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1.„Management by …“ –Führen auf Rezept
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2.Im Hohlspiegel –Kleiner Mann ganz groß
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3.Wie ich mir so ich dir –Was wir mir wert sind
Cool sein ist heute alles. Ich sehe Boss-Anzüge neuester Look, Sonnenbril-len im Winter, gegelte und gefärbte Haare, Smart...
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Sie haben schon viele Management-by-Methoden ausprobiert und Seminare für Führungskräfte besucht? Gebracht haben Ihnen diese üblichen Gaukeleien und Methoden vermutlich nichts. ICH, DU, WIR – Beziehungen zwischen Menschen und ein respektvolles Miteinander funktionieren eben nicht im Zwangskorsett. Jeder hat sich selbst als Führungskraft zu (er-)finden – eine grundlegende wie spannende Entwicklung.

Eine Erkenntnis, die für viele Führungskräfte zu spät kommt. Denn in vielen Führungsetagen bietet die dünne Luft einen hervorragenden Lebensraum für Flachflieger. Der Autor Jörg Steinfeldt ist eine erfahrene Führungskraft und macht in einer einzigartigen Mischung aus bissigem Humor und Einblicken in die Wirren der Führungsetagen deutlich, welche Ansprüche an heutige Führungskräfte gestellt werden.

Dieses Buch ist eine Denkanleitung fürs Management. Ein Buch für Führungskräfte und all jene, die es werden wollen.

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  4. 4. Jörg SteinfeldtWas Sie schon immer über Führung wissen wollten …… und was davon bereits in Ihnen steckt1. Auflage 2012© BusinessVillage GmbH, GöttingenBestellnummernISBN 978-3-86980-156-8 (Druckausgabe)ISBN 978-3-86980-157-5 (E-Book, PDF)Direktbezug: www.BusinessVillage.de/bl/874Bezugs– und VerlagsanschriftBusinessVillage GmbHReinhäuser Landstraße 2237083 GöttingenTelefon: +49 (0)5 51 20 99–1 00Fax: +49 (0)5 51 20 99–1 05E–Mail: info@businessvillage.deWeb: www.businessvillage.deLayout und SatzSabine KempkeIllustration auf dem UmschlagArt-Y, istockphotoDruck und BindungAALEXX Buchproduktion GmbH, GroßburgwedelCopyrightvermerkDas Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertungaußerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlagesunzulässig und strafbar.Das gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung und die Einspei-cherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.Alle in diesem Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden von dem Autor nachbestem Wissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages.Er übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrich-tigkeiten.Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesemWerk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solcheNamen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachtenwären und daher von jedermann benutzt werden dürfen.
  5. 5. InhaltDer Autor......................................................................................... 51. „Management by …“ – Führen auf Rezept...................................... 72. Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß......................................133. Wie ich mir so ich dir – Was wir mir wert sind...............................214. Mit Menschen sein – Freundschaftlich führen.................................535. Frauen, Männer, Teams – Wie zusammenarbeiten? .........................656. Schneller, höher, weiter – Leistung ohne Doping............................857. Quoten gegen Zoten – Frauen sind keine besseren Männer............1018. Von Verkäufern, Bleistiftanspitzern und Autarken – Wie Sie Führungskraft werden....................................................1099. Kavalierstart? – Gute Führungskräfte starten langsam..................12910. Wer will was? – Was will ich?...................................................141Anhang.........................................................................................149Literatur.......................................................................................164 Inhaltsverzeichnis |3
  6. 6. Der AutorJörg Steinfeldt ist Volljurist und arbeitet bei einem internationalen Spe-zialversicherer. Er ist seit zwanzig Jahren Führungskraft. Mit Frau und dreiKindern lebt er im selbst entwickelten Haus in Hamburg.Kontakt:E-Mail: joerg-steinfeldt@t-online.de Der Autor |5
