Fachkräftesicherung ade – Die Weiterbildungsverlierer

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Weiterbildung ist neben Zuwanderung der zentrale Ansatz zur Fachkräftesicherung. Ein Viertel aller Arbeitnehmer wird allerdings zunehmend von ihr abgeschnitten. Die Studie "Die Weiterbildungsverlierer" der Bertelsmann Stiftung belegte unlängst, dass die 7,9 Millionen atypisch Beschäftigten, also Zeitarbeiter, geringfügig oder befristet Beschäftigte sowie Mitarbeiter in Teilzeit, nicht vom jüngsten Anstieg der Weiterbildungsbeteiligung profitieren und sogar teilweise über 50 Prozent hinter normal Beschäftigte zurückfallen.

Besonders benachteiligt sind hierbei Menschen ohne Berufsabschluss, Menschen mit Migrationshintergrund und prekär Beschäftigte. Letztere nehmen sogar noch weniger an Weiterbildung teil als Arbeitslose.

Aus der Studie geht auch hervor, dass es nicht die mangelnde Lernbereitschaft der Beschäftigten ist, die hierfür verantwortlich zeichnet.

Die Präsentation stellt zuletzt Ansätze vor und beschreibt welchen Beitrag die Bertelsmann Stiftung hierzu in den nächsten Jahren liefern möchte.

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Fachkräftesicherung ade – Die Weiterbildungsverlierer

