Jens MurkenArchivpädagogik 2.0 – erste SchritteAbstract:Lehrer als Freunde, Stalking als Freizeitbeschäftigung und Soziale...
Wäre die Welt (aus archivarischer Sicht) eine ideale Welt, dann würde die öffentliche Handstets die benötigten Mittel für ...
nur zielgruppenorientiert. Archivpädagogik ist vielfach ein zeitlich befristetesBeziehungsangebot der Archive an Schülerin...
Herausforderung der Archivpädagogik besteht genau darin, den Archivbesuch – den erstenKontakt mit dieser neuen Welt – zu e...
Kommunikationsmöglichkeiten ist das Internet auf vielfältige Weise in den Alltag vonJugendlichen eingebunden. Die tägliche...
im Leben stehen, was sie interessiert, wie sie denken, wie sie sich orientieren, auch zeitlich,wie sie argumentieren, ihre...
archivromantische Exkurs nicht den Blick dafür trüben, dass auch die gerühmte face-to-face-Kommunikation ihre Defizite hab...
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Archivpädagogik 2.0 – erste schritte, jens murken (landeskirchliches archiv, evangelische kirche von westfalen)

  1. 1. Jens MurkenArchivpädagogik 2.0 – erste SchritteAbstract:Lehrer als Freunde, Stalking als Freizeitbeschäftigung und Soziale Netzwerke als Sucht: DiePädagogik und im Speziellen die Archivpädagogik hat sich auf besondere Voraussetzungen,Erwartungen und Bedingungen einzulassen, will sie Schülerinnen und Schülern, überhauptJugendlichen den Zugang zu Archiven vermitteln. Diese besonderen und – im Vergleich zufrüher – veränderten Voraussetzungen resultieren aus der digitalen Revolution. SofernArchive mit Nutzungserwartungen von Jugendlichen konfrontiert sind, können sie ihrearchivische Medienkompetenz – in Bezug auf alte wie auf neue Medien – an diesen Fällennachzuweisen versuchen – ein durchaus konstruktiver gegenseitiger Kennenlernprozess überQuellenkunde, Recherchestrategien und Medienkritik.1. Archivpädagogik ist soziale Netzwerkbildung. Offene Archive als Prinzip und Ziel Historische Bildungsarbeit für Schülerinnen und Schüler Kompetenzorientierung im außerschulischen Lernort Forschend-entdeckendes Lernen Archivische Inhouse-Veranstaltung Zielgruppenorientierung Nachfrageorientierung Methoden- und Medienvielfalt Menschen- statt Materialorientierung2. Web 2.0 ist (historische) Bildungsarbeit. Experimente! Kollaboration und Kooperation Crowdsourcing Kommentierung Tagging Inhaltsorientierung statt Provenienzorientierung3. Web 2.0 ist Archivpädagogik. Selbermachen Gegenseitiges Lernen Wechsel der Vermittlungsrichtung Soziale Netzwerke erklären Analoge Medienangebote durch Schüler bewerten, erschließen & nutzbar machen Aus Offline-Ideen Online-Beiträge machen Netzwerke ausbauen und dazu einladen Geschichte(n) dekonstruieren und rekonstruieren>>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 1
  2. 2. Wäre die Welt (aus archivarischer Sicht) eine ideale Welt, dann würde die öffentliche Handstets die benötigten Mittel für die Archivarbeit bereitstellen, ein Förderverein die Archivarbeitmateriell wie immateriell unterstützen und lediglich wissenschaftlich gut durchgebildeteBesucher das Archiv und dessen Bestände nutzen und die Produkte des Archivs in einem sehrguten Licht dastehen lassen. Wäre die Welt (aus archivarischer Sicht) eine ideale Welt, dannwären Pädagogik und Bildungsarbeit von den Zielgruppen selbst, also von den per seinteressierten Schülern und von durchweg intellektuellen Studenten, regelmäßig proaktivnachgesuchte Dienstleistungen des Archivs, die sich allein auf die inhaltliche Erarbeitunghistorischer Themengebiete konzentrieren dürfen. Ja, wäre die Welt (aus archivarischer Sicht)eine ideale Welt, dann wären „offene Archive“ keine Frage oder