Da geht was

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Michael Feindt ist Physikprofessor, IT-Unternehmer und Entwickler vollautomatischer Handelsstrategien. In den neu bezogenen Räumen des von ihm gegründeten Unternehmens Blue Yonder sprach der Grenzgänger zwischen diesen unterschiedlichen Welten mit Ralf Kolbe über Elfenbeintürme, Marktprognosen und seine Erfahrungen in und mit der Finanzbranche.

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Da geht was

  1. 1. 32 pvm 11 Dezember/Januar 2014/15 dem Wahren ... Da geht was!
  2. 2. 33 Dezember/Januar 2014/15 pvm 11 dem Wahren ... Michael Feindt ist Physikprofessor, IT-Unterneh- mer und Entwickler vollautomatischer Handels- strategien. In den neu bezogenen Räumen des von ihm gegründeten Unternehmens Blue Yonder sprach der Grenzgänger zwischen diesen unterschiedlichen Welten mit Ralf Kolbe über Elfenbeintürme, Markt- prognosen und seine Erfahrungen in und mit der Finanzbranche. Herr Feindt, wie schaffen Sie es, Ihre Arbeit als Professor und Ihre unternehmerischen Tätigkeiten parallel zu bewältigen? Ich bin Workaholic, ich arbeite Tag und Nacht oder denke zumindest nach. Manche Neuentwicklungen für die nächste Generation unserer Algorithmen konzipiere ich auf Bahnfahrten oder an Wochenenden. Und ich umgebe mich mit den richtigen, exzellenten Leuten. Obwohl ich mich stark für das Unternehmen engagiere, kann ich so auch meine Pflichten als Professor sehr gut erfüllen. Das zeigen auch unsere Erfolge in der For- schung: Beispielsweise haben wir in meiner Gruppe erst kürzlich ein neues Elementarteilchen entdeckt. Dabei haben uns die Technologien sehr geholfen, die wir hier im Unternehmen entwickeln. Die Basis für diese Technologien haben Sie ur- sprünglich für wissenschaftliche Zwecke entwickelt. Das ist richtig. Den Neurobayes-Algorithmus habe ich für die Auswertung von Experimenten in der Elemen- tarteilchenphysik entwickelt. Diese Software kann aus historischen Daten automatisch Prognosen zukünftiger Ereignisse in Form einer Wahrscheinlichkeitsverteilung für jeden Einzelfall errechnen. Das funktioniert auch in anderen Bereichen, wie Absatzplanung, Kunden- und Risikoanalyse oder dynamische Preisgestaltung. Der Algorithmus funktioniert immer, wenn man Wahr- scheinlichkeitsaussagen über individuelle Ereignisse treffen möchte. Weil man mit solchen Prognosen in der Wirtschaft viel Geld sparen kann, hatte ich die Idee, eine Firma zu gründen. Inzwischen haben wir hier viel mehr Fachleute als an der Universität, so dass die Entwicklung für Neurobayes und weitere Softwarean- wendungen vollständig hier im Haus stattfindet. Profitiert auch die Wissenschaft von diesen Ent- wicklungen? Ja,dieErgebnissefließenauchwiederindieForschungzu- rück: Die Europäische Organisation für Kernforschung, Cern, das Karlsruher Institut für Technologie, KIT, das Fermilab und einige andere Forschungszentren erhalten und nutzen kostenlose Lizenzen für Neurobayes. Hier- durch entsteht ein sehr fruchtbarer Informationsfluss in beide Richtungen, der recht ungewöhnlich ist. Das gibt es unter meinen Kollegen kaum. Teilchenphysiker arbeiten meist ausschließlich für die Erkenntnis. Das wird zu 100 Prozent staatlich finanziert, auch an den großen internationalen Forschungszentren. Bild:SebastianReimold