  1. 1. Meeting Mittelstand Fachkräftesicherung ade –Die WeiterbildungsverliererDr. Martin Noack Soest, 18. November 2014
  2. 2. »Die gute Entwicklung bei der Weiterbildung zeigt, dass Deutschland sich zu einer lernenden Gesellschaft entwickelt.« Johanna Wanka Bundesministerien für Bildung und Forschung März 2013
  3. 3. »Wir helfen der Politik, dem Staat und der Gesellschaft, Lösungen für die Zukunft zu finden.« Reinhard Mohn (1921–2009), Stifter »Menschen bewegen. Zukunft gestalten. Teilhabe in einer globalisierten Welt.« Bildung Integration & Zuwanderung Politik & Wirtschaft Gesundheit Kultur & Gesellschaft …
  4. 4. wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet und hat heute weltweit ca. 330 Mitarbeiter bei etwa 65 Mio. Euro Budget p.a. ist operativ mit eigenen Projekten tätig, um zusammen mit Partnern gesellschaftlichen Wandel voranzubringen arbeitet unabhängig und parteipolitisch neutral versteht sich als integraler Teil unserer Gesellschaft und baut auf die Werte Freiheit, Solidaritätund Menschlichkeitsowie auf den Wettbewerb Reinhard Mohns Vision: Gesellschaftlichen Wandel fördern Die Bertelsmann Stiftung…
  5. 5. Zukunft Bildung: Unser Ansatz im Überblick Menschen bewegen. Zukunft gestalten Teilhabe in einer globalisierten Welt Bildung und Beschäftigungsfähigkeit in einer immer heterogeneren Gesellschaft Gesellschaftliche Teilhabe durch Chancengerechtigkeit FrühKi Früh investieren lohnt sich Ausbildung Ausbildungs- garantie Schule Leistungsstark & Chancengerecht Hochschule Vielfalt als Chance Lebenslanges Lernen Weiterbildung für alle Weiterbildung alle ermöglichen
  6. 6. Herausforderung: Mehr & wirksamer lernen, ein Leben lang Zwei Blick- winkel Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit: Wir brauchen Fachkräfte! Demografischer Wandel: 6,5 Mio. weniger Erwerbspersonen bis 2025 Wirtschaftsstandort gefährdet: 2025 fehlen 1,8 Mio. Fachkräfte Chance: Qualifizierung Geringqualifizierter (700.000 Fachkräfte wären aus nur 20% der heutigen Geringqualifizierten zu gewinnen) Gesellschaftliche Chancengerechtigkeit: Jedem die Chance auf Bildung! 7,5 Mio. “funktionale” Analphabeten in Deutschland 6,1 Mio. Erwerbspersonen ohne abgeschlossene Berufsausbildung Chance: Bildung für Beschäftigungssicherheit und Teilhabe (Mit Berufsabschluss ist das Arbeitslosigkeitsrisiko nur 1/4 so hoch wie ohne) Quelle: Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland, Bundesagentur für Arbeit, 2011; Level-One Studie 2010; BIBB REPORT Ausgabe18/12
  7. 7. Einleitung
  8. 8. 1. Forschungsfragen Wie häufig nehmen atypisch Beschäftigte im Vergleich zu Normalbeschäftigten an Weiterbildung teil? Wie hat sich ihre Weiterbildungsbeteiligung in den letzten Jahren entwickelt? Welche Gruppen sind besonders benachteiligt? Wie erleben atypisch Beschäftigte selbst ihre Weiterbildungschancen?
  9. 9. 2. Definitionen Atypische Beschäftigung (eine oder mehrere der folgenden Merkmale): Befristet beschäftigt In Teilzeit beschäftigt (< 35 h/Woche) In Zeitarbeit beschäftigt Geringfügig beschäftigt (< 400 €/Monat; „mini-job“) Vs. Normalbeschäftigung (keines der Merkmale liegt vor) Prekäre Beschäftigung Einkommen unterhalb des Erwerbsminimums (< 700 €/Monat) Formale Weiterbildung Sowohl formales als auch non-formales Lernen (organisierte Lernaktivitäten) Vs. Informelle Weiterbildung
  10. 10. 3. Datenquellen und Methode BIBB/BAuAErwerbstätigenbefragung 2005/2006 & 2011/2012 CATI Befragung mit n = 20.000 Teilnehmern Berufsbezogene Weiterbildung in den letzten 2 Jahren (j/n) Grundlage der meisten Analysen Mikrozensus 2003 & 2009 CAPI (by-proxy) Befragung mit n=830.000 Teilnehmern Berufsbezogene oder allgemeine Weiterbildung im letzten Jahr (j/n) Analysen zu prekärer Beschäftigung und Arbeitslosen Probit-Regressionen der Weiterbildungsbeteiligung und -zufriedenheit Stichprobe:15-64 Jahre, außer Studenten, Azubis, Wehr-und Zivildienstleistende, Soldaten Kontrollvariablen:Bildungsstand, Erwerbsstatus, Nationalität, Alter, West- Ost, Branche
  11. 11. 4. Größe des Phänomens 7.9 Millionen oder einer von vier abhängig Beschäftigten ist atypisch beschäftigt Das entspricht einem Anstieg von knapp 30% zwischen 2003 und 2011 Entwicklung atypischer Beschäftigung von 2003-2011