  7. 7. 1.„Management by …“ –Führen auf Rezept
  8. 8. „Sie möchten eine gute Führungskraft werden? Ganz einfach, nehmen Siediese Pille und alles wird gut.“ Nach diesem Motto gibt es Ratgeber wieSand am Meer. Sie nennen sich „Management by … “, „Zehn Schritte undSie sind ein toller Chef!“ oder „Eine Minute und alles ist erledigt“. Ich habedazu drei Kommentare:• Die großen Versprechen auf schnellen Erfolg mit minimalem Aufwand sind reiner Quatsch.• Die Art und Weise, wie diese Rezepte verkauft werden, grenzt an Körperverletzung.• Der einzige Sinn, den diese „Werke“ enthalten, ist, damit Geld zu verdienen.Zu führen bedeutet menschliche Beziehungen gestalten zu können. Das istkomplex und, ja, auch nicht immer einfach. So ist das mit vielen Bezie-hungen, zum Partner, zu den Kindern, den Freunden, den Verwandten. Diehaben Sie auch nicht einfach nur so, da müssen Sie tun und machen, dagibt es Höhen und Tiefen, Probleme und Augenblicke des Glücks. Für vie-le verschiedene Aufgaben und Anforderungen benötigen Sie verschiedeneFähigkeiten und Eigenschaften. Dafür gibt es weder das eine Rezept nochdas eine Wundermittel aus der Tüte.Regelmäßig mussten Tiere herhalten, um den Mann auf Manager zu trim-men. Der Tierschutzbund sollte das unterbinden. Ob Pinguine, Bären,Mäuse, tote Fische, gerne wird uns wie Kindern eine fabelhafte Geschichtegeboten, es fehlt nur noch der Animationsfilm zum Buch. Jetzt habendie Verlage eine neue Stufe gezündet, um das Aufmerksamkeitsdefizit zubekämpfen: „hassen“, „Rache“, „irre“ und „Arschloch“ muss im Titel undroter Faden im Buch sein. Wahrheitskörnchen werden aufgeblasen undüberzogen, um zu unterhalten. Da sehe ich mir lieber gleich Die nackteKanone an. Als könnten und wollten Führungskräfte keine sachlichenBücher mehr lesen.8 | „Management by …“ – Führen auf Rezept
  9. 9. Immer wird ein Prinzip oder eine Strategie angepriesen. Sie haben richtiggelesen – ein! Sie müssen schon durch ein ganzes Buch durch, um dieneue Erkenntnis zu gewinnen, die alles andere als neu ist, zum Beispielbanal: Veränderungsbereitschaft ist gut, vor allem dann, wenn Veränderun-gen anstehen, was ja gerne mal der Fall ist. Bei einer Erkenntnis pro Buchsollten Sie, um möglichst viel zu lernen, möglichst viele Bücher lesen. EinSchelm, wer darin finanzielle Interessen der Buchbranche sieht.Es spricht nicht für Vorgesetzte, wenn sie solche Bändchen kaufen undmeinen, dadurch besser zu werden. Wer glaubt, seine Katze in der Wasch-maschine gewaschen und in der Mikrowelle wieder trocken zu bekommenund deshalb für die Hinweise in der Bedienungsanleitung dankbar ist –okay. Aber bei hinreichender Schul- und Weiterbildung – dazu zähle ich injedem Fall das Abitur, egal, in welchem Bundesland gemacht, und ein abge-schlossenes Studium an einer deutschen Fachhochschule oder Universität– sollte mehr Gier nach Inhalt und Befriedigung des Intellekts vorhandensein. Sie jedenfalls sollten sich das wert sein. Fallen Sie nicht auf Effekt-hascherei herein, erwarten Sie eine solide Grundlage, um eine authentischeund zeitgemäße Art und Weise guter Führung entwickeln zu können.Zwar ist der Inhalt der meisten aktuellen Bücher lau – aber noch schlimmerist „Flasche leer“. Haben Sie mal Ihren Vorgesetzten gefragt, was er unterMitarbeiterführung versteht? Welche Grundsätze er hat, was er damit errei-chen will und wie er das machen will? Erschreckend wenige Vorgesetztehaben sich jemals mit ihrer zentralen Aufgabe, Menschen zu führen, auchnur irgendwie beschäftigt. Jüngere Vorgesetzte scheinen darin oft so etwaswie ein Abenteuer zu sehen, das schon irgendwie zu meistern sein wird.Hauptsache das Einzelzimmer hat viele Fenster, der Schreibtisch ist ausEchtholz und der Designerstuhl hat eine Wippmechanik. Das Gros lang-jähriger Vorgesetzter sieht sich als „gestanden“ an, besucht gelegentlicheintägige Pflichtseminare zu speziellen Themen wie „Konflikte meistern“.Die werden aber nur mäßig ernst genommen, weil die „Psychotante“ jadoch keine Ahnung von der Praxis hat. Es wird weitergemacht wie bisher. „Management by …“ – Führen auf Rezept |9
