo! Kolumnen Vorwort von Bänz Friedli Gastkolumne von Achim Parterre Cosmos Verlag
  3. 3. Alle Rechte vorbehalten © 2014 by Cosmos Verlag, CH-3074 Muri bei Bern Lektorat: Roland Schärer Umschlag: Stephan Bundi, Boll Satz und Druck: Schlaefli & Maurer AG, Interlaken Einband: Schumacher AG, Schmitten ISBN 978-3-305-00377-8 www.cosmosverlag.ch Inhalt Bolzgredi i Gring use 7 Hundespazierfahrt 11 Aber hallo! 13 Mehr und statt oder 15 Zum Glück 17 Wir Zweitklasschristen 19 Nachgetragen 21 Rettet der Akkusativ! 23 Feng-Judihui 25 Emmentaler Gastfreundschaft 27 Klüger mit dem Flüger 29 Fussball sei Dank 31 Merci, Ricardo! 33 Was mich angeht 35 Ich bin ein Ausländer 37 Tierisch schwierig 39 Ich putze, also bin ich 41 Alle ausschaffen! 43 Das Recht auf die Krise 45 Alles Private ist politisch 47 Downsizing 49 Lebt, wer sich wehrt, verkehrt? 51 Die Wut im Ranzen 53 Vorsätzlich 55 Mensch Margot 57 Fragen Sie Anna! 59 Augenblick 61 Rossöpfle 63 Martha Lehmann-König 65
  4. 4. 7 Wir Affen 67 Stop the shoppers 69 Die Welt spinnt 71 heute keine kolumne 73 «Schön, dass Sie da sind» 75 Jetzt oder nie 77 Auf grossem Fuss 79 Carni-, Omni- und Herbivore 81 Kommt! Nicht! Infrage! 83 Party. Pisse. Politik? 85 Mut zum Arschloch 87 Ihr sollt es einmal besser haben! 89 Verlässlichkeit 91 www.familienkrach.it 93 Was muss man wissen? 95 Wenn es ist, wie es war 97 … und versteht die Welt nicht mehr 99 Rechnen mit Rioja 101 Gut ausgegangen 103 Catwalk unter der Kanzel 105 Gute Lehrer, schlechte Lehrer 107 Der Verriss 109 Kinderträume 111 Persönliche Shortlist der Lebensweisheiten 113 Im Zweifel gegen den Angeklagten 115 Die Sache mit dem Heiland 117 Meine Tochter im Rotlichtviertel 119 Mit herzlichen Grüssen! 121 Wenn das Leben ein Roman wäre 123 «Ömu nume nüt Grosses» 125 Bänz Friedli, Achim Parterre 127 Bolzgredi i Gring use Ein Vorwort von Bänz Friedli Der Mann ist grossartig! Wie er in seiner allerersten Ko- lumne zunächst die für Kolumnisten heiklen Bevölkerungs- gruppen aufzählte – diejenigen, die reflexartig Kampfleser- briefe verfassen –, allen voran die Frommen und die Hundehalter, und dann bolzgredi ins Verderben steuerte, weil er es gleich zum Auftakt just mit den Hündelern auf- nahm und geradeheraus schrieb, wie saublöd er es finde, einen Vierbeiner mit dem Vierradantrieb zum Verlüften zu fahren … Einfach grossartig. Der Kniff war, wie er dann den lokalen «Hundeversäuberungstourismus» auf die glo- bale Klimaerwärmung hochrechnete. Denn macht nicht dies eine gute Kolumne aus: wenn es gelingt, die kleine Welt zu beschreiben und damit die grosse zu meinen? Mar- tin Lehmanns Kolumnen sind gut. Sehr gut. Eigentlich kennen wir uns gar nicht persönlich, der Leh- mann und ich. Wir mailen, schreiben uns zuweilen. Und das kam so: Mein Schwiegervater brachte mir vor einigen Jah- ren einen Ausriss aus der «Wochen-Zeitung für das Em- mental und Entlebuch» mit, überschrieben mit «Die Wut im Ranzen», es war kurz nach dem dummdreisten Volks-Ja zum sogenannten Minarettverbot; Lehmann schrieb: «Das Volk hat zwar entschieden, aber es hat nicht immer recht.» Und ich schrieb ihm, wenn ich mich recht erinnere, eine Karte, auf der ich zu seiner sackstarken Kolumne gratulier- te und zu seiner Zivilcourage. Denn das braucht es, Zivilcourage, um so etwas in Langnau zu schreiben, wo – ich habe nachgeschaut – die überwiegende Mehrheit von 1858 Personen dem Minarett- verbot zugestimmt und sich nur 1236 dagegen aufgelehnt haben.
