Logistikkennzahlen Sinn und Unsinn

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Logistikkennzahlen Sinn und Unsinn

  1. 1. Seite 1 von 3 Copyright ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH 2011 Logistikkennzahlen: Sinn und Unsinn Von Ralf Strehlau In vielen Unternehmen landauf und landab werden logistische Kennzahlen ermittelt – mal mehr und mal weniger. Diese werden vielerorts entweder genutzt, um das Gewissen zu beruhigen („Wir machen auch Logistikcontrolling.“) oder in den „Rückspiegel“ zu schauen. So können abgeschlossene Ereignisse auf der Zahlenebene nachvollzogen werden und außerordentliche Auftragseingänge oder überdurchschnittliche gute Produktivität im Kommissionierbereich auf der Zeitachse sofort erkannt werden. Leider nutzen nur wenige Unternehmen die ermittelten Kennzahlen dazu, planerisch und steuernd auf das operative Geschäft einzuwirken und das gewonnene Wissen über die eigenen Abläufe für die Zukunft zu nutzen. Wie gehen Unternehmen vor, die erfolgreich mit Kennzahlen arbeiten? Worauf legen die Entscheider wert? Wie kann man das Controlling effizient gestalten und eine Informationsflut oder ganze Controllerarmeen vermeiden? Die Literatur hilft für eine Orientierung kaum weiter. Werke wie „100 Logistikkennzahlen“ oder die VDI- Richtlinie 4490 „Operative Logistikkennzahlen von Wareneingang bis zum Versand“ mit 300 Kennzahlen verwirren im ersten Schritt eher als sie helfen. All diese Zahlen für das Steuern von logistischen Abläufen zu nutzen ist unsinnig, zeitraubend und nicht zielführend. Dabei gibt es einen kleinen pragmatischen Leitfaden, wie bei der Überprüfung oder Festlegung von Kennzahlen in der Logistik vorgegangen werden kann. Übrigens: Ein Kennzahlensystem wird immer top-down aufgebaut! 1. Festlegen, wozu die logistischen Kennzahlen dienen sollen  Zieldefinition Erfolgreiche Unternehmen richten ihr Geschäft an ihrer Strategie aus. Demzufolge sollten auch die Kennzahlen und deren Werte an die Unternehmensstrategie gekoppelt sein. Mit welchen logistischen Kenngrößen könnte der Geschäftsführer einschätzen, ob das Unternehmen auf dem richtigen Weg zur Erfüllung der Strategie ist? Hat sich das Unternehmen beispielsweise vorgenommen, den Kunden in das Zentrum des eigenen Handelns zu stellen, dann wäre die Lieferzeit (Zeit zwischen dem Eintreffen des Auftrags oder des Abrufs bis zur Ablieferung der Ware beim Kunden) eine sinnvolle Kennzahl. Die Kennzahl muss auch mit einem Zielwert verbunden sein, z.B. die Lieferzeit soll nicht länger als 48 Stunden sein. Achtung: Gemessen wird beim Eintreffen der Ware beim Kunden und nicht bei der Übergabe an den Transportdienstleister. Weitere Logistikkennzahlen, die sich oft aus der Unternehmensstrategie ableiten lassen: Liefertermintreue (Punktgenaue Belieferung des Kunden) oder Logistikkosten (gesamte Kosten, die für logistische Abläufe - z.B. auch Beschaffungslogistik - anfallen im Verhältnis zum Umsatz).
  2. 2. Seite 2 von 3 Copyright ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH 2011 2. Vereinbarung, welche Kennzahlen auf welcher Führungsebene aussagekräftig und sinnvoll sind (Einflussfaktoren, um das gesteckte Ziel erreichen zu können) Sind die Logistikkennzahlen auf Geschäftsführungsebene festgelegt, muss in den nächsten Führungsebenen überprüft werden, welche Faktoren Einfluss auf die Kennzahlen der ersten Ebene haben. Dabei sind wirklich alle Bereiche des Unternehmens gemeint. In vielen Unternehmen haben z.B. die Kundenverantwortlichen im Vertrieb die Möglichkeit, dringende (und damit teure) Sonderfahrten zum Kunden zu beauftragen. Damit hat der Vertrieb direkten Einfluss auf die Transportkosten des Unternehmens. Im Bereich Produktentwicklung werden neue Produkte entwickelt, die dann gefertigt und gelagert werden. Je höher die Produktvielfalt eines Unternehmens, desto höher werden bei einer made-to- stock-Produktion die Lagerbestände sein. Werden diese Produkte nicht mit einem sinnvollen Maß an Standardisierung entwickelt, wird sich auch der Bestand an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen erhöhen. Wichtig ist, alle Bereiche des Unternehmens zu beleuchten, wenn es um Auswirkungen auf Logistikkennzahlen geht. 3. Bitte nicht mehr als eine Handvoll Kennzahlen = Fünf! Haben Sie in einem Brainstorming eine Vielzahl von logistischen Kennzahlen auf den entsprechenden Ebenen identifiziert, dann kommt der schwierigste Punkt der Übung: Beschränken Sie sich! Wählen sie nicht mehr als 5 Kennzahlen aus. Diese bieten i.d.R. genügend Übersicht, vermeiden eine Informationsüberflutung und halten den Aufwand der Auswertung in einem sinnvollen Rahmen. 