  12. 12. Ergebnisse
  13. 13. 1. Atypisch Beschäftigte liegen hinter Normalbeschäftigten zurück und werden immer weiter abgehängt… BIBB/BAuA
  14. 14. … selbst kontrolliert für Bildung, Branche, Alter& Nationalität. BIBB/BAuA
  15. 15. 2. Weiterbildungschancen von prekär & atypischBeschäftigten sind noch schlechter als die von Arbeitslosen Mikrozensus 2009
  16. 16. 3. Ausländer sind besonders benachteiligt BIBB/BAuA 2011/12
  17. 17. 4. Geringqualifizierte sind besonders benachteiligt BIBB/BAuA 2011/12 Problem:6,1 Mio. Erwerbspersonen ohne abgeschlossene Berufsausbildung haben ein 4-faches Arbeitslosigkeitsrisiko wie solche mit Berufsausbildung
  18. 18. 5. Atypisch Beschäftigte wünschen sich mehr Weiterbildung BIBB/BAuA 2011/12
  19. 19. 6. Lichtblick informelle Weiterbildung BIBB/BAuA 2005/06
  20. 20. Fazit
  21. 21. Ist Atypische Beschäftigung eine Sackgasse? Manchmal ist atypische Beschäftigung wünschenswert z.B. Teilzeitarbeitslösungen während der Kindererziehung oder im Rahmen der (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt nach Arbeitslosigkeit Aber sie bringt auch erhebliche Nachteile mit sich z.B. Lohneinbußen und spätere niedrigere Rentenansprüche Atypische Beschäftigung sollte daher möglichst nur zum Einstieg in den Arbeitsmarkt genutzt werden, nicht als Dauerlösung. Vor allem ohne ausreichende Weiterbildungsmöglichkeiten kann atypische Beschäftigung aber sogar zu einem Teufelskreis werden: Weniger Weiterbildung Geringere Aufstiegschancen Verfestigung der sozialen Situation Prekarisierung
  22. 22. Fehlende Informationen zu Lernangeboten Unzureichende Kompetenz der Lehrer Lernangebote vorbei an Bedarfen der Zielgruppe Schlechte Lernerfahrung Negative Einstellungen gegenüber Lernen Fehlendes Wissen um den Nutzen von Lernen Fehlende Vorbilder für Lernen Soziale Stigmatisierung von Lernen Fehlende Gelegenheiten um zu Lernen Persönliche Gründe Soziale Gründe Institutionelle Gründe Welche Gründe sprechen für WB-Abstinenz?
  23. 23. Halbwertszeit des Wissens sinkt dramatisch Häufige Berufswechsel (nur 1/3 verbleibt im Erstberuf) Qualifizierungsdefizit (insbes. beim „unteren Viertel“) Seite 23 Gleichzeitig: Traditionelle Formale Bildungskarriere: Lernen findet hauptsächlich non-formal und informell statt, wird aber nicht formal anerkannt Außerdem: Formale Bildung enthält hohe Hürden
  24. 24. Kompetenzen und Arbeitsmarktchancen bei Geringqualifizierten Aus: Heisig/Solga(2013) Kompetenzen und Arbeitsmarktchancen von gering Qualifizierten in Deutschland Kompetenzen zahlen sich bei GQ Männern nicht im Sinne einer Reduktion des Nichterwerbsrisikos aus –ganz im Gegensatz zum Ausland 2 Bisherigen Verfahren zur Kompetenzanerkennung gelingt es mit Fallzahlen von unter 30.000/Jahr im Wesentlichen nicht Geringqualifizierten hier einen echten Weg zu bauen. Schöpf (2014) Die Situation in Deutschland: Die Anerkennung der Ergebnisse informellen und non-formalen Lernens bei formal Geringqualifizierten: Status Quo und Perspektiven
  25. 25. Ausblick auf Aktivitäten der Stiftung
  26. 26. Lösungsansatz: Das System an das Individuum anpassen, nicht umgekehrt Negativerfahrung (schulisches) Lernen Informations- & Motivations- defizit Hohe formale Hürden und Sackgassen Maßgeschneidertes Lernen Lebensnahe Beratung Anerkennung von Kompetenzen Pädagogisch geschulte WB-Lehrkräfte Lernlust via Lernspiele & -community Schnelle Lernerfolge durch individuelle Anspruchsniveaus Zeitlich/räumlich flexibles Lernen Individuelle Ansprache (Beratung geht von individuellen Stärken aus) Planung der Bildungslaufbahn Transparente Angebote vor Ort Modularisierte (Aus)bildung Zertifizierung von Praxiserfahrung Durchlässigkeitzwischen Berufen Flexibilisierung des Systems ProblemLösungUmsetzung
  27. 27. Aufklärung: DeutscherWeiterbildungsatlas Erstmalig deutschlandweit regionalisierteDarstellung von 1.Weiterbildungsteilnahme 2.Weiterbildungsangebot Vergleichbarkeit durch Berücksichtigung der Sozialstruktur, Wirtschaft & Infrastruktur Fallstudien in Regionen zur Entwicklung von Transferempfehlungen Dadurch hilft der Deutsche Weiterbildungsatlas einen Überblickzu erhalten Defizite / Potentialezu erkennen Handlungsmöglichkeitenabzuleiten