  10. 10. Leider werden Führungskräfte auch wenig an das Thema Mitarbeiterfüh-rung herangeführt. Vorgesetzte von Vorgesetzten interessieren sich fürUmsatz, Kosten, Stückzahlen, Organisation und Ziele, aber nicht, wie derMitarbeiter „seine Leute“ führt. Deutsche Vorgesetzte orientieren sich anihren fachlichen Aufgaben, sie stellen nicht die Mitarbeiter in ihren Fokus.Vorgesetzte machen den besten Sachbearbeiter zum Vorgesetzten, das gibtSicherheit, dass die fachlichen Aufgaben richtig erledigt werden. Es fehltihnen an Interesse und Menschenkenntnis, gute zukünftige Führungs-kräfte auszuwählen und an diese Aufgabe heranzuführen. Sie geben ihmStandardseminare, schenken ihm ein schmales lustiges Bändchen, sieheoben, und alles ist gut. Ansonsten lassen sie sich nur einschalten, wenn esernsthafte Probleme gibt.Übrigens stellen sich auch sehr wenige Mitarbeiter Fragen zum Thema Füh-rung: Was erwarte ich als Mitarbeiter, wie möchte ich geführt werden? Wieerlebe ich meine Führungskraft, was macht die Person gut, was macht sieschlecht? Damit ist nicht gemeint, den einen oder anderen Artikel aus demHandelsblatt, in dem es meist um Fehler und Defizite von Vorgesetztengeht, zustimmend mit einer Prise Ironie in Umlauf zu bringen. Die meistenMitarbeiter sehen ihren „Chef“ Tag ein Tag aus als gegeben. Seine Kompe-tenz als Führungskraft wird vom Mitarbeiter nur im konkreten Konfliktzum Thema gemacht. Doch oft genug geht es selbst in solchen Situationennur um eben diesen konkreten Konflikt. Dahinter liegende Grundsätze undMotivationen, die das Handeln des Vorgesetzten bestimmt haben, werdennicht angesprochen. Dabei könnte auch der Mitarbeiter zum Vorteil beiderSeiten viel für eine gute Zusammenarbeit tun, hätte er nur ein besse-res Verständnis von seinem Vorgesetzten und eine eigene Idee davon, waser unter Führung versteht und von Führung erwartet. Beziehungen sindkeine Einbahnstraße.Wann ist Frau und Mann nun eine gute Führungskraft, worauf kommt esan? Auf die Führungskraft selbst, also auf Sie! Sie sind die Führungskraft,Sie müssen führen. Sie stehen im Fokus, alles Tun und Lassen geht von10 | „Management by …“ – Führen auf Rezept
  11. 11. Ihnen aus. Sie müssen sich als Führungskraft selbst erfolgreich einsetzen.Das Prinzip Zufall mag dem Kommissar im Tatort helfen, Sie sollten dieerfolgreiche Bewältigung Ihrer Aufgabe gezielt angehen. Sie sollten wis-sen, wie Sie sind, welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Kenntnisse Siehaben. Sich selbst kennenlernen zu wollen führt zu der fundamentalenFrage: „Wer bin ich?“ Die Suche nach dieser Frage, möglichst viele Hinweisezu erkennen und sich selbst anzuerkennen, das ist die Grundlage, um einegute Führungskraft zu sein. Das ist sehr theoretisch? Nein, das ist dieWirklichkeit, das Leben, das sind Sie. Das klingt schwierig und aufwendig?Vielleicht, aber es ist garantiert sättigender als sich mit fabelhaften Tier-geschichtshäppchen abspeisen zu lassen.Noch eine Anmerkung: Haben Sie bei dem Wort „führen“ keine gemisch-ten Gefühle, denken Sie nicht gleich an den Führer A. Hitler. Die ewigenBedenken, das Wort „führen“ mit seiner Bedeutung sei in Deutschland eineVokabel non grata, sind nicht hilfreich. Der Missbrauch einer Sache machtnicht die Sache schlecht, sondern der Missbrauch und die Täter sind zuverurteilen. Bevor Pauschalargumente gebracht werden, sollte immer dieSache beleuchtet werden. Erstens stellt sich die Frage, ob geführt werdensoll, gar nicht. Geführt wird immer! Führen heißt jemanden anleiten, esbraucht also zwei Personen, den Führenden und den Geführten, der aufden Führenden reagiert. Diese Abhängigkeit der beiden Personen vonein-ander ist immer gegeben. Auch wenn der Führende nichts tut, das totaleLaissez-faire walten lässt, wird der Geführte darauf in irgendeiner Weisereagieren. Er kann ebenso nicht „nicht reagieren“ wie der Führende nicht„nicht führen“ kann. Zweitens kann die Aufgabe „Führen“ nicht abgege-ben werden. Eine Sache, sei es ein Unternehmen oder eine Maschine, kannMenschen nicht führen, das muss schon ein Mensch, eine Führungskraftmachen. Drittens kommt es immer auf das „Wie“ an. Wie ist der MenschFührungskraft, wie sind die Menschen Mitarbeiter, wie gestalten die Men-schen ihre Beziehungen zueinander. Sowohl diese Beziehungen gezielt zuschaffen als auch sie positiv zu erleben kann sehr schön sein. „Management by …“ – Führen auf Rezept | 11
