Wenn das Glück missglückt

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Alle Menschen wollen glücklich sein, aber die wenigsten sind es. Lebensglück ist Typsache, denn jeder Mensch tickt anders. Je nach Typ stellt uns das Leben individuelle Unglücksfallen bereit – aber auch typgerechte Glücksstrategien. Ob wir das Glück oder das Unglück wählen, liegt an uns.

Der Ängstliche versagt, weil er sich nicht traut. Der Waghalsige verspielt alles, weil er unvorsichtig ist. Der Beständigkeitstyp bleibt in einer unerträglichen Situation, weil ihm das gewisse Unglück lieber ist als das ungewisse Glück. Das alles geschieht unbewusst. Doch um ein erfülltes Leben zu führen, brauchen wir Bewusstheit über uns und darüber, warum wir so sind, wie wir sind.
Mit praktisch umsetzbaren Erfolgsstrategien und Tipps erfahren Sie, wie Sie den Misserfolg verhindern, warum wir trotz allen Glücks so unzufrieden sind und was Sie dagegen machen können, um endlich ein gelingendes Leben führen zu können.

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Wenn das Glück missglückt

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  4. 4. ImpressumSusanne KleinhenzWenn das Glück missglücktWarum wir so ticken, wie wir ticken1. Auflage 2011© BusinessVillage GmbH, GöttingenBestellnummernISBN 978-3-86980-107-0 (Druckausgabe)ISBN 978-3-68980-108-7 (E-Book, PDF)Direktbezug unter www.businessvillage.de/bl/851Bezugs- und VerlagsanschriftBusinessVillage GmbHReinhäuser Landstraße 2237083 GöttingenWeb: www.businessvillage.deLayout und Satz Sabine KempkeAbbildung Umschlag Abby, http://deutsch.istockphoto.com/Illustrationen im Buch Dipl.-Designerin Anna Lucia Sobiech, Boston;Anna_Sobiech@gmx.deDruck und Bindung AALEXX Buchproduktion GmbH, GroßburgwedelCopyrightvermerkDas Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertungaußerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlagesunzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikro-verfilmung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle indiesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von dem Autor nach bestemWissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages. Erübernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtig-keiten. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw.in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme,dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zubetrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.
  5. 5. InhaltÜber die Autorin ......................................................................51. Einleitung ...........................................................................72. Wenn das Glück missglückt. Acht Geschichten ...................... 13 2.1 Mordsmäßig erfolgreich: Beruflich Profi – privat Amateur ... 15 2.2 Nur noch eine kleine Eroberung ..................................... 20 2.3 Spieglein, Spieglein an der Wand: Narzissten lieben 2.3 weniger ..................................................................... 25 2.4 Talent alleine reicht nicht: Wenn die Selbstsabotage zum 2.4 Karrierekiller wird ........................................................ 32 2.5 Betrogen: Lebenslügen machen krank ............................. 38 2.6 Recht haben oder glücklich sein: Besserwisser sterben 2.6 einsam ....................................................................... 48 2.7 Angst ist niemals ein guter Ratgeber: Keine Zeit für 2.7 Bedenkenträger ........................................................... 54 2.8 Weiber sind doof: Oh Grobian, warum bist du kein 2.8 Romeo? ...................................................................... 