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Ihre Meinung?
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VERTEILUNG VON ANALOGEM UND DIGITALEM TV-EMPFANG IN DEUTSCHLAND
Privathaushalte mit TV-Empfang
Quellen: Alm, Statista
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WARUM SOLLTEN UNTERNEHMEN TRANSPARENT SEIN?
Ergebnis einer Befragung von Personen zwischen 14 und 69 Jahren in Deuts...
Idylle als Verweigerung
Saubere Kinderhände halten fein
gesiebten Torfboden. Ein Schmet-
terling fliegt in das Sonnenlicht...
AnzahlderTafeln
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Wirtschafts- und
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Rentenpolitik
Kriminalität/Frieden/
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  1. 1. WIR STELLEN FRAGEN UND DRUCKEN IHRE ANTWORTEN! n°29 WAS WELCHE WIE STÄRKT UNSERE GESELLSCHAFT? U.a. mit: Arved Fuchs, Susanne Tyll, Gregor Gysi, Rolf Zuckowski, Friedrich von Metzler, Susanne Gaensheimer, Roswitha Hesse-Stender VERANTWORTUNG HABEN UNTERNEHMEN?U.a. mit: Julian Nida-Rümelin, Sahra Wagenknecht, Rainer Dulger, Katja Kraus, Jessika Weber, Edda Müller, Saskia Juretzek DIGITAL IST DEUTSCHLAND?U.a. mit: Günther Oettinger, Allison Düttmann, Thorsten Dirks, Jens Heithecker, Eckehard Grube, Eva Regensburg, Gerd Pfitzenmaier
  2. 2. E d i t o r i a l S E I T E 20-25 Was stärkt unsere Gesellschaft? Von alltäglichen kleinen Gesten und großen Initiativen haben uns Menschen geschrieben, wie wir zusammenfinden und einander beistehen können. Darunter sind eine Pfadfinderin, Deutschlands bekanntester Linken-Politiker, ein Mäzen, der Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, der Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, ein Kinderliedautor, ein Umweltaktivist, der Bundesvorstand Jugendpresse, die Direktorin des Museums für Moderne Kunst Frankfurt, ein Social-Media-Enthusiast und Sie, unsere Leserinnen und Leser. S E I T E 12-19 Welche Verantwortung haben Unternehmen? Unternehmen müssen heute zwischen Effizienz und Nachhaltigkeit jonglieren. Die reine Renditejagd bringt keine guten Schlagzeilen mehr. Empfehlungen für die richtige Strategie geben der Generalsekretär des Rats für Nachhaltige Entwicklung, der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, eine Nachhaltigkeitsmanagerin, die Vorstandsvorsitzende von Transparency International, eine Aufsichtsrätin eines Sportartikelherstellers, ein Philosoph und Sie, unsere werte Leserschaft. S E I T E 4-10 Wie digital ist Deutschland? Exportweltmeister sind wir schon. Doch können wir auch in der digitalen Welt Schritt halten? Eine Bestandsaufnahme wagen der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, eine Zukunftsforscherin, der IFA-Geschäftsführer, ein Digitalisierungskritiker, der Bitkom-Präsident, ein Berater für digitale Kommunikation, eine Medienpädagogin, ein Entwickler für Industrie 4.0 und Sie, unsere Leserinnen und Leser. S E I T E 26 Letzte Seite In seiner Kolumne beschreibt der Herausgeber, was veröffentlichte Meinung bewirken kann. SO FUNKTIONIERT DAS MAGAZIN SIE KÖNNEN AUF DIE TITELFRAGEN DER AKTUELLEN UND NÄCHSTEN AUSGABE ANTWORTEN. Experten Leser Werbekunden IM NÄCHSTEN HEFT DRUCKEN WIR EINE MÖGLICHST VIELFÄLTIGE AUSWAHL VON LESER- UND FACHMEINUNGEN. Antwort direkt auf: www.plus-drei.de oder Antwort an: antwort@plus-drei.de 3 Mein Unternehmen: vernetzt. Meine Steuerberaterin: mit mir verbunden. Mit der sicheren DATEV-Cloud. Der digitale Wandel revolutioniert unsere Arbeitswelt. Und bietet neue Chancen: Gemeinsam mit Ihrem Steuerberater und den Software- und Cloud-Lösungen von DATEV entlasten Sie Ihr Unternehmen bei zahlreichen Geschäftsprozessen – etwa beim Rechnungswesen oder in der Personalwirtschaft. Dank des leistungsstarken DATEV-Rechenzentrums mit Sitz in Deutschland wird die digitale Zusammenarbeit mit Ihrem Steuerberater erleichtert. Und bleibt einfach sicher. Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater oder informieren Sie sich auf www.datev.de/vertrauen oder unter 0800 100 1116.
  3. 3. + 14 W I R F R A G E N : ... und was ist Ihre Meinung? www.plus-drei.de antwort@plus-drei.de WIE DIGITAL IST DEUTSCHLAND? › Die Warum-nicht-Logik Nimmt man als Vergleichsobjekt das Silicon Valley, lautet die Antwort: Deutschland ist nicht so richtig digi- tal. Hauptgrund dafür ist die unter- schiedliche Aufgeschlossenheit des Einzelnen und der Gesellschaft. Dem deutschen Perfektionismus und ak- ribischem Planen steht die individu- elle proaktive Experimentierfreude des Valleys gegenüber: Lernen pas- siert während Prototyp, Beta-Versi- on, Produkt 2.0 – ohne absehbares Ende. Das gilt für Start-ups, die nach Moonshots greifen, aber auch für die generelle Leitkultur des Silicon Val- ley, in der Traditionen, Hierarchien und Titel keine Rolle spielen; alles kann neu erfunden werden. Diese elementare Aufgeschlossenheit re- sultiert nicht nur in einer frühen Ad- option von Technologien, sondern im Willen verschiedene auszupro- bieren, bis die optimale gefunden ist. Während in Deutschland der vor- nehm zugeknöpfte Individualismus dominiert, wird die Shareconomy hier innig gelebt: In Kooperationen teilen Menschen Haus, Auto und Haustier und die eigene Arbeit wird als Open Source freigegeben. Das Prinzip des Teilens beflügelt den Digitalismus: Das Lebensumfeld strotzt nur so vor Events, in denen Tech-Interessierte zusammenkommen, um ihr Wissen zu teilen, was den Schneeballeffekt verstärkt, der Technologien „viral“ ge- hen lässt. Von den Eigenschaften, die das Valley zum digitalen Spitzenreiter machen, könnte man sich mindestens zwei Scheiben abschneiden: mehr ex- perimentieren und mehr teilen! Allison Düttmann, Zukunftsforscherin Foresight Institute Kalifornien 5+ 1 Verweigerung zwecklos Wer Kinder hat, kann leichter Schritt halten in dieser rasenden, sogwirken- den Digitalisierung. Streichelhandy, Apps, digitale Präsenz und Lebensor- ganisation lassen einen auch jenseits der 55 an dieser gesellschaftlichen Di- gitalisierung teilhaben. In atemberau- bender Geschwindigkeit kann ich mir Ökogemüse bestellen, meine Fahrkar- te besorgen, mich bewerben und bis- her unergründliche Informationen, Wissensanhäufungen und Recherchen eruieren. Die Geschwindigkeit ist phä- nomenal, raubt mir den Schlaf, ist aber mittlerweile Lebenselixier und unver- zichtbar. Zwischen gesellschaftlichem Anteil oder Sucht pendelnd kann Or- ganisation, Partizipation und Kom- munikation stattfinden, die Menschen außerhalb dieser digitalen Sphären ins Abseits katapultiert. Nicht mehr wegzudenken, wahnsinnig praktisch, lebenserleichternd – es ist die indi- viduelle Lebenskunst, sich hier den geeigneten Entschleunigungsweg zu bahnen, das Weniger-ist-mehr zu fin- den, um sich Muße und Kreativität zu bewahren. Aber ohne die Digitalisie- rung geht nichts mehr! Eva Regensburg, Leserin Wir waren mal Stars Immerhin wurde der erste frei pro- grammierbare und funktionsfähige Digitalrechner von einem Deutschen erfunden: Der erste Computer war der Z3 von Konrad Zuse. Wie will uns da noch eine andere Nation schlagen? Daniela Fischer, Leserin Abwehrreflexe Ich finde, dass die Digitalisierung die meisten Lebensbereiche enorm verän- dert. Sie revolutioniert die Vorausset- zungen für Information und Kommu- nikation, den beruflichen Alltag, die Margret V., Leserin Freizeit und vor allem das Konsumver- halten. Es ist bemerkenswert, wie we- nig die Menschen diese gesellschaft- lichen Veränderungen reflektieren. Manchmal flackert eine Datenschutz- debatte kurzfristig auf, aber führt meist nicht zu einem nachhaltigen Er- gebnis über die Schutzwürdigkeit oder Schutzmöglichkeiten persönlicher Da- ten in der digitalen Welt. Sofern dar- über überhaupt Diskussionen geführt werden, sind sie oft von einem Orwell- schen Grundton geprägt, wonach die technischen Errungenschaften zuhauf verurteilt und mit Verschwörungsthe- orien untermalt werden, die falsche Signale setzen. Ich würde einen souve- räneren Umgang miteinander im Netz befürworten. Anzeige © iStock./Jevtic Günther H. Oettinger, EU-Kommissar Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Auf einem gutem Weg Diese Frage stellen wir uns jedes Jahr. Aber auch wie digital die anderen EU- Länder sind und wie gut sie sich im Vergleich zum Vorjahr entwickelt ha- ben. In unserem Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, der jedes Jahr von meinen Experten erstellt wird, schauen wir uns verschiedene Identifikatoren an: Breitbandausbau, Internetnutzung oder digitale Kompe- tenzen. Danach steht Deutschland ins- gesamt sehr gut da. Unter den 28 EU- Ländern nimmt es Platz neun ein und hat sich auch im Vergleich zum Vorjahr in vielen Bereichen verbessert. Beispiel Internetnutzung. Während im euro- päischen Durchschnitt nur 76 Prozent das Internet regelmäßig nutzen, sind es in Deutschland immerhin 84 Prozent. Die Deutschen sind dabei immer stär- ker in sozialen Netzen aktiv und kau- fen auch häufiger im Netz ein, als es in den vergangenen Jahren der Fall war. Auch bei den digitalen Kompetenzen steht Deutschland überdurchschnitt- lich gut da. Anders sieht es allerdings bei der öffentlichen Verwaltung aus. Online-Dienste ihrer Kommune oder anderer Verwaltungen nehmen nur 19 Prozent der deutschen Internetnutzer in Anspruch. Auch beim schnellen Internet gibt es noch Aufholbedarf – einen schnellen Breitbandanschluss haben weniger Haushalte als im EU- Durchschnitt. Die Bundesregierung plant hier allerdings den Ausbau schneller Breitbandinfrastrukturen von 50 Mbit pro Sekunde zur Versor- gung aller ländlichen und städtischen Gebiete bis 2018. Und sie hat darüber hinaus in diesem Bereich bereits an- spruchsvollere Ziele für das kommen- de Jahrzehnt definiert, die mit unse- ren Ambitionen auf der europäischen Ebene im Einklang stehen. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die deutschen Unternehmen immer stär- ker die Möglichkeiten nutzen, die ih- nen das Internet bietet. Entscheidende digitale Entwicklungen wie Industrie 4.0 oder das Autonome Fahren wer- den maßgeblich von der deutschen Wirtschaft und Politik mitgetragen, womit Deutschland eine wichtige Rol- le für die digitale Zukunft Europas übernimmt. DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Sascha Puljic, Geschäftsführer Teradata GmbH Flexibilität hoch drei ist gefragt! Big Data, Smart Data, Data Everywhe- re – der Markt rund um das Daten- geschäft wächst. Datenanalysen sind nicht nur ein Trend, sondern für Unter- nehmen erfolgsentscheidend. Eigent- lich ist das nicht neu, nur ist es heute komplexer. Wo es früher um klassische Tabellen aus der Finanzabteilung oder der Warenhaltung ging, verändert die Digitalisierung, getrieben etwa durch Industrie 4.0 und Technologieverfüg- barkeit, heute alle Lebensbereiche. So geht es heute um Informationen unter- schiedlichster Art und Struktur. Kauf- historie, Fahrzeugkonfiguration, Sens- ordaten von Produktionsmaschinen, Musik oder Textnachrichten – das Da- tenuniversum ist schier unendlich. Sich diese Daten zunutze zu machen, ist eine große Herausforderung für Unterneh- men. Anbieter, die Organisationen auf diesem Weg unterstützen, gibt es vie- le. Den passenden Partner zu wählen, ist entscheidend! Als Big-Data-Pionier kann Teradata auf mehr als 35 Jahre Erfahrung zurückblicken. Teradata hat früh verstanden, dass Kunden höchst unterschiedliche Anforderungen an Datenanalysen und Technologie stel- len. Heute bieten wir unseren Kunden volle Fexibilität: Egal ob On-Premise, in einer Managed Cloud oder in der Pu- blic Cloud: Teradata-Kunden können ihre Daten in Echtzeit unabhängig vom Speicherort zusammenführen, analy- sieren und für wichtige Geschäftsent- scheidungen heranziehen. Mehr als ein Fünftel aller deutschen Bauern nutzen heute bereits Anwendungen aus der Landwirtschaft 4.0, in denen Computer einen Teil der Entscheidungen autonom treffen. Quelle: Deutscher Bauernverband