  3. 3. 34 pvm 11 Dezember/Januar 2014/15 dem Wahren ... Und Sie haben eine andere Einstellung? Auch mir war es während meiner ersten 15 bis 20 Jahre als Physiker nur wichtig, physikalische Erkenntnisse zu erzielen. Der persönliche Ehrgeiz bestand darin, möglichst viel aus Daten herauszuholen, Apparate zu verbessern und so weiter. Letztendlich hat mich nur in- teressiert, was ein paar wenige, weltbekannte Kollegen über mich dachten. Alles andere war egal. Das hatte schon etwas von dem sprichwörtlichen Elfenbeinturm. Dieser Elfenbeinturm erinnert gerade im Bereich der Teilchenphysik an den Turmbau zu Babel. Für den interessierten Laien erscheint das vor allem wie eine Materialschlacht … Die technologischen Anforderungen in diesem Bereich sind tatsächlich verdammt hoch. Für unsere Experimente benötigen wir riesige Teilchenbeschleuniger, das beste Vakuum der Welt, die höchsten Energien, die schnellsten Computer, und wir erzeugen die größten Datenmengen. Die Projekte am Cern und an anderen Forschungsinstitu- ten sind so gewaltig, dass einzelne Institute sie gar nicht bewältigen können. Hier sind weltweite Kooperationen nötig. In den Experimenten arbeiten typischerweise 100 Universitätsinstitute aus aller Welt zusammen. Im Cern arbeiten teilweise 3.000 Wissenschaftler an einem einzi- gen Experiment – und das mit relativ bescheidenem Etat. Lohnt sich dieser Aufwand? Jeder deutsche Steuerzahler gibt pro Jahr etwa den Ge- genwert einer Tasse Kaffee für Elementarteilchenphysik aus – das ist recht wenig, wenn man berücksichtigt, was dabei herauskommt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint mir hier weit besser als im Durchschnitt der In- dustrie. Das liegt auch daran, dass viele Menschen, die an solchen Projekten arbeiten, Besessene sind: Sie finden es großartig, solch esoterische Dinge zu erforschen. Sie wollen die beste Auflösung der Welt erzielen, die größten Datenmengen verwalten können und so weiter. Das ist ein großer Ansporn für gute Wissenschaftler. Dass dabei auch für die Gesellschaft etwas herauskommt, belegt das World Wide Web, das Forscher am Cern entwickelt haben, um die Kommunikation unter Wissenschaftlern aus aller Welt zu erleichtern. Das klingt, als ginge es im Wissenschaftsbetrieb insgesamt recht harmonisch zu. Wissenschaftler sind auch Menschen, und es gibt unter den Hunderten oder Tausenden von Physikern, die hier zusammenarbeiten, einen hoch intensiven Wettbewerb. Es ist aber in der Regel ein fairer Wettbewerb. Zwar wird hin und wieder auch unfair geschossen, aber im Vergleich zur Industrie ist es fair. Man ist offen und gibt auch seine Zwischenergebnisse bekannt, so dass alle insgesamt schneller vorankommen. Natürlich gibt es zwischen den großen Instituten und einzelnen Forschern auch Machtkämpfe. Da sind Wissenschaftler genau wie Industriebosse: Sie sind ebenfalls ehrgeizig und möchten erfolgreich sein. Halten Sie sich für einen Machtmenschen? Nein. Ich halte mich eher für einen ausgleichenden Menschen. Aber es gibt diese Konkurrenzsituation. Wir agieren sehr fair, aber wir wollen trotzdem gewinnen. Wo es darauf ankommt, lassen wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen. Wir haben den Ehrgeiz, besser zu sein als andere. Wissenschaftler treibt dabei meist die öffentliche Anerkennung an, nicht das Geld. Kann man mit so einer Einstellung auch in der Wirt- schaft Erfolg haben? Natürlich denke ich inzwischen sehr viel wirtschaftli- cher als vor der Gründung von Blue Yonder. Das muss so sein, und wir haben auch Mitarbeiter, die ausschließlich so denken. Aber die Mehrheit unserer Angestellten be- steht aus Wissenschaftlern. Von knapp 140 Mitarbeitern sind mehr als 80 promovierte Wissenschaftler. Das ist ein sehr ungewöhnliches Verhältnis. Das Ethos, wirklich gute Lösungen zu finden, ist bei uns entsprechend hoch. Was hat Sie bewogen, Ihren Elfenbeinturm zu ver- lassen und ein eigenes Unternehmen zu gründen? Der Grund ist einigermaßen profan: Als ich 1997 vom Cern nach Karlsruhe kam, um meine Professur anzutre- ten, wollten meine Frau und ich von unserem ersparten Geld ein Haus bauen. Damals hatte ich von Finanzen wenig Ahnung und bin sehr naiv an die Sache heran- gegangen. Da einige Zahlungen noch etwas Zeit hatten