613. Allgemeine Anleitung zum Glücklichsein ............................. 69 3.1 Die Kunst, die eigene Bestimmung zu finden .................... 73 3.2 Die Kunst, sich selbst treu zu bleiben und ein wahrhaftiges 3.2 Leben zu führen .......................................................... 83 3.3 Die Kunst, mit dem zufrieden zu sein, was ist: 3.3 Carpe diem ................................................................. 86 3.4 Die Kunst, die richtige Beziehung zu haben oder 3.4 alleine zu bleiben ........................................................ 87 3.5 Die Kunst, ein glücklicher Romantiker zu werden .............. 90 3.6 Die Kunst, nicht perfektionistisch zu sein ........................ 92 3.7 Die Kunst, sich nicht für Besitz zu versklaven ................... 93 3.8 Die Kunst, sich dem Leben hinzugeben ............................ 95 3
  6. 6. 4. Wie Sie leichter Ihr Glück finden. Die acht typgerechten4. Glücksformeln ................................................................... 97 4.1 Glück und Unglück der Karrieristen ............................... 100 4.2 Glück und Unglück der Abenteurer ................................ 105 4.3 Glück und Unglück der Narzissten ................................. 110 4.4 Glück und Unglück der Lebenserotiker ........................... 116 4.5 Glück und Unglück der Heile-Welt-Bewahrer ................... 122 4.6 Glück und Unglück der Besserwisser .............................. 130 4.7 Glück und Unglück der Bedenkenträger .......................... 136 4.8 Glück und Unglück der Krieger ..................................... 1425. Fazit: Die Kunst, dem Leben Sinn zu geben ........................ 1494
  7. 7. Über die Autorin
  8. 8. Susanne Kleinhenz verbindet als Akademieleiterin, Trainerin, Coach, Autorin und Vortragsred- nerin fachliches Know-how im Versicherungs- und Marketing- bereich mit fundierter Erfahrung aus Verkauf und Psychologie.Das derzeitige Jahrhundert ist geprägt von Veränderungen.Das besondere Anliegen von Susanne Kleinhenz ist es, Men-schen auf diese immer schneller werdenden Veränderungenund Neuerungen im Arbeits- und Privatleben vorzubereiten.Sie ist davon überzeugt, dass sich jeder Einzelne mit demWandel auseinandersetzen sollte. Bewahren und Festhaltensind keine guten Strategien für diese Zeit. Die Zukunft gehörtdenen, die Spaß am lebenslangen Lernen, der Selbstreflexionund dem Umgang mit Veränderungen haben.Susanne Kleinhenz ermöglicht Menschen einen nachhaltigenZugang zu sich selbst und anderen. Sie weiß, dass Menschenvon ihren Sehnsüchten und Hoffnungen gelenkt werden. Sieversteht es, mit viel Freude, Humor und EinfühlungsvermögenLeser und Zuhörer darin zu ermutigen, neue Wege zu gehen undihre Persönlichkeit selbst zu gestalten. Sie ist eine lebendigeRednerin, die ihre Zuhörer durch ihre tiefgründigen und dabeihumorvollen Einsichten zu einem Perspektivenwechsel einlädt.Ihr Credo lautet:„Ein glücklicher Mensch ist auch ein erfolgreicher Mensch.“KontaktWeb: www.susanne-kleinhenz.deE-Mail: susanne.kleinhenz@t-online.de6
  9. 9. 1.Einleitung