  12. 12. 2.Im Hohlspiegel –Kleiner Mann ganz groß
  13. 13. „Was bin ich?“ präsentierte Robert „Welches Schweinderl hätten S’ denngern?“ Lembke zwischen 1955 und 1989 in der ARD. Im „heiteren BerufeRaten“ ging es um seltene oder skurrile Berufe, das Thema an sich ist fürjeden Beruf wichtig. Wir fragen uns immer, „was“ wir und unsere Nachbarnsind. Wie angesehen ist der Beruf, der ausgeübt wird, wie viel Geld wirddamit verdient? Umfragen zum Stellenwert von Berufen in der Bevölke-rung und Statistiken zu Verdienstmöglichkeiten werden regelmäßig ver-öffentlicht. Beides ist von allgemeinem Interesse. Unsere Gesellschaft istdominiert vom männlichen, materiellen Wettbewerb des Messbaren. „MeinHaus, mein Auto, meine Jacht“ – es wird gezählt und am Ende des Lebenswird mit allen, mit denen wir uns vergleichen möchten, abgerechnet. Dochwas sagt es über den Menschen aus, ob er Arzt oder Gerüstbauer, Pfarreroder Fernfahrer ist? Ist ein Besserverdiener automatisch auch ein besse-rer oder wertvollerer Mensch als ein Hartz IV-Empfänger, wie uns vielePropagandisten der Leistungskultur immer wieder suggerieren wollen? DerStatus eines Menschen sagt zumindest nichts darüber aus, ob er eine guteoder schlechte Führungskraft ist.Worauf kommt es an? Der erfahrene amerikanische Manager Alan G. Lafleynannte als CEO von Procter & Gamble in einer Rede vor Harvard-Absolven-ten in zehn Lektionen rückblickend die Dinge, die er bei seiner eigenenGraduierung gerne gewusst hätte. Lektion eins: Sich selbst zu kennen.Sich über fundamentale Fragen im Klaren zu sein: Wer bin ich? Was willich werden?Die Frage „Wer bin ich?“ ist nicht „mal eben“ beantwortet.Wer kennt sich schon? Wer kennt sich wirklich, inklusive der Gründe, diedazu führen, weshalb man so geworden ist, wie man heute fühlt, denktund handelt? Es dauert mehr als ein Leben, um sich selbst kennenzu-lernen. Dafür muss über sich selbst nachgedacht und im eigenen Lebennachgeforscht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse können Freude, aberauch Schmerzen bereiten.14 | Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß
  14. 14. Für den eigenen Erfolg ist es wichtig, das Ich und das, was man tut, inEinklang zu haben. Boris Becker, der in geschäftlichen Dingen nicht nurerfolgreich war, stellte zu seinem Erfolg in der AOL-Werbung „Bin ich schondrin?“ schlicht fest: „Das lief so stark, weil ich da einfach ich selbst war,total authentisch.“ Ob ihm schon vor Erledigung des Jobs gefühls- oderverstandesmäßig klar war, dass er und damit der Werbespot gut rüberkom-men würden, weiß ich nicht, aber ihm war der Grund dafür zumindest imNachhinein klar.„Bin ich schon drin?“ ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommenworden. Sprache, Kleidung, Haltung, Meinungen von aktuellen Modewellenund Stars zu übernehmen, ist üblich. Checken, was „in“ ist, „copy and paste“drücken und schon den Spiegel fragen: „Spieglein, Spieglein an der Wand,sag mir, wer bin ich in diesem Land?“ – „Nur ein geklautes Image, ein Abzieh-bild“ ist die ehrliche Antwort. Teenager müssen probieren, sich suchen undfestigen. Bei Erwachsenen hat dieses oberflächliche Kopieren nichts mit demeigenen Ich zu tun. So bildet und findet sich der eigene Kern nicht.Da hilft das Bild eines Hohlspiegels, für den Augenblick der Betrachtungvergrößert und nach innen gewölbt: Nicht Hülle, sondern Tiefe, nichtImage, sondern Ich, nicht Statussymbol, sondern Inhalt, nicht Haben, son-dern Sein, nicht vorsetzen und ruhen, sondern führen und tun, nicht Vor-gesetzter, sondern Führungskraft sein.Sich selbst suchen, erkennen und anerkennen? Leicht geschrieben, schwergetan. Einige kommen sich selbst im Alter näher. Hirn und Herz sind vollerErfahrungen und offensichtlich fällt es am Lebensende leichter, sich selbstauch kritisch zu betrachten, auch eigene Defizite und Fehler zu sehenund zu akzeptieren. Warten Sie nicht so lange. Selbsterkenntnisse sind dieGrundlage, um dem eigenen Leben einen Sinn und eine Richtung geben zukönnen, aus dem Leben weitere Erkenntnisse zu ziehen, eine Aufgabe zufinden, geben zu können, zum Beispiel Liebe. Selbsterkenntnis als Lebens-ziel ist von zentraler Bedeutung. Der Aufwand lohnt sich. Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß | 15
