Wer Gestaltet Was, 2008

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Wer Gestaltet Was, 2008

  1. 1. Seite 1 von 3 Copyright ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH 2008 Prägt das Unternehmen die Logistik oder die Logistik das Unternehmen? Von Ralf Strehlau Die angekündigte Glaubensfrage „Prägt das Unternehmen die Logistik oder die Logistik das Unternehmen?“ wird von den Abteilungsleitern in Ihrem Unternehmen sicherlich ganz unterschiedlich beantwortet werden – je nach zeitlicher Nähe und Ausmaß der letzten Kundenreklamation. Aber wie wird diese Frage von Insidern wie dem Logistikleiter, dem Lagerleiter, dem Leiter Fuhrpark oder dem Leiter Materialwirtschaft beantwortet werden? Schauen wir uns zuerst die verschiedenen Schritte in der Entwicklung des logistischen Verständnisses in der deutschen Wirtschaft an. Zum Ende der 80er Jahre wurde die Logistik als Instrument zur Durchführung logistischer (Liefer-) Aufgaben innerhalb eines Unternehmens verstanden. Hier ging es im Wesentlichen darum, produzierte Ware möglichst schnell und kostengünstig zum Kunden zu bringen. Liefertermintreue wurde vom Verlader relativ einseitig gesehen: je schneller desto besser. Auch Liefermengentreue wurde ganz klar eingeschätzt – allerdings vom Kunden: je mehr desto besser. Das Image des Lagers sowie der Beschäftigten war ziemlich schlecht. In der Betrachtung von außen fehlte nicht viel, um das Bild der Arche Noahs zu vervollständigen. Einige Jahre später – zu Beginn der 90er –, änderte sich das Bild. Die Logistik wurde als Unternehmensfunktion neben den klassischen Unternehmensbereichen wie z.B. Einkauf, Produktion, Vertrieb wahrgenommen. Erste Logistikleiter wurden ernannt und etabliert. Dies führte zu diplomatischen Verwerfungen in den Führungsetagen einiger Unternehmen. Die Arche Noahs lebte weiter. Als Unternehmensfunktion wurden nicht nur operative Aufgaben der Logistik gesehen, sondern auch Administration und Disposition einbezogen. Die Grenze zwischen Verlader und Transporteur begann zu verschwimmen in dem z.B. Disponenten möglichst nah an die Quelle des Gutes platziert wurden, um näher an der Information zu sein und schneller reagieren zu können. Die Synchronisierung von Waren- und Informationsfluss begann. Kennzahlen – i.d.R. kundenzufriedenheitsbezogene Größen zu Lieferung und Lieferqualität – wurden erhoben. Aber die Lösung logistischer Fragen blieb i.d.R. auf den einzelnen Funktionsbereich beschränkt. Bis hierher kann mit Sicherheit eingeschätzt werden, dass das Unternehmen die Logistik geprägt hat. Mitte der 90er Jahre wandelte sich die Wahrnehmung der Logistik zum institutionellen Konzept, das die Einordnung der Logistik in das Organisationssystem beinhaltet sowie die aufbauorganisatorische Strukturierung der Logistik. Zur erfolgreichen Umsetzung aufkommender Logistikkonzepte wurden Aufgaben und Kompetenzen in eigenständigen Einheiten gebündelt. Die Hauptaufgabe dieser Maßnahme bestand in der ganzheitlichen Optimierung der Material- und Informationsflüsse. Viele Unternehmen bauten (logistische) Stabstellen auf. Dort wurden Prozesse analysiert, auf den Kern reduziert und vereinheitlicht. Auf Basis dessen konnten interne und später auch externe Vergleiche (Benchmarks) aufgebaut werden, um die Bereiche in einen Wettbewerb und damit zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu bewegen.