  10. 10. „Unsere wahre Aufgabe ist es, glücklich zu sein.“ Dalai LamaAlle Menschen streben nach Glück. Warum das so ist, wissenwir nicht. Wir ahnen es nur, es fühlt sich einfach besser an,glücklich zu sein als unglücklich. Und doch, wenn wir Men-schen fragen, ob sie glücklich sind oder ob sie mit ihrem Le-ben zufrieden sind, dann kommt in den seltensten Fällen einklares „Ja“.Fragt man einen 30-jährigen Menschen, so erzählt diesermeist, was er noch alles in seinem Leben vorhat, welche Zieleer sich gesteckt hat und mit welchen Strategien er sie errei-chen will. Der 30-Jährige weiß, dass er zum Beispiel Familiehaben möchte, in seinem Job noch viel weiterkommen will,die Welt bereisen und sich irgendwann in einem eigenen Hauszur Ruhe setzen möchte.Fragt man einen 45-Jährigen, so hört man dann schon häufigdas, was bis zu diesem Zeitpunkt nicht funktioniert hat undwelche Ziele er trotzdem noch hat. Je mehr negative Erfahrun-gen ein Mensch dabei in der Vergangenheit gemacht hat, destoweniger optimistisch wird er sein, dass es sich doch noch zumGuten wendet. Trotzdem fällt auf, dass fast alle Menschen, dieman nach dem Glück fragt, davon reden, was sie in der Zu-kunft machen wollen, und von dem, was in der Vergangenheitschiefgegangen ist.Bei einem 70-Jährigen sieht man ganz deutlich an seinen Ge-sichtszügen, ob er ein geglücktes Leben geführt hat oder ober verbittert auf ein Leben zurückblickt, in dem das Glückmissglückt ist.8
  11. 11. „Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 Jahren zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich.“ George Bernard ShawGlück hat also nichts mit Reichtum oder Erfolg zu tun – unddoch streben die meisten Menschen genau dies an oder sindmit dem Thema Geld beschäftigt. Wenn es doch nachgewie-sen ist, dass Geld nicht glücklich macht, warum ist es für unsMenschen dann ein so ungeheuer wichtiges Thema? Geradedie Sorge um Geld, ihre Karrieren und ihren Besitz hält vieleMenschen von ihrem Glück ab.Vielleicht stimmt es gar nicht, dass Menschen ernsthaft nachGlück streben, vielleicht haben sie in ihrem Unbewussten jaein kleines Teufelchen, das ihr Glück systematisch verhindert,und deswegen missglückt das Glück so vielen.Aber was genau ist überhaupt ein geglücktes Leben?Schlagen wir einmal bei einigen bekannten griechischen Phi-losophen nach: Bei all den folgenden Überlegungen geht esnicht um das Zufallsglück und auch nicht um diese seltenenGlücksmomente. Es geht um die Summe des Glücks am Endeeines Lebens. Es geht um ein geglücktes Leben, was noch einbisschen mehr ist – finde ich – als nur ein glückliches Leben.Ein glückliches Leben hat Freude und Spaß gemacht, hatteweniger Schmerzen als Freuden. Ein geglücktes Leben beant-wortet zusätzlich noch die Antwort nach dem Sinn. Wer eingeglücktes Leben geführt hat, der weiß am Ende, wofür allesgut war. Er hat seine Bestimmung im Leben gefunden unddanach gelebt. 9
  12. 12. Aristoteles meinte dazu, Glück sei das, was der Mensch um sei-ner selbst willen anstrebt, und nicht, um etwas anderes damitzu erreichen. Für ihn war Glück die Folge eines tugendsamenLebens. Damit meinte er ein Leben, in dem alle Talente aus-geschöpft wurden. Er meinte aber auch, das Glück fände eherin der ausbalancierten Mitte als in den Extremen statt.Epikur hingegen definierte Glück als die Abwesenheit vonSchmerz und Bedürftigkeit. Die Medizin hat sich heute dieserGlücksdefinition bemächtigt und meint, es genüge, die Men-schen zu heilen, um sie glücklich zu machen. Vielleicht aberverhält es sich genau umgekehrt und Menschen müssen erstglücklich sein, um eine Krankheit zu besiegen.Seneca und die Stoiker meinten, dass lediglich die Einflüssevon außen das Glück stören, welches dem Menschen innewoh-ne. Sie empfehlen daher, sich mit stoischer Ruhe gegen dieUmwelt zu wehren.Glück, behaupte ich, ist Typsache. Jeder Mensch tickt anders,und jeden Menschen machen unterschiedliche Dinge glücklichoder unglücklich. Menschen werden mit bestimmten Stärken,Schwächen, aber auch Verhaltensmustern geboren, und so be-geben sie sich in ihrem Leben auf eine kleine Heldenreise, inder es darum geht, das ganz persönliche kleine oder großeGlück zu finden.Einigen wenigen gelingt das – den meisten legen sich Hinder-nisse in den Weg, oder sie legen sich diese Hindernisse selbstin den Weg. Sei es, dass sie den falschen Partner heiraten,einen Beruf wählen, der sie nicht erfüllt, oder einfach nichtmit dem zufrieden sind, was sie gerade haben. Wenn sie amMeer sind, wären sie lieber in den Bergen, wenn es regnet,10