  15. 15. Viele Menschen interessieren sich für andere Menschen, deren Verhalten,Ansichten, Motive. Das reicht vom banalen Tratsch im Treppenhaus bis zumernst gemeinten Analysegespräch. Die Neugier auf sich selbst ist da schonseltener so ausgeprägt wie bei Woody Allen in seinen Filmen. Im eigenenIch zu forschen scheint Ängste auszulösen, vor ungeahnten Schwächenund Defiziten, davor, sich diese eingestehen zu müssen. Die Angst, vonneuen Erkenntnissen über sich selbst nicht mehr loszukommen, sie nichtverarbeiten zu können, lässt uns untätig verharren, anstatt die Möglichkeitzu ergreifen, sich weiterzuentwickeln, zu reifen. Letztlich ist es unsere –deutsche? – Angst vor Veränderungen, die jede Erkenntnis mit sich bringt.Wir lachen über Therapeuten und Psychologen, weil wir Angst haben hin-zugehen, zu erzählen, zuzuhören und zu erkennen. Dabei schafft allein derdurchaus spannende und letztlich befriedigende Reifeprozess die Basis, umerfolgreich zu werden, nämlich die Kenntnis über uns selbst. Jemand zuwerden, der seine persönlichen, für ihn charakteristischen und individu-ellen Eigenschaften kennt, sie bewusst ausprägt und für andere sichtbarmacht. Eigenschaften, die für diese Person typisch sind und zu denen diePerson selbst steht. Jemand, der über den einmaligen Mix seiner Eigen-schaften als individuelle Persönlichkeit positiv wahrgenommen wird, deraufgrund dieser Eigenschaften eine führende Funktion ausüben kann.Je mehr Erkenntnisse Sie über sich selbst gewonnen haben, desto mehrwerden Sie sich über sich selbst bewusst. Mit diesem Bewusstsein könnenSie Motive und Vorstellungen eigener Werte und Fähigkeiten entwickeln.Der Wertekanon ist Fundament und Gerüst Ihrer selbst. Er ist Ausgangs-punkt und gibt Halt in Ihrem Handeln. Der Halt nimmt Versagensängstenund Komplexen den Raum. Das gibt Ihnen Selbstsicherheit. Kenntnisseüber Stärken und Schwächen bewahren Sie vor Selbstunterschätzung oderSelbstüberschätzung. Sie beurteilen Ihre Chancen und Risiken realistisch.Sie haben Selbstvertrauen zu sich und Ihrem Handeln. Sie akzeptieren undmögen sich, spielen keine situationsbedingten Rollen oder haben es nötig,den Affen zu machen. Sie können sich selbst besser kontrollieren undsteuern. Sie müssen nicht reagieren, was eine Abhängigkeit von anderen16 | Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß
  16. 16. beinhaltet, sondern können frei und bewusst entscheiden und agieren. Siekönnen das, was vielen schwerfällt: „Nein“ sagen! Sie können selbstkri-tisch sein und Kritik von anderen annehmen. Sie haben einen Ausgangs-punkt, sich für Ihr eigenes Leben Ziele zu setzen und Entscheidungen zutreffen.Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auf dieser Basis für Sie feste und zum Zielführende Wege nehmen, ist ungleich größer, als wenn Sie frei schwebendumherirren würden. Sie können sich so entwickeln, wie es zu Ihnen passt.Sie sind keine Schummelpackung, kein Überraschungsei, sondern „echt“,Sie sind Sie selbst.Wenn Sie sich mit sich selbst beschäftigt haben, werden Sie sich von demThema „Ich“ auch ein Stück befreit haben. Wer Klarheit hat, muss sichnicht im Nebel ängstigen. Im Thema als solchem, sich über einen Menschenbewusst zu werden, sind Sie drin. Dadurch werden Sie leichter und siche-rer anderen Menschen begegnen, deren Ich erkennen können. Durch Ihrepositive Sicherheit haben Sie weniger Ängste, auch vor anderen Menschen.Weniger Ängste machen Sie toleranter, Sie können über andere Menschenpositiver denken. Sie gehen selbstverständlicher mit Menschen um, wer-den unbefangener, offener und kommunikativer. Das drückt sich, für allesichtbar, auch in Ihrer Körpersprache aus. Durch die positive Einstellung zusich selbst wirken Sie auf andere Menschen gefestigt, durch die EchtheitIhrer Person wirken Sie glaubhaft und zuverlässig. Ihre Kommunikationwird erwidert, Sie werden angenommen. Sie haben für Ihre Beziehungenzu anderen eine positive Spirale in Gang gesetzt.Sie selbst haben es in der Hand, als reifer Mensch mit Eigenschaften wahr-genommen zu werden, die Sie identifiziert haben und herausstellen, die ori-ginär und in ihrer Zusammensetzung individuell und für Sie charakteristischsind. Stellen Sie eine Persönlichkeit dar! Dazu sollte jeder Mensch kommen.Für eine Führungskraft in ihrer besonderen Stellung zu und mit ihrer Ver-antwortung für andere Menschen ist es eine notwendige Voraussetzung. Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß | 17