These, sondern eineZustandsbeschreibung und eine Selbstverständlichkeit.Solange die Welt (aus archivarischer Sicht) aber noch unfertig ist, solange wir die archivischeParusieverzögerung erleben müssen, haben wir es in der Archivpädagogik und in derHistorischen Bildungsarbeit mit dem typischen pädagogischen Dilemma zu tun: Diebeabsichtigte Wirkung unserer Bemühungen tritt nicht immer ein! Alle Aneignungsvorgänge,alles Verstehen und Lernender Schüler und Studenten sind nicht erzwingbareSubjektleistungen.1 Schauen wir einmal, was wir tun können! Bei diesem Schauen verzichteich auf gesonderte Beispiele, da wir gestern und heute bereits zahlreiche Anregungen,insbesondere durch die Vorträge von Christoph Deeg zum Gaming und Daniel Bernsen zuden Geschichtslehrererwartungen, erhalten haben.Archivpädagogik drückt das Verhältnis zwischen Archiv und Schule aus; Archive verstehensich dabei als außerschulische Lernorte. Archivpädagogik nimmt dementsprechendherkömmlicherweise Jugendliche in ihrer Rolle als Schülerinnen und Schüler in den Blick,nicht Jugendliche in ihrer gänzlichen Lebenswelt. An außerschulische Zielgruppen wiederumwendet sich die „Historische Bildungsarbeit in Archiven“, die gesondert zu betrachtenwäre.2„Das Ziel archivpädagogischer Arbeit ist es“, so eine klassische Definition, „Geschichtesinnlich und persönlich erfahrbar zu machen.“3 Archivpädagogik ist auch Teil derarchivischen Öffentlichkeitsarbeit und damit archivische Selbstdarstellung. Archivpädagogikist durchaus auch auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Archive ausgelegt. Sie ist nicht1 Erhard Meueler: Kreativität und Scheitern, in: Stefan Zahlmann/Sylka Scholz (Hg.): Scheitern und Biographie.Die andere Seite moderner Lebensgeschichten,Gießen2005, 237-253.2 Thomas Lange/Thomas Lux: Historisches Lernen im Archiv, Schwalbach/Ts. 2004, 26.3 Ebd., 47. >>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 2
  3. 3. nur zielgruppenorientiert. Archivpädagogik ist vielfach ein zeitlich befristetesBeziehungsangebot der Archive an Schülerinnen und Schüler, geschieht punktuell undunregelmäßig. Auf mehr Kontinuität angelegt sind hingegen jene „Bildungspartnerschaften“,von denen bereits die Rede war, die aber aufgrund der Fluktuation nicht mit Schülernverabredet werden, sondern mit Schulen.Archivpädagogik hat, selbstkritisch gesagt, durchaus einen deutlichen Anteil anunidirektionaler, frontalerund gelenkter Kommunikation, es gibt beispielsweiseArchivführungen und Archivpräsentationen. Archivpädagogik ist zugleich aber durchausmethodisch innovativ und fördert forschend-entdeckendes Lernen undKompetenzorientierung,beispielsweise durch Gruppenarbeit und Projektarbeit. „Es gibt eineWelt, in der Unterricht Begeisterung entfacht“, heißt es in einer aktuellen Telekomwerbungfür ihre Netzqualität. Man sieht dabei junge Menschen am Tablet. Das kann aber durchausauch für die gelungene Archivpädagogik gelten. Und schließlich, wenn es um „offeneArchive“ geht, ist wohl zu konstatieren, wie es Roswitha Link vom VdA-Arbeitskreis„Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit“ in der Diskussion tat, dass es dieArchivpädagogik war, die sich in Deutschland verstärkt seit den achtziger Jahren etablierte,und die die Archive und die Archivare (teilweise bis heute) mühsam von derMaterialzentriertheit zur Menschenorientierung führte.4 Betrachtet man die jetzigen erstenSchritte der Archive in die Sozialen Netzwerke, dann kommen den Archivpädagogen dieseGehversuche sehr bekannt vor. Trotz dieses Déjàvubetreten auch die Archivpädagogen hierzumeist Neuland.Neuland betreten auch die Schülerinnen und Schüler, die aus guten Gründen und in