  13. 13. wünschen sie sich Sonne, wenn es heiß ist, wünschen sie sich,es wäre kühler. Frauen fühlen sich zu dick, Männer nicht ge-nügend in ihrer Leistung gewürdigt. 11
  14. 14. 2.Wenn das Glück missglückt.Acht Geschichten
  15. 15. Im Folgenden wird in acht verschiedenen Geschichten erzählt,wie bestimmte Situationen missglücken. Die Geschichten be-ziehen sich auf acht sehr typische Denk- und Handlungswei-sen von Menschen.Wie in dem Kreis zu sehen ist, handelt es sich hier um Ext-remtypen, wie Karrieristen, Abenteurer, Narzissten, Lebens-erotiker, Heile-Welt-Bewahrer, Besserwisser, Bedenkenträgerund Krieger.14
  16. 16. In Kapitel 4 (ab Seite 97) wird dann jede einzelne Geschichteanalysiert. Es wird erklärt, warum die Typen so sind, wie siesind. Anhand der verschiedenen Missglückungsstrategien kön-nen Sie, liebe Leser, Ihre eigenen Strategien beleuchten undzukünftig ein glücklicheres Leben führen. Es ist eigentlichganz einfach, die eine oder andere Unglücksstrategie durcheine Glücksstrategie auszutauschen. Meist muss man nur mitlieb gewordenen Gewohnheiten aufhören oder den Mut auf-bringen, die großen Lebenslügen aufzudecken, um die eigeneWahrhaftigkeit zu finden.Sie können also entweder erst alle Geschichten lesen und danndie anschließenden Tipps oder nach jeder Geschichte die Ana-lyse auf der angegebenen Seite nachschlagen. Auch das istwieder Typsache.2.1 Mordsmäßig erfolgreich: Beruflich Profi – privat Amateur„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Søren KierkegaardArthur griff sich an die schmerzende Stelle.In letzter Zeit kniff und piekte es ständig inseinem Brustkorb. Den Schmerz ignorierend nahmer sich die Auftragsbücher seiner Unternehmensbe-ratung vor und machte den Einsatzplan seiner 45Berater für die neuen und bestehenden Aufträge.Es lief zurzeit nicht ganz so gut wie in den letz-ten Jahren. Er hatte nach seinem BWL-Studiumund einem längeren Auslandsaufenthalt die Be- 15
  17. 17. ratungsfirma seines Vaters übernommen. Nach 15 Jahren un-unterbrochener Akquise hatte er mit seinen 52 Jahren dasBeratungsvolumen verdoppelt, und das, obwohl er nur einDrittel mehr Berater beschäftigte. Wer bei McKilly and Youngarbeiten wollte, musste, genau wie er selbst, alles geben. SeinVater war stolz auf ihn. Endlich hatte er es geschafft, vonihm Anerkennung zu bekommen. In seiner Jugendzeit war ihmimmer sein älterer Bruder vorgezogen worden, bis dieser dannvon seinem Studienaufenthalt in Australien nicht mehr zu-rückkam. Statt den väterlichen Betrieb zu übernehmen, zog esFlorian vor, dort eine Surfschule zu übernehmen und sich einlockeres Leben zu machen. Florian war immer viel leichtlebigerals Arthur gewesen und trotzdem hatte der Vater ihn vorgezo-gen. Als er dann eines Tages aus Sydney anrief, um mitzuteilen,dass er nicht mehr zurückkommen werde, da schlug Arthursgroße Stunde. Er versprach dem Vater, dass er selbstverständ-lich die Firma übernehmen und alles dafür geben würde, siezu der renommiertesten Beraterfirma Münchens zu machen.Kurz nach der Firmenübernahme heiratete er seine langjährigeFreundin, Elisabeth, und sie bekamen einen Sohn. Daniel warnun 14 Jahre alt, leider sah er seinen Vater wenig, denn vor21 Uhr