  17. 17. Die meisten Unternehmen verwenden viel Energie und damit Geld darauf,ihren Vorgesetzten beizubringen, wie sie die Mitarbeiter „abholen“ und„mitnehmen“ können. Die meisten Vorgesetzten schaffen das nicht, weilsie Blassnasen sind. Stellen Sie sich vor, in Hamburg sitzen 500 Mitarbeitermit zwanzig Vorgesetzten in einer dieser langweiligen Unternehmensver-sammlungen. Ein Mann kommt herein und schreit: „Nebenan steht UweSeeler.“ Garantiert verlässt die Hälfte der Mitarbeiter sofort den Saal. Wennder Mann jetzt noch verkündet: „Und er schenkt Freibier aus“, ist auchdie zweite Hälfte weg. Warum? Weil uns Personen mit Charisma anziehen.Wenn die uns dann noch etwas bieten, das wir als reizvoll ansehen, zie-hen sie uns doppelt stark an. Denken Sie daran, Führer und Führung sindnicht per se schlecht, es kommt immer darauf an, was Führer und Geführtedaraus machen. Oder denken Sie, Steve Jobs, Bill Gates und Warren Buffetsind schlechte Menschen?Seien Sie neugierig auf sich, lernen Sie sich besser kennen. Seien Sie dabeiehrlich und offen. Verwechseln Sie Ihr Selbstbild, also das Bild, das Sievon sich haben, nicht mit Ihrem Wunschbild, also dem Bild, wie Sie zusein wünschen. Seien Sie realistisch! Gehen Sie davon aus, dass Ihr Selbst-bild von dem Fremdbild, also von dem Bild, das andere von Ihnen haben,abweicht und jeder Einzelne Sie wiederum individuell wahrnimmt. Bezie-hen Sie deshalb andere Menschen in Ihre Analyse ein. Nur durch die Kom-bination einer realistischen Selbsteinschätzung und den Angaben Drittererhalten Sie eine Ahnung davon, wie Sie wirklich sind.Durch Eigenschaften, Fähigkeiten, Stärken drückt sich Ihre Persönlich-keit aus. Doch woher kommen die, wovon sind Sie getrieben? Wie sindSie geworden, was Sie sind? Beschränken Sie sich nicht auf das Sichtbare,suchen Sie auch die Motive, die für Sie wichtig sind, aus denen Sie Ihr Ver-halten und Ihre Einstellungen begründen. Synonyme für das Wort Motivewären Leitgedanken, Basis oder Werte. Ihre Motive haben sich aus Ihrenprägenden Erfahrungen und Erkenntnissen entwickelt. Sie stellen einenKern Ihres Ichs dar und beeinflussen Sie fundamental.18 | Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß
  18. 18. Sind Sie sich über diesen Kern im Klaren, wissen Sie, welche Werte Sieschöpfen möchten. Nehmen Sie sich an, können Sie sicher agieren, müssenweder sich noch anderen etwas beweisen oder nach Perfektion streben.Bye bye Abhängigkeit, hello Freiheit. Sie können die Motive, die Sie bewe-gen, in Ihrer Arbeit umsetzen, Ihrem Arbeitgeber und Ihren Mitarbeiterndadurch deutlich machen, wie Sie handeln. Sie bilden damit ein für anderesichtbares Profil. Die anderen sehen, wofür Sie stehen, Sie schaffen durchdie Inhalte und Transparenz derselben Orientierung und eine Basis fürVerlässlichkeit, Vertrauen, Loyalität usw. Stoßen Sie auf Motive, die Sie alsnicht positiv zu verwerten beurteilen, so können Sie an diesen Motivenarbeiten, sie „aufarbeiten“, und durch das Bewusstsein über diese Motivesich selbst im Umgang mit ihnen besser kontrollieren und steuern.Spüren Sie ein Kribbeln? Gut! Im Anhang finden Sie erste Ideen, wie Siebei der Suche nach sich selbst vorgehen könnten. Bewerten Sie Ihre Ergeb-nisse nicht gleich. Es kommt vorerst nicht auf gut oder schlecht an, son-dern nur darauf, Klarheit über sich selbst zu bekommen, sich eine Basiszu schaffen. Bewertungen und die Erkenntnis, an sich arbeiten zu wollen,sind die nächsten Schritte. Setzen Sie sich dafür Prioritäten. Welche Stär-ken wollen Sie stärker zur Geltung bringen? Welches Verhalten wollen Sieändern, weil Sie wissen, dass Sie so gar nicht sind, oder weil Sie sich selbstdamit nerven? Welche Schwächen wollen Sie möglichst nicht mehr zeigenoder zu welchen Schwächen wollen Sie bewusster stehen?Seien Sie sich selbst gegenüber aufmerksamer. Nutzen Sie konkrete Situ-ationen wie Rücksprachen, Verhandlungen, Mittagspausen, Telefonate,indem Sie Ihr Verhalten unmittelbar anschließend analysieren. FühlenSie sich in Beobachtung und Analyse solcher Situationen sicher, gehenSie dazu über, Ihr Verhalten mit sich selbst vor Situationen abzustimmen.Nehmen Sie sich bestimmte Verhaltensweisen vor, springen Sie über Schat-ten, probieren Sie sich aus. Kontrollieren Sie anschließend, ob Sie sich anIhre „Vereinbarung“ gehalten haben. Dafür sollten Sie zunächst nur unver-fängliche Gelegenheiten nutzen, bei denen nichts anbrennen kann, zum Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß | 19