  4. 4. Diese Kundeninformation enthält nicht alle Angaben, die für eine Anlageentscheidung notwendig sind. Grundlage für die Beteiligung an der Lacuna Windpark Hohenzellig GmbH & Co KG ist ausschließ- lich der Vermögensanlagenprospekt mit den dort beschriebenen Chancen und Risiken, der bei der Lacuna AG, Ziegetsdorfer Str. 109, D-93051 Regensburg zur kostenlosen Ausgabe bereitgehalten wird. Informieren Sie sich jetzt: www.lacuna.de Windpark Hohenzellig – frischer Wind aus Bayern Bayerische Windkraft für ein renditestarkes Portfolio • Beteiligung an acht Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 19,2 MW • Attraktives Renditepotenzial dank guter Standortbedingungen • Gut kalkulierbare Erträge durch Vergütung nach bestehendem EEG HANDS ON SUCCESS
  5. 5. 36 pvm 11 Dezember/Januar 2014/15 dem Wahren ... und die Aktienkurse damals eigentlich immer nur zu steigen schienen, habe ich das Geld in einen Aktienfonds gesteckt. Während der Russland-Krise 1998 hat der Fonds dann 15 oder 20 Prozent verloren. Weil wir das Geld gerade zu dieser Zeit für den Hausbau brauchten, hat mich meine Anlageentscheidung in eine schwierige Lage gebracht und mir auch Vorwürfe aus dem privaten Umfeld beschert. Das hat mich so gekränkt, dass ich mir viele Gedanken darüber gemacht habe. Und dabei kamen Sie auf die Idee, ein Unternehmen zu gründen? Ich kam auf die Idee, die Vorhersagealgorithmen, die ich am Cern entwickelt hatte, auf Aktienkurse anzuwenden. Dabei hat sich herausgestellt, dass dieses Tool tatsächlich sehr gute Vorhersagen für die kurzfristige Entwicklung von Aktienkursen liefern kann. Das war für mich der Auslöser, Neurobayes auch für andere Dinge zu nutzen als nur für wissenschaftliche Analysen. Dies hat 2002 zur Gründung meiner ersten Firma, Phi-T, geführt. Unser erster Kunde war eine Versicherung, für die wir Prognosen über das Unfallrisiko von Autofahrern und die aus Unfällen resultierende Schadenshöhe erstellt haben. Außerdem haben wir auf Basis dieses Systems einen privaten Fonds aufgebaut. Wir haben gesehen: Da geht was! Und wie haben Sie es in das sogenannte Talent- Hotel von Lupus Alpha geschafft? In der Financial Times war damals ein Artikel über unsere Versicherungsaktivitäten erschienen. Daraufhin hatte mich der kürzlich verstorbene Fondsmanager Karl Fickel von Lupus Alpha angerufen, weil er das klasse fand. Wir haben uns getroffen und darüber diskutiert, ob wir gemeinsam etwas unternehmen können, und da- raus haben sich unsere Teilnahme am Talent-Hotel und die Auflegung eines Fonds für institutionelle Investoren ergeben. Die tägliche Arbeit hat mir Christian Haag abgenommen. Welche Strategie haben Sie mit dem Fonds verfolgt? Es handelt sich um eine kurzfristige, marktneutrale Long-Short-Aktienstrategie, die rein quantitativ in einem Universum von ungefähr 800 Aktien arbeitet. Norma- lerweise sind genauso viele Long- wie Short-Positionen im Fonds. Mit Neurobayes filtern wir heraus, welche Aktien gerade günstig und welche teuer sind, damit der Fonds entsprechende Positionen eingehen