  2. 2. Seite 2 von 3 Copyright ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH 2008 Die optimierten und standardisierten Prozesse mit definierten Schnittstellen konnten gut an Dritte übergeben werden. Mit der Outsourcingwelle versuchten einige Produzenten, sich von (leidigen) Logistikfragen elegant zu verabschieden – und zahlten Lehrgeld. Mit dem salonfähig gewordenen Outsourcing begann die Logistikkette über den Rand des Unternehmens hinaus zu wachsen. Höhere Aufwände bei der Bewältigung von „Ausreißern“ im Tagesgeschäft standen gegen die Einsparung oder zumindest Flexibilisierung von Kosten. Eigene Prozessunzulänglichkeiten waren in der weiteren Kette spürbar und wurden von den Vertragspartnern i.d.R. geahndet. Managementkonzepte wie z.B. 3PL* und 4PL** erschütterten die Logistikwelt und wurden kontrovers diskutiert. Kurz nach dem Jahrtausendwechsel herum wurde damit begonnen, die Logistik grundsätzlich als Steuerungs- und Führungskonzept anzusehen. Damit wurden strategische Gestaltungsaspekte in den Vordergrund gerückt; logistisches Denken und Handeln in sämtlichen Unternehmenseinheiten und Hierarchiestufen. Wenn heute Unternehmen neue Absatzmärkte erobern möchten, werden im gleichen Atemzug auch logistische Fragen gestellt: Ω Wo wird was in welcher Qualität zu welchem Preis produziert? Ω Können von diesem Standort aus die Lieferzeiten gehalten werden? Ω Ist der Transportpreis adäquat? Ω Bis zu welchem (letzten) Punkt können Produktionsaufträge geändert werden? Sind wir flexibel genug? Ω Wie viele (Produktions-)Standorte leiten sich daraus ab? Ω Wie muss die passende Beschaffungsseite aussehen? Ω Rentiert sich der (Gesamt-)Ansatz – auch unter logistischen Gesichtspunkten? Die Lösungsfindung bei strategischen Fragestellungen mit Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen wird heute also ganz unmittelbar von logistischen Themen geprägt. Die Logistik hat sich emanzipiert und prägt das Unternehmen. Welche Auswirkung hat dieser Denkansatz auf Ihr Unternehmen? Welche Ableitungen müssen daraus für Ihr Unternehmen getroffen werden? Ist die Logistik auch bei Ihnen – wirklich schon – emanzipiert? Überprüfen Sie dies mit unseren 6 Fragen: 1. Ist die Logistik in der obersten Führungsebene als eigenständiger Bereich verwurzelt? 2. Sind in den Unternehmenskennzahlen auf oberster Ebene logistische Kenngrößen vertreten? 3. Wird die Logistik bei der Überprüfung der Unternehmensstrategie einbezogen? 4. Ist die Logistik von Anfang an bei der Produktentwicklung beteiligt? 5. Können logistische Kenngrößen aus dem Tagesgeschäft in Echtzeit auf Knopfdruck ermittelt werden? 6. Gibt es in der Personalabteilung ein Programm zur Rekrutierung und Entwicklung von logistischen Führungskräften? * Unter Third Party Logistics Provider (3PL) versteht man externe Logistikdienstleister, die für ihre Kunden Transport und Lagerung übernehmen, und dabei eigene Kapazitäten (LKW, Lagerhallen) einsetzen. Immer öfter übernehmen Third Party Logistics Provider weitere Aufgaben für ihre Kunden, die über Transport und Lagerung hinausgehen (Mehrwertdienstleistungen / Value-Added-Services). **Fourth Party Logistics Provider (4PL) sind Dienstleister, die logistische Abläufe koordinieren, ohne mit eigenen Mitteln am physischen Warenumschlag beteiligt zu sein. Beispiele für Fourth Party Logistics Provider sind Betreiber von Softwaresystemen zur Verfolgung von Warenströmen (Tracking & Tracing) oder Speditionen, die reine Frachtvermittlung betreiben ohne eigene LKWs oder Lagerkapazitäten zu stellen.
  3. 3. Seite 3 von 3 Copyright ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH 2008 Wenn Sie 3x oder häufiger mit NEIN antworten mussten, dann kontaktieren Sie und unter ralf.strehlau@anxo-consulting.com oder Telefon 06192 / 402 69 0. ANXO. Wir verändern Ihre Welt. Quellen: Wildemann, Horst (2008): Entwicklungspfade der Logistik. In „Das Beste der Logistik“, Herausgeber: Helmut Baumgarten; Springer-Verlag, S. 161 ff. Bretzke, Wolf-Rüdiger (2006): Sieben Thesen zur zukünftigen Entwicklung logistischer Netzwerke. In „Supply Chain Management“, H. 3, S. 7 ff.

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