war Arthur selten zu Hause und auch an den Wochen-enden arbeitete er. Viele der Aufträge begleitete er selbst, umganz sicherzugehen, dass sie auch gut abgewickelt wurden.Manchmal glaubte Elisabeth, Arthur würde sie betrügen. Aberwenn sie dann sah, wie abgearbeitet er war, und da er auch beijedem Anruf zu später Stunde im Büro an den Apparat ging,verwarf sie den Gedanken wieder. Manchmal wünschte sie, erwürde sich ihr mehr öffnen. Er erzählte zwar immer sehr vielvon seinem Job, aber kaum etwas davon, wie er sich fühlte,was ihn bewegte. Manchmal dachte sie verstimmt, dass ihn garnichts mehr bewege, außer den Zahlen in seiner Bilanz. Warumarbeitete er so viel? Es ging ihnen doch sehr gut. Das große16
  18. 18. Haus gehörte ihnen, die drei Autos, die Penthouse-Wohnungin Berlin und die Finca auf Mallorca, in der sie meist alleinemit ihrem Sohn die Ferien verbrachte. Elisabeth machte sichSorgen um Arthur. Er machte fast nie Urlaub und sah immerschlechter aus. Wenn er sie doch einmal auf einer Reise beglei-ten sollte, hing er die ganze Zeit am Telefon oder an seinemNotebook. Er konnte einfach nicht aufhören zu arbeiten. Abernun stand ja in einer Woche der Sommerurlaub an, und siewürde mehr darauf achten, dass er dieses Jahr nicht so vielarbeitete und sich auch einmal entspannte.Als Arthur mit der Einteilung seiner Berater fertig war, machteer sich auf, um noch bei einer Vernissage eines potenziellenneuen Kunden vorbeizuschauen. Es war bereits 20:30 Uhr. DerEinladende war der Geschäftsführer einer großen Kaufhaus-kette in München und wollte seinen Laden neu strukturieren,um die Servicequalität zu verbessern und gleichzeitig durchVerschlankung der Prozesse Personalkosten zu sparen. DasDurchführen von Unmöglichkeiten war Arthurs Spezialität. Erwollte diesen Auftrag unbedingt haben, denn dann würde ernoch vier weitere Berater anstellen können und den Umsatztrotz der schlechteren Wirtschaftslage erhöhen. Er hatte inall den Jahren keinen Umsatzrückgang gehabt und sah es alspersönliche Niederlage, wenn er dieses Jahr einen Rückgangverbuchen müsste. Auf der Vernissage angekommen, kam HerrSchicking, der Geschäftsführer, gleich mit einem Glas Cham-pagner auf ihn zu. Er bat ihn, sich erst ein wenig umzusehenund auf ihn zu warten, damit sie alles in Ruhe besprechenkönnten, sobald die Großzahl der Gäste gegangen war. Arthursah sich die Bilder an, aber zu Kunst hatte er keinen großenZugang. Er rief seine Frau an, um ihr zu sagen, dass es späterwerden würde. Sein Sohn ging ans Telefon und wollte ihm et-was über sein Fußballspiel in der Schule erzählen, aber dafür 17
  19. 19. hatte er jetzt keinen Sinn und verlangte nach seiner Frau.Daniel gab enttäuscht den Hörer weiter.Nach eineinhalb Stunden lichteten sich die Gäste und HerrSchicking bat Arthur in sein geräumiges und geschmackvolleingerichtetes Büro. Er eröffnete ihm mit großer Geste, dasser und seine Mitgesellschafter sich dazu entschlossen hätten,ihm den Auftrag zu geben. Das Ganze hätte allerdings zur Be-dingung, dass er, Arthur selbst, die Beratung der Führungs-kräfte und die Konzeption übernehme. Arthur schluckte, zumeinen freute er sich riesig über den Auftrag, zum anderenwusste er aber auch, dass er selbst diese Kapazitäten kaumaufbringen konnte. Trotzdem sagte er zu, dann musste er ebenden diesjährigen Urlaub ganz absagen und noch die eine oderandere Nachtschicht einlegen. Auf die Frage, wann er begin-nen solle, antwortete Herr Schicking, indem er ihm noch einGlas Champagner reichte: „Gleich kommenden Montag, wirwollen doch keine Zeit verlieren.