kann. Stimmt es, dass etwa 52 Prozent der Prognosen des Algorithmus richtig waren? Das stimmt, und das reicht auch völlig aus. Die meisten Menschen haben eine ganz falsche Vorstellung davon, was notwendig ist, um mit systematischen Strategien erfolgreich zu sein. Würde ich beispielsweise täglich handeln und wären dabei 70 Prozent meiner Prognosen richtig, wäre ich in kürzester Zeit Milliardär. Warum hat Lupus Alpha den Fonds nach der Schlie- ßung des Talent-Hotels nicht weitergeführt? Unsere Anleger waren hauptsächlich Pensionsfonds und Banken, die angesichts neuer Regularien, wie Basel III, mehr Eigenkapital für ihre Investments hinterlegen müssten, weil unser Fonds als hoch riskant eingestuft wurde. Für diese Investoren hat sich ein Investment dadurch offenbar nicht mehr gelohnt. Family Offices unterliegen diesen Regularien nicht, ihnen ist das egal. Deshalb führen wir unsere Strategie auf deutlich klei- nerem Niveau in eigener Regie mit den Mitteln einiger Family Offices weiter. Ist diese Strategie wirklich so riskant? Die mathematische Konstruktion der Handelsstrategie sorgt dafür, dass ihr Risikoprofil deutlich besser ist als das der meisten Aktienfonds. Die Volatilität ist gering, und die Wertentwicklung geht recht kontinuierlich nach oben. Außerdem ist unsere Strategie 100-prozentig marktunabhängig und hat keine Korrelation zu Aktien- indizes, Gold, Währungen oder Zinssätzen. Sie ist da- her zu praktisch jedem Portfolio unkorreliert, dem man sie beimischt. Dass solche Strategien in Deutschland pauschal als großes Risiko gelten, halte ich für einen Skandal. Das grenzt an Schwachsinn! Auch ich finde nicht alles gut, was im Hedgefondsbereich angeboten wird, und es gibt sogar Auswüchse, die ich für kriminell halte. Aber es ergibt keinen Sinn, gute und durchdachte
  6. 6. 37 Dezember/Januar 2014/15 pvm 11 dem Wahren ... Anlagestrategien mit positiven Rendite-Risiko-Eigen- schaften in einen Topf mit solchen Dingen zu werfen. Welche wichtigen Erfahrungen haben Sie in und mit der Finanzbranche gemacht? Es ist tatsächlich eine andere Welt. Dabei empfand ich das Unternehmerische gar nicht als den kritischen Faktor. Als kritisch erschien mir vielmehr, wie wenig wissenschaftlich die gesamte Finanzbranche arbeitet. Das hat mich schockiert. Ich wusste, dass viele Physiker an der Wall Street waren, und kannte auch einige von ihnen. Insofern hat es mich geschockt, wie wenig wis- senschaftlich die Finanzprofis und ihre Kunden denken, wie wenig Ahnung sie von statistischen Schwankungen oder der tatsächlichen Bedeutung von Diversifikation haben. Das war und ist aus meiner Sicht als Wissen- schaftler sehr oberflächlich. Würden Sie das bitte etwas genauer ausführen? Prognosen werden meist erst a posteriori beurteilt. Dann erinnert man sich gerne an Erfolge und vergisst die Misserfolge. Das liegt in der Natur des Menschen. Aber muss man vergessen oder verdrängen, was man gestern gesagt hat, nur weil es das Gegenteil von dem ist, was man heute tut? Solche Dinge habe ich in der Finanzbranche ständig erlebt. Meiner Meinung nach basiert das meiste, was im Asset Management geschieht, auf reinem Glück oder Pech. Als Wissenschaftler weiß ich, dass ich nur für die jeweils nächsten ein oder zwei Tage relativ gute Prognosen erstellen kann. Eine Woche ist schon sehr schwer, und konkrete Aussagen über län- gerfristige Entwicklungen sind mit wissenschaftlichen Methoden nicht möglich. Investoren mit Anlagehorizonten von zehn oder 20 Jahren müssen langfristig denken und agieren. Mit