  4. 4. Anzeige + 16 › 7+ 1 Heiko Harbers, Vorstandsvorsitzender devolo AG Wir verbinden Hightech kommt aus dem Silicon Valley? Oft vielleicht, aber eben nicht immer. Auch hierzulande tut sich viel: Als Spezialist für innovative und einfache Lösungen für das moderne und vernetzte Zuhause ist die Aache- ner devolo AG Weltmarktführer im Bereich dLAN® Powerline. Dahinter verbirgt sich eine Technik, die vor- handene Stromleitungen zum Auf- bau eines Netzwerks nutzt, über das Daten übertragen werden können. Eine zusätzliche Verkabelung wird überflüssig. Möglich macht dies ein kompakter Steckdosenadapter, der sich innerhalb weniger Minuten und ohne Vorkenntnisse installieren lässt: Einfach einstecken und loslegen! Der Adapter dLAN® 1200+ WiFi ac ver- bindet das schnellste WLAN mit einer Hochgeschwindigkeits-Powerline- Technologie für das eigene Heimnetz. Die praktischen Adapter sorgen zu- hause für eine ideale Internet- wie WLAN-Verbindung – und das für alle DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT,ALSO EINE ANZEIGE mobilen und stationären Endgeräte wie Smartphones, Tablets, Smart-TVs oder PCs. Seit 2015 ist aber auch ein intelligentes, vernetztes Zuhause kein Problem mehr. Hier setzen wir eben- falls auf Do-it-yourself. Die neue Pro- duktwelt von Home Control umfasst ein umfangreiches Portfolio, mit dem jedes Zuhause im Handumdrehen zum Smart Home wird – für mehr Sicher- heit, mehr Komfort und zum Ener- giesparen. So bieten wir mit dLAN® Powerline und devolo Home Control ein breites Produktsortiment für das moderne Connected Living – alles aus einer Hand und „Entwickelt in Deutschland“. Die Kontrolle behalten Die Digitalisierung – das ist sicher – verändert unsere Gesellschaft. Wenn wir nicht aufpassen, leider nicht zum besseren. Diesem Hype kann sich dennoch fast niemand entziehen. Mich interessiert, was die immer engere Datenvernetzung und unser vergeblicher Versuch, Herr unse- rer Daten zu bleiben, sowie die aus- schließliche Fixierung aufs Ökono- mische, die der wesentliche Treiber dieser Entwicklungen ist, mit uns und unserer Art zu leben und zu wirt- schaften anrichten. Ich bin sicher, dass das unsere zwischenmenschli- che Ebene umprägen wird. Es ver- wischt nicht nur Reales und Virtuel- les. Ein Blick auf das Angebot – und die Nachfrage? – nach Gadgets auf der jüngsten Internationalen Funk- ausstellung in Berlin zeigt deutlich: Alles muss inzwischen „smart“ sein – Autos, Häuser, Kleidung, Städte. Wenn ich jedoch die Kids auf der Jagd nach Pokemons beobachte, die sich allabendlich im Park am Münch- ner Bordeauxplatz tummeln, wird mir bange. Sie jagen augenschein- lich hirnlos durch die Straßen, lassen sich dabei von einem Computerpro- gramm manipulieren. Dann merke Gerd Pfitzenmaier, Herausgeber „global – Magazin für nachhaltige Zukunft“ und Autor des Buches „Leben auf Autopilot“ Werbung ist tot Die Digitalisierung hat die Kommu- nikationsbranche wie ein Tsunami erfasst. Der Blick in den Brockhaus ist durch Google ersetzt. Der junge Youtuber LeFloid erreicht mit sei- nem Kanzler-Interview fünf Milli- onen Zuschauer – fünfmal mehr als die Jahresauflage der FAZ. Heute gibt es weltweit mehr Smartphones als Zahnbürsten. Facebook zählt mehr Nutzer als das größte Land der Welt Einwohner. Paradigmen der Kommunikationsbranche stehen auf dem Kopf. Informationen sind zu jeder Zeit, überall und meist kosten- los verfügbar. Die Exklusivität einer Botschaft wird in der Sharing-Eco- nomy ausgehebelt. Weil das Internet der Dinge sich mit allem verbindet, wird die Vernetzung zur zentralen Stellschraube, zum Betriebssystem unseres Lebens. Wo alles mit allem verbunden ist, kann Kommunikation keine Einbahnstraße mehr sein. Statt Umwege über Medien zu nutzen, verbinden sich Marken und Unter- nehmen direkt mit ihren Kunden. Werbung in seiner ursprünglichen Form hat so keine Zukunft, weil sie lästig ist. Das Schicksal der Kommu- nikationsbranche liegt daher in der Fähigkeit umzudenken: Werbung muss berühren, statt nur zu errei- chen. Sie muss aus sich heraus Ser- vice sein. „Entertain me“ oder „Help me“ ist die schlichte Erwartungshal- tung. Nur in sich relevante Inhalte finden Gehör und verbreiten sich von alleine. 2008 schrieb die New York Times: „Wenn die Nachricht wichtig ist, wird sie mich finden.“ 2016 wis- sen wir, dass dies stimmt. Christian Rätsch, Berater für digitale Kom- munikation und Blogger Hochgerüstete Laien Im privaten Bereich scheuen viele Men- schen neue Techniken. Da der Kontakt zur persönlichen Anwendung und ge- zielte Beratung fehlen, existiert die Mei- nung: Das ist nichts für mich. Haben Menschen beruflich die Vorteile und Prozesse der Digitaltechnik erfahren, werden moderne Techniken und Geräte sowie Anwendersoftware privat genutzt. Jedoch muss ich oft feststellen, dass die Features eines Gerätes oder einer Soft- ware nicht voll genutzt werden, da man keine Zeit oder Interesse hat, sich mit der Komplexität auseinanderzusetzen. Die Anwendungsmöglichkeiten, die ein Au- toradio, ein Navi, ein Handy oder andere Geräte bieten, bleiben für viele im Ver- borgenen. Beruflich wird man geschult und erlernt neue Prozesse und die Funk- tionen neuer Maschinen. Privat beschäf- tigt man sich oft nur mit dem Nötigsten. Noch bleibt der Kreis der Anwender der Digitaltechnik überschaubar. Eckehard Grube, Leser ich, wie aktuell Orwell noch immer ist und wie richtig Wissenschaftler heute liegen, die wie etwa Sarah Spie- kermann eine ethische Einbindung der Maschinen in ein Gefüge fordern, das garantieren soll, kann und muss, dass diese schöne neue Welt nicht aus dem Ruder läuft. DAS DEUTSCHE WEB IST ZU LANGSAM, Länder mit dem schnellsten Internetzugang WIE WERDEN INTERNETANGEBOTE GENUTZT? Umfrage von Personen ab 14 Jahren in Deutschland Dein digitaler Freund und Helfer Ich bin froh, in dieser Zeit der Digita- lisierung zu leben. Wir haben mit dem Internet ein Werkzeug in die Hand bekommen, das wir positiv einsetzen können. Bei Katastrophen zum Bei- spiel kann viel schneller reagiert und dadurch auch Leben gerettet werden. Dafür gibt es in den letzten Jahren sehr viele schöne Beispiele. Und die Entwicklung steht erst am Anfang. Ich bin gespannt, was auf uns die nächsten Jahre zukommen wird. Mary Bauer, Leserin Bezahlbarer Fortschritt Als Konsument ist es für mich wich- tig, dass ich mir hier in Deutschland die bestmögliche Hard- und Soft- ware legal kaufen und installieren kann. Außerdem muss ich sie mir auch leisten können. Viele digitale Lösungen sind kostspieliger, mit dem deutschen Durchschnittseinkommen aber sehr wohl bezahlbar. Holger Schmidt, Leser › 29,0 21,3 20,6 19,9 18,7 18,3 18,2 17,9 17,8 17,7 13,9 Platz durchschni liche Datenübertragungsrate in Mbit/s 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 … 25 Norwegen Südkorea Schweden Hongkong Schweiz Le land Japan Niederlande Tschechien Finnland Deutschland AnteilderBefragtenin% 0 10 30 4020 50 60 70 53,4 69,4 47,7 46,8 44,2 42,2 37,8 36,5 29,1 26,4 22,2 21,8 15,8 15,1 13,0 11,7 9,6 6,1 E-Mails schreiben oder empfangen Informationen über Marken und Produkte, ihre Eigenschaften und Preise Videos im Internet anschauen We erbericht, Reisewe er, Schneeberichte Land- und Straßenkarten, Routenplaner Online-Banking, Bankgeschäfte am Computer erledigen Soziale Netzwerke nutzen Herunterladen von Musik Internetseiten von Zeitungen oder Zeitschriften Keine Internetnutzer Telefonieren über das Internet Beiträge, Kommentare in Blogs, Foren oder unter Artikeln lesen und verfassen Zeitungs- und Zeitschriftenarchive Kontakte knüpfen, neue Leute kennenlernen Stellenanzeigen, Stellenmarkt Twi er nutzen Filme oder Serien kostenpflichtig über Streamingdienste anschauen Nachschlagewerke Quellen: IfD Allensbach, Statista Quellen: Akamai, Statista Anzeige Die Digitalisierung hat unser Leben verändert und wird es zukünftig auch weiter tun. Sie wird immer mehr Bereiche unseres Lebens erreichen – auch unser Zuhause. Und ähnlich wie durch den Einzug von elektri- schen Geräten wird es auch durch den Einzug der Digitalisierung zu ei- nem deutlichen Fortschritt kommen. Im Rückblick zeigt sich, dass viele Veränderungen im Haus aus unse- rem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. So war das Wäsche waschen früher der aufwendigste Teil der Hausarbeit. Erst die zum preisgüns- tigen Standard gewordene Wasch- maschine hat dies verändert. Der daraus resultierende Zeitgewinn war enorm. Die Wäsche wurde schneller gewaschen und man konnte paral- lel noch andere Arbeiten erledigen. Der schwedische Medizinprofessor Hans Rosling bezeichnet in einem TED-Talk die Waschmaschine als die „großartigste Erfindung der in- dustriellen Revolution“ und spricht von dem „Zauber, der entsteht, wenn Wirtschaftswachstum und Elektrizi- tät aus einem langweiligen Waschtag einen intellektuellen Tag des Lebens machen“. Ein ähnlicher Zauber entsteht, wenn Geräte im Haus digitalisiert und ver- netzt sind. Dadurch sind sie in der Lage, auf verschiedene Informatio- nen zuzugreifen und diese unterein- DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE ander auszutauschen. So werden die Geräte durch Zugriff auf die besten Algorithmen über die Zeit immer besser und bieten den Bewohnern sowohl mehr Qualität, Komfort und Sicherheit als auch eine steigende Energieeffizienz, einen hohen Auto- matisierungsgrad und einen deutli- chen Zeitgewinn. Gleichzeitig sind sie aber auch in der Lage, automatisch ganz individuell auf komplexe Sach- verhalte zu reagieren. Ein aufwän- diges Gericht kann so zum Beispiel durch Automatisierung ganz einfach und vor allem zeitsparend zubereitet werden. Die digitale Transformation im Haus wird sich aber nur durchset- zen, wenn Geräte, Leuchten, Taster und vieles mehr auch unabhängig vom Hersteller zusammenspielen können. Eine Lösung hierfür bietet die digitalSTROM-Plattform, die dabei auf zwei langlebige Infrastruk- turen setzt: Stromleitung und IP. Ein weiterer Vorteil der Plattform ist ihre Offenheit. Dadurch kann sie auch mit beliebigen anderen Wegen und Protokollen sowohl drahtlos als auch verdrahtet arbeiten. Sie ist da- mit gleichermaßen sowohl für den Bestandsbau als auch für den Neu- bau geeignet. Mit der digitalSTROM-Plattform werden die Geräte aber nicht nur in- telligent vernetzt und smart orchest- riert, sondern durch zusätzliche Ser- vices auch intelligent und lernfähig, erlangen Sprachverständnis und vie- les mehr. Damit beginnt die (R)Evo- lution des Wohnens, weil Geräte im Haus verstehen, was man sagt und was man will und weil sie über ein unglaubliches Wissen verfügen. Ganz so wie früher ein Butler im Haus. Mehr dazu unter: www.digitalstrom.com Die (R)Evolution des Wohnens Martin Vesper, Geschäftsführer digitalSTROM AG
  5. 5. + 18 Es ist fünf vor zwölf Zahlreiche Expertenkommissionen kommen alle einvernehmlich zu dem Schluss, dass Deutschland im Rennen um die Digitalisierung den Anschluss verpasst. Unbestritten ist, dass die USA beim „Internet der Dinge“ eine Führungsrolle einnimmt. Bei der digitalen Transformation der Pro- zesse habe ich allerdings lange Zeit Deutschland als Vorreiter gesehen. Das liegt zum Teil an selbstentwi- ckelten Industrie-4.0-Lösungen vor allem mittelständischer Unterneh- men, die die intelligente Vernetzung von Fertigungsdaten ermöglichen. Die Fertigungen werden damit zu Hochleistungsfertigungen, Produzie- ren im Hochlohnland Deutschland bleibt wettbewerbsfähig. Man kann sich diese Fertigungen von morgen schon heute live ansehen, viele Pro- duktionsverantwortliche tun das. Am Ende des Tages sind alle voll des Lobes über die gesehene Digi- tale Produktion. Allerdings fehlt es den allermeisten Unternehmern am Mut, diese Mammutaufgabe im ei- genen Betrieb anzugehen. Es gibt jedoch keinen einzigen Grund dafür, auch nur noch einen weiteren Tag zu warten. Wenn sich dieses Verharren in der Zuschauerrolle der deutschen Unternehmer nicht rasch ändert, dann werden wir auch beim „Internet der Prozesse“ abgehängt. Wo ist der Spirit geblieben, der die deutschen Ingenieure einmal auszeichnete? Rein kennzahlengetriebene Manager verspielen unsere Marke „Made in Germany“. Industrie 4.0 gibt es nicht mit Bestellnummer, sondern nur mit Leidenschaft, Mut und Schweiß. Johann Hofmann, Entwickler für Fertigungsmanagement und Redner zu Industrie 4.0 DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Mike Tänzler, Geschäftsführer Schwaiger GmbH Intelligent vernetzt Im Zuge der zunehmenden Digitalisie- rung stellt sich für uns als traditionsbe- wusstes Technologieunternehmen nicht nur die Frage nach neuen Produkten – wir wollen unseren Kunden mehr bie- ten: Wir schaffen intelligente Lösungen, die im Alltag für ein Mehr an Komfort, Effizienz und Sicherheit sorgen. So bie- ten wir mit unserem umfangreichen HOME4YOU-Sortiment verschiedenste Produkte aus dem Bereich der Hausau- tomation, die über eine App gesteuert werden können. Die Geräte sind schnell und einfach in das Zuhause