“ Arthur stimmte zu und bei-de unterschrieben den bereits vorbereiteten Dienstleistungs-vertrag. Auf dem Nachhauseweg wusste Arthur, dass ihm eineschwierige Auseinandersetzung mit seiner Frau bevorstand.Elisabeth reagierte erwartungsgemäß mit großem Protest undVorwürfen, dass er sie und Daniel immer mehr vernachlässigenwürde und ob ihm überhaupt noch etwas an seiner Familieläge. Frauen würden wohl nie verstehen, dass Männer dochüberhaupt nur wegen der Familien so viel arbeiteten. Aberdavon wollte sie nichts wissen und drohte ihm, ihn eines Ta-ges zu verlassen. Das hatte sie schon oft getan – aber sie warnach 15 Jahren immer noch da, und so nahm er sie auch die-ses Mal nicht ernst. Er empfahl ihr, eine Freundin mit auf dieFinca einzuladen und sich dort zusammen mit ihrem Sohn eineschöne Zeit zu machen.18
  20. 20. Danach ging er ins Bett, um am nächsten Morgen wieder frischim Büro zu sein. Eine Woche sprachen sie nur sehr wenig mit-einander. Elisabeth und Daniel flogen alleine nach Mallorca.Arthur war ganz froh darüber, konnte er doch in den sechsWochen, in denen die beiden nicht da sein würden, so lan-ge arbeiten wie er wollte – ohne sich Vorwürfe anhören zumüssen. So vergingen drei Wochen, er kam gut mit dem Auf-trag voran. Er hatte sich optimal organisiert, arbeitete von7 Uhr morgens bis 21 Uhr abends, und so schaffte er es, allenAnforderungen gerecht zu werden. Er bedauerte es, nur nochwenig Zeit für Sport zu haben, und da seine Frau nicht für ihnkochte, achtete er auch überhaupt nicht auf seine Ernährung.Aber er ackerte und ackerte. Mit seiner Frau und seinem Sohntelefonierte er ein Mal täglich, um zu hören, dass alles in Ord-nung war. Nach seinem letzten Telefonat ging er zu einemwichtigen Meeting. Auf dem Weg dorthin verschlang er nocheinen Donut und einen Coffee-to-go. Er hoffte, dass das flaueGefühl im Magen und das Herzpochen verschwinden würden.Als er in sein Auto stieg, um zu dem wichtigen Meeting zufahren, wurde ihm auf einmal schwarz vor Augen und er fielmit dem Kopf auf die Hupe. Eine Stunde später erhielt seineFrau aus einem Münchner Krankenhaus die Nachricht, dass ihrMann einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte und sich aufder Intensivstation befand. Arthur hatte nur gerettet werdenkönnen, weil sich zufällig ein Arzt in dem Parkhaus befand, indem er zusammengebrochen war, der durch das Hupen auf ihnaufmerksam geworden war.Wenn Sie die Glücks- und Unglücks-Strategien der Karrieristeninteressieren, lesen Sie weiter auf Seite 100. 19
  21. 21. 2.2 Nur noch eine kleine Eroberung „Viele Menschen versäu- men das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten.“ Pearl S. Buck Alex dachte nach. Dieses An- gebot konnte sie doch gar nicht ablehnen. Vor ihr lag das Schreiben von EXCLUSIV-WELTREISEN. … wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie von den 25 engeren Bewerbern aus ins- gesamt 350 Bewerbern diejenige sind, für die wir uns entschieden haben … Wir sind sicher, dass genau Sie wegen Ihrer Erfahrung, abervor allem wegen Ihrer Persönlichkeit die Richtige sind, unsereneuen Urlaubsklubs in Afrika und Asien einzurichten.Unglaublich, sie hatte sich dort nur so zum Spaß beworben.Die Stelle erschien ihr spannend, und so hatte sie einfach se-hen wollen, wie weit sie kam. Sie schickte ihre Bewerbung abund machte anschließend das Assessment-Center mit – nurso zur Übung. Das Job-Interview lief ebenfalls sehr gut, undtrotzdem hätte sie nicht gedacht, dass sie die Stelle bekom-men und sich alles so schnell entwickeln würde. Warum solltesie denn auch ihre alte Stelle aufgeben wollen? Sie war docheigentlich ganz glücklich mit ihrem Leben, so wie es geradewar, oder doch nicht?20