  19. 19. Beispiel unwichtige Begegnungen mit Menschen, die Sie sehr wahrschein-lich nie wiedersehen werden. Kommen Sie schließlich dazu, sich auch inSituationen zu beobachten und zu korrigieren.Nehmen Sie sich nicht vor, dieses Thema irgendwann anzugehen. Dannwerden Sie es nie tun. Beginnen Sie heute damit!Beantworten Sie sich die zentrale Frage: „Weshalb möchte ich eine Führungskraft sein?“Welche Motive haben Sie und welche Ziele verfolgen Sie? Welche davonmöchten Sie in Ihrer Funktion als Führungskraft prononciert verfolgen undsichtbar machen? Berücksichtigen Sie verschiedene Aspekte wie fachlicheZiele, die Sie erreichen möchten (Projekte durchführen, neue Produkteetablieren), die Art der Führung (andere Werte im Unternehmen etablie-ren), materielle Ziele (mehr Geld verdienen), Psyche (es sich selbst oderanderen beweisen, Macht ausüben).Haben Sie sich intensiv mit sich selbst beschäftigt und hoffentlich vieleneue Erkenntnisse gewonnen, werden Sie eine Führungskraft, die sich ihrerbewusst ist, die sich kennt. Sie haben damit einen Vorteil im Vergleich zuanderen, weil Sie davon ausgehen können, dass die meisten Menschen, soauch Mitarbeiter, Vorgesetzte und Mitbewerber um eine Führungsposition,sich nicht annähernd so intensiv mit sich selbst auseinandergesetzt undsich so gut kennengelernt haben wie Sie. Dieser Vorteil wird Ihnen nützen.Der Blick in einen Hohlspiegel hat einen positiven Nebenaspekt. Nur wergerade in den Spiegel sieht, sieht sich übergroß. Anschließend sieht mansich, wie alle anderen einen auch sehen, wie man tatsächlich ist: ein ganznormaler kleiner Mensch.20 | Im Hohlspiegel – Kleiner Mann ganz groß
  20. 20. 3.Wie ich mir so ich dir –Was wir mir wert sind
  21. 21. Cool sein ist heute alles. Ich sehe Boss-Anzüge neuester Look, Sonnenbril-len im Winter, gegelte und gefärbte Haare, Smartphones allgegenwärtig,Prada-Taschen wie zufällig auf dem Schreibtisch, Cabrios in der Tiefgarage.Die Körper sind schlank und gestählt, die geistige Haltung ist lässig blei-ben, über allem stehen, gelangweilt sein. Medien-Entertainment aller Art– TV-Soaps, PC-Spiele, Kino, Massenbelletristik – wird konsumiert.Was „cool“ ist, ist nicht klar zu bestimmen, sondern eher ein Synonymfür beliebige Attribute, die jeder für sich definieren kann und die manjederzeit ändern kann. „Cool sein“ heißt heute vor allem, sich distanziertzu geben, in der Hoffnung, überlegen zu wirken. Das bedeutet auch, sichnicht intellektuell einzumischen und festzulegen. Das Äußere ersetzt dasInhaltliche. Waren statt Werte. Wollten Hippies in den Siebzigerjahrennoch eine geistige Haltung zum Ausdruck bringen, ging es in den Acht-zigern in der Ära Kohl nur noch um das Materielle. Nicht mehr selbst erle-ben, sondern leben lassen, im Internet, im Privatfernsehen, dieser Trendhat alle Bildungsschichten erfasst. War früher nur die eine verschrobeneTante alleine, ist das trostlose Singledasein heute Lebensform. Wer wederPersönlichkeit noch ein ausgefülltes Leben zu bieten hat, versucht sichmit extremen Sportarten oder Reisen interessant zu machen, zum Beispielkiten oder barfuß durch Nepal wandern.Spielverderber ist, wer einfordert sich tiefer gehend mit Partnern, Freun-den, Kollegen und den gesellschaftlichen Zuständen zu befassen oder dieKompromisse einer längerfristigen Partnerschaft einzugehen. Verantwor-tung zu übernehmen, für Kinder oder Mitarbeiter, sich im Team ernsthaftmit Kollegen auseinanderzusetzen, schwierige Probleme kreativ zu lösen,Entscheidungen zu treffen. Wer aufzeigt, wie wenig Oberflächlichkeitbeeindruckt und wie wenig hilfreich sie ist.Diese nach außen gerichtete Oberflächlichkeit macht auch vor Vorgesetz-ten nicht halt. Ein plastisches Beispiel ist der lächerliche Griff zum Handygleich nach der Landung des Fliegers: „Hallo, ich bin’s. Bin jetzt gelandet,22 | Wie ich mir so ich dir – Was wir mir wert sind