eingebun- den und können bequem vom Sofa aus oder via Handy aus dem Urlaub gesteu- ert werden. Wir wollen unsere Kunden bestmöglich bei der Gestaltung eines sicheren Zuhauses unterstützen. Unser Ziel ist es, mit unseren HOME4YOU- Produkten dem Stichwort „Haus der Zukunft“ gerecht zu werden. Ein Haus, das digital vernetzt ist, ein Heim, auf das der Verbraucher auch in Abwesen- heit Zugriff hat. Sei es nur, um via App die Wassersensoren zu überprüfen, die beispielsweise einen Rohrbruch melden können, oder um unterwegs die Heizung zu regeln. Das sind greifbare Vorteile, die Kunden verstehen und annehmen. Genau diese Vorteile werden wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen und verfolgen, weil wir wissen, dass die Digitalisierung zunehmend Einzug in unserem Leben und in unserem Zuhau- se hält. Das Haus der Zukunft ist digital. Die Wüste lebt Verschlafen hat Deutschland das In- ternet nicht. Deutsche Internetseiten können durchweg mit qualitativen Inhalten aufwarten. Doch kann man sagen, dass Deutschland fast zu ar- rogant für eine digitale Infrastruktur scheint. Hier ist man stolz auf analo- ge Strukturen wie die Autobahnen, aber in vielen Regionen hinkt die di- gitale Infrastruktur stark hinterher. Leider gibt es hierzulande immer noch weiße Flecken auf der digitalen Jens Heithecker, Geschäftsführer Internationale Funkausstellung (IFA) Berlin Landkarte, ganz zu schweigen von der schneckenartigen Datenrate. Eine Be- nachteiligung entsteht zudem durch die Sprachbarriere. Durch sie wird die Geschwindigkeit der Digitalisierung gebremst, gerade bei mittelständigen Unternehmen. Dafür kommt die Me- dienlandschaft hierzulande langsam im Netz an: Nimmt man das Beispiel Youtube, so gibt es zuhauf junge Leute, die mit einem Video mehr Menschen erreichen als alteingesessene Medien, etwa die Tagesschau. Auch auf neuen Feldern wie Smart Homes und Virtual › Es beginnt in den Köpfen Wenn in Deutschland über den Stand der Digitalisierung diskutiert wird, stehen zumeist die Risiken im Mit- telpunkt. Wir sprechen viel zu selten über die Chancen – etwa darüber, wie wir dank 3-D-Druck Produktion aus Billiglohnländern zurückholen oder über digitale Vertriebskanäle neue Märkte für unseren Mittelstand er- schließen können. Um diese Chancen besser nutzen zu können, hat sich die Bundesregierung 2014 die Digitale Agenda vorgenommen. Von deren 121 Einzelmaßnahmen sind beacht- liche 66 bereits umgesetzt und 46 in Arbeit. Darauf darf sich die Politik nicht ausruhen, sondern muss nach- legen. Wir müssen unsere Verwaltung ins digitale Zeitalter überführen. Wir müssen digitale Hubs schaffen, an de- nen wir große und mittlere Unterneh- men unserer Leitbranchen mit Start- ups und Forschungseinrichtungen zusammenbringen. Und wir müssen das Digitale in der Aus- und Weiter- bildung stärken, um die Menschen an der Entwicklung teilhaben zu lassen. Aber auch jeder einzelne ist gefordert. Entscheidend ist nicht, wie digital Deutschland heute ist, sondern wie of- fen wir digitalen Technologien gegen- über sind, wenn es um die Lösung un- serer alltäglichen Herausforderungen und die Bereicherung unseres Lebens geht. Digitalisierung ist weder ein Zu- stand noch ein Ziel, sondern ein fort- laufender Prozess, der die rasanten Innovationen der IT aufnimmt. Wol- len wir unseren Wohlstand erhalten, so müssen wir diesen Prozess mit aller Konsequenz vorantreiben. Thorsten Dirks, Präsident Bitkom Reality kann Deutschland mit span- nenden Entwicklungen punkten. Was Deutschland vor allem auszeichnet, ist seine hochwertige Produktkultur: Hier kommt ein Erzeugnis erst auf den Markt, wenn es lange getestet wurde. Das sehen wir besonders bei der Mo- bilität und der Herausforderung, wie wir die Zeit nutzen, die wir im Auto verbringen. Und nicht zu vergessen: Deutschland ist die Heimat der welt- weit führenden Messe für Consumer- Elektronik – der IFA Berlin. SCHNELLES INTERNET GIBT ES NICHT ÜBERALL Verfügbarkeit von Breitbandinternet 2015 (über 50 Mbit pro Sekunde, Anteil der Haushalte) Entrückte Leben Ich muss an dieser Stelle einmal los- werden, dass ich große Bedenken bei der Digitalisierung habe. Mein ganzes Leben lang habe ich mich gegen diese grauen Stromfresser mit den globigen Bildschirmen gesträubt, weil ich der Meinung bin, dass unser Miteinander darunter sehr leidet. Doch seit circa zehn Jahren, mit dem Aufkommen der Smartphones, wird es von Tag zu Tag schlimmer. Wenn ich durch die Stadt gehe, kommen mir immer mehr Han- dy-Zombies entgegen und ich muss auf- passen, nicht über den Haufen gelaufen zu werden. Ich schaue in der Bahn in leere Gesichter, die mit Musikunter- malung auf ihr Handy schauen. Meine Frage: Wo soll das alles hinführen? Dieter Hollwarth, Leser Wie damals bei Gutenberg Als der Buchdruck langsam aufkam, gab es große Befürchtungen, dass die neue Form der Übermittlung von In- formationen und Meinungen eine schädliche Wirkung auf die Gesell- schaft haben würde. Gleichzeitig ver- sprachen sich die Befürworter große Veränderungen, vor allem eine besse- re Welt. Heutzutage befinden wir uns in einer ähnlichen Kommunikations- Frank Messerschmitt, Leser Digitale Einöden Immer und immer mehr bewegen wir uns in einem digitalen Raum. Während vor wenigen Jahren die Leute in ihren freien Minuten auf ih- ren Handys nur alte SMS lesen konn- ten, bewegen wir uns heute mit den Smartphones in jeder freien Sekunde auf digitalen Plattformen, um zu le- sen, zu kommunizieren oder Videos zu schauen. Es ist zu einer Selbst- verständlichkeit geworden, immer online zu sein. Doch halt: Es gibt im- mer noch viele Orte in Deutschland, an denen man ewig auf einen Verbin- dungsaufbau wartet und wartet und wartet und wartet ... Rebecca Hintze, Leserin revolution wie die Menschen des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Digitalisie- rung von Informationen überschreitet die durch die Papierform gegebenen Beschränkungen und ermöglicht eine synchrone und ständige Allgegenwär- tigkeit. Das Spektrum der Einschät- zungen, was auf uns in der nächsten Zeit zukommen wird, reicht wieder von der Begeisterung über die unge- heuren Chancen bis hin zur Sorge, dass eine große Gefahr der Manipula- tion und krimineller Machenschaften bestehe. Ich bin aber dennoch sehr zuversichtlich, mitten im Anfang einer neuen, schöneren Zeit zu sein. DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Kai Figge, Vorstand G Data Software AG German Pionierarbeit Digitale Entwicklungen „Made in Ger- many“ müssen sich in keiner Weise verstecken, denn Deutschland zählt auf zahlreichen Feldern zur Weltspit- ze. So gilt das „Ruhr-Valley“ europa- weit als der IT-Security-Hotspot. Als Erfinder des Antivirus entwickelten wir hier bereits vor fast 30 Jahren die weltweit erste kommerzielle Software gegen Computerviren. Heute zählen wir zu den Technologieführern. Ge- rade die Kronjuwelen des deutschen Mittelstands, die Forschungsergebnis- se, gilt es abzusichern – nach innen und nach außen. Nur durch eine effektive Abwehr von Cyberspionage können Unternehmen wirtschaftlich erfolg- reich bleiben – bedenkt man, dass die Online-Kriminalität höhere Um- sätze generiert als der weltweite Dro- genhandel. Damit Geschäftsprozesse effektiv geschützt sind, müssen die eingesetzten Technologien aber auch handhabbar sein. Usability und Secu- rity sind unserer Meinung nach kei- ne Widersprüche. Genau hier setzen wir mit unseren Endpoint-Lösungen an. Als Lösungspartner der Microsoft Cloud Deutschland gehen wir noch ei- nen Schritt weiter und bieten als ein- ziger Antiviren-Hersteller Sicherheits- lösungen als Managed Services in der deutschen Cloud an. IT-Sicherheit be- deutet dabei immer auch Vertrauen – von wem lasse ich meine Daten schüt- zen? Hier nehmen wir als deutsches IT-Unternehmen eine herausragende Stellung ein: Wir bieten eine klare „no- backdoor“-Garantie und bekennen uns klar zum deutschen Datenschutzgesetz – und das weltweit. 9+ 1 › 52,5% Mecklenburg-Vorpommern 55,4% Brandenburg 90,1% Berlin 41,9% Sachsen-Anhalt 49,6% Sachsen 50,4% Thüringen 68,4% Bayern 71,6% Baden-Wür emberg Hamburg 94,4% Schleswig-Holstein 74,6% Bremen 93,5% Niedersachsen 71,1% Nordrhein-Westfalen 76,2% Hessen 72,1% Rheinland-Pfalz 69,0% Saarland 70,9% Quellen: BMVI, Statista Luca Tammaccaro, Vice President TomTom DACH & Italy Der Navi-Innovator Im März 2005 hat TomTom durch die Vorstellung des ersten Navigati- onsgeräts für den Massenmarkt die Navigation für immer verändert: Der analoge Atlas ist der digitalen Stra- ßenkarte gewichen. 2009 präsentierte TomTom die weltweit erste Naviga- tions-App. Seitdem ist digitale Naviga- tion ein selbstverständlicher Begleiter für Smartphone-Nutzer rund um den Globus. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass das Smartphone im Auto nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein kann: Bereits heute gehen Experten davon aus, dass zehn Prozent aller Unfälle im Straßenverkehr auf die ablenkende Wirkung von Smartpho- nes zurückzuführen sind. Deswegen hat Innovator TomTom im Rahmen der IFA 2016 ein neues Konzept für die Navigation präsentiert: Mit dem Roller-Navi TomTom VIO verbindet TomTom Technologie in Form eines zweiten Bildschirms mit dem Smart- phone. Dort wird die Karte für die Navigation angezeigt, das Smartpho- ne mit seiner immensen Rechenpower und permanenten Onlineverbindung dient als Gehirn der Lösung. Alle re- levanten Informationen werden per Bluetooth-Technologie an das Tom- Tom VIO gestreamt, das Smartphone bleibt dabei in der Tasche. So fallen die Gefahren eines Smartphones im Verkehr nicht weiter ins Gewicht, der Rollerfahrer profitiert dennoch von der Leistungsfähigkeit seines Smart- phones sowie einem speziell auf die Nutzungsbedingungen angepassten Bildschirm. Verändert TomTom damit erneut die Art, wie wir in Zukunft na- vigieren werden? DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT,ALSO EINE ANZEIGE Parallelwelten Die Digitalisierung hat die Spiele- welt revolutioniert. Ich sehe aller- dings nicht, dass Deutschland hier eine besondere Vorreiterrolle bei der Game-Entwicklung spielt. Was aber hier, wie aber wohl überall, häufiger vorkommt, als einem lieb ist, ist das Suchtverhalten, das diese Spiele aus- lösen. Ben Grossmann, Leser In die Fänge geraten Das Erste, was ich jeden Morgen nach dem Weckerklingeln mache, ist auf mein Smartphone zu gucken. Und das Letzte, was ich abends noch mache, ist darauf zu spielen. Dazwi- schen sitze ich acht Stunden bei der Arbeit am Computer und in der Mit- tagspause beantworte ich meine pri- vaten E-Mails. Ich kann nicht für alle Menschen in Deutschland sprechen, aber ich selbst scheine wohl durch- digitalisiert zu sein. Kerstin Walter, Leserin Es geht auch ohne Der Nutzen des Internets erschließt sich mir in Dingen wie dem Fahrkar- tenkauf oder dem Buchen von Feri- enwohnungen. Aber ich denke, mit allem, was das Internet oder die Di- gitalisierung zu bieten hat, muss ich mich nicht mehr beschäftigen. Ich komme sehr gut im Leben zurecht, auch wenn ich nur ein altes Handy besitze. Und ich empfinde es als un- höflich, wenn Menschen um mich herum ständig auf ihre kleinen digi- talen Geräte starren. Irene Schlicker, Leserin