  22. 22. Nach dem Touristikstudium und einigen wechselnden Jobs warsie schon seit zwölf Jahren bei einem Reiseveranstalter mitSchwerpunkt Europa beschäftigt. Die ersten acht Jahre hat-te sie in allen Urlaubsklubs, erst als Animateurin, dann alsAbteilungsleiterin und zum Schluss sogar als stellvertretendeKlubdirektorin gearbeitet. Danach war sie nach Deutschlandzurückgekommen und hatte den Marketingbereich übernom-men. Sie lebte in Hamburg, verdiente gut, und hatte sichgerade wieder einen kleinen Freundeskreis aufgebaut. Eine Be-ziehung hatte sie auch schon seit über zwei Jahren. Markuswar Banker, ein seriöser, anständiger, gut aussehender Mann.Er wollte gerne Familie und sie war in einem Alter, wo sienicht mehr ewig warten konnte. 37! Kinder – Familie – Markus,wollte sie das?Anscheinend nicht, wenn sie sich so beobachtete, wie ihr dieFreude aus jedem Knopfloch sprang, wenn sie daran dachte,dass sie schon bald wieder in der Welt unterwegs sein konnte.Diese neue Aufgabe ermöglichte ihr, ein eigenes Urlaubs- undVermarktungskonzept zu erstellen und dann drei neue Klubseigenständig danach einzurichten. Sie wäre Klubdirektorin fürdie Einführungsphase und würde hier schon ihren Nachfolgereinarbeiten, der ihr zunächst als Stellvertreter zur Seite ste-hen würde. Sobald ein Klub lief, würde sie sich zum nächstenaufmachen. Sie würde wieder die unglaubliche Sonne in derSteppe Südafrikas sehen, die Strände und Granitfelsen derSeychellen und die wunderbare Schönheit Balis. Denn genauda sollten die drei neuen Klubs sein: 2011 Afrika, OkavangoDelta, danach Seychellen und dann Bali. Man plante circa einJahr pro Klub ein. Wenn sie zurückkam, wäre sie 40, das warwohl eindeutig zu spät für Kinder. Sie zuckte mit den Schul-tern, im Grunde war es das jetzt auch schon. Sie schob denGedanken beiseite und blätterte in den Unterlagen, die der 21
  23. 23. Reiseveranstalter mitgeschickt hatte. Man konnte schon guterkennen, wie weit der Klub in Afrika war. Mit hoher Professio-nalität fiel ihr auf, was bei der Konzeption der Hotelanlage al-les nicht bedacht worden war, und sie begann eine Skizze mitÄnderungsvorschlägen anzufertigen. Wenn sie das gleich mit-teilte, konnte man es noch verändern, und sie würde es dannleichter haben, wenn sie mit den ersten Gästen vor Ort war. Sieschrieb mit Feuer und Flamme, bis das Klingeln ihres Handyssie aus der Arbeit riss. Es war ihr Freund Markus, der in vor-wurfsvollem Ton fragte, wo sie denn bliebe. Er warte schon seiteiner Stunde bei den gemeinsamen Freunden auf sie. Das hattesie im Eifer des Gefechts total vergessen, und im Grunde woll-te sie auch viel lieber diesen Entwurf zu Ende bringen – aberdas ging dann wohl doch zu weit, hatten die Freunde dochextra gekocht. Sie versprach sofort zu kommen und schwangsich zehn Minuten später in ein Taxi. Dort angekommen, um-armte sie ihre Freunde, ein nettes Pärchen, das letztes Jahrgeheiratet hatte, und küsste Markus auf die Wange. Die Knut-scherei in der Öffentlichkeit mochte sie nicht, überhaupt warihr zu viel Nähe nicht recht. Sie aßen und sprachen von allemMöglichen, vor allem aber erzählte das frisch vermählte Paardavon, wie sehr es sich auf sein Baby freue. Alex gähnte, siehatte gar nicht gewusst, dass Barbara schwanger war. Die Fra-ge, wie es denn nun um sie beide stand, blieb natürlich nichtaus. Markus erzählte zum hundertsten Mal die Geschichte, wieAlex seinem Drängen nach Heirat und Familie immer wiederauswich. Alex wollte früh gehen. Sie hatte morgen viel zu tunund das Gerede über Familie und Kinder langweilte sie un-gemein. Markus brachte sie noch nach Hause, er empfand sieheute als noch unruhiger als sonst und wollte mit ihr reden.Alex ließ noch schnell die Unterlagen des Reiseunternehmensin die Schublade wandern. Sie hatte keine große Lust, mit ihmzu schlafen, aber noch weniger wollte sie mit ihm reden. Zu22