  22. 22. wir verlassen gerade das Flugzeug. Es regnet etwas.“ Wen interessiertdas? „Ist was gewesen?“ Nein, es ist – wie immer – nichts gewesen! Wemwollen diese „Manager“ was beweisen? Weshalb sehen Handynutzer beimTelefonieren in der Öffentlichkeit immer so in die Ferne? Um sicher zusein, dass viele sie sehen, oder um die Wichtigkeit ihrer Mitteilungendurch den Blick in die Weite zu unterstreichen? Rufen die für das eigeneEgo an, um die Assistentin zu beeindrucken (die bestenfalls durch dieUnterbrechung genervt ist, sich wahrscheinlich kontrolliert fühlt) odermeinen die wirklich sich informieren zu müssen? Hätte die Assistentin,wäre tatsächlich etwas hinreichend Wichtiges passiert, nicht auf die Mail-box gesprochen?Oberflächlich ist oft auch der Umgang mit den Mitarbeitern. Der Vorstand,der sich von seiner Sekretärin zur Besprechung einen Kaffee servieren lässtund den beiden anwesenden Mitarbeitern kein Getränk anbietet. Der Mana-ger, der die Mitarbeiter telefonisch zu sich zitiert, obwohl sie zwei Türenweiter sitzen. Der Vorgesetzte, der, obwohl der Mitarbeiter bereits zumGespräch eingetreten ist, weiter am PC schreibt, ohne aufzusehen, nur umden Mitarbeiter irgendwann, ohne ihn anzusehen und ohne zu schreibenaufzuhören, wie beiläufig zu fragen, worum es gehe. Der Bereichsleiter, derbeim Mitarbeiter anruft: „Sie wollten was von mir, ich habe ihre Mail nichtgelesen, ich war viel unterwegs, worum geht es.“ Der Teamleiter, der Witzeauf Kosten von Mitarbeitern macht, ohne eine Beziehung zu diesen zuhaben, die das erlauben würde. Der Geschäftsführer, der Sprüche bringt wie„Wären Sie alle im letzten Jahr im Bett geblieben, hätte das Unternehmenmehr verdient“, nur um im nächsten, erfolgreicheren Jahr zu verkünden:„Das abgelaufene Jahr war positiv, aber wir müssen jetzt sparen, deshalbwerden wir Stellen streichen.“ Die vielen Vorgesetzten, die mit kryptischenEinzeilern aus dem Blackberry die Mitarbeiter fernsteuern wollen.Auf den ersten Blick sind das Kleinigkeiten, sicherlich, aber diese Ver-haltensweisen zeugen nicht nur von schlechten Umgangsformen, sondernauch von der Haltung, die sich in dem Verhalten ausdrückt: Ich bin wich- Wie ich mir so ich dir – Was wir mir wert sind | 23
  23. 23. tiger als du, du interessierst mich nicht, ich ignoriere dich, ich bin dirüberlegen, du bist immer der Dumme.Wie kann es zu solch Fehlverhalten kommen? Um uns verstehen zu kön-nen, müssen wir wissen, welche Werte unser Fundament bilden, auf demwir unser Verhalten aufbauen.Von Wert ist für uns das, was für uns eine positive Bedeutung hat. Um denWert bemessen zu können, benötigen wir einen Maßstab. In materiellenDingen ist der Maßstab der Preis einer Sache. Je wichtiger mir eine Sacheist, desto mehr Geld bin ich bereit auszugeben (beim Auto muss es ein BMWsein, beim Bücherregal reicht Billy von Ikea). Abseits von rein materiellenDingen messen wir den Wert an unserer individuellen Ethik und Moral, diewir uns geschaffen haben. In unserer Ethik haben wir die Grundsätze, Nor-men und Maximen zusammengefasst, die unserer Einstellung zugrunde lie-gen (Leben ist das höchste Gut). Für das zwischenmenschliche Verhalten,ob in der Partnerschaft, im Büro oder in der Gesellschaft insgesamt, habenwir die Grundsätze, Normen und Maximen in unserer Moral zusammenge-fasst (ich lüge nicht). Ausfluss unserer Moral sind Sitten, die üblich sind,die gelten und die als verbindlich akzeptiert werden (ich mache keinenSeitensprung).Das, was für uns immateriell in der Beziehung zu anderen Menschen vonWert ist, hat für uns eine grundsätzliche Bedeutung. Diese Werte sind tiefin uns verankert und Kern unseres Denkens und Handelns. Sie werden frühdurch unsere Erziehung und unsere Sozialisation geprägt und gebildet. Siesind langfristig angelegt und geben uns einen starken Halt, weil sie Basisfür die Bewertung dessen sind, was wir zu wissen meinen, wie wir uns ver-halten und was unsere Meinung ist. Deshalb bewegen uns Umbrüche oderplötzliche Erfahrungen, die unsere Werte infrage stellen, sehr stark (Los-lösung vom Elternhaus, politischer Umbruch von Diktatur zu Demokratie,Betrug des Partners). Da wir selbst, bewusst oder unbewusst, Werte brau-chen und haben, ist für uns wichtig, in unserer Umgebung ebenfalls Werte24 | Wie ich mir so ich dir – Was wir mir wert sind

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