Modellen wie Ihrem kann man aber nur traden ... Das stimmt. Natürlich kann man eine Meinung dazu haben, ob ein bestimmter Markt steigt oder fällt, aber man kann sie nicht wissenschaftlich begründen. Lang- fristig valide Prognosen sind mit wissenschaftlichen Methoden nicht möglich. Die Entwicklungen einzelner Aktienkurse oder ganzer Märkte lassen sich nicht vor- hersagen. Insofern ist der reine Random Walk ein sehr gutes Modell für die Bewegung der Aktienmärkte – und zwar um einen Mittelwert null. Anders formuliert: Die Preisänderungen von Aktien basieren auf reinem Zufall. Kausalitäten kommen erst ins Spiel, wenn man a pos- teriori versucht, diese Kursentwicklungen zu erklären. Und weil man solche Bewegungen im Nachhinein meist wunderbar erklären kann, glauben die meisten Men- schen, dass hier kausale Zusammenhänge bestehen. Auch ich bin nicht frei davon. Das ist menschlich, aber es ist falsch. Können psychologische Faktoren dabei helfen, Marktentwicklungen zu erklären? Ja und nein. Die Abweichungen von Entwicklungen, die sich aus reinem Zufall ergeben, sind tatsächlich winzig klein. Das ist genau wie mit dem Wetter. Wetter ist wie die Aktienmärkte ein sogenanntes chaotisches System: Man kann es nicht deterministisch vorhersagen, weil es viel zu viele Einflussgrößen und Rückkopplungseffekte gibt. Man kann kurzfristig teilweise recht gute Vorher- sagen treffen, aber je weiter man in die Zukunft zielt, desto unsauberer und allgemeiner werden die Aussagen. Meiner Meinung nach basiert das meiste, was im Asset Management geschieht, auf reinem Glück oder Pech.
  7. 7. 38 pvm 11 Dezember/Januar 2014/15 dem Wahren ... Prognosen, die weit in die Zukunft reichen, sind aus meiner Sicht reine Kaffesatzleserei. Ich halte nichts von Strategien, die auf solchen Prognosen beruhen. Also ähnelt aktives Portfoliomanagement in den meisten Fällen eher einem Glücksspiel? Wir wissen nicht, wo Aktienmärkte, Anleihenkurse oder Währungen Ende nächsten Jahres stehen werden. Meinungen darüber sind subjektiv und überhaupt nicht wissenschaftlich beleg- oder testbar. Tatsächlich lassen sich wahrscheinlich 99 Prozent der Finanzbranche von solch subjektiven Meinungen leiten. Da ist dann viel Glück dabei, und wer drei Jahre hintereinander Glück gehabt hat, wird als Star gefeiert. Wenn sich Aktienkur- se tatsächlich rein zufällig entwickeln, würde immerhin ein Achtel aller Manager drei Jahre hintereinander überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Ich habe den Eindruck, dass ein Großteil der Asset-Management- Branche genau so funktioniert. Aber zeigen Handelssysteme wie Ihres nicht, dass es an den Märkten Ineffizienzen gibt, die eine Out- performance ermöglichen? Das stimmt, aber diese Ineffizienzen sind sehr klein und kurzlebig. Und viele Effekte, die wir noch vor wenigen Jahren beobachtet haben, gibt es heute nicht mehr. Die Märkte sind deutlich effizienter geworden. Das können wir messen. Lassen Sie mich zum Abschluss noch eine persön- liche Frage stellen. Angenommen, Sie müssten zwi- schen Unternehmertum und Wissenschaft wählen: Wofür würden Sie sich entscheiden? Das weiß ich nicht. Ich bin wirklich beides, und im Herzen bin ich eben auch Wissenschaftler. Es geht mir immer um die Sache, nicht nur um Geld. Ich weiß na- türlich, dass Geld enorm wichtig ist, sonst könnten wir ein Unternehmen wie Blue Yonder nicht betreiben. Und auch die Grundlagenforschung wäre ohne Steuergelder gar nicht möglich. Das sieht man als Wissenschaftler manchmal nicht so deutlich, weil das Geld recht