  24. 24. Beginn ihrer Beziehung war sie verrückt nach ihm gewesen, eswar fast kein Tag vergangen, an dem sie nicht übereinanderhergefallen waren. Inzwischen aber hatte sie mehr und mehrihre Leidenschaft für ihn verloren.So war es aber im Grunde immer gewesen. Sie liebte es, sichfrisch zu verlieben, die ersten Dates, das erste Mal, die ers-te Reise. Nach ein bis zwei Jahren, je nach Intensität, wennsich Routine einschlich, wurde es Alex zu anstrengend und zubieder. Einmal hatte sie eine Affäre mit einem verheiratetenMann gehabt, sie trafen sich heimlich in allen Ländern dieserWelt. Diese Beziehung hielt länger, denn die Routine blieb aus.So richtig glücklich war sie mit ihm natürlich auch nicht ge-worden, hatte sie sich doch immer als Nummer Zwei gefühlt.Eine Positionierung, die für Alex auf Dauer nicht annehmbarwar. Wenn sie jetzt aber auf Markus blickte, der da etwas un-beholfen im Sessel saß, dachte sie, dass es damals doch aufre-gender gewesen war. Sie erschrak über ihre eigenen Gedanken,doch sie war keine Frau, die sich selbst lange etwas vormachte.„Was ist los, Alex?“, fragte Markus sie eindringlich.„Ich gehe weg und baue in Afrika und Asien neue Klubho-telanlagen mit einer speziellen Reiseidee für Singles auf. Ichhabe das Assessment-Center bestanden – als einzige von 350Bewerbern. Ich werde morgen kündigen und sehen, dass ichso schnell wie möglich bei EXCLUSIV-WELTREISEN anfangenkann. Den Vertrag habe ich schon.“Markus sah sie entsetzt und ein wenig verächtlich an. „Dassagst du mir einfach so. Du hast nicht einmal erzählt, dassdu dich beworben hast, geschweige denn, dass du ein Vorstel-lungsgespräch hattest. Was wird aus uns? Ich dachte, dir wärees ernst. Aber nein, Alex, dir ist es ja nie wirklich ernst. Wenn 23
  25. 25. es ernst wird, dann läufst du weg. Es ist dir doch klar, dass dasdas Ende unserer Beziehung ist. Wie kannst du so egoistischsein und mich einfach vor vollendete Tatsachen stellen? Wirhätten das miteinander besprechen können.“„Ich dachte doch auch nicht, dass ich den Job bekomme“, er-widerte sie etwas kleinlaut. „Aber jetzt, wo ich ihn habe, mussich diese Chance ergreifen. Das würde ich mir nie verzeihen, soeine Chance nicht genutzt zu haben. Ich habe dort völlig freieHand im Aufbau von drei Klubanlagen in ganz unterschied-lichen Landschaften.“„Du hast bei all dem nicht einmal an uns gedacht, stimmt´s?“„Markus, das muss doch erst mal gar nichts mit uns zu tunhaben. Wir können telefonieren, skypen. Ich muss auch be-stimmt oft nach Hamburg und du kannst mich dort besuchen.Das ist doch kein Problem.“„Nein, Alex, für dich ist alles kein Problem, du packst deineKoffer und wanderst von einem Leben in das nächste – ohneRücksicht auf Verluste oder die Gefühle anderer. Ich sehe dasanders. Für mich heißt Partnerschaft, die Dinge des Lebens ge-meinsam zu planen und zu beschließen. Aber du weißt genau-so wenig, was Planung ist, wie du weißt, was Partnerschaft ist.Leb wohl, Alex. Alles Gute“, sagte er und ging zur Tür hinaus.Alex blieb allein zurück. Als sie einen Anflug von Reue undTrauer empfand, warf sie ganz schnell ihren Laptop an undarbeitete weiter an ihren Ideen. Sie würde Markus schon wie-der zurückerobern und wenn nicht, würde es einen anderenMann geben. Männer waren nie Mangelware in Alex‘ Leben.24

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