guterAbsicht ins Archiv verbracht werden. Sie werden ja in der Regel dazu angehalten, kommenim Rahmen des Unterrichts ins Archiv. Und auch wenn Archivare und Archivpädagogen essich wünschen und es anders sehen: Nicht für alle Menschen ist das Archiv auf Anhieb dasGrößte! Archive sind nicht Teil der Popkultur, die Besucher werden weder ob ihresAussehens noch ob anderer Talente gecastet. Archivbesuche sind zunächst einmalZwangsmaßnahmen und verordnet. Das soll nicht heißen, dass eine solche Pflichtübung durchdie Mitwirkung der Archivpädagogen nicht zu Freuden und zu Spaß führen kann! Eine große4 Vgl. Volker Schockenhoff: Historische Bildungsarbeit – Aperçuoder „archivische Kernaufgabe“? Diegegenwärtige Diskussion um die zukünftige Rolle öffentlicher Archive, in: Öffentlichkeit herstellen – Forschenerleichtern. 10 Jahre Archivpädagogik und historische Bildungsarbeit. Vorträge zur Didaktik, Bremen 1996, 19-31. >>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 3
  4. 4. Herausforderung der Archivpädagogik besteht genau darin, den Archivbesuch – den erstenKontakt mit dieser neuen Welt – zu einer nachhaltig positiven Erfahrung zu machen.Dafür ist es unerlässlich, dass die Archivpädagogik den Schwenk von derAngebotsorientierung hin zur Nachfrageorientierung vollzieht. Dabei können die SozialenNetzwerke zum Handwerkszeug, zum Kommunikationsraum und durchaus auch zumGegenstand werden. Ein allein instrumentelles Verständnis von Web 2.0-Anwendungen fürdie Archivpädagogik – gestern fiel einmal der Satz „Technologie ist ein Werkzeug“ – dieswürde den auf gegenseitigen Austausch und auf gemeinsames Lernen abzielendenMöglichkeiten der Sozialen Netzwerke– wie der Archivpädagogik selbst – nicht gerechtwerden. Die Archivpädagogik hat zielgruppenorientiert zu erfolgen, und damit geht es nichtnur darum, die Schülerinnen und Schüler fachlich dort abzuholen, wo sie stehen, sondernlebensweltlich. Denn Archive erfüllen institutionell wie auch gesellschaftlichQuerschnittsaufgaben und bieten tief gestaffeltes Orientierungswissen. Die medialeLebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern, die sich nicht einfach in virtuell und realsplitten lässt, sieht heutzutage wie folgt aus:Sechs- bis Dreizehnjährige Kinder nutzen (Angaben ihrer Haupterzieher zufolge) täglich rund100 Minuten den Fernseher bei gleichbleibender Tendenz über ein halbes Jahrzehnt seit 2005betrachtet, 33 Minuten das Radio bei deutlich sinkender Tendenz, 21 Minuten das Buch beileicht sinkender Tendenz, 44 Minuten des PC mit steigender Tendenz, 24 Minuten dasInternet mit deutlich steigender Tendenz und 36 Minuten täglich PC-/Online-Konsolenspielen, die stark im Kommen sind. Unter den älteren Schülern, den 12-19-jährigenJugendlichen nutzten 2011 mehr als drei Viertel täglich oder mehrmals die Woche Online-Communities. Sie taten dies für die Schule, weil man dort neue Freunde findet, weil man aufdem aktuellen Stand bleibt über Angelegenheiten der Gegend, der Schule und der Freunde,weil da auch Partys veranstaltet werden und weil dort auch andere sind, mit denen man sichüber dieselben Interessen austauschen kann. Bei widersprüchlicher Berichterstattungvertrauen die Jugendlichen hingegen am ehesten, zu 40%, der Tageszeitung: „Wenn dieeinmal gedruckt ist“, so äußerten es jugendliche Umfrageteilnehmer, „kann man es nicht mehrändern, also wird besser recherchiert.“5 Nur zu 14 Prozent vertraut man in solchen Fragendem Internet.6 Dem Internet kommt gleichwohl eine zentrale Bedeutung zu; mit zahlreichenAngeboten von Unterhaltung, Information, Spielen und verschiedenen5 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, Pressemitteilung 03/12.6 JIMplus Nahaufnahmen 2011, hg. v. Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, 50, 51, 55. >>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 4