  6. 6. VERTEILUNG VON ANALOGEM UND DIGITALEM TV-EMPFANG IN DEUTSCHLAND Privathaushalte mit TV-Empfang Quellen: Alm, Statista + 110 TOP-Innovator 2015: Die Häcker Automation GmbH entwickelt Anlagen zur Mikromontage und Nanodosierung. Das ist Thüringen. www.das-ist-thueringen.de Es gibt unzählige Wege Richtung Industrie 4.0. Viele führen über Thüringen. Großer Erfolg dank kleinster Technologien. Die Häcker Automation GmbH wurde beim Unternehmenswettbewerb Top-100 zum Innovator des Jahres 2015 gewählt. Das Unternehmen aus Schwarzhausen entwickelt hochpräzise Fertigungsanlagen, mit denen kleinste Bausteine gefertigt werden können, die Voraussetzung für Industrie 4.0. So trägt Thüringen seinen Teil auf dem Weg zur Digitalisierung der Wirtschaft bei. Welche Möglichkeiten sich Investoren in Thüringen bieten, erfahren Sie unter www.das-ist-thueringen.de Jetzt anschauen: der Film zum Thema Industrie 4.0. www.das-ist-thueringen.de Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Die Welt im Klassen- zimmer In Deutschland wird viel darüber geredet, wie Bildung mit digitalen Medien verändert und verbessert werden kann und sollte. Digitale Medien geben aber keineswegs eine Garantie für besseres Lernen. Viel- mehr stellen sich in dem Zusam- menhang Fragen, die uns seit jeher beschäftigen: „Wie wollen wir ler- nen?“ „Wie verstehen wir Bildung in unserer Gesellschaft?“. Die Im- plementierung digitaler Medien er- Kristin Narr, Medienpädagogin fordert ein Umdenken hin zu einer Öffnung der Bildungseinrichtungen und veränderten Rolle der Lehren- den. Wenn Ziel sein soll, dass jun- ge Menschen zu emanzipierten und mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranwachsen, dann gelingt das nur, wenn digitale Medien auch und noch viel mehr in ihren Bildungskontex- ten eine Rolle spielen. Denn Medi- en sind Teil unserer Welt, sie sind Weltlieferanten. Die Emanzipation gelingt nicht, wenn wir junge Men- schen in ein Vakuum stecken, das sich außerhalb unserer Welt befin- det und nur aus Vorgedachtem, be- reits Bekanntem und Verboten be- steht. Im Mittelpunkt steht letztlich das Sichtbarmachen und Begreifen unserer Welt. Eine kritische Hal- tung gegenüber Technologien und ein kompetenter Umgang damit er- reicht man nur, wenn man sich ak- › tiv damit auseinandersetzt. Junge Menschen müssen lernen, mit den Ressourcen und Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen, umzu- gehen – letztlich um diese Welt ein Stück mehr zu verstehen, an der Ge- sellschaft teilzuhaben und diese mit- gestalten zu können. Nicht überdrehen Bei manchen fragt man sich eher: Sind sie physisch noch da? Wenn mein Partner ständig auf sein Smart- phone schaut anstatt auf mich und ich ihm aus dem gleichen Raum eine SMS schicken muss, damit er mich wahrnimmt, dann sind wir zu digital. Katharina T., Leserin Digitale Albernheiten Ich bin seit 1982 digital – und ange- widert von der Smartphonisierung des World Wide Web. Wenn der di- gitale Fortschritt darin bestehen soll, die Nutzer zu einem unergonomi- schen Gerät zu nötigen, um sie dort besser überwachen, verfolgen und ökonomisch ausbeuten zu können, findet er ohne mich statt. Desgleichen die Albernheiten des Smart Home einschließlich des „intelligenten“ Stromzählers, der digitalen Selbstver- messung, des Internets der Dinge, der Cloud, des mobilen Bezahlens und so weiter. Mit digitaler Selbstbestim- mung hat das in der Regel nichts zu tun. Und Deutschland? Ist seit 1941 digital: Zuse Z 3. Danach die übliche Gerhard Bachleitner, Leser deutsche Misere, wirtschaftlich damit auf keinen grünen Zweig gekommen. Kleiner Tipp: Es ist unter anderem die Haltung, das heißt die Einstellung zur Wirtschaft. Früher kaufte der deutsche Revolutionär bekannterma- ßen eine Bahnsteigkarte, wenn er mit dem Zug zur Revolution fahren woll- te. Jetzt hätte man gern Disruption mit Bestandsschutz und Innovation mit Rechtssicherheit. Und die Poli- tik? Agiert angesichts des „Neulands“ wahlweise ignorant, borniert unfähig oder schlicht destruktiv. Genügend Mehrwert Es ist doch so: Generell gilt, dass sich gerade neue Technologien, die als Erleichterung und Bereicherung empfunden werden, rasch ausbreiten. Die Dynamik der Entwicklung hängt grundlegend davon ab, welchen Zu- satznutzen innovative Technologien Chris Giegler, Leser stiften. In Bezug auf die mobile Kom- munikation oder das Internet hat die überwältigende Mehrheit unserer Bürger keinen Zweifel, dass diese in ihrem Alltag einen erheblichen Vor- teil mit sich bringen. Das Empfin- den dominiert, dass vieles einfacher, transparenter und besser zugänglich geworden ist. Die Bürger schätzen vor allem die Möglichkeiten, jederzeit In- formationen abrufen zu können und sie sind von der Breite und Aktualität des Informationsangebotes beein- druckt. Die Mehrheit sieht das Inter- net als Möglichkeit, viel Zeit, Mühe und Geld zu sparen. Nicht alle deutschen Sparfüchse ma- chen jeden digitale Hype mit. Mir macht es aber einen Riesenspaß, Neues zu ent- decken und Verbesserungen zu nutzen. André Seibalt, Leser 89,884,778,273,470,657,551,546,438,632,324,819,1 6,6 6,8 7,6 8,1 8,6 10,2 10,3 7,2 7,4 5,6 3,8 2,5 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 100 AnteilderEmpfangsartin% Ausschließlich analoger TV-Empfang Ausschließlich digitaler TV-Empfang Analoger und digitaler TV-Empfang 75 50 25 0 2005 2006 74,3 68,4 60,1 53,3 45 38,3 32,2 22,2 19,2 16,2 11,5 7,7 Timo Schneckenburger, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb HD PLUS GmbH Mehr Interneteffizienz, bitte Deutschland ist sicher kein digita- les Neuland, aber auch nicht Spitze. Gerne wird über den künftigen Netz- ausbau geredet, ungern über Risiken. Sie passen nicht so gut ins Bild. Aber ausgerechnet in der Alles-ist-möglich- Welt des Internets gibt es Grenzen: die Bandbreite. Das Datenvolumen wächst immer schneller. Vor allem Videos ver- stopfen die Leitungen. Wer Fernsehen in Ultra HD erleben will, sollte einen stabilen 20-Megabit-Zugang haben. Und wenn Millionen eine TV-Show oder ein Fußballspiel gleichzeitig in HD – inzwischen die gewünschte Standardqualität – oder UHD übers Internet schauen wollten, hätten wir einen Daten-GAU, schwarze Bild- schirme. Also weniger Spaß? Nicht nötig. Manchmal reicht ein Perspek- tivwechsel, wie bei der Energiewende. Dort setzt man auf mehr Effizienz. Jede Kilowattstunde, die nicht trans- portiert werden muss, entlastet das Stromnetz. Übertragen heißt das: Je- des Bit, das nicht durchs Netz rauscht, entlastet das Netz. Aber woher mit der Interneteffizienz? Die Lösung des Problems steht nicht in den Sternen, sie existiert im All. Streaming-Anbie- ter nutzen schon heute TV-Satelliten, um ihre Verteilstellen mit Videos zu versorgen. Auch für Ottonormal-Da- tenverbraucher ist das ein interessan- ter Weg. HD und UHD über Satellit. Ohne Breitbandanschluss, ohne Sorge vor dem noch teureren Datenpaket. Dank neuer Technik kann das Satel- litensignal zuhause sogar auf Smart- phone, Tablet oder PC genutzt werden. So macht Effizienz Spaß. DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT,ALSO EINE ANZEIGE
  7. 7. + 212 W I R F R A G E N : WELCHE VERANTWORTUNG HABEN UNTERNEHMEN? © iStock./f9photos ... und was ist Ihre Meinung? www.plus-drei.de antwort@plus-drei.de 13+ 2 Nachhaltigkeit braucht Transparenz Nachhaltiger Konsum und nachhalti- ge Produktion verlangen verantwort- liches Handeln von Verbrauchern, Handel und Produzenten. Deutsch- land trägt hier eine besondere Ver- antwortung. Deutsche Unternehmen beauftragen Zulieferfirmen in vielen Teilen der Welt. Große Handelsun- ternehmen lassen ihre Waren in Bil- liglohnländern produzieren, in denen nicht selten korrupte „Eliten“ zur Ver- letzung von Menschenrechten beitra- gen. Sie alle tragen Verantwortung dafür, dass entlang der Lieferkette So- zial- und Umweltstandards eingehal- ten werden und Korruption keine Rol- le bei der Auftragsvergabe spielt. Dies wird aber nur dauerhaft funktionieren, wenn die deutschen Verbraucher ethi- sches Verhalten von Produzenten und Handel honorieren. Hierfür brauchen Verbraucher verlässliche Informati- onen über die „inneren Werte“ von Waren und Dienstleistungen. Derzeit werden ihnen diese weitgehend vor- enthalten. Unternehmen behandeln Informationen zu den Arbeits- und Herstellungsbedingungen zumeist als Betriebsgeheimnisse. Die CSR-Richt- linie der EU will die Transparenz der Geschäftsabläufe erhöhen. Große bör- sennotierte Unternehmen innerhalb der EU sollen künftig über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und Maßnahmen zur Korruptionsvermei- dung berichten. Die Bundesregierung sollte den 2017 in Deutschland tagen- den G-20-Gipfel nutzen, um auch die Schwellenländer zu mehr Transpa- renz in der Lieferkette zu gewinnen. Edda Müller, Vorstandsvorsitzende Transparency Internatio- nal Deutschland Einbinden und fördern Es gibt sehr unterschiedliche Verant- wortungsebenen für ein Wirtschafts- unternehmen. Auf der Ebene des verantwortlichen Arbeitgebers haben gesellschaftliche Veränderungen, die sinkende Bedeutung von Erwerbstä- tigkeit im Gesamtlebenskontext und ein zunehmender Wettbewerb um die besten Kräfte das Bewusstsein neu de- finiert. Neben dem Schaffen von Rah- menbedingungen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegt die Auf- gabe, so ein Unternehmen tatsächlich auf den Gewinn durch Pluralität setzt, in der Etablierung einer angemesse- nen Führungskultur. Menschen zu fördern heißt zunächst, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzu- nehmen. Auch und insbesondere bei der Förderung von Frauen ist es not- wendig, Persönlichkeitsdispositionen und Sozialisationsgrundierungen, die Frauen ausmachen, zu verstehen und zum Teil des Entwicklungsprozesses zu machen. Dazu braucht es das Be- wusstsein für das anhaltende Defi- zittrauma bei berufstätigen Müttern, für die Abwägung, die Frauen bei Aufstiegsmöglichkeiten oft zu lange zögern lässt. Auch für die Skrupel im Wettbewerb, alle Mittel einzusetzen. Die Zurückhaltung wird Frauen oft zur Last und als mangelnde Durch- setzungsfähigkeit ausgelegt. Dabei sind genau diese Eigenschaften – Empathie, Wirkungsreflexion, Mode- rationsfähigkeit und verantwortliches Handeln – die Führungskompeten- zen dieser Zeit. Katja Kraus, Aufsichtsrätin eines globalen Sportartikelherstellers Vertrauen schaffen „Eigentum verpflichtet“ heißt es im Grundgesetz. Unternehmen haben eine Verantwortung gegenüber ih- ren Eigentümern, gegenüber ihren Kunden und Geschäftspartnern, aber auch gegenüber der Allgemeinheit. Der ökonomische Erfolg eines Unter- Julian Nida-Rümelin, Philosoph und Kulturstaatsminister a. D. BE PART OF ITO 10 th Anniversary TM Organized by DIGITAL TRANSFORMATION POWERED BY M2M/IOT – PORTFOLIOS, STRATEGIES, STANDARDS M2M Summit 2016 OCTOBER 5 – 6, 2016 CONGRESS CENTER DÜSSELDORF Conference and Exhibition WWW.M2M-SUMMIT.COM Register Now! 20% Voucher-Code: m2mdus nehmens hängt in hohem Maße von einer Kultur des Vertrauens und der Verlässlichkeit in der Belegschaft und im Verhältnis zu Kunden und Ge- schäftspartnern ab. Eine kleinteilige Optimierungsstrategie von Boni-Sys- temen gesteuert kann die intrinsische Motivation von Mitarbeitern zerstö- ren und das Unternehmensethos ge- fährden. Der ökonomische Markt ist auf Bedingungen angewiesen, die er nicht garantieren kann, ja, die er auf sich selbst gestellt, zerstört. Ökono- mische Märkte sind heute mehr als je zuvor auf eine funktionierende Kom- munikation angewiesen. Ohne Wahr- Die meisten europäischen Supermarktketten beziehen Pangasius nur noch aus umweltverträglicher Produktion – und sichern so rund 60 Millionen Kleinfischern des Mekong ihre Existenz. Quelle: WWF DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Timm Duffner, Ben & Jerry’s Social Activist Peace, Love and Ice Cream Schon bei der Gründung von Ben & Jerry’s waren sich Ben Cohen und Jerry Greenfield einig, dass jedes Unterneh- men Verantwortung trägt für die Gesell- schaft, in der es agiert – und dass sein Erfolg für alle ein Gewinn sein sollte. Dieser Spirit ist heute lebendiger denn je. So basiert unser Geschäftsmodell auf der Idee von „Linked Prosperity“ – ver- knüpftem Wohlstand. Das heißt, dass jeder einen fairen Teil des Kuchens ab- bekommen soll – von unseren Vanille- und Milchbauern bis zu den Menschen, die unsere Produkte verkaufen. Um das zu erreichen, sind bei uns Produktqua- lität, verantwortungsvolles wirtschaftli- ches Handeln und soziales Engagement untrennbar miteinander verknüpft. Wir haben zum Beispiel sämtliche Sorten auf Fairtrade-Zutaten umgestellt und unser Milchbauernprogramm „Caring Dairy“ entwickelt – was Menschen, Tieren und der Umwelt zugutekommt. Das Unternehmen kommt zuerst Ein schwach wirtschaftendes Un- ternehmen wird nicht in der Lage sein, die Verantwortung zu überneh- men, nach der alle in der Kleinstadt schreien: nach der Unterstützung bei Fußballturnieren, der Finanzierung der Gruppenausstellung im Heimat- museum oder der Anzeigenschal- tung in der Schülerzeitung. Das sind alles schöne Projekte, jedes einzeln gesehen kostet auch nicht viel. Oft ist es als Unternehmer schwer, en- gagierten Gruppen klarzumachen, dass es erst einmal darum geht, die Arbeitsplätze zu erhalten, bevor man als Sponsor auftritt. Denn das ist die wichtigste Verantwortung, die ein Unternehmen hat: Es darf sich nicht übernehmen und dadurch insolvent werden. Klaus D., Leser Außerdem nutzen wir unsere Bekannt- heit, um auf gesellschaftlich relevante Themen aufmerksam zu machen. Das tun wir beispielsweise mit unseren Sor- ten: „Save our Swirled“ für Klimage- rechtigkeit, „One Sweet World“ für eine respektvolle Gesellschaft, und mit „Yes, I