  5. 5. 8 9 In der «Weltwoche» pointiert rechts, in der WoZ pointiert links zu schreiben, braucht keinen Mut. Aus einem Zürcher Redaktionsloft hinter Glasfassade in szenigen Kolumnen die Hausfrauen auf dem Lande anzufeilen mit ihren «rassi- gen» Gidor-Frisürchen, auch das braucht keinen Mut: Wer es tut, muss nur urbanen Freitag-Taschen-Trägern gefallen und wird besagten Hausfrauen nie begegnen. Aber im Lokalblatt! Wer dort wettert, begegnet denjeni- gen, gegen die er gewettert hat, noch am gleichen Tag. Im «Löwen», am Bahnhofkiosk, am Hockeymatch. Gewiss, auch Zuspruch wird er ernten; vor allem aber stellt er sich dem Widerspruch. Das ist ohnehin eine Qualität des Em- mentals, wie ich es kennengelernt habe: Man redet die Din- ge z Bode, man geht sich nicht aus dem Weg. Mit Texten wie «Die Wut im Ranzen» exponiert einer sich, im Emmental. Ich habe den Schwiegerätti dann beauftragt, mir künftig alle Kolumnen dieses Lehmann herauszureissen. Denn mir gefällt, wie er das Private mit dem Politischen verknüpft. «Alles Private ist politisch», schrieb er im Juni 2009, und ich halte dies für den wichtigsten Leitsatz über- haupt. Er mag démodé sein, deplatziert ist er nie. Weil alles, was wir im Alltag tun und lassen, immer auch die Gesell- schaft betrifft. Welches Rüebli wir im Laden kaufen oder eben nicht – es ist ein politischer Akt. Aus dieser Warte schreibt Lehmann. Er ist das Gegenteil von achtlos, er ach- tet sich, wie man im Berndeutschen sagt, er notiert das scheinbar Nebensächliche, verdichtet es zu träfen Senten- zen wie: «‹Hallo› ist keine Anrede, sondern eine Ausrede.» Lesen Sie dieses Buch! Es wird Ihnen guttun. Martin Lehmann bekennt, «ein Linker und trotzdem ein rechter Mensch» zu sein. Will heissen: einer, der das Herz auf dem rechten Fleck trägt. Wie er vom Familientisch in die grosse Welt schweift, wie er das Badezimmer mit Fuku- shima verbindet, wie er sich selber als Gutmenschen und «Christen zweiter Klasse» verhöhnt und dann doch einem Frommen, der sich über seine, Lehmanns, mangelnde Frömmigkeit echauffiert, entwaffnend entgegnet, dass man fürs Zusichkommen kein Gotteshaus brauche, all dies ist so gut, weil es so echt ist. Lehmann gibt einem im besten Sinn zu denken; nachzudenken darüber, zum Beispiel, was Glück sei. Ein bisschen kulturpessimistisch ist er und dann doch wieder nicht, ein bisschen bildungsbürgerlich und dann doch nicht. Er steht zu seinen Unentschiedenheiten, zum schwierigen Alter auch – aber ists nun sein schwieriges Al- ter oder das der Kinder? Beides, natürlich. Hier schreibt einer mit Menschenverstand statt Ideologie und vor allem: mit Menschenliebe. Er hat sie gern, selbst seine Hündeler, seine Stündeler, er hat den Mut, die Menschen zu mögen. Und ihnen gerade deshalb die Meinung zu sagen. Wenn ich das lese, vermeine ich ihn zu kennen. Denn man erkennt sich selbst wieder, etwa, wenn man von Büchern liest, die man im Grunde nicht mag, sie aber doch nicht fortwirft, sondern in den Keller verbannt (und sie, in meinem Fall, schon dreimal gezügelt hat). Wie gesagt, den Lehmann «Tinu» kenne ich nicht per- sönlich. Aber wenn ich ihn mal treffe, muss ich ihn unbe- dingt fragen, ob er wirklich mit T. C. Boyle ein Bier getrun- ken habe.
  6. 6. 11 Hundespazierfahrt Es gibt exakt vier Themen, mit denen sich Journalisten nur höchst ungern befassen – weil sie sich daran garantiert die Finger verbrennen und sich haufenweise Leser oder Hörer­ innen auf die Füsse getreten oder ins Bockshorn gejagt vor- kommen und deshalb entweder einen bitterbösen Brief schreiben oder am Telefon ultimativ mit dem Chefredaktor verbunden werden wollen. Es sind dies folgende Themen: Religion, Ausländer, Homosexualität und Hundehalter. Ich möchte in meiner ersten Kolumne gern über Hunde- halter schreiben. Ich darf das, denn erstens landen allfällige Reaktionen nicht bei mir, sondern bei der Redaktion, zwei- tens bin ich von dieser explizit ermuntert worden, zum Bei- spiel «ärgerliche Beobachtungen aus dem Alltag» aufzu- greifen, und drittens bin ich selber Hundehalter und also tendenziell mitgemeint. Hunde haben ja einen gravierenden Nach- und einen ent- scheidenden Vorteil. Der Nachteil besteht darin, dass man jeden Tag zweimal mit ihnen spazieren gehen muss, auch bei Wind und Wetter, und der Vorteil besteht darin, dass man jeden Tag zweimal mit ihnen spazieren gehen muss, auch bei Wind und Wetter. Man muss raus, und das hält fit – raus in den Wald, in die Natur, in die abwechslungsweise mit Feinstaub oder Ozon gesättigte frische Luft. Womit wir beim Thema wären: Gassigehen heisst näm- lich für viele Hundehalter in Langnau – und nicht nur in Langnau – zuerst einmal Gassifahren. Bevor man über- haupt den ersten Schritt tut, packt man den Vierbeiner in die «Car Safety Box» und kurvt dann hinauf zum Giebel- wald, zu den Dürsrütitannen, auf die Hohwacht oder ge- gen Riegenen, sodass es dort an einem hundskommunen

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