kon- tinuierlich fließt. Hier im Unternehmen müssen wir da­ gegen sofort Leistungen liefern, sonst bezahlt uns keiner. Der Zusammenhang zwischen diesen Leistungen und der Bezahlung ist direkter, und das finde ich gut. Dieses wirtschaftliche Denken liegt mir. Allerdings wird in Un- ternehmen oft nur an den kurzfristigen Gewinn gedacht – und an sonst nichts. Reicht Ihnen unternehmerischer Erfolg als Motivation nicht aus? Ich bin stark wissenschaftlich getrieben und denke sehr analytisch. Eine neue Erkenntnis bereitet mir sehr viel Freude. Genauso freut es mich, aus diesen Erkenntnis- sen einen Nutzen für unsere Kunden zu schaffen. Das sind Dinge, die mich und uns alle hier motivieren. Für uns gehört das zusammen, weil unser wirtschaftlicher Erfolg auf wissenschaftlichem Erfolg beruht. Ansonsten sind Wirtschaft und Wissenschaft derzeit wirklich zwei völlig unterschiedliche Welten. Vielleicht wäre es gut, wenn mehr Menschen versuchen würden, beides zu betreiben. Darauf ist unser Gesellschaftssystem leider überhaupt nicht ausgelegt. Es wäre sinnvoll, wenn diese Welten enger zusammenrücken würden. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Feindt! „Zu Anfang hatte ich große Angst, dass ich in meinem unternehmerischen Tatendrang behindert werde“, sagt Michael Feindt im Gespräch mit portfolio Vermögensmanagement. „Das ist nicht eingetreten, in dieser Beziehung habe ich bisher im Großen und Ganzen gute Erfahrungen gemacht.“ Feindt ist seit 1997 Professor für Physik am Karlsruher Institut für Technologie und hat davor sehr erfolgreich an der Optimierung und statistischen Analyse großer Experimente an Elemen- tarteilchen-Beschleunigern gearbeitet. Dabei hat er einen Prognosealgorithmus erfunden, der sich auch in wirtschaftlichen Zusammenhängen nutzen lässt. 2008 gründete Feindt die Firma Blue Yonder, die Standardsoftware beispielsweise für wissenschaftlich fundierte Absatz- und Retourenprognosen im Versandhandel, Autodisposition, Kündigungswahrschein- lichkeiten, Risikoprognosen oder individualisierte Artikelempfehlungen entwickelt. Von 2006 bis 2012 hat er zudem einen quantitativen Long-Short-Aktienfonds im Talent-Hotel des Asset Managers Lupus Alpha mitverantwortet. Bild:SebastianReimold
  8. 8. 2015. Ihr Jahr. Unser Angebot. 17. März, Bergisch Gladbach portfolio institutionell summit 1 Ziele statt Asset Klassen – die neuen Multi`s: Multi Asset, Multi Strategy, Multi Manager 23. April, Düsseldorf portfolio institutionell Awards & Fachforum Zentrales zu Zins und Zinseszins 19. Mai, Frankfurt portfolio institutionell summit 2 Immobilieninvestments – welches Fundament braucht Ihre Opportunität? 16. Juni, München portfolio institutionell summit 3 Die große Rotation, kommt sie noch? 23. Juni, Berlin portfolio institutionell summit 4 Neuordnung des Fixed Income Firmaments – Sovereign Debt und die Thronerben 9. Juli, Hamburg portfolio institutionell summit 5 Sterne im Credit-Universum 14. Juli, Rottach-Egern portfolio institutionell summit 6 Alternative Investing: Private Assets, Infrastruktur und mehr 20. und 21. Oktober, Düsseldorf portfolio institutionell masters Masters of Income Masters of Risk 3. November, Frankfurt tvm – Trendforum Vermögensmanagement Was Vermögen bewegt, wer Vermögen bewegt, wie man Vermögen bewegt 17. November, Frankfurt portfolio institutionell summit 7 Regulatorisches Update: Solvency, EMIR & Co. By invitation only. Jetzt informieren. portfolio-institutionell.de und pvm-magazin.com

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