Dough“ unterstützen wir die Bewegung für eine Öffnung der gleichgeschlecht- lichen Ehe. Wir behaupten nicht, dass wir perfekt sind. Denn am Ende ma- chen wir „nur“ leckeres Eis. Aber wir versuchen immer Wege zu finden, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Denn für uns ist das die Ver- antwortung eines Unternehmens. haftigkeit erwächst kein Vertrauen und ohne Vertrauen entsteht weder Kundenbindung noch Loyalität der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines Unternehmens. Die ökonomi- sche Praxis muss eingebettet bleiben in den kulturellen Zusammenhang einer zivilen Gesellschaft, in der sich Menschen wechselseitig respektieren und ihre Rechte und Freiheiten ach- ten. Eine Gesellschaft, in der nicht alles zur Ware wird und deren Mit- glieder nicht nur Produzenten und Konsumenten, sondern Bürgerinnen und Bürger mit einer Verantwortung für das Gemeinwohl sind. Im Sinne aller Mitarbeiter Unternehmen haben vor allem für die Sicherheit der Arbeitsplätze zu sorgen. Das bedeutet, dass gerade Firmenfusionen nicht dazu führen dürfen, dass Manager riesige Gewin- ne einfahren, wenn sie gleichzeitig Arbeitsplätze streichen. Ein Unter- nehmen sollte hinter der Belegschaft stehen und Verantwortung für sie und deren Familien übernehmen. Eines der wichtigsten Ziele, das Un- ternehmen für die Gesellschaft ver- folgen können, ist eine hohe Beschäf- tigungsrate. Jessika Weber, Leserin Mittelpunkt Mensch Das wichtigste Ziel von weltweit agierenden Unternehmen muss die Beachtung der Menschenrechte sein. Dafür tragen sie Verantwortung. Die Menschenrechte müssen auch an Produktionsstandorten in Nied- riglohnländern eingehalten werden, an denen sie nicht die gleiche Be- deutung wie bei uns haben. Wenn die Wirtschaft wächst, muss auch die Achtung der Menschenrechte anschließen. Peter Kalkmann, Leser Nicht verhandelbar Kein Unternehmen darf an irgendei- nem Punkt in der Lieferkette zulas- sen, dass Produkte durch Kinderar- beit hergestellt werden. Es muss ihre Aufgabe sein, das zu kontrollieren. Jutta Briegendura, Leserin Mit gutem Gewissen Ich bin kein Großaktionär, sondern lege lediglich einen Teil meines Geldes, der für die Rente gedacht ist, in Akti- en an. Dabei muss ich mir überlegen, warum ich in welches Unternehmen investiere. Die Rendite spielt, wie wohl bei den meisten Anlegern, natürlich auch eine wichtige Rolle. Trotzdem würde ich von einem Unternehmen, in das ich Geld investiert habe, niemals wollen, dass es sein Geld auf Kosten der Umwelt und auf Kosten seiner Ar- beitnehmer, wie beim Arbeitsplatzab- bau, erwirtschaftet. Hannes F., Leser Der Nachhaltigkeit verpflichtet Wenn die Pariser Klimaziele erreicht werden sollen, geht dies nur mit einer grünen Wirtschaft, die sich für Ener- gieeffizienz, Klima- und Ressourcen- schutz einsetzt. Unternehmen müssen ihren Beitrag zur Dekarbonisierung leisten und ökologische Standards ein- halten. Sei es bei den Transportwegen, in einer nachhaltigen Landwirtschaft oder in energieeffizienten Gebäuden. Während dies als Ziel in der Gesell- schaft schon verankert ist, wenn auch nicht immer von Privatpersonen um- gesetzt, sollte es im besten Fall für In- vestoren ausschlaggebend sein, Gelder nur in nachhaltige Unternehmen zu investieren. Den größten Beitrag aber haben die Unternehmen selbst zu leis- ten. Hier müssen sie die Verantwor- tung übernehmen. Silvia Bratmann, Leserin › Anzeige
  8. 8. Digitale Medien verändern die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren, wie sie reisen oder einkaufen. Der sichere und eigenverantwortliche Umgang mit Medien wird immer wichtiger für den zwischenmenschlichen Austausch, die Selbstverwirklichung und das Berufsleben. Um jedem Menschen in einer zunehmend digitalen Welt die gleiche Chance zu gewähren, setzen wir uns für die Förderung von Medienkompetenz ein. Damit sich jeder im Netz wie zu Hause fühlen kann. http://www.telekom.com/verantwortung Medienkompetenztest für Lehrer, Kinder und Eltern „Scroller – Dein Medienmagazin“ kostenfrei bestellen www.teachtoday.de/medientest teachtoday@telekom.de We care – das App-Magazin der Deutschen Telekom App Store Google Play sicher selbststÄndig Damit das digitale Arbeitsumfeld zuverlässig funktioniert: Auf der Webseite www.sicher-digital.de erfahren unter anderem Selbst- ständige, wie sie Mailserver, Kundendaten und Onlinebanking von Anfang an absichern. medienparcours auf tour Wie können Kinder für eine sichere Medien- nutzung sensibilisiert werden? Mit Spaß! Ein bundesweiter Medienparcours führt Kinder und Jugendliche in pädagogischen Einrichtungen spielerisch an Themen wie Datenschutz, Urheberrecht und den respekt- vollen Umgang im Internet heran. teilhabe fÖrdern Das Internet ist für jeden da. Telekom-Mitarbeiter beantworten Menschen mit geistiger Behinderung in Medienkompetenz-Schulungen ehrenamtlich ihre Fragen zu Handy, Smartphone und Co. medienkompetenz vermitteln Mit der Webseite www.teachtoday.de bietet die Telekom ein eigenes Portal rund um die sichere und kompetente Mediennutzung. Kinder, Jugend- liche, Eltern und pädagogische Fachkräfte finden hier Infos, Materialien, praktische Tipps und ein eigenes Magazin für Kinder. digital aktiv im alter Wie motiviert man ältere Menschen, sich mit den neuen Medien auseinanderzu- setzen? Die Deutsche Telekom unter- stützt den Goldenen Internetpreis und honoriert das Engagement von älteren Menschen, die anderen beim Einstieg in die Online-Welt begleiten. mobiler einstieg fÜr kinder Wenn Kinder ein eigenes Handy bekommen, ist dies ein großer Schritt. Deshalb bietet die Telekom die Handy- karte, die mitwächst (www.telekom.de/prepaid). Der mobile Einstieg für Kinder wird hiermit noch sicherer. Eltern können die Option „Kinderschutz“ einfach zu ihrem Vertrag hinzubuchen. gemeinsam digitalisierung erleben verantwortung fÜr eine digitale gesellschaft Übernehmen.
  9. 9. + 216 WARUM SOLLTEN UNTERNEHMEN TRANSPARENT SEIN? Ergebnis einer Befragung von Personen zwischen 14 und 69 Jahren in Deutschland Um Vertrauen zu gewinnen oder zu erhalten Um ein positives Image aufzubauen Um die Loyalität der Kunden zu steigern Um als vorbildlicher Arbeitgeber wahrgenommen zu werden Um die Loyalität der Mitarbeiter zu steigern Um den Verkauf der eigenen Produkte/Dienstleistungen zu steigern Sonst bieten sie ihren Kritikern eine Angriffsfläche Um langfristig einen Imageschaden zu verhindern Anteil der beiden höchsten Antwortkategorien (Top-Two-Boxes) in % 0 4020 60 80 77 77 67 78 81 83 86 89 Quellen: Klenk & Hoursch, StatistaSaskia Juretzek, Nachhaltigkeits- managerin Manager im Dilemma Auch wenn sich immer mehr Un- ternehmen ihrer Verantwortung be- wusst werden, hapert es noch sehr an der Umsetzung von Nachhaltigkeits- strategien in der Praxis. Die größte Herausforderung für Nachhaltig- keitsmanager sind wohl die alltäg- lich zu bewältigenden Dilemmata zwischen widersprüchlichen ökono- mischen Rationalitäten (Effizienz und Nachhaltigkeit) und Konflikten zwischen den Dimensionen nach- haltiger Entwicklung selbst (sozial, ökologisch, ökonomisch). Nach mei- ner in 2013/14 unter Managern und Beratern durchgeführten Studie sind die häufigsten die zwischen Nach- haltigkeit und Kosteneffizienz. Be- rater sagten aus, dass Manager die- sen Dilemmata meistens unbewusst ausweichen – nur ein Drittel sieht eine bewusste Bewältigung. Dies er- fordert aber bestimmte, selten um- fassend vorhandene Kompetenzen der betroffenen Entscheider. Unter den fünf wichtigsten finden sich Be- harrlichkeit, Glaubwürdigkeit, syste- misches Denken, fachübergreifendes hen. Faktisch ist das leistungsloses Einkommen, das dann für Investiti- onen oder gute Löhne fehlt. Ein von der Zentralbank finanzierter öffentli- cher Wagniskapitalfonds könnte die- se Abhängigkeit überwinden helfen. Unter den gegenwärtigen Bedingun- gen dagegen können Kapitalgeber in ihrem Interesse starken Druck aus- üben. Rendite kann nicht nur durch überlegene Qualität und Produktivi- tät gesteigert werden, sondern auch, indem auf langfristige Investitionen verzichtet, der Preis bei Zuliefern gedrückt oder auch mal bei der Er- füllung von Abgasnormen betrogen wird. Unternehmer, Manager und Arbeitnehmervertreter im Aufsichts- rat haben sicherlich eine Mitverant- wortung. Aber damit sie wirklich Verantwortung für die Ziele und Pri- oritäten des Wirtschaftens überneh- men können, muss ihre Abhängigkeit von externen Eigentümern überwun- den werden. Anders ausgedrückt: Wir brauchen eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus. Marktwirtschaft ohne Kapitalismus Streng genommen können Unter- nehmen keine Verantwortung über- nehmen. Das können nur handelnde Personen: Unternehmer, Manager und Arbeitnehmer. Die aber müs- sen heute – insbesondere in großen Betrieben – die Vorgaben der Kapi- talgeber berücksichtigen. Nicht sel- ten haben Unternehmensgründer und technische Pioniere, wie schon der Ingenieur Gottlieb Daimler, so in ihren Firmen ihre Selbständigkeit eingebüßt. Das ist fatal, denn die In- teressenunterschiede sind immens. Kapitalgeber wollen Rendite sehen und Geld aus dem Unternehmen zie- Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken im Deutschen Bundestag Nachhaltigkeitswissen und Kommu- nikationsfähigkeit. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert letztlich ein Bewusstsein für Dilemmata zu ent- wickeln, alle gesetzten Nachhaltig- keitsziele langfristig zu verfolgen und die erforderlichen Kompetenzen der Manager zu trainieren. Unterneh- men müssen erkennen, dass es oft weniger relevant für einen Nachhal- tigkeitsmanager ist, Erfahrung in ei- nem bestimmten Unternehmen oder einer Branche zu haben, sondern ein fundiertes fachübergreifendes Nach- haltigkeitswissen zu besitzen. DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Schwarze Schafe Zu den Unternehmen, die am stärks- ten gefährdet sind unverantwortlich zu handeln, gehören sicherlich diejeni- gen, die metallische oder mineralische Rohstoffe importieren. Konkret geht es um Umweltprobleme vor Ort, Kor- ruption und ausbeuterische Arbeitsbe- dingungen – und im Kongo außerdem um die Finanzierung des Bürgerkriegs durch den Handel mit Rohstoffen wie Coltan, Kupfer, Zinn und Gold. Sieghard Brender, Leser › Positive Eigenwerbung Es dreht sich immer im Kreis: Die Unternehmen sagen, wir verkaufen die Produkte, weil die Kunden nach dem Preis schauen – sei es bei Rind- fleisch, bei dem die Tiere mit gen- technisch verändertem Soja gefüttert wurden, oder bei Textilien, bei deren Herstellung nicht alles so abläuft, dass man es mit ruhigem Gewissen tragen könnte. Und die Konsumen- ten sagen, man könne ja doch nicht nachvollziehen, was wie hergestellt wurde. Erst Gesetze legen einen ge- wissen Standard fest, der nicht un- terschritten werden darf. Allerdings sehe ich durchaus die Verantwortung von Unternehmen darin, die Ent- scheidung für oder gegen eine nach- haltige Produktion nicht den Kun- den zu überlassen, sondern aus der Position heraus, Lieferketten nach- vollziehen und gestalten zu können, den nachhaltigen Weg zu gehen. Dies darf dann auch ruhig kommuniziert werden. Tanja Berger, Leserin Thomas Röttgermann, Geschäftsführer Unternehmens- entwicklung, VfL Wolfsburg Fußball GmbH Vorreiter sein Jeder Mensch und jedes Unterneh- men steht in der Verpflichtung, nicht nur in seinen eigenen Kategorien zu denken, sondern bei allen Aktivitäten die Auswirkungen auf Mitmenschen, Umwelt und Gesellschaft im Blick zu haben. Das gilt vor allem für Unter- nehmen, die sich auf ihre Weise in einer exponierten Stellung befinden. Fußball-Clubs sind definitiv exponiert, für viele Fans ist „ihr“ Verein emotio- nale Heimat. Damit haben Clubs die Chance, ihre öffentliche Rolle zu nut- zen und initiative Beiträge zur Stär- kung nachhaltigen Denkens zu leisten. Andererseits erwächst daraus aber auch die Verpflichtung, möglichst in gesellschaftlichen Dimensionen zu handeln. Und dies mit Blick auf alle Stoßrichtungen der Nachhaltigkeit. Der VfL Wolfsburg engagiert sich da- her bereits seit über zehn Jahren im Bereich Corporate Social Responsi- bility. Unter dem Claim „Gemeinsam bewegen“ initiieren wir konzeptionell ausgerichtete Maßnahmen in den Be- reichen Bildung, Integration, Gesund- heit und Umwelt. Unter anderem mit der Nutzung von Ökostrom und Grau- wasser, der Unterstützung von Flücht- lingen oder dem Pflanzen von Bäumen übernimmt der VfL Wolfsburg konkret Verantwortung. Mit der Veröffentli- chung des dritten Nachhaltigkeitsbe- richtes machen wir unsere Planungen und Fortschritte transparent. Diese Transparenz macht uns glaubwürdig und motiviert alle Mitarbeiter des VfL, proaktiv zu bleiben und unsere Vorrei- terrolle in der Bundesliga unter Beweis zu stellen. › Stefan Hipp, Gesellschafter HiPP und Initiator des Bio-Bananen-Projekts in Costa Rica Bio-Bananen sind einer unserer wich- tigsten Rohstoffe für die Erzeugung unserer Ba- bynahrung. Als wir vor 25 Jahren begannen, unsere letzten Obstprodukte auf Bio umzustellen, hatten wir große Probleme, genü- gend Rohware zu bekommen, da der Bio-Anbau von Bananen noch nicht verbreitet war. Aus diesem Grund stellten wir Überlegungen an, wo auf der Welt der beste Platz ist, um Bio-Bananen für HiPP zu erzeugen. Wichtig waren uns die klimatischen Verhältnisse, aber auch eine Klein- bauernstruktur. Diese ist wichtig, um den bei der Bananenproduktion häufig auftretenden Pilzbefall unter Kontrolle zu halten. Mit einfachen Methoden, ohne Chemie einset- zen zu müssen. Wir kamen zu dem Schluss, dass Costa Rica – ein tradi- tionsreiches Bananenland – unser idealer Standort ist. In Costa Rica gibt es im Süden, in der Region Tala- manca, ein großes Reservat indige- Wenn ein Unternehmen zu seiner Verantwortung stehen will, spielt Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Die Philosophie der Familie Hipp steht seit Generationen für eine Spitzenqualität im Einklang mit der Natur. So erzeugt HiPP nun seit 60 Jahren Babynahrung mit Rohwa- ren aus biologischer Landwirtschaft. Das Beste aus der Natur – das Beste für die Natur. Doch auch der Um- gang mit den Mitarbeitern wird von der Firmenethik geprägt, denn die Bewahrung der Schöpfung schließt auch den Menschen mit ein. Dazu gehört ein ehrlicher Umgang mitein- ander und gegenseitige Hilfe. 