4. Kennzahlen, deren eindeutigen Datenquellen, das Reporting-Intervall und den Kennzahlenverantwortlichen zu dokumentieren hilft, Missverständnisse zu vermeiden Pro Kennzahl und Ebene sind jetzt die eindeutigen! Datenquellen festzulegen. Hier sind Missverständnisse vorprogrammiert. So ist z.B. Umsatz keine eindeutige Kennzahl. Es muss vereinbart werden, ob Bruttopreise, Nettopreise oder Preise vor oder nach Rabattgewährung als Basis herangezogen werden. So geht es mit einer Reihe von vermeintlich eindeutigen Zahlen. Außerdem ist festzulegen, in welchen Intervallen gemessen und dokumentiert werden soll; täglich, wöchentlich, monatlich oder gar jährlich. Dies ist die Gratwanderung zwischen „informiert sein und steuernd einwirken können“ und „Aufwand produzieren“. 5. Festlegung in welcher Art und Weise die Daten ausgewertet und die Kennzahlenwerte vorgelegt werden „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Je nach Kennzahl ist zu überlegen, ob und welche Darstellungsform sinnvoll ist; mal hilft ein Säulendiagramm, mal ist ein Tortendiagramm besser geeignet. Sollen auch Abweichungen zu Vormonats- oder Vorjahreswerten dargestellt werden? Durch Prägnanz und Übersichtlichkeit hilft die richtige Darstellungsform Muster zu erkennen, Trends abzulesen oder Ausreißer zu identifizieren. Man kann die richtigen Schlüsse ziehen und Gegenmaßnahmen einleiten.
  3. 3. Seite 3 von 3 Copyright ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH 2011 6. Entscheidungen sicht- und spürbar aus diesen Kennzahlen ableiten Damit sind wir bei einem sehr wichtigen Punkt: Entscheidungen und Maßnahmen. Werden aus der Veränderung der Kennzahlenwerte weder Schlüsse gezogen noch Maßnahmen eingeleitet, verkommen logistische Kennzahlen sehr schnell zum Papiertiger. Die Erfassung erfolgt halbherzig, die Qualität leidet und die Zahlen verwässern. In Unternehmen, die logistische Kennzahlen erfolgreich einsetzen, wird aktiv mit den Zahlen umgegangen – in jeder Ebene des Unternehmens:  Negative Entwicklungen in der Liefertermintreue werden zum Anlass genommen, aktiv auf den Kunden zuzugehen und Gegenmaßnahmen darzulegen  Steigende Bestandszahlen führen zu intensiven Gesprächen mit Vertretern aller betreffenden Bereiche wie Vertrieb, Produktmanagement, Einkauf, Produktion und Logistik. Es werden Entscheidungen in der Produktionsplanung, zur Intensivierung vertrieblicher Aktivitäten oder zu Verschrottungsaktionen im Lager getroffen. 7. Tue Gutes und rede darüber! Neben der Kommunikation negativer Abweichungen und deren Management ist es auch wichtig, positive Entwicklungen bekannt zu machen. Gegenüber Kunden und Mitarbeitern sollte das Erreichte dargestellt werden. Und noch etwas: Kennzahlen und Zielwerte überholen sich im Laufe der Zeit. Wenn Sie also das gesetzte Ziel erreicht haben, dann scheuen Sie sich nicht, Kennzahlen und Kennzahlenwerte über Bord zu werfen, die Bandbreite der Kennzahlenwerte zu verändern (z.B. Liefertermintreue in der Kundenbelieferung auf 98%) oder ganz neue Kennzahlen aufzunehmen (z.B. „Drehzahl“ im Fertigwarenlager). Das Geschäft und die Rahmenbedingungen ändern sich; warum nicht auch Ihre Kennzahlen? Sollten Sie Fragen zu logistischen Kennzahlen oder zur sinnvollen Auswahl von Steuergrößen haben, dann kontaktieren Sie uns unter ralf.strehlau@anxo-consulting.com oder Telefon 06192 / 402 69 0. Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung. ANXO. Wir verändern Ihre Welt.

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