  5. 5. Kommunikationsmöglichkeiten ist das Internet auf vielfältige Weise in den Alltag vonJugendlichen eingebunden. Die tägliche Onlinezeit der 12-19-Jährigen liegt beidurchschnittlich 134 Minuten, die meiste Zeit verbringen Jugendliche dabei mitKommunikation. Vier Fünftel der Jugendlichen zählen zum Kreis der Computer-, Konsolen-und Onlinespieler; 42 Prozent sind regelmäßige Spieler.7 Ich nenne diese Zahl, um dieHinweise auf die Bedeutung des Gamingszu unterstreichen. Dabei ergaben die Studien desMedienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, auf die ich mich hier stütze, übrigensdurchaus, dass die Kinder und Jugendlichen die nicht mehr ganz so Neuen Medien zwarausgiebig nutzen, aber durchaus noch nicht vollständig kompetent im Umgang mit ihnen sindund die Elterngeneration nicht in allen Belangen übertrumpfen können. Bleiben Sie am Ball –und an der Konsole!Was tun die Schülerinnen und Schüler, mit denen wir es im Archiv zu tun haben, also? –Siedaddeln, sie gamen, sie chatten, sie talken und sie stalken auch, sie kommunizieren,konsumieren und sie ‚glotzen‘ TV. Und auch wenn sie uns mitunter gegenüber treten, alswären ihren Körpern schlagartig sämtliche Muskeln entzogen worden, so sind sie doch sehrfindig, fokussiert, ausdauernd, konzentriert, geschickt und mitteilsam. Sie könnenGeschichten nacherzählen und weiterentwickeln, Chats moderieren, Handel treiben undsimulierte Pressekonferenzen abhalten. Ungläubig staunt man: sie lernen forschend undentdeckend, sie handeln genauso, wie es gute Pädagogen im Unterricht und wie es guteArchivpädagogen im Archiv bewirken: durchs „Selbermachen!“ Mein 13-jähriger Sohn hatGeschichtsbewusstsein erlangt durch das Basketballspiel für die Playstation und indem er sichdort intensivst mit der Historie der NBA, der National Basketball Association,auseinandergesetzt hat, und jeden „Pick“ bei den NBA-Drafts der letzten 50 Jahre recherchierthat, auch Spielzüge der besten Mannschaften und Spieler auf Youtubeverglichen hat und siedann auch am Korb neben unserer Haustür selbst ausprobiert hat. Ich habe großes Vertrauen,dass er nun jedes gestellte schulische Thema wird gründlich recherchieren können (sofern esihn inhaltlich genauso packt wie Basketball), aber ich habe auch die große Befürchtung, dasser bald besser Basketball spielen wird als sein Vater. – Wie auch immer: Lehrer undArchivpädagogen liegen mit Blick auf die Handlungsorientierung methodisch also gar nichtfern von ihrer Klientel, sie stehen nur medial auf einem anderen Level. Es geht daher darum,von den Schülerinnen und Schülern, von den Jugendlichen, zu lernen und zu erfahren, wo sie7 JIM-Studie 2011. Jugend, Information, (Multi-)Media, hg. vom Medienpädagogischen ForschungsverbundSüdwest, 65. >>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 5
  6. 6. im Leben stehen, was sie interessiert, wie sie denken, wie sie sich orientieren, auch zeitlich,wie sie argumentieren, ihre Meinungen austauschen und begründen, was sie anstreben.Ansonsten bliebe es bei ahnungsloser Denunziation der Lebenswirklichkeit der Schüler undJugendlichen als „beunruhigende Parallelwelt“.8Archivpädagogik muss weiterhin methodisch und inhaltlich flexibel sein, sich auch auf dieTagesform einer Gruppe einlassen, und sie muss sich selbst kritisch hinterfragen.Web 2.0 und Soziale Medien sind ein wichtiger, zeitintensiver Teil der Lebenswirklichkeit,der Weltsicht, des methodischen Zugangs auf Wissensbestände und derKommunikationsformen der Schülerinnen und