60 Jahre Bio Die Zusammenarbeit mit den Kleinbauern vom Stamm der Bri- bri in Talamanca schließt eine un- begrenzte Abnahmengarantie ihrer Bananen mit ein. 1.000 Familien wird mit langfristigen Verträgen eine Perspektive in ihrer Heimat gegeben. Geld für Schulbücher, Bus oder Bolzplätze steht direkt zur Ver- Soziale Verantwortung Neben dem biologischen Bananen- anbau gibt es in der Region auch zahlreiche konventionelle Plantagen. Diese sind künstlich in Monokultur angelegt. Um dem hohen Schäd- lingsdruck entgegenzuwirken, wer- den blaue Plastiksäcke um die Bana- nenstauden gewickelt. Sie schützen von außen vor Schädlingen und sind darüber hinaus an der Innenseite mit Pestiziden behandelt. Die kon- taminierten Säcke werden bei der Ernte häufig achtlos weggeworfen, sodass inzwischen ganze Flussläufe in Plastikmüll versinken. Bei stei- gendem Flusspegel – vor allem in der Regenzeit – gelangt ein Großteil des Plastikmülls ins offene Meer. An- fang Dezember 2015 initiierte HiPP eine großangelegte Aktion gegen die Verschmutzung durch Plastikmüll, bei der Mitarbeiter in drei Gruppen zweimal wöchentlich die Umgebung säubern. Der aufgelesene Müll wird als Kantenschutz für Paletten wie- derverwertet. Zusätzlich wurden drei Lehrer engagiert, die in den Schulen vor Ort Vorträge zum Thema Um- weltschutz halten. Das schärft das Bewusstsein der nächsten Generati- on für einen sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen – dem wichtigsten Faustpfand für eine der artenreichsten Regionen weltweit. Umweltschutz ner Völker. Auf circa 36.000 Hektar betreibt dort eine Vielzahl von Klein- bauern nachhaltige Landwirtschaft. Inzwischen arbeiten wir mit mehr als 1.200 Erzeugern erfolgreich zusam- men. Die Landwirte bauen nicht nur Bananen an, sondern auch Kakao, Sternfrüchte, Kokosnüsse und viele andere Früchte. Durch unsere lang- fristige Abnahmegarantie sichern wir ihre Existenz und ermöglichen ihnen, in ihrer alten Tradition wei- ter zu wirtschaften. Ausschlaggebend war für uns vor allem die saubere Umwelt, denn nur in einer sauberen Umgebung ist es uns möglich, beste Bio-Bananen in bester Bio-Qualität für uns herzustellen. fügung, denn der Abnahmepreis wird direkt an die Kleinbauern aus- bezahlt. Das schafft die Basis da- für, dass die indigene Bevölkerung weiterhin in Talamanca leben und in ihrer traditionellen Weise wirt- schaften kann. So werden die Bio-Bananen wie seit jeher auf dem Rücken von Pferden zur Sammelstelle gebracht. Von dort geht es weiter zum Sixaola- Fluss. In Einbaumbooten werden die Bananen flussabwärts zur Ver- ladestelle gebracht und erreichen innerhalb von zwei Stunden den Verarbeitungsbetrieb. Dort werden die Bio-Bananen nach europäischen Hygienevorschriften zu Püree ver- arbeitet, keimfrei abgefüllt und per Schiff nach Europa gebracht. Durch diese Zusammenarbeit sichert HiPP etwa 10.000 Menschen in der Regi- on ihre Existenz. Denn neben den Kleinbauern profitieren auch Ver- ladehelfer, Bootsführer, Erntehelfer und Pferdebesitzer vom HiPP-Bio- Bananen-Projekt in Costa Rica. VERANTWORTUNG UND NACHHALTIGKEIT – BIO-BANANEN FÜR HIPP Fotos: Roland Erbacher
  10. 10. Idylle als Verweigerung Saubere Kinderhände halten fein gesiebten Torfboden. Ein Schmet- terling fliegt in das Sonnenlicht. Ein grün gefärbter Globus. Solche Bilder beschmücken oft Texte zur Verant- wortung von Unternehmen. Der Li- aison aus Chefetage und Werbeagen- tur gilt die Nachhaltigkeit als ein Stoff aus Idylle und Ideal. Das soll die reale Verantwortung auf geräumiger Distanz halten. In der realen Welt gilt indessen anderes. Dort zählt der Mut zum Übergang, wenn nötig auch zum Alleingang. Dort müssen Pro- dukte auch gegen harte Interessen verändert, Produktionen auch ein- mal eingestellt werden. Dort ist Ver- zicht zwar unangenehm, aber nicht ausgeschlossen. Dort schafft man Chancen und Nutzen, indem man die Maximierung von Gewinn am ge- sellschaftlichen Sinn bemisst. Längst geht es um mehr als ein paar „poli- tisch korrekte“ Umweltmaßnahmen. Der Nachhaltigkeitskodex überprüft auch Menschenrechte, Rohstoffe und Anti-Korruption, Beteiligung von Mitarbeiter, fairen Handel. Mittler- weile gewinnt die nachhaltige Wirt- schaft an Gewicht, in manchen Bran- chen schon sehr deutlich. Aber die Günther Bachmann, Generalsekretär Rat für Nachhaltige Entwicklung Gesellschaftliche Schlüsselposition In Deutschland haben Unternehmen in ihrem mehrheitlich als Familien- unternehmen geführten Betrieb eine traditionelle Leitfunktion und tragen eine besondere Verantwortung – für die Beschäftigten, deren Familien und auch für die Gesellschaft. Vorbild- funktion, Engagement und Verant- wortung tragen dazu bei, dass insbe- sondere kleine und mittelständische Unternehmen rückblickend betrach- tet viele Krisen und Problemsituati- onen gut gemeistert haben. Möglich machte dies aber erst der Rückhalt in der Belegschaft, die Flexibilität der Beschäftigten und deren Identifikati- on mit dem Unternehmen, für das sie arbeiten. Ist die Stimmung gut, läuft es auch im Unternehmen besser. In Zei- ten der Globalisierung, der politischen Veränderungen in Europa, des wieder aufkeimenden Nationalismus und der Angst eines Teils der Bevölkerung vor Veränderungen sind Unternehmen mehr denn je gefordert, sich in der Öffentlichkeit als Vorbild zu zeigen. Die Schaffung von Ausbildungsplät- zen, die Integration von Flüchtlingen, soziales Engagement, Mitarbeiterbe- teiligungen und stets ein offenes Ohr für die Probleme der Beschäftigten zu haben, sollten mehr denn je auf die Agenda gesetzt werden. Verantwor- tung zu haben bedeutet aber auch, sich vorbildhaft zu verhalten. Unter- nehmen, aber auch Freiberufler oder Beschäftige sollten sich immer wieder der Frage stellen, ob sie das eigene Handeln kritisch hinterfragen. Marc S. Tenbieg, Geschäftsführender Vorstand Deutscher Mittelstands-Bund (DMB) Mehrheit verweigert sich. Ihr gilt die Nachhaltigkeit noch als ideologischer Sonderposten. Komisch eigentlich, denn unverantwortliches Handeln gefährdet die Kultur eines Unterneh- men und damit dasselbe nicht selten auch als Ganzes. Die Idylle ist ein Flucht in die Verweigerung, gelebte Nachhaltigkeit ist eine Bewährungs- probe. WAS BEEINFLUSST IHR WOHLBEFINDEN AM ARBEITSPLATZ? Ergebnis einer Befragung von Berufstätigen in Deutschland WELCHE ZIELE VERFOLGEN SIE MIT IHREM CSR-ENGAGEMENT? Ergebnis einer Befragung von 297 der umsatzstärksten Unternehmen mit CSR Keine Angaben 1,3 % Sonstige 3,4 % Nachhaltiger ökonomischer Nutzen 37 % Mitarbeitermotivation 43,1 %Imageverbesserung 65,3 % Integration in das gesellschaftliche Umfeld 66,7 % Kommunikation sozialer Verantwortung 80,8 % Arbeitsklima Aufgaben Gehalt Sicherheit des Arbeitsplatzes Persönlichkeit des Vorgesetzten Entwicklungsmöglichkeiten Unternehmenskultur Sozialleistungen, Altersversorgung Förderung, Weiterbildung Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben Anteil der Befragten in % 0 10 10 11 12 12 13 31 38 42 55 5 30 4020 50 Quellen: TNS Emnid, Statista Quellen: BBDO, Statista + 218 DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Unternehmen übernehmen Verant- wortung in ihrer Region. Das spüren Gemeinden, die Unternehmen einst dazu bewegten, sich anzusiedeln: vom Wohlstand durch Arbeitsplätze bis zum Sponsoring lokaler Veranstaltungen. Roland von Hertzberg, Leser › Grün wirtschaften Jedes Unternehmen hat auch eine ökologische Verantwortung. Dabei geht es gar nicht nur um große Un- ternehmen, sondern auch um klei- ne und mittlere, die durch einzelne Schritte etwas für die Umwelt tun können. Ob bei der Lüftung, der Be- leuchtung oder energieeffizienten Antrieben: Es gibt viele Möglich- keiten, wie man Energie sparen und dadurch das Klima schützen kann. Deswegen halte ich es auch für wich- tig, dass der Energieverbrauch von Unternehmen vom Gesetzgeber in Zukunft noch strenger geregelt wird. Denn viele Unternehmen sind sich allzu oft ihrer Verantwortung nicht bewusst und setzen nur Maßnahmen zur Energieeffizienz um, wenn sie auch dazu verpflichtet werden. Marco Hermann, Leser Unternehmen sollten Verantwortung für die Summe der „Schadschöpfung“ übernehmen, nicht die Gesellschaft. Inge Lorenz, Leserin Christina Mersch, Projektleiterin „NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ Verantwortungvoll integrieren Ein Job ist ein starker Hebel, um In- tegration in die Gesellschaft zu er- möglichen. Deutsche Unternehmen, die Geflüchteten eine Beschäftigung oder Ausbildung anbieten, leisten hier Großes. Sie vereinen Integration und unternehmerisches Denken. Im „NETZWERK Unternehmen integ- rieren Flüchtlinge“ werden Lösun- gen entwickelt, um Geflüchtete und Unternehmen zusammenzubringen. NETZWERK-Unternehmen finden kreative Lösungen, die Geflüchteten und Unternehmen nützen. Mit wie viel Elan sie das tun, sehe ich bei unseren mittlerweile 850 Mitgliedsunterneh- men. Sie nutzen Jobcenter oder pri- vate Initiativen, lassen ausländische Berufsabschlüsse prüfen und recher- chieren die aktuelle Rechtslage. Prag- matisch gestalten unsere Mitglieds- unternehmen die Integration dieser Menschen in den Betrieb: Sie durch- forsten den Papierdschungel, suchen passende Ausbildungswege, organi- sieren Sprachkurse oder gemeinsame Aktivitäten. Im konstruktiven Dialog erkennen beide Seiten kulturelle Un- terschiede und lernen, aufeinander zuzugehen. Im Projekt „NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ fügen wir diese Erfahrungen zusam- men und schaffen so Synergien für alle. Unsere Erkenntnis: Unternehmen bie- ten Geflüchteten die Möglichkeit, sich eine eigene Existenz aufzubauen, und nehmen so ihre gesellschaftliche Ver- antwortung wahr. Mehr dazu erfahren Sie unter www.unternehmen-integrie- ren-fluechtlinge.de. 19+ 2 Rainer Dulger, Präsident Arbeitgeberverband Gesamtmetall Gelebtes Engagement Wer die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen heute noch ernst- haft auf die Bereitstellung von Ar- beitsplätzen sowie die Zahlung von Steuern und Sozialversicherungs- beiträgen reduziert, der blendet die Wirklichkeit komplett aus. Nirgend- wo zeigt sich so sehr, was hinter dem Begriff Soziale Marktwirtschaft steckt, wie im vielfältigen gesell- schaftlichen Engagement unserer Unternehmer: Sie setzen auf Ausbil- dung von Fachkräften, ressourcen- schonende Produkte, fördern tech- nologische und soziale Innovationen, übernehmen nachhaltig Verantwor- tung für ihre Mitarbeiter, sind poli- tisch aktiv, sozialverantwortlich und leisten so einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung unserer Gesell- schaft. Zu häufig herrscht in öffent- lichen Debatten ein eindimensiona- les und bösartig verzerrtes Bild der deutschen Wirtschaft. Die Übernah- me von gesellschaftlicher Verant- wortung durch Unternehmen wird viel zu selten beachtet oder unter die Decke gekehrt. Dabei ist hierzulande Engagement in allen gesellschaftli- chen Bereichen sehr weit verbreitet, gerade vor der eigenen Haustür. In unserem Familienunternehmen Pro- Minent beispielsweise gehört die Unterstützung zahlreicher sozialer Einrichtungen und Institutionen aus den Bereichen Technologie und Wissenschaft in der Region seit der Gründung zur Unternehmenskultur. Unternehmern ist klar: Aus wirt- schaftlichem Erfolg erwächst die ge- sellschaftliche Verantwortung, auch anderen Menschen Chancen zu er- möglichen. DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Gottfried Rüßmann, Vorstandsvorsitzender DEVK Versicherungen Wir packen mit an Als Versicherungsverein auf Gegen- seitigkeit übernehmen wir seit 130 Jahren Verantwortung – nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für un- sere Mitarbeiter und die Gesellschaft, in der wir leben. Soziales Engage- ment ist uns sehr wichtig. Seit vielen Jahren konzentrieren wir uns auf So- cial Sponsoring vor allem für Kinder und Jugendliche. So waren wir im September zum 22. Mal Hauptspon- sor des Weltkindertags in Köln. Uns tatkräftig für Menschen stark zu ma- chen, die Hilfe brauchen, verstehen wir als unsere Aufgabe. Das ist nicht nur unsere Pflicht, sondern auch eine Herzensangelegenheit. Im Rahmen unserer Tatkraft-Tage krempeln jähr- lich bundesweit über 150 DEVK-Mit- arbeiter die Ärmel hoch, um Kindern, Senioren und sozial benachteiligten Menschen zu helfen. Auch 2016 in- vestieren Mitarbeiter wieder mehr als 1.000 Arbeitsstunden für den gu- ten Zweck. Wir stellen die helfenden Mitarbeiter frei, organisieren und finanzieren die Aktionen. Außerdem machen wir uns mit unserem neuen Spendenportal „Pack mit an“ für sozi- ale Hilfsprojekte stark. Wir spenden für jede Neukundenempfehlung auf Wunsch 30 Euro an das Lieblings- projekt des DEVK-Versicherten, der den Neukunden geworben hat. Und die unersetzliche ehrenamtliche Ar- beit so vieler Menschen in Deutsch- land würdigen wir seit Jahren mit günstigem Versicherungsschutz für Inhaber einer Ehrenamtskarte. Beiseitestehen Immer wieder passiert es, dass Mit- arbeiter in Unternehmen gemobbt werden. Viele Unternehmen gehen dagegen nicht wirksam vor. Sie las- sen es einfach laufen und scheuen den Konflikt. Dabei tragen auch sie die Verantwortung dafür, wenn Men- schen deshalb Ängste durchleiden und arbeitsunfähig werden. Miranda D., Leserin Nur Regeln helfen Wenn Unternehmen, die mit Ent- wicklungs- und Schwellenländern kooperieren, auch die Verantwor- tung für die dortige Armutsbekämp- fung mit übernehmen würden, könn- ten dadurch auch Fluchtursachen entscheidend bekämpft werden. Es ist also dringend geboten, hier nicht mehr nur von Verantwortung zu sprechen, die in alle Richtungen ge- dehnt werden kann. Es sollten strikte Regelungen, am besten länderüber- greifende, festgelegt werden. Karl-Günther Braun, Leser Gefährliche Doppelmoral Ich finde, dass gerade große Unter- nehmen es nicht so genau mit der Verantwortung nehmen. Man neh- me zum Beispiel einen großen Elek- tronikhersteller, der eine Frucht im Logo hat. Die Steuermentalität die- ses Konzerns ist unter dem Gesichts- punkt der Verantwortung gesehen mehr als nur fraglich. Im Gegenzug wird aber mit der ökologisch nach- haltigen Produktion der Geräte ge- worben. Komisch. Rainer Winkelmann, Leser Auch im Ernstfall Eine große Verantwortung, die ein Unternehmen zu tragen hat, ist für mich der Arbeitsschutz. Ich habe 28 Jahre lang als Dachdecker gearbei- tet und bin letztes Jahr im Oktober bei der Arbeit verunglückt. Mein ehemaliger Arbeitgeber hatte es mit den Schutzmaßnahmen nicht so ge- nau genommen. Das Gerüst, von Klaus Dieter Kunze, Leser Feste Bindungen Soziale Verantwortung ist für große Unternehmen schon immer ein wich- tiges Thema gewesen. So ist es zum Beispiel der Familie Krupp zu ver- danken, dass kostengünstige Woh- nungen neben der Fabrik entstanden sind und wir dadurch heute unsere Sozialsysteme haben. Krupp war es wichtig, dass sich seine Mitarbeiter wohlgefühlt haben und die Firma wie eine Familie sahen. Heutzutage gehen manche Unternehmen sogar noch etwas weiter, was mich manch- mal eher an eine Sekte erinnert. Aber alles in allem ist es wichtig, dass sich Elena Trautmann, Leserin Unternehmen um ihre Mitarbeiter kümmern, denn das Humankapi- tal wird in Zukunft über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. dem ich gestürzt bin, hätte gar nicht mehr verwendet werden dürfen. Ich kämpfe bis heute noch vor Gericht, um meine Existenz sichern zu kön- nen. Leider nimmt mein ehemaliger Chef es mit der Verantwortung nicht so ernst. Der Teufel im System Ich erwarte von einer Unterneh- mensphilosophie, dass Wert auf ei- nen würdevollen Umgang mit den Angestellten gelegt wird. Gespräche müssen freundlich und sachbezogen verlaufen. Der in der Hierarchie Un- Susanne L., Leserin terstellte darf nicht ausweglos den Launen des Vorgesetzen ausgelie- fert werden. Kein leichtes Vorhaben in einer Unternehmensstruktur, die durch starke Hierarchie und Abhän- gigkeit geprägt ist.
  11. 11. AnzahlderTafeln + 320 › W I R F R A G E N : © iStock./Lorado ... und was ist Ihre Meinung? www.plus-drei.de antwort@plus-drei.de WAS STÄRKT UNSERE GESELLSCHAFT? Panik ist ein schlechter Ratgeber Wer die Wähler der AfD lediglich als Protestwähler definiert, macht es sich zu einfach. Die subtile Furcht vieler Mitbürger trägt seltsame Früchte. Den Deutschen ging es noch nie so gut wie heute – und dennoch die- se tiefe Unzufriedenheit, die Angst vor Verlust und Überfremdung. Die globalisierte Welt ist eine andere als vor 20 oder 30 Jahren. Sie stellt ihre eigenen Gesetze auf. Flüchtlingsströ- me werden deshalb nicht versiegen, weil man Zäune baut oder Obergren- zen festlegt und so tut, als ginge es einen nichts an. Menschen werden in Camps wie in eine Deponie gekehrt. Menschlicher Abfall. Man fühlt sich nicht verantwortlich für das Schick- sal der Flüchtlinge. Dieses Verhalten schafft eine explosive Mischung, die vor keinem Zaun, keiner Barriere Halt machen wird. Wir leben zu- nehmend in einer kosmopolitischen Gesellschaft, die sich nur dann be- haupten wird, wenn man Verände- rungen zulässt, ohne sich selbst und seine Identität dabei aufzugeben. In der Erkenntnis, dass Veränderungen unausweichlich und auch notwendig sind, erwächst eine gesellschaftliche Stärke. Strukturierte Zukunftspers- pektiven, Ursachenbekämpfung und nicht die Verwaltung der eigenen Befindlichkeit lässt Entwicklungen zu. Der Schritt zurück ist keine Op- tion, auch das Verharren im Status quo nicht. Die Entwicklung wird den Unvorbereiteten überrollen. Eine starke Gesellschaft begreift und han- delt und moderiert ihrerseits die Ent- wicklung. Arved Fuchs, Expeditionsleiter und Buchautor 21+ 3 Janett Juschka, Diözesanvorsitzende der Pfadfinderinnen- schaft St. Georg (PSG) Münster Kitt der Gesellschaft Wir brauchen Menschen, die sich engagieren und für andere einset- zen. Wir brauchen eine Kultur der Gegenseitigkeit, eine Kultur der Ge- meinschaft. Und es gibt sie: Rund 17,5 Millionen Menschen sind ehren- amtlich in Deutschland aktiv – auch Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Sie sind ganz nach dem Motto des Grün- ders der Pfadfinderbewegung „all- zeit bereit.“ Vor rund 17 Jahren habe auch ich mein Versprechen als Pfad- finderin abgegeben, mich für Gerech- tigkeit und Solidarität in der Gesell- schaft einzusetzen. Teil der weltweit größten Jugendbewegung zu sein, bedeutet sowohl internationale Ge- meinschaft als auch vor Ort aktiv zu sein. Schon als Kind habe ich in der PSG Demokratie und Kindermitbe- stimmung erlebt. Die Erfahrung, dass meine Meinung und Ideen ernstge- nommen wurden, hat mich gestärkt. Denn um etwas zu bewirken, bin ich nun Diözesanvorsitzende. Aber wie bewirkt man etwas? Die PSG und die anderen Verbände in den Rin- gen deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände sind ein Ort, um Demokratie und Toleranz zu lernen und sich einzusetzen: Es ist möglich, sich für Ämter zur Wahl zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. In Gruppenstunden beschäftigen wir uns mit politischen, gesellschaftli- chen und religiösen Themen. Wir setzen uns in Gesprächen mit politi- schen Akteuren jugendpolitisch ein. Stets versuche ich mit offenen Au- gen durch die Welt zu gehen und auf Missstände aufmerksam zu machen. Ich bin allzeit bereit! Nur 32 Prozent aller deutschen Familien unternehmen mindestens einmal im Monat etwas zusammen, 14 Prozent tun dies sogar nie. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung Kinder brauchen Musik „Starke Mädchen haben nicht nur schöne Augen, starke Mädchen ha- ben Fantasie und Mut.“ So heißt es in einem meiner Lieder und weiter: „Starke Jungs sind stark genug, um nachzugeben, starke Jungs, die fall’n auf Sprüche nicht herein.“ Von Kin- dern gesungen werden solche Zeilen zur Selbstaffirmation. „Kinderlieder“ können diese besondere Kraft haben, die sich in der Wiederholung entfal- tet. Ich komme bei der Frage, wie wir unsere Kinder stärken können, zwangsläufig zuerst auf die Musik, denn seit 40 Jahren war dieses Ziel ei- ner meiner Hauptbeweggründe zum Lieder schreiben. Hinzu kam schon bald, und mit Gründung meiner Stif- tung „Kinder brauchen Musik“ 2004 ganz dezidiert, das Bestreben, Kin- der zu einer aktiven musikalischen Kindheit zu führen. Singende und musizierende Kinder werden stärker für das Miteinander. Sie lernen, dass Zuhören wertvoll ist. Sie wagen es, sich vor die anderen zu stellen und den Ton anzugeben, ebenso können sie sich zum Wohl der Gruppe ein- ordnen. Die musikalische Förderung lässt Kreativität, Selbstvertrauen, Einfühlsamkeit und Teamfähigkeit gedeihen – Schlüsselkompetenzen, die unsere Gesellschaft und die De- mokratie dringend braucht. Ermuti- gen wir die Kinder, zu träumen und das Machbare selbst herauszufinden. Das unmöglich Scheinende wird sie noch oft im Leben herausfordern. Erfinder, Politiker, Freiheitskämpfer oder auch Unternehmer können da- von ihre eigenen Lieder singen. Rolf Zuckowski, Komponist, Textdichter und Sänger Geistige Nahrung Selbstverständlich ist, dass hinter dem Tresen von Apotheken gut aus- gebildete oder studierte Menschen stehen, die über Risiken und Neben- wirkungen der Arzneimittel beraten. Genauso gewohnt ist, dass Apothe- ken im Quartier sind. Selbstverständlich muss hinter dem Tresen der „Apotheken des Geistes“, wie es der Wiener Erzbischof Kar- dinal Christoph Schönborn nannte, hauptamtliches, gut ausgebildetes Bi- bliothekspersonal stehen, das die Be- sucher passgenau und professionell zu ihren jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen berät. Umso wichtiger ist das, da sich in den ersten Lebens- jahren entscheidet, ob Menschen ans Lesen herangeführt werden oder nicht. Städtische Büchereien müssen für alle genauso gut erreichbar sein wie Apotheken, insbesondere für äl- tere Menschen, Kinder, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Fa- milien mit und ohne Migrationsge- schichte sowie Personen mit gerin- gem Einkommen. In unserem Arbeitskreis „Erhalt Bü- cherei Uerdingen“ mit zehn lesefreu- digen, engagierten Frauen und Män- ner setzen wir uns seit 2010 für den Erhalt und seit Mai 2013 für die Wie- dereröffnung der städtischen Neben- stelle der Bücherei in einem Quar- tierszentrum in Krefeld-Uerdingen ein. Seit der Schließung der Bücherei fanden bei jeder Witterung ununter- brochen 172 Montagslesungen statt. Bisher haben Menschen im Alter von 7 bis 95 Jahren vorgelesen. Zu den Lesungen kommen zwischen 15 und 70 Personen. Denn unsere Gesell- schaft braucht Geist. DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Christian Kipper, Geschäftsführer Deutsche Fernsehlotterie und Stiftung Deutsches Hilfswerk Der kleine Beitrag Solidarität und Zusammenhalt machen unsere Gesellschaft stark. Denn eine Gemeinschaft definiert sich auch über ihre Menschlichkeit und ihre Erfolge, die Wohlergehen und Fürsorge schaf- fen. Solche Ideale sind wichtig und sorgen für eine Bindung innerhalb der Gemeinschaft. Doch wie motiviert man Menschen zu gegenseitiger Hilfsbereit- schaft? Klar, Vorbilder haben hier eine tragende Funktion. Aber auch kleine Taten können aufzeigen, wie man Gu- tes tun kann. Das hat uns nicht zuletzt die Flüchtlingskrise gezeigt: Die vielen Engagierten halfen mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen – mal im kleineren, mal im größeren Rahmen, eben jeder wie er konnte. Und Vorbil- der fanden sich überall: Im Freundes- kreis, in der Nachbarschaft, im Büro. Immer mehr Engagierte setzen sich für Belange in ihrem direkten sozialen Umfeld ein. Gerade dort wird deutlich, wie wichtig Solidarität für eine lebendi- ge Gemeinschaft ist. Aber auch Helfern muss geholfen werden: So ist die Deut- sche Fernsehlotterie seit 60 Jahren eine Stütze des Gemeinwesens. Ihre Mit- spieler helfen mit dem Kauf eines Loses dort, wo Hilfe gebraucht wird und un- terstützen Engagierte somit finanziell. Dieses Engagement reicht vom Dorf- coach in Mecklenburg-Vorpommern, der gegen die Vereinsamung alter Men- schen kämpft, über das Kinderheim in Thüringen, wo Kinder ein zweites Zu- hause finden, bis hin zum Pflegeheim für junge Menschen mit neurologischen Erkrankungen in Baden-Württemberg. Kenne deinen Nächsten Früher waren es die Familie, die Nachbarn, das Dorf, was zusammen- hielt. Heute kennen viele noch nicht einmal die anderen Mietsparteien im Haus. Wer sich gegenseitig stärken will, muss sich auch kennen. Oft hilft es schon, bei den Nachbarn zu klin- geln und sich vorzustellen. Zuhören und einspringen, wenn Hilfe nötig ist, ist dann kein großer Schritt mehr. Susanne Kerner, Leserin Bringt euch ein Unsere heutige Gesellschaft ist dar- auf angewiesen, dass sich jeder ein- zelne engagiert. Das kann passieren, indem man Kuchen auf Turnieren verkauf, um die Kasse des Sport- vereins aufzufrischen, oder bei der Elternbeteiligung in der Schule, die Teil jedes Schulkonzepts ist, oder seit letztem Jahr zunehmend in der Flüchtlingshilfe. Jeder setzt andere Schwerpunkte und nicht jeder muss sich für alles einsetzen. Aber Men- schen, die sich aus allem heraushal- ten, lehnen es nicht nur ab, andere zu stärken, sie sind damit auch selbst kein starker Teil der Gesellschaft. Petra Eisenberg, Leserin Susanne Tyll, Leserin Macht mit Eins der simpelsten Dinge ist, wählen zu gehen. Aber selbst dieses kleine Kreuz scheint für ein Drittel der Ge- sellschaft schon zu aufwendig. Robert Weiss, Leser DIE TAFELN – SO ENTWICKELTE SICH DIE ORGANISIERTE LEBENSMITTELSPENDE IN DEUTSCHLAND SEIT IHRER GRÜNDUNG Quelle: Bundesverband Deutsche Tafel, Statista
  12. 12. Soziale Sicherung 37 29 24 20 19 18 18 12 7 4 Wirtschafts- und Finanzpolitik Rentenpolitik Kriminalität/Frieden/ Sicherheit Umweltschutz Arbeitsmarktpolitik Migration/Ausländer Vertrauensverlust in die Politik Bildungspolitik Gesundheitspolitik Schule, Hochschule 23% Kirchengemeinde, kirchliche Gruppe 15,2% Jugendorganisation, Jugendgruppe 11,5% Projekt, selbst organisierte Gruppe 11% Re ungsdienst, freiwillige Feuerwehr 7% Hilfs- organisation 3,7% Bürgerinitiative, Bürgerverein Gewerkschaft Partei 1,9% Verein 39,7% Allein, durch persönliche Aktivität 35%Anderes Wirkungsfeld 26,1% 2% 2% Anteil der Befragten in % 0 5 15 2010 25 30 35 40 WAS SIND DIE HERAUSFORDERUNGEN UNSERER ZEIT UND WO ENGAGIERT SICH DER EINZELNE? Ergebnisse von Umfragen zu den größten Problemen von heute (links) und den Arten des politischen und sozialen Engagements (rechts) in Deutschland Quellen: BMUB, Shell, Umweltbundesamt, Statista + 322 Thomas Krüger, Präsident Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) Wieder mehr Diskurs Unsere Gesellschaft wird immer viel- fältiger. Verschiedene Teile dieser Gesellschaft fühlen sich aus unter- schiedlichen Gründen politisch nicht mehr repräsentiert. Ob dieses Ge- fühl berechtigt ist, sei dahingestellt. So geht es nicht weiter. Vielleicht ist es an der Zeit, die statisch geworde- ne Repräsentativdemokratie durch mehr Diskurs zu ergänzen? Unsere Gesellschaft ist herausgefordert, ein neues „Wir“ auszuhandeln. Demokra- tie ist mehr als nur das Durchsetzen von Mehrheitsmeinungen. Sie beruht auch darauf, Minderheitenrechte zu garantieren und baut fest auf die Ge- waltenteilung. Integration ist eine He- rausforderung für alle Menschen und nicht nur für jene, von der die Mehr- heit sagt, sie müssten sich integrieren. Auch hier gilt, was Paul Watzlawick einst sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Kontroverses muss auch kontrovers diskutiert werden. Für mich hieße das: mehr öffentliche Diskussion, mehr öffentliches Ab- wägen und Aushandeln von Positi- onen und ja, auch mehr öffentlicher Konflikt. Gute Zeiten für politische Bildung und eine große Chance, die Bürger wieder als aktive Demokraten zu gewinnen. Denn warum sollten sie sich deren Feinden motiviert ent- gegenstellen, wenn sie selbst nur aus alter Gewohnheit an das Versprechen von Mitsprache und Gemeinwohl glauben? Also: Raus aus dem moder- nen Biedermeier! Die Schleusen auf und den politischen Diskurs von der Leine! Heute gilt mehr denn je: Kopf hoch und nicht die Hände! Friedrich von Metzler, Bankier und Mäzen Motor für die Zivil- gesellschaft Das bürgerschaftliche Engagement ist eine der schönsten Traditionen meiner Heimatstadt Frankfurt am Main: Hier gab es nie einen Fürs- tenhof – was den Bürgern wichtig war, haben sie seit jeher selbst in die Hand genommen. Das Städel- Museum, das Bürgerhospital, die Senckenberg-Gesellschaft für Na- turforschung oder die Goethe-Uni- versität sind beste Zeugnisse dafür, was gelingen kann, wenn Bürger sich engagieren. Diese Aufzählung ließe sich mühelos fortsetzen. Ich beobachte mit großer Freude die Vielfalt der Initiativen vieler Bürger in ganz Deutschland – in der Nach- barschafts- und Flüchtlingshilfe, in Bildungsfragen oder in der Kultur- förderung, um nur einige Beispiele zu nennen. Unsere westliche Zivili- sation ist mit Aufgaben konfrontiert, die der Staat alleine nicht lösen kann und soll. Er braucht den mitden- kenden Bürger, der aktiv und ver- antwortlich am Gemeinwesen teil- nimmt. Die Weichen für unser Leben von morgen werden heute gestellt. Gesellschaft für alle Eine starke Gesellschaft zeichnet sich durch Solidarität, ein hohes Maß an sozialer Gerechtigkeit, die immer auch Steuergerechtigkeit beinhalten muss, aus. Nur Chancengleichheit in der Bildung und beim Zugang zur Kunst und Kultur, unabhängig von Einkommen der Eltern, garantieren Kindern und künftigen Generationen optimale Möglichkeiten der sozialen, demokratischen und kulturellen Teil- habe in unserer Gesellschaft. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit als das Ziel eines jeden Menschen ist noch eine Utopie, denn sie ist abhängig von den Bildungschancen, den beruflichen Möglichkeiten, den Verdienstmöglich- keiten jenseits von prekärer Beschäf- tigung, die wir überwinden müssen. Nach neuesten OECD-Studien zeich- nen sich höchst ungleiche Gesell- schaften, in denen die Kluft zwischen Armut und Reichtum besonders groß ist, durch niedrigere wirtschaftliche Wachstumsraten aus. Armut erweist sich auch als wirtschaftliches Hemm- nis. Der Leistungsgedanke wurde ad absurdum geführt. Er sollte für alle Gregor Gysi, ehemaliger Fraktionsvor- sitzender der Linken im Deutschen Bundestag DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Abdullahi Ali, Fußball-Jugendtrainer SG Egelsbach Mein Weg in die Gesellschaft Vor einer Weile haben wir Offenbach geschlagen. 23:0. Die Jungs sind ge- rade mal acht Jahre alt, aber schon so stark am Ball. Bestimmt schaffen es ein paar von ihnen bis in die Natio- nalmannschaft. Ich bin Trainer der F2-Jugend der SG Egelsbach hier bei Frankfurt, habe dafür meinen Schein als Übungsleiter gemacht. Die Arbeit mit den Kindern der SG Egelsbach macht mir großen Spaß. In Mogadi- schu war ich Grundschullehrer. So- malia ist das Land am Ende der Welt. Gewalt wird es dort auch in zehn Jahren noch geben. Schon in Moga- dischu fuhr ich einen C-Klasse-Mer- cedes, ich las über die Studiengänge in Deutschland und die deutsche Wirtschaft. Ich sagte zu meiner Frau: „Wir haben keine Heimat mehr, lass uns dahin gehen, wo alles wirklich gut ist.“ Als wir 2013 anka- men, nahm mich die SG Egelsbach in ihrem Flüchtlingsteam Refugees United auf. Ich finde es einfach nur toll, dass die DFB-Stiftung Egidius Braun Vereine unterstützt, die etwas für Flüchtlinge tun. Ich bin Fan von Thomas Müller und der deutschen Nationalmannschaft. Meine Aufent- haltserlaubnis in meiner neuen Hei- mat ist auf drei Jahre befristet. Wir hoffen aber, bleiben zu dürfen. Ich arbeite sehr viele Stunden in einer Sicherheitsfirma, daneben will ich mich auch als Trainer weiter qualifi- zieren. Denn der Verein hat mir sehr geholfen. Nun will ich dem Verein helfen. Engagement zeigen Meine Zielgruppe sind vor allen Din- gen Kinder, die sich auf Grund ihrer Lebensumstände ganz besonders über Verständnis, Respekt, Anerkennung und Aufmerksamkeit freuen. Wir entwickeln gemeinsam kleine Auf- führungen, in denen auch die Sorgen, Nöte, freudige Ereignisse und eigenes Können ihren Platz finden. Es wird gelobt, aber auch Kritik geübt. Regel- mäßig spiele ich in einer Förderschu- le mit einer Schülergruppe Theater Roswitha Hesse-Stender, Leserin 23+ 3 Engagement bedeutet daher auch, eine sich verändernde Gesellschaft mitzugestalten, Denkanstöße zu ge- ben und Prozesse in Gang zu setzen. Das erfordert Mut, weil man sich diesen Veränderungen stellen muss. Aber es macht auch Mut, wenn man sieht, was sich erreichen lässt. Wenn gemeinsam überlegt wird, was sich verbessern lässt, dann wird gestal- tet nach den Prinzipien von Huma- nismus und Demokratie. Dann zeigt sich eine bürgerliche Gesellschaft von ihrer besten Seite. gelten, beim Einkommen, aber auch bei Beiträgen in Form von Steuern und Vermögensabgaben. Das gilt auch für weltweite Konzerne, die Steuerzah- lungen vermeiden. Eine starke Gesell- schaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie sozial Benachteiligte fördert und Menschen integriert statt ausschließt. Das gilt in besonderem Maße auch für die aus Not Zuflucht Suchenden. und lasse auch in den Deutschunter- richt für Flüchtlingskinder, wann im- mer es sinnvoll ist, das „Darstellende Spiel“ einfließen. Frustrationen und schwierige Situationen werden durch den Mut, sich auf einer Bühne zu prä- sentieren, durch Selbstreflektion und durch wachsendes Selbstbewusst- sein und Selbstvertrauen entschädigt. Natürlich kommen auch manchmal Aufführungen dazu, die von den Zu- schauern beklatscht werden. Biswei- len beschert mir meine Arbeit mit den Kindern regelrechte Glücksmomente. Auf jeden Fall bedeutet sie für mich eine Bereicherung meines Lebens. › Das Ganze sehen Die kleinste Einheit in der Gesellschaft bildet die Familie. Doch was macht Fa- milie eigentlich aus? Ich würde behaup- ten, es ist die bedingungslose Liebe, die dazu führt, dass man sich gegenseitig unterstützt und das eigene Wohl auch so manches Mal hinter das des anderen stellt. Dies lässt sich aber nicht so ein- fach auf einen größeren Kreis übertra- gen. Hier ist es eher das Bedürfnis, der Würde der anderen Menschen auch ge- recht zu werden, bis hin zu Mitleid, die uns andere unterstützen lässt. Es kann auch die Begeisterung für eine Sache sein, die der Gesellschaft dient. Wenn der Kreis aber noch größer und abs- trakter wird, helfen oft nur noch Regeln und Gesetze, durch die wir verpflichtet werden, anderen in bestimmten Situa- tionen zu helfen. Oder auch die Steu- erabgaben, die ein Wohl für die ganze Gesellschaft schaffen. Doch weil wir die Personen und Gruppen, die wir damit unterstützen, nicht persönlich kennen, sind viele eher darauf erpicht, diese Abgaben möglichst gering zu halten. Durch Medien können die Gruppen, die gestärkt werden, ein Gesicht be- kommen, doch sie werden einem natür- lich nie so nah sein wie die Menschen aus dem nahen Umfeld. Gesunde Basis Unsere Gesellschaft ist dadurch stark geworden, dass wir in einem Rechts- staat leben. Weil unabhängige Gerich- te entscheiden und keiner sich über das Gesetz erheben darf. Das ist nicht selbstverständlich. Max Stange, Leser Anna Listrer, Leserin › Anzeige UNSERE AMATEURE. ECHTE PROFIS. „1:0 für ein Willkommen“ unterstützt Vereine, die Flüchtlinge zum Fußballspielen einladen. An der Initiative der DFB-Stiftung Egidius Braun und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration beteiligen sich bereits mehr als 2500 Fußballvereine aus ganz Deutschland. SEIN PASS SPIELT KEINE ROLLE. SEINE PÄSSE SCHON.

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