  28. 28. Karten und Datensteckbriefe WB-Teilnahme WB-Angebot Sozialstruktur Wirtschaftliche Rahmenbedingungen … Karte aus www.Deutscher-Lernatlas.de
  29. 29. 1. Praxistool für die kompetenzorientierte Bildungsberatung Instrumente Potentialanalyse Expertenteam „Toolbox“ an Bedürfnissen der Berater orientiert
  30. 30. Toolbox Das erleichtert die Vermittlung in den passenden Job… Jobprofil besucht Beratung Kompetenzprofil/ Nachqualifizierung Vermittlung findet leichter den passenden Job bekommt einen passenden Mitarbeiter Potentialanalyse mit Toolbox
  31. 31. 2. Informations-und Lernportal für Weiterbildner wb.web Portal Wb.webist ein freies Portal, das Informationen für die Weiter- bildung bereithält. Das Portal bietet z.B. Wissensbausteine, Handlungsanleitungen und Good-Practice Beispiele. Community Wb.webumfasst eine Community, die Austausch und Kooperation ermöglicht. Dieses fördert die bedarfsorientierte Entwicklung professionellen Wissens und Könnens. Kompetenz- Entwicklung Professionelle Handlungskompetenz stellt die Grundlage qualitativ guter Weiterbildung dar, die auf Zielgruppen eingeht, innovative Lehr-und Lernformen bietet und so den Lernerfolg von Teilnehmern erhöht. + =
  32. 32. Inhalte WERKZEUGE Expertenkompass z.B. „Mapvon Experten//Organisationen Lehr/Lerninhalte z.B. „Linklisten zu OER“ z.B. „Rezensionen/Erfahrungsberichte zu Lehrwerken und anderen Lehr/Lerninhalten“ Checklisten z.B. „Checklisten zur Strukturierung von Weiterbildung, zum Einsatz von Medien und Methoden, etc.“ Video-Fall- Laboratorium Link dahin Lehr/Lernhilfen Apps die helfen Weiterbildung zu gestalten, z.B. Methodenkartothek; z.B. „Rezensionen/Erfahrungsberichte zu Lehr/Lernhilfenn“ Fallbeispiele z.B. „Fallbeispiele zu Konzepten/Methoden“ + Verlinkung mit Rezensionen/ Erfahrungsberichte Fortbildungen z.B. „Fallbeispiele zu Konzepten/Methoden“ z.B. „Erfahrungsberichte zu Tools“ Methoden-App Link dahin FORUM MEIN PROFIL Beratung z.B. „Theorien/Konzepte/Methoden der Beratung“ Methoden z.B. „Theorien/Konzepte/Methoden zu Methodeneinsatz“, „Lernumgebungen gestalten,“ Kursphasen/Lerneinheiten“ Lehren/Lernen z.B. „Theorien/Konzepte/Methoden des Lehrens/Lernens,“ „Pädagogische Psychologie,“ „Voraussetzungen des Lernens,“ „Lernbarrieren“, „Lernziele“ WISSEN Arbeitsfeld z.B. „Was ist Weiterbildung“; „Einrichtungen der WB“; „Berufe in der WB,“ „Recht in der WB“ , „Zentrale Bezugstehorien“ Interaktion z.B. „Theorien/Konzepte/Methoden zum Thema Interaktion“ „Kommunikation/Interaktion,“ „Umgang mit Gruppen“ Medien z.B. „Informationen zu OER,“ „Online und online Medien,“ „Mediendidaktik“ Diagnose z.B. „Individuelle Diagnostik,“ „Formen der Validierung,“ „Anwendung Profilpass“ wb.Kompetenzen Wegweiserseitezum Kompetenzmodell wb.Situationen Wegweiserseitezur Handlungskette WEGWEISER wb.Teilnehmer Wegweiserseitenzu Zielgruppen wie z.B. Geringqualifizierten wb.Themen Wegweiserseitenzu z.B. Digitalisierung, OER News z.B. „Aktuelle News“ z.B. „Veranstaltungshinweise“ z.B. „Thema der Woche/des Monats“ AKTUELLES Veranstaltungen z.B. „Veranstaltungsdatenbank“ z.B. „Train theTrainer Angebote“ z.B. „Terminlisten“ „Kalender“
  33. 33. 3. Studie zur Anerkennung von Kompetenzen Wie gehen andere Ländern hinsichtlich der Anerkennung vor? Welche Systeme haben sich dort etabliert, wie werden sie genutzt und wie werden sie in der jeweiligen nationalen Diskussion bewertet? Welche Modelle oder Elemente davon können für Deutschland beispielgebend sein? Auswahl der Länder, die bereits gute Erfolge bei der Anerkennung des non- formalen und informellen Lernens von Geringqualifizierten: Ziel:Die deutsche Diskussion zur Umsetzung der Rats-Empfehlung von 2012 befruchten. Geplante Veröffentlichung im Frühjahr 2015.
  34. 34. #bstll #Dukannstwashttp://blog.aus-und-weiterbildung.eu/ Aus-undWeiterbildung
  35. 35. Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Dr. Martin Noack Senior Project Manager Programm Lernen fürs Leben Bertelsmann Stiftung Carl-Bertelsmann-Straße 256 | 33311 Gütersloh | Germany Telefon: +49 5241 81-81476 | Fax: +49 5241 81-681544 E-Mail: martin.noack@bertelsmann-stiftung.de

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