Schüler. Die Archivpädagogik hat, wie derSchulunterricht, Teil dieses Kosmos zu sein, will sie den Schülern zu Bildungserfolgenverhelfen.Ich möchte jetzt dennoch einmal etwas ‚reminiszent‘ und archivromantisch werden undbehaupten, dass Archivpädagogik nicht an Maschinen delegiert werden kann (vielleicht nurim Semantic Web 3.0). Web 2.0 kann die Archivpädagogik nicht substituieren! DieArchivpädagogik hat maßgeblich in Archiven stattzufinden, sie lebt von der face-to-face-,nicht von der facebook-to-facebook-Kommunikation. Es geht nicht darum, ein Bild von sichaufzubauen, wie es in Sozialen Netzwerken geschieht, sondern Bilder und Geschichtsbilder zudekonstruieren und zu rekonstruieren. Während Web 2.0 Anonymität bietet, bieten Archiveeinen geschützten Lernraum: Argumente können entwickelt und ausgetauscht werden, ohneGefahr einer direkten Veröffentlichung via Tweet oder Video. Archive können eine positiveLernatmosphäre bieten, sie sind ein stressfreier Raum. Web 2.0 hingegen kann nachhaltigStress bedeuten, auch enorme Konkurrenz und durchaus auch Rivalität, nicht nur unterGamern.Archivpädagogik hingegen sollte auch ein haptisches Erlebnis sein, nicht nur das Gesprächdarüber. Berühren statt Anklicken. Sie sollte mit in ihrer Integrität und Materialität nicht-reproduzierbaren Quellen geschehen, Aufmerksamkeit für die Vorsorge vor Datenverlustenwecken. Es muss doch ein Qualitätsmerkmal von Archivierung sein, wenn auch Facebookund Google partout versuchen, sich alles zu merken! All das kann dazu verhelfen, dieMechanismen der Web 2.0-Matrix zu entschlüsseln und sich in den sozialen Netzwerkendieser Welt – online wie offline – fundierter zu orientieren. Dennoch sollte der leicht8 So die Regisseurin AelrunGoette, in: taz, 26.9.2012, 13. >>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 6
  7. 7. archivromantische Exkurs nicht den Blick dafür trüben, dass auch die gerühmte face-to-face-Kommunikation ihre Defizite haben kann, wenn beispielsweise eine persönliche Begegnungzunächst oder überwiegend Äußerlichkeiten, wie Kleidung und körperlicher Zustand,thematisieren lässt, wohingegen man im Chat oder im Blog selbst und bewusst entscheidenkann, welche Informationen man preisgibt und welche man lieber vorenthält. EtlicheMenschen erleben Internetkommunikation daher durchaus als Erleichterung derKontaktaufnahme.9Wenn die Welt (aus archivarischer Sicht) eine ideale Welt wäre, dann wären beide,Archivpädagogik und Web 2.0, Ge(h)hilfen für ein besseres Leben. Dies nicht alsInstrumente, sondern als Teil der Lebensführung. Archivpädagogen sollten zwar anstreben,dass Archive außerschulische, nicht aber, dass sie außervirtuelle Lernorte bleiben!Über den Referenten:Dr. Jens Murken M.A., geb. 1969, Historiker und Diplom-Archivar (FH), Studium an derWWU Münster (1988-1995) und extern an der FH Potsdam (2001-2005), 1995-2001 wiss.Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an den Unis Münster, Bremen, Gießen und Marburg,1997/98 Software-Schulungsreferent Fa. Augias-Data, seit 2001 wiss. Mitarbeiter bzw. seit2007 Leiter des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen (inBielefeld).Kontakt:Evangelische Kirche von Westfalen- Landeskirchliches Archiv -Bethelplatz 2, 33615 BielefeldTel.: 0521/594-296Jens.Murken@LkA.EKvW.dehttp://www.facebook.com/pages/Landeskirchliches-Archiv-der-Evangelischen-Kirche-von-Westfalen/114211471997231https://twitter.com/313_jm9 Vgl. Dörthe Sontag: Die modernen Kommunikationsmittel und das Dialogische Prinzip, Stuttgart 2008, 57. >>Tagung „Offene Archive? Archive 2.0“, Speyer 22./23.11.2012